Alan Bennett: The Uncommon Reader

mal wieder ein buchtipp. kluge gedanken in die form einer entzückenden novelle gebracht. a revelation.

Martin Mosebach, Westend

kleine umfrage: wem habe ich dieses buch ausgeliehen? ich kann mich leider nicht mehr erinnern. wer immer es hat, darf es auch gerne noch behalten, ich wüsste nur gerne, wo es ist.

günter schuler: wikipedia inside, unrast 2007

* wenn man das buch sowieso grad zur hand hat

im detail:
**einführung:
die einführung, genauer gesagt das erste drittel, das mit “außendarstellung” überschrieben ist, ist der gelungenste teil des buches. eine solide aber flott geschriebene darstellung der entwicklung, voraussetzungen und funktionsweisen der wikipedia. kleine fehler im detail fallen innerhalb der insgesamt vergleichsweise ausgewogenen darstellung kaum ins gewicht. dass ich die auswahl der lesenswerten und exzellenten artikel weniger kritisch sehe, tut dem keinen abbruch. erfreulich hingegen ist, dass der autor sich kritisch mit der oft sehr einseitigen medienberichterstattung über wikipedia eingehend auseinandersetzt.
**benutzerführung:
das buch ist leicht zu lesen, in einem manchmal recht flapsigen tonfall geschrieben, der eher den journalisten, der auch unterhalten will, als den analytischen sachbuchautor heraushängen lässt. die gliederung außendarstellung – innenleben – zukunft ist nachvollziehbar, die länge der einzelnen kapitel angemessen. ein umfangreiches glossar hilft auch dem nicht-wikipedianer, obwohl die sprache gerade gegen ende des buches schon recht viel wiki-sprech voraussetzt – vermutlich geht der autor davon aus, dass man sich das bis dahin angeeignet hat.
**cover: bisschen einfallslose collage in smaragd und senf
**umfang: alles in allem 278 seiten
**inhalte:neben der einführung in das was die wikipedia ist, wie sie genutzt wird und wie sie entstanden ist, widmet sich das buch ausführlich einer innenansicht der deutschen wikipedia. in dieser hinsicht betritt das buch neuland, denn bisher waren tiefgreifendere analysen, die einem allgemeinen publikum zugänglich sind, in der regel auf die englische sprachversion beschränkt.
leider erscheint dieser teil vielfach sehr bemüht, politische positionen aus der wikipedia abzulesen, bzw. den akteuren der wikipedia einen bestimmten politischen standpunkt zu attestieren. das wirkt vielfach wenig überzeugend und strapaziert oftmals den gegenstand über. die feinsinnigen unterscheidungen zwischen “linksterrorismus” und “bewaffnetem kampf”, die der autor dabei für sich in anspruch nimmt und bei der wikipedia nicht unbedingt eingelöst sieht, mögen einen eindruck geben.
zudem scheint günter schuler einem grundlegenden missverständnis aufgesessen zu sein, was die vermeintliche phalanx der “projektverantwortlichen” angeht. unter diesen begriff subsumiert schuler die administratoren und macht sie somit kollektiv für eine reihe von regelungen, darstellungsweisen, ja für die grundsätzliche ausrichtung des projektes verantwortlich. es ist schade, dass ihm auch während der sechs monatigen recherche als “embedded” journalist nicht aufgefallen ist, was für ein unkoordinierter haufen die administratoren der deutschen wikipedia sind. man kann gar nicht sagen, welche version die schlimmere ist – das tatsächliche oft vorhandene chaos, oder die von schuler diagnostizierte einmütigkeit.
das buch endet mit einem ausblick in die zukunft – die ratschläge von herrn schuler, um wikipedia auf den seiner meinung nach rechten (linken?) weg zu bringen, kann man nach alldem nur noch schmunzelnd zur kenntnis nehmen – so empfiehlt er allen ernstes einen betriebsrat für autoren. (sein verquastes verständnis der “autorenrechte” hatte mich schon am stammtisch verwundert, und übrigens, lieber benutzer:roger koslowski, dadurch dass du mich beim stammtisch zielsicher als krankenschwester identifiziert hast, hast du mir bei der lektüre deiner ausführungen zur männlichen unterdrückung weiblicher benutzer viel freude bereitet.)
**hintergründe:der frankfurter journalist günter schuler hatte sich unter dem benutzernamen roger koslowski für einige monate in der wikipedia bewegt, um für ein buch über das innenleben der wikipedia zu recherchieren. zusätzlich führte er interviews mit einigen “prominenten” wikipedianern und besuchte zwei stammtische.
**extras:im anhang gibts eine editieranleitung für neu-wikipedianer und die verlagswebsite hält eine kommentierte linkliste bereit
**homepage: www.unrast-verlag.de
**fazit:teils gerade für außenstehende informativ und unterhaltsam, teils doch sehr angestrengt politisch bis verschwörungstheoretisch. dass das buch in der verlagswerbung nun als enthüllungsgeschichte vermarktet wird, dürfte der reputation des autors nur bedingt zugute kommen.

noch ein update

und weil es fragen gab: hier ist nicht nur sommerloch sondern auch examensvorbereitung ausgebrochen. und weil juli zeh schon 2003 examen gemacht hat, meine wahlstation bei der staatsanwaltschaft inzwischen gesichert ist und das neue buch ein krimi ist, hier noch ein von mir selbst noch ungelesener buchtipp.

best of – park avenue

mit der sonntagszeitung kam diese woche ein “best of” des “personality-magazins” park avenue auf mich. die besten geschichten (seit wann eigentlich?) sollen motivieren, sich das magazin öfter mal zu kaufen.

das hochglanzprodukt enthält u.a. reportagen über gloria von thurn und taxis, abramovich (das ist der mit dem fc chelsea), sabine christiansen und den “tragischen tod” prinz kiko von hohenlohes.

prinz kikos tod ist ein trauerspiel. der arme prinz ist aufgrund des schlimmen schicksals seiner vorfahren liechtensteiner staatsbürger. dass er deshalb statt eines 14- nur ein 30-tages-visum bekam, wurde ihm, so der artikel, zum verhängnis. die vorfahren sind also schuld. daran, dass der gute sein visum aber mit kuli um ein ganzes jahr verlängert hatte – das erfahren wir ebenfalls im artikel – hätten auch die vorfahren nichts mehr ändern können. danke, park avenue!

herr abramovich dagegen hat park avenue vor allem mit lustigen photos aus seinem leben versorgt. ach wie war es doch lustig in russland und so weiter. bei einer party bläst abramovich eine klarinette. park avenue klärt die leser in der bildunterschrift auf, dass abramovich nicht nur mit der flöte, sondern auch mit aladins wunderlampe umzugehen wisse. wieder was gelernt. danke, park avenue!

sabine christiansen kann einem leid tun. die reportage vermittelt glaubwürdig, dass hier ein workaholic zu gange ist, der sich selbst zugrunde zu richten im stande ist. ja, denkt der leser, und jetzt haben sie ihr auch noch ihre sendung weggenommen. park avenue denkt soweit voraus noch nicht, sondern philosophiert lieber über das kommende internationale allianz-finanzierte engagement bei cnbc. was ist daraus eigentlich geworden? so lobe ich mir ein best of. danke, park avenue!

das schönste schmankerl bereitet aber herr von schönburg, der sich in einem beitrag seiner schwester, gloria von thurn und taxis widmet. der beitrag strotzt dermassen vor unkritisch-kleinbrüderlicher bewunderung und ergebenheit, dass man, wenn man der aussage des artikels glaubt (gloria, die starke, wilde, entschlossene, selbst ist die frau), nur zu dem schluss kommen kann, dass gloria den text selbst verfasst hat. welch ein einblick! danke, park avenue!

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