Ich war zunächst skeptisch, und das nicht, weil ich so ein großer Fan der Originalserie aus den Siebzigern gewesen wäre. Die Tatsache, dass sich auf meinem Fernseher RTL2 auf Programmplatz 32 befindet, spiegelt in etwa wieder, was ich von den dort laufenden Sendungen und dem Sender an sich halte. Manchmal findet man zwischen dem Restmüll der Unterhaltungsindustrie aber doch etwas Gutes: die Rede ist von Battlestar Galactica.
Was macht die Neuauflage der bekannten Serie um die Menschheit und ihren Kampf gegen die Zylonen so gut?
1. Die Effekte: Für eine Fernsehserie (!) ausgesprochen edle Special Effects, die sich auch vor manchem aktuellen Kinofilm nicht verstecken müssen.
2. Die Story: Der Kampf der Menschheit um ihr Überleben, ein klassischer Stoff. Der Kampf gegen eine von Menschen erschaffene Roboterrasse war schon in der alten Serie ein guter Aufhänger und wird hier konsequent weitergeführt (Zylonen sehen jetzt aus wie normale Menschen). Dabei ist BG nicht bloß eine Fortsetzung, sondern eher eine Neuinterpretation des bekannten Stoffes. Der Inhalt der einzelnen Episoden ist abwechlungsreich und es gibt genug interessante Handlungsstränge, die über viele Folgen weiterverfolgt werden (im Fernsehen sagt man dazu wohl “arc”).
3. Das Setting: Das gesamte Battlestar Galactica-Universum wirkt irgendwie stimmig. Die Technologie, Religion, der Umgangston, das alles wirkt nicht dermaßen gekünstelt wie z.B. in Star Trek, und lässt stets die Entwicklung der Story und der Charaktere im Vordergrund stehen. Dazu trägt sicherlich auch die etwas nervöse Kameraführung bei, die dem ganzen wohl Realismus geben soll, manchmal aber auch tierisch nervt.
4. Die Charaktere: Nicht nur, dass die Charaktere per se durchaus interessant sind, man bekommt auch viel von ihrer persönlichen Entwicklung mit. In Battlestar Galactica wird fast lehrbuchmäßig vorgeführt, wie man das Verhalten einer Person nach außen hin zeigt und abgrenzt gegen ihre innere Verfassung. JEDER hat hier seine Leichen im Keller. Das Vergnügen am Zusehen ergibt sich unter anderem daraus, dass man soviel mehr weiß von jedem einzelnen als der Rest der Charaktere.
5. Der Suchtfaktor: Aus dem Wissen über die Charaktere, ihre wirkliche Verfassung und ihre Intentionen wird man regelrecht ins Geschehen mit hineingezogen. Man fürchtet jede Minute, dass irgendetwas Furchtbares passieren MUSS, weiß aber nicht genau, was — also bleibt man dran. Die so erfolgreiche Serie LOST benutzt ein ähnliches Prinzip, wobei bei LOST sicherlich der Mystery-Faktor noch mehr im Vordergrund steht. Mystery gibt es auch bei BG, doch fehlt hier am Ende der meisten Folgen nicht ein gewisses Maß an Closure, das den Zuschauer zumindest etwas aufatmen lässt. Genug Spannung auf die nächste Folge wird trotzdem gehalten, diese Kombination gefällt mir persönlich besser als LOST, wo ich nach ca. 15 Folgen Mitraten und Kopfkratzen abgeschaltet habe, weil ich mir von dem ständigen Aufmachen neuer Rätsel und Unmöglichkeiten regelrecht veralbert vorkam.
Kurz gesagt: 3 Daumen hoch für Battlestar Galactica. Wer sich die DVD-Box zur Season 1 anschaffen möchte, sollte darauf achten, dass es eine Version inklusive dem 180minütigen Pilotfilm ist, den man am besten zuerst sehen sollte.
Season 1 kommt auf Deutsch Ende August raus, der Originalton ist aber auf jeden Fall vorzuziehen.
Die UK oder US-Version gibt es manchmal um 30 bei Ebay/Amazon.