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Kaiserstrasse damals und heute

Irgendwas stimmt mit der Perspektive auf der rechten Seite nicht. Ich frage mich, ob da ein Haus fehlt.

Deponie Kemna

Nahe Erfurt Papier bei Beyenburg gab es früher einen kapitalen Steinbruch der Scheinbar mit Abfall verfüllt wurde. Jetzt findet man dort solche Schilder:

Hilfe!

Paternoster

Paternoster sind eine Kuriosität, die man eigentlich nur noch aus Comics, Zeichentrick- und 60 Jahre Filmen kennt. Wenn man beim Kölner Kaufhof vom Parkhaus her kommt, gibt es noch einen zu sehen.

Paternoster im Kaufhof Köln

Ich war extra mit den Kindern da, damit sowas mal in echt sehen,

Wupperbrücke in Dahlhausen

Wupperblick

Irgendwo habe ich gelesen, dass vor der Aktuellen Brücke über die Wupper in Dahlhausen “100m weiter” eine Brücke existiert haben soll.

Die Frage ist: wo ist 100m weiter? Stromaufwärs könnte es da gewesen sein, wo jetzt Abwasserrohre die Wupper kreuzen. Oder Stromabwärts? Da muss ich wohl noch suchen gehen.

Haferkasten in Funkenhausen

Auf der Radevormwalder Denkmalliste gibt es vier Haferkästen, die wohl alle aus dem dreissigjährigen Krieg stammen. Warum grade da Haferkästen so in Mode waren weiss ich nicht, aber hier ist ein Bild von dem in Funkenhausen:

Haverkasten Funkenhausen anno 1630

Das neue Haver Denkmal

Neben dem Grabkreuz von Pastor Karl Haver, dass ein Denkmal im rechtlichen Sinne ist, gibt es noch ein Denkmal für Pastor Haver, das ein Denkmal im Sinne von “Andenken” ist.

Das ganze befindet sich mitten auf dem Friedhof der Martinigemeinde, auf dem Haver bestattet wurde, noch bevor das Grundstück von den Behörden als Friedhof genehmigt wurde.

Kurz nachdem das erste Foto 2005 gemacht wurde, wurde das Denkmal zum 200. Geburtstag von Haver umgestaltet.

Denkmal auf dem Martini-Friedhof

Haver-Grab, neusete Fassung

Ich mochte die alte Fassung lieber.

Ansichten: altlutherische Schule in der Uelfestrasse

Aus “Radevormwald in alten Ansichten Band 2″ von Bernd Sieper stammt das folgende Foto, das dort undatiert unter Nummer 52 geführt wird (Ich hoffe es ist alt genug, um nichtmehr dem Urheberschutz zu unterliegen).

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Es handelt sich dabei um das Haus Uelfestraße 15, worin die Volksschule der Martinigemeinde untergebracht war.

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Sieber berichtet, dass “bereits 1933 der Confessionelle Charakter der Schule aufgehoben wurde”. Wann genau der Schulbetrieb bei dem Gebäude aufgenommen und wann er wieder eingestellt wurde, habe ich noch nicht herausgefunden. Bei der Firma Lewandowski gibt es Bilder von der Sanierung vor einigen Jahren auf denen man deutlich erkennen kann, dass die Bausubstanz deutlich älter ist, als es die geschmackvolle 80er Jahre Fassade vermuten lässt.

Neu hinzugekommen ist der Saal im Osten, der nun den Blick auf “die Molkerei”, Haus Uelfestrasse 19, versperrt.

Spannend ist, dass durch die Umbauten die Fenster kleiner geworden sind. Im hinteren Teil gab es wohl im ersten Stock eine Mischung aus Fenstern in Bodennähe und Fenstern in der Dachschräge – heute kaum noch anzutreffen. Diese Besonderheit wurde durch größere Dachfenster ersetzt.

Und natürlich: es gab auf dem ganzen Kirchengelände jede Menge Bäume – das ist leider vorbei.

Kaiserstraße 61 – armer Tor, so schlau, wie zuvor.

Ich war im Stadtarchiv, um herauszufinden, wie das denn nun mit der Nutzung der Kaiserstraße 61 als Gemeinderaum der altlutherischen Gemeinde war.

Leider ist die Quellenlage zu den Häusern im Stadtkern ehr schlecht. Da hat man wohl einfach gebaut. Im Stadtarchiv stammt das erste Dokument von 1909 – 57 Jahre nach den Vorfällen um den Tod Havers. Es war der Bauantrag für eine Werkstatt hinter dem Haus.

Also nicht so ganz was ich gesucht habe. Was ich aber zumindest lernen konnte: das Grundstück geht sehr weit nach hinten weiter und die Baupläne sahen damals sehr viel schicker aus, als heute.

Wenn man sich Unterlagen von 1853 um den Mordprozess herum anschaut, dann war das anwesen wohl großzügig und mit erheblicher Landwirtschaft verbunden. Kann ich mir alles an der Stelle gar nicht gut vorstellen.

Der Tod Karl Havers

Die Festschrift der lutherischen Landeskirche von 1907 hat auch einen recht ausführlichen Bericht über den Tod Havers (S. 70ff). Was klar sein muss: dieser Text ist ein Zeitdokument und keine objektive Wahrheit. Viele der berichteten Details widersprechen anderen Quellen.

Scheinbar waren alle Beteiligten höchster Sorge, dass es sich bei dem Mord um einen religiös motivierten Terroranschlag gehandelt haben könnte. Wie erleichtert war man …

[...] als das unheimliche Dunkel des Mordes gelichtet wurde. Dies geschah am Begräbnistage Pastor Havers.

Es war bereits vorher bekannt geworden, daß auf dem Hofe Hermannshagen, den Haver an dem Nachmittage des Mordes passiert hatte, ein Mann mit einer großen Jagdtasche hinter ihm hergegangen war. Früh am Begräbnistage erschien nun in einem Wirtshause an der Grenze der Gemeinde ein Mann mit einer großen Jagdtasche um die Schulter, der sich durch seine Reden verdächtig machte. Auf seiner Wanderung durch die Wirtshäuser kam er auch in Kreise, die von der Jagdtasche gehört hatten. Sogleich wurde dem Bürgermeister Anzeige gemacht. Dieser ordnete sofort die Verfolgung und Verhaftung des Mannes, an – und es gelang, Ihn in seiner Heimatgemeinde, etwa zwei Meilen von Rade, zu verhaften. Noch an demselben Abend wurde er eingebracht und vor den Staatsanwalt geführt. Nach anf änglichem leugnen gestand er am folgenden Morgen den Mord ein. Er war mit geladener Pistole in der Jagdtasche eine Stunde lang hint er seinem Opfer hergeschlichen und hatte Pastor Haver an der einsamen Stelle – wo noch heute die sogenannte “Haverbuche” steht – aus nächster Nähe von hinten erschossen. Bei der Ortsbesichtigung führte er die Gerichtskommission zu einem nicht fernen Hülsenbusch, unter welchem er die Mordwaffe versteckt hatte; dort fand man sie unter einer leichten Schneedecke, die seitdem Sich darüber gelegt hatte. Wie war der Mensch zu seiner ruchlosen Tat gekommen? Er war der Neffe eines gewissen Konrad Schäfer in Radevormwal d und von diesem zu dem Mord angestiftet worden.

Schäfer bewohnte seit einigen Jahren das Haus (wo heute der Fa­brikant Herr Otto Rocholl wohnt), das ihm von einem Elberfelder Herrn dem Rentier H. zu mietfreier Bewohnung über lassen war.

Als nun Herr Pastor Haver die Separation vorbereitete, wurde ihm ein Teil dieses Hauses von H. überlassen. Die Schäferschen Eheleute, die nur noch eine Parterre-Wohnung behielten, meinten sich dadurch aus sicher Existenz verdrängt. Es entstand nun in dem rohen, gewalttätigen Menschen der satanische Gedanke, den Pastor Haver aus dem Wege zu räumen, um dadurch wieder in den ungestörten Genuß seines früheren Besitzes zu kommen. Da er wußte, daß sein Feind den 21. Januar einen Gang in die Gemeinde und zwar allein machen wollte, so wählte er diesen Tag für die Ausführung des Verbrechens. In der sicheren Berechnung, daß der allgemeine Verdacht sich gleich auf ihn lenken würde, wenn er selbst die Tat ausführen würde, ließ er seinen Neffen Karl Keßler kommen, um diesen als Werkzeug zu benutzen. Durch allerlei Mittel – er versprach ihm zum Beispiel eine Kuh, traktierte ihn mit Branntwein – machte er ihn zu der Mordtat willig, die er dann auch, wie erwähnt, am folgenden Nachmittag ausführte.

Am 9. Juli d. J. wurde dann von den Assisen zu Elberfeld Karl Keßler der vorsätzlichen doch ohne Uberlegung begangene Tötung des Pastor Haver, und Konrad Schäfer der Teilnahme an diesem Verbrechen schuldig erklärt und beide zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt.

Viele Interessante Details, aber auch Gelegenheit zur Quellenkritik: Wer redet hier und was sind seine Ziele? Es ist nicht der Objektive Berichterstatter, sondern Pastor Natrop, der etwa 40 Jahre nachdem Haver aus der Landeskirche ausgeschieden ist, das Pastorenamt, das vorher Haver innehatte, bekleidet. Er schreibt als Chronist des Teils der Gemeinde, die nicht dien Austritt aus der Landeskirche mitgemacht haben. Und er hat ganz zweifelsohne ein Interesse daran, dass dieser Teil nicht als mitverantwortlich für Havers Tot dasteht.

Wenn man das gesamte Kapitel der Festschrift liest, dann fallen einem auf Anhieb allerlei Ungereimtheiten auf. Zum Beispiel wird immer wieder so formuliert, als sei Pastor Haver ein einzelner Eifer, der versucht habe “die ganze Gemeinde mit sich fortzureißen” (S. 68). Das lässt die Gemeindemitglieder natürlich recht unselbständig dastehen. Als jemand, der den Radevormwalder Menschenschlag kennt, kann ich mit nur schwer vorstellen, dass beispielsweise die 11 Presbyter, die den austritt erklären, dies weniger überlegt getan hätten, als der eine, der blieb.

Auch die Begeisterung, mit der von Bürokratischen Schikanen beim Austritt berichtet wird, empfindet man heute ehr als abstoßend.

Mitten in dem Trubel kamen übrigens meine Vorfahren, die Dornseif Brüder aus der Kasseler Umgebung in die Boom-Town Radevormwald, um sich hier Lohn, Brot und Braut zu suchen. Ob sie direkt bei den “Altlutheranern” landeten, ist noch zu klären.

Kaiserstraße 61

Auszug aus der Preußischen Uraufnahme 1925In der Angelegenheit Spaltung der lutherischen gemeinde Radevormwald war die Rede davon, dass Pastor Karl Haver nach seinem Austritt aus der Landeskirche in das kurzfristig gepachtete Kirchbergsche Haus (Kaiserstraße 61) gezogen sei. Dieser Umzug steht letztendlich mit dem Tod Havers in Zusammenhang, denn sein Hausgenosse wurde letztendlich als Anstifter zum Todschlag an Hafer Verurteilt.

Unter Kaiserstraße 61 konnte ich mir aber gar nichts vorstellen. Irgenwie schwebte mit dabei in Gebäude auf der Höhe des Hotels zum Löwen vor. Ein Internet Stadtplandienst macht klar: Die Kaiserstraße 61 muss weiter westlich liegen. Vielleicht das ehemalige Radio Scheuerl Ladenlokal?

Ein Besuch vor Ort zeigte: falsche Seite! Kaiserstraße 61 ist die rechte Seite des ehemaligen Sport Reinbott Ladenlokals, dass sich auch in die Kaiserstraße 59 ausdehnte. Heute ist im Erdgeschoß Peter Schmidt, die Deutsche Bank oder eine Kombination aus beiden – ich verstehe die aktuellen Geschäftsmodelle der Deutschen Bank nicht.

Eins ist klar: Das Haus ist nicht groß. Wenn dort zwei Familien lebten und dazu noch Gottesdienste, Biebelstunden und der gleichen abgehalten wurden, dann war es dort sicher sehr eng.

Das Haus (blau in der Karte oben) lag auch mindestens so nahe an der lutherischen Kirche (gelb in der Karte), wie das alte Pfarrhaus “Burgstraße 8″. War sicher praktisch aber vielleicht auch ein bisschen eskalierend. Aber die Wahrnehmung von Nah und Fern, Nebenan und abgeschieden war vor 150 Jahren sicher deutlich anders, als heute.