Bei uns schreibt der Chef die Software noch selbst

Die GmbH ist einer der führenden Hersteller im Spiel-/Sport- und Freizeitbereich. Das traditionsreiche Familienunternehmen ist nun seit knapp fünf Jahren auch im Bereich der Software-Entwicklung tätig.

Den Auftakt einer Reihe von Eigenentwicklungen machte das Customer-Relationship-Management-System für den Kontakt mit Endverbrauchern. Was zunächst nur als Hilfe zum Kanalisieren der Anfragen per Mail, Telefon, Brief und Fax gedacht war, ist heute eines der Kernwerkzeuge des Unternehmens. Neben der Abwicklung der immer noch steigenden Anfragen werden heute auch Ersatzteilbestellungen über das System abgewickelt, das nicht nur Rechnungen sondern auch die entsprechenden EAN128-Transportetiketten erzeugt.

Federführend bei der Entwicklung der Applikation war der heutige geschäftsführende Gesellschafter Dr. Maximillian Dornseif. Er entwickelte das CRMS damals in seiner Freizeit neben seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Unversität in Aachen. Weitere größere Projekte folgten und wurden ebenso in-House entwickelt.

Dornseif und seine Frau Nicole, die beide bereits seit einigen Jahren im Bereich der Software-Entwicklung tätig sind, kennen deshalb neben der Unternehmersicht auch die Agentursicht und wissen somit um die Stärken und Schwächen von externer Software-Entwicklung.

Für Dornseif steht fest: IT-Projekte brauchen immer mehr Zeit als und Geld als ursprünglich geplant. Dr. Dornseif erklärt das so: ?Das liegt an dem heute in der IT immer noch häufig verbreitetem Wasserfallmodell. So eine detaillierte Planung von Anfang an kann gar nicht klappen.? Bei Hudora benutzt man hingegen zur Entwicklung bereits seit langem Methoden des Extreme Programming und der agilen Software-Entwicklung so werden beispielsweilse Software-Sprints und Pairprogramming erfolgreich praktiziert.

Der agilen Methodik folgend, wird bei Hudora zunächst die kleinstmögliche, funktionierende Applikation entwickelt, die tut was geplant ist. Im nächsten Zyklus wird die Software erweitert, wenn sich herausstellt, dass noch Entwicklungsbedarf besteht. ?Meistens lösen 20% des Codes eines Software-Projektes bereits 80% der Probleme. Für die letzten 20% ist vielfach weit mehr Energie zu investieren, das ist oft gar nicht nötig.?, so Maximillian Dornseif.

Die Software selbst zu schreiben ermöglicht es bei Hudora der Geschäftsführung ganz nah an den Unternehmensprozessen zu sein und diese maßgeblich zu beeinflussen. So mancher Wildwuchs in Prozess- und Featurewünschen konnte so schon von Anfang an gestoppt werden. Denn bei den Prozessen wie auch in der Software setzt Hudora auf Einfachheit.

Zug um Zug wird das Unternehmen, wo möglich, auf eigene Software umgestellt. Das letzte Projekt war ein Lagerverwaltungssystem in Erlang und Python, das die Mehrplatzlagersoftware des Herstellers SoftM zum Jahresbeginn abgelöst hat. Mit dem eigenen System ist man im Unternehmen wesentlich flexibler und kann sich den bestehenden Gegebenenheiten besser anpassen. Bei gekaufter Sofware ist immer eine Anpassung der Prozesse an die Software nötig, das ist gerade bei einem so flexiblem Unternehmen wie Hudora nicht immer möglich. ?Nicht-passende Software führt oft dazu, dass Software komplett umgangen wird und sich die Mitarbeiter anders behelfen.?, weiß Dornseif, ?Das haben wir oft genug selbst erlebt. Die Abläufe sind dann am Ende überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.?

Da Software im Hause Hudora einen immer größeren Stellenwert hat, wurde die IT-Abteilung in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Neben Maximillian und Nicole Dornseif arbeiten drei weitere Mitarbeiter an der Erstellung der Software und es könnten noch mehr sein. Die Firma ist immer noch auf der Suche nach Talenten, die sich im Bereich der Open Source Software zu Hause fühlen, Unix-affin sind und Erfahrung in Python und Django haben.

Denn Hudora fühlt sich ganz dem Open Source Gedanken verpflichtet. Andere Software wird nur noch dort eingesetzt, wo es wirklich nötig ist. Selbst die Client-Rechner der Mitarbeiter werden sukkzessive auf Linux oder auf Apple Macs umgestellt. Erst letztes Jahr gelang es dem Unternehmen den Mailserver von Microsoft Exchange auf Zimbra zu migrieren.

Doch eine Umstellung einer Firma auf eigene Software ist auch nicht immer frei von Problemen. ?Man ist immer an forderster Front, wenn mal was nicht läuft, muss man sofort ran. Das ist nicht immer einfach, wenn man viel unterwegs ist.?, berichtet Dornseif. Dennoch ist es für den Unternehmer von großem Vorteil so nah dabei zu sein, denn vor der Einführung der Software werden die Prozesse inkl der Software schnell mal selbst durchgespielt. Da sieht man die IT-Abteilung oft im Lager Pakete packen, bevor die Software live geht.

Aber nicht nur in der Entwicklung und der Server-Administration geht das Unternehmen neue Wege. Statt IT-Arbeitsplätze nach Indien outzusourcen verlangert man das Callcenter nebst einer komplexen Voip-Infrastrukur einfach wieder ins Haus. Das dazu notwendige Know-How eignet sich die IT-Abteilung während des Projektes mit Hilfe von Büchern oder Dokumentation selbst an. Neues zu lernen, sich ständig zu verbessern und weiter zu entwickeln steht nicht nur in der IT-Abteilung sondern auch im gesamten Unternehmen an erster Stelle.

Eine weitere Entwicklung deutet Dr. Maximillian Dornseif bereits an: ?Wir planen in nicht allzuferner Zukunft mit einigen unser Software-Projekten an unsere Kunden heranzutreten und die Projekte als Service anzubieten.? Ideen dazu hat man bei Hudora schon viele. Wir können gespannt sein.

Das ist ein Ergebnis unseres internen Aufsatzwettbewerbs “Software als Werkzeug”. Der Text stammt von Nicole Dornseif.

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