Ich weis nicht ganz genau, was mein Beruf ist, aber ich liebe ihn. Ich fahr’ morgens gut gelaunt zur Arbeit und abends gut gelaunt zurück. Und ich helfe mit, die Welt zu retten (Mehr dazu ein andermal). Kann man mehr verlangen? (Ja, eine Stelle, die NICHT in vier Monaten ausläuft …)
Spannend ist, das ich große Freude an der Lehre gefunden habe. Seltsam eigentlich. Leute die mich richtig gut kennen sehen es als in Stein gemeißeltes Gesetz an, dass ich nicht gut erklären kann. Sah ich auch immer so. Aber meine Vorlesungen machen scheinbar allen beteiligten Spaß. Und eine gute Vorlesung gehalten zu haben, bringt mehr Befriedigung, als alles andere.
Da schmeichelt macht es sehr froh, wenn man nach einer Marathonvorlesung die Zuhörer enthusiastisch sind. Wenn man Leute am an einem Freitag in der Vorlesungsfreien Zeit in die Uni lockt, 6h in einen überfüllten Raum sperrt und in den letzten 2.5h nochmal das Tempo anzieht und keine Pause mehr macht und sie dann immer noch Dinge sagen, wie “Ich habe schon sehr lange an einer Uni nicht mehr einen so erfrischenden Vortrag gehört” [annulator.de], dann macht das sehr stolz.
Immer wieder bemerkenswert ist, dass an der Informatik der RWTH in der Lehre ein ganz anderer Wind weht, an der Juristischen Fakultät der Uni Bonn, wo ich ursprünglich herkomme: In Bonn herrschte eine friß-oder-stirb Mentalität. Didaktik interessierte keinen – obwohl beispielsweise Prof. Günther Jakobs ein begnadeter Lehrer war – Studenten sollten sich gefälligst krummlegen. Schon in der Einführungsvorlesung wurde uns klargemacht, das die Fakultät uns größtenteils für unbegabt, zu faul und zukünftige Abbrecher oder Arbeitslose sahen. Zwischen den Studenten herrschte mörderischer Kampf: Wichtige Bücher wurden gezielt versteckt oder Seiten herausgerissen. Unterlagen von den Tischen geklaut. Als ich Anfing mich für die Forschung zu interessieren. Stießen wir auf Unverständnis. Warum sollte sich ein Student mit sowas beschäftigen. Sicher würde es uns nur darum gehen, informationen für eine Hausarbeit zusammenzusuchen. Mein erster Artikel lag 2 Jahre beim Herausgeber. Als er dann endlich erschien hatte besagter Herausgeber praktischerweise seinen Kommentar zum Thema des Artikels geändert.
In der Informatik hingegen sieht der Lehrkörper die Studenten als unser Produkt an. Die Aufgabe ist es nicht die Spreu vom Weitzen zu trennen, sondern Kompetente Informatiker herzustellen. Unser (unerreichbares) Ziel ist unsere Studenten an einen Punkt zu bringen, an dem wir alle guten Gewissens mit “sehr gut” bewerten können. Wenn ein von mir betreuter Student schlecht abschneidet, dann wird das zu einem guten Teil auch als mein Versagen angesehen. Wir kämpfen hart um die besten Studenten für eine akademische Karriere zu begeistern. Und scheinbar hacken sich die Studenten untereinander nicht die Augen aus.
Hatte ich schon gesagt, dass ich meinen Beruf liebe?
Post a Comment