Iss meine Agfa Click, Instagram!

Das erste Foto, das ich je schoss, ist verschollen. Es muss einen Papagei gezeigt haben; jedenfalls behauptet das jenes kleine Inhaltsverzeichnis, das ich als Grundschüler in meiner besten, krakeligen Handschrift auf die letzte Seite des einfachen Einsteckalbums schrieb, in dem ich die Abzüge immer noch bewahre.

Ich habe keine Ahnung, wo dieses erste Foto abgeblieben ist. Die anderen 10 Bilder des Films sind aber erhalten. Das zweite Bild zeigt zwei Enten einer wohl ausstellungswürdigen Art.

Enten

Auch die anderen Fotos zeigen, bis auf eines, Tiere. Ich nahm nämlich an einem Ausflug teil, den meine Mutter, eine Grundschullehrerin, mit ihrer Klasse in den Kölner Zoo unternahm.

Über die fotografische Qualität der Bilder kann man sich natürlich unterhalten, auch wenn sie heutzutage in keinem Instagram-Wettbewerb negativ auffallen würden. Was die Fotos aber besonders macht, das ist, dass sie mit einer MIttelformatskamera aufgenommen wurden. Zugegeben, die ebenso gültige Bezeichnung “Rollfilm” (120er) für dasselbe Format klingt schon etwas weniger spektakulär. Aber Mittelformat bleibt Mittelformat, und das war auch um 1980 schon weitgehend vom Kleinbild verdrängt worden.

Umso tragischer, dass ich die Negative nicht mehr besitze, sondern nur noch Abzüge im Format 9×9 cm, also fast unvergrößert. Mich würde sehr interessieren, was man aus den Negativen heute noch herausholen könnte, zumal einzelne Bilder durchaus einen naiven Charme haben, den ich mir auch in 50×50 cm an meiner Wohnzimmerwand vorstellen könnte.

Elefant

Warum aber überhaupt Mittelformat? Ich hatte damals noch keine eigene Kamera, die bekam ich wohl erst im mittleren Teenager-Alter, sondern verwendete Geräte meiner Eltern. Und das simpelste und robusteste, das meine Eltern zur Verfügung hatten, war die wiederum erste Kamera meiner Mutter: eine Agfa Click II.

Agfa Click II

Dieses wundervoll einfache Gerät hat neben dem Auslöser genau einen Hebel, mit dem man zwischen drei Einstellungen wählen kann: Fokus 4 m bis unendlich bei sonnigem Wetter, dasselbe für bewölkt, und ein sozusagen wetterunabhängiger Fokusbereich von 2,5 bis 4 m.

Einstellung von Entfernung und Blende

Das mechanische System ist genial einfach: Der Hebel bewegt ohne irgendeine Übersetzung unterschiedliche Blenden hinter der vorderen Objektiv-Linse. Die Blende für sonniges Wetter ist etwas kleiner als die für Bewölkung, und sie hat außerdem noch einen Blaufilter aus gelbem Glas. Für die sogenannte “Portraiteinstellung” mit kürzerem Fokus wird einfach eine Zusatzlinse in den Lichtweg geschoben.

Blaufilter für Aufnahmen bei Sonne

Der Auslöser ist ein einfacher Hebel, mit dem man den Verschluss in einer Bewegung zunächst spannt und dann auslöst.

Objektiv

Und diese Agfa Click II, mit der ich dunnemals im Kölner Zoo unterwegs war, schluckt nun eben 120er-Rollfilm, den sie quadratisch belichtet, sodass 12 Fotos auf einen Film gehen.

Filmfach

Jenes Schätzchen (und sogar noch ein anderes mit einem ausfahrenden Faltenbalg-Objektiv, dazu vielleicht später mal) holten meine Eltern an Weihnachten wie selbstverständlich aus dem Keller, als meine Freundin und ich stolz ihre neue Holga vorführten und von den Vorzügen des professionellen Mittelformats schwärmten. Heute ist es tatsächlich so, dass man mit der Abgabe eines Diafilms im Mittelformat selbst in Fachgeschäften Eindruck machen kann, wenigstens in Bensberg. Damals war das ein Film, der wegen seiner geringen Bilderzahl auf dem absteigenden Ast war.

Ich habe mir die Agfa Click II meiner Mutter ausgeliehen und werde demnächst mal ein paar Fotos schießen. Ich bin gespannt, welche Qualität man aus der doch schon recht mitgenommenen Linse herausholen kann. Vor allem aber bin ich gespannt, welchen vielleicht speziellen Charme die mit ihr gemachten Fotos haben werden.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Die Unfreiheit der Anderen

Look who’s talking! Unfreiheit ist eben lieber nur die Unfreiheit der Anderen. Und Überwachung erst dann lästig, wenn man sich mal auf der falschen Seite der Linse wiederfindet.

Oder wie ist es zu erklären, dass sich ausgerechnet Familie Blair, unter deren Regentschaft Großbritannien zur vielleicht bestüberwachten Noch-Demokratie der Welt wurde, beschwert, dass ihre bescheidene Hütte und die Polizisten davor von Google fotografiert wurden?

“Street View” bietet eine einfache Möglichkeit, Fotos zu melden. Unter den möglichen Begründungen finden sich Bedenken wegen der Privatsphäre, aber auch die Meldung “unangemessener Inhalte”. Beschwerdeführer in Großbritannien ist auch Ex-Premier Tony Blair. Er und seine als resolut bekannte Ehefrau Cherie beklagten sich, dass ihr Heim am Connaught Square in Londons Stadtteil Westminster klar zu erkennen sei. Auf den Bildern sind sogar zwei Polizisten zu sehen (siehe Fotostrecke oben).

Oder sollte ich es noch schlimmer finden, dass ein ach so journalistisches Medium wie Spiegel Online dieses Musterbeispiel von Bigotterie nicht bemerkt? Ach nee, sorry, ist ja bekannt, dass die auf dem Bigotterie-Auge blind sind.

Brauchbares Frankenface

Sehr lustige iPhone-Applikation von Freunden aus Kalk:

Wir haben den feucht-grauen Kölner Winter genutzt um mal wieder eigene Ideen zu verwirklichen: mit unserer iPhone Anwendung Frankenface kannst Du Fotos von Freunden, Verwandten etc. machen und die Portraits werden in drei Teile zerlegt die man dann untereinander Mischen kann. Am besten Du guckst Dir einfach das Video an.

Erhältlich im App Store seit dem 05.03.2009:
http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewSoftware?id=306718459&mt=8

Das ist unsere erste App, über ehrliches Feedback würden wir uns sehr freuen!

Viele Grüße,
Tilman + Chris
Büro für Brauchbarkeit

Dreckskillerspiele

Auch die Spielkonsole Wii hat sich kurz nach Ihrem Erscheinen als Dreckskillerspielkonsole herausgestellt. Read complete coverage at “Hold your wee for a Wii” (via slashdot) Zum bep…, äh ja.

Drecksgewaltvideos

Endlich – der Kölner Stadtanzeiger hat die Lösung der Bluttat von Tessin (heisst es nicht aus dem Tessin? egal) parat:

Unmittelbar vor der Bluttat von Tessin mit zwei Toten haben die beiden 17-Jährigen das Gewaltvideo “Final Fantasy” angeschaut.

Ursprünglich wurde bei den Untersuchungen natürlich ausschließlich nach Dreckskillerspielen gesucht. Die zunächst auftretenden Irritation als diese nicht gefunden wurden, lösten sich nun in dem Interview der Betroffenen 15jährigen auf: das Drecksgewaltvideo Final Fantasy ist schuld. Die Macher von Final Fantasy haben offensichtlich die Drecksbundesprüfstelle geschmiert, die dieses entsetzliche Gewaltvideo ab drecks12 freigegeben haben. Jeder der Drecks Fantasy gesehen hat, weiß wie schlimm also wie entsetzlich … also ich hab’s natürlich nicht gesehen (sonst wäre ich ja schon im vollen Amoklauf).

Hart aber Stammtisch

Gestern im WDR: Hart aber fair. Bislang konnte man die Sendung schätzen, weil sie gradlinig moderiert wurde und Themen kontrovers diskutierte. Aber im Moment fällt mir die Kinnlade runter, wenn ich höre, wie kritiklos und einmütig sich die eingeladenen “Experten” gerade die Bälle zuspielen. Kein Wunder, wenn eine Sendung so angeteasert wird:

Das Reizthema:
Vom Ballerspiel zum Amoklauf -
was treibt Jugendliche in die Gewalt?

In der Computerwelt war er ein Siegertyp, im Leben ein Verlierer: Der Amokläufer von Emsdetten zeigt, wie bedrohlich Jugendgewalt ist. Warum verlieren wir Jugendliche an eine Phantasiewelt aus Blut und Gewalt? Und: Was lässt sie tatsächlich den Joystick mit dem Abzug vertauschen? Nach Erfurt jetzt Emsdetten – drohen uns amerikanische Verhältnisse?

Die Frage, ob und ggf. warum Computerspiele denn überhaupt etwas mit Gewalt zu tun haben, wird da gar nicht mehr gestellt, sondern als gegeben hingenommen.

Ein Fachmann für Computerspiele, ein beredter Gamer vielleicht sogar, wird überhaupt nicht eingeladen. Und die Teilnehmer sind stolz zu betonen, dass sie “Gewaltspiele” gar nicht erst anrühren.

Wenn dann ein Einspieler mit Tom Westerholt, Games-Redakteur von Eins live anmoderiert wird, dann darf der Psychologe und “Dozent für Anti-Aggressivitäts-Training” Dr. Michael Heilemann in die Anmoderation ungestraft dazwischenkrakeelen: “Auch so ein armer Introvertierter.” Lediglich hinterher fragt Moderator Plasberg ein paar Mal nach, was Heilemann denn gemeint habe, lässt Heilemann die Frage aber ohne konkrete Antwort wegquasseln.

Im weiteren Verlauf wird das Ideal von Heilemann klar: “Dünnarmige Introvertierte” sind bemitleidenswert, Jungs müssten im Anschluss an die Schule Rugby spielen, um nicht zu verweichlichen. Diese ganzen Bücherwürmer, die sich tagelang zuhause einschließen und es vielelicht sogar durch ein Psychologiestudium schaffen, die konnte man ja schon früher in der Pfeife rauchen…

Der notorische Dr. Christian Pfeiffer darf anschließend zum Besten geben:

In Deutschland werden die Kinder mit 10 in Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten eingeteilt. Im Ausland ist das Erfolgsmodell, dass man einheitliche Schulen hat. [...] Unser Sohn geht in Neuseeland mit Maoris und allen, die da an der Schule sind, [in eine Klasse,] unabhängig davon wie gut sie in Mathe sind.

Kommentar unnötig.

Und im Schlusswort entblödet sich Barbara Sommer,
NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung, nicht auf die Frage zu antworten, was sie an einem internetfreien Tag vermissen würde:

Nichts. Ich gehöre schließlich einer anderen Generation an. Da hat man sich noch geschrieben.

Als würden die Menschen im Internet irgendetwas anderes tun, als sich zu schreiben: per Email, per Chat, per IM, in Foren und Blogs.

Schlichtestes Stammtischniveau. Ohne Worte. Dafür zahle ich zum Glück keine Gebühren.

[EDIT um 21:22] Statement von Pfeiffer ergänzt. “Widerlich” zu “schlichtestes Stammtischniveau” geändert. Überschrift geändert.

[EDIT um 08:30] Statement von Frau Sommer ergänzt. Artikel überarbeitet.

[UPDATE 1] Auch SpOn beschäftigt sich heute mit der Sendung, allerdings vergleichsweise mild:

Wer über Killerspiele diskutiert, sollte wenigstens wissen, was ein Joystick ist. Die Gäste von Frank Plasbergs “Hart aber fair”-Runde hatten jedoch nur einen Stock verschluckt. Kein Wunder: Sie waren für das brisante Thema einfach zu alt.
[...]
Und neben Josef Bausch-Hölterhoff [...] lärmte Dr. Michael Heilemann herum. Der Psychotherapeut und Dozent für Anti-Aggressionstraining mutete an wie eine in die Jahre gekommene Kiezgröße und kraftmeierte ohne Unterlass über die “Dünnarmigen”, die auf dem Schulhof von den “Dickarmigen” auf die “Fresse bekommen”. Sein Heilslehre schrie er mehrmals unaufgefordert in die Runde: “Weg mit dem Virtuellen!”

Wenn allerdings Christian Pfeiffer gelobt wird als “der einzige Gast, der mit Fakten und nicht nur mit gefühltem Wissen argumentieren konnte”, dann möchte ich noch mal kurz auf meine Polemik gegen Pfeiffer und den ins gleiche Horn stoßenden Beitrag von Boris Schneider-Johne verlinken: Dr. Pfeiffer hat zwar Fakten, aber er kann sie nicht interpretieren.

[UPDATE 2] Die komplette Sendung gibt’s als Video on demand auf wdr.de!

[UDPATE 3] Und ein letztes Update: Immerhin Frank Plasberg hat verstanden:

Liebe User!
Ich habe wie immer besonders aufmerksam unser Gästebuch gelesen. Nicht zu übersehen, dass viele User unsere Sendung als unfair empfunden haben, weil kein Spieler am Panel vertreten war. Sie haben Recht: Das war ein Fehler. Auch ein noch so guter Tom Westerholt im Film konnte dieses Manko nicht wett machen. Sorry, wir haben verstanden.
Ihr Frank Plasberg

Jack Thompson did it again – NOT.

Ich weiß nicht, ob die Pause vor dem NOT lange genug ist, ist aber auch egal, weil das hier wirklich witzig ist: Jack Thompson (selbsternannter Beschützer der Menschheit vor bösen, bösen Computerspielen, wir berichteten in diesem Zusammenhang), hat es zwar geschafft, daß Take Two eine preview seines neuen, bösen Spiels ‘Bully’ herausrückt.

Der Richter, der sich das Spiel angesehen hat (juristisch schon schwierig, weil das Spiel ja noch gar nicht veröffentlich ist), sagte im wesentlichen, daß er zwar auch nicht wollte, daß seine Kids das spielen, in dem Spiel aber nichts wäre, was man nicht auch täglich auch im TV sehen könnten.

Schön zunächst dieser Bush-ism:

I am a Christian. I am not charged with winning these battles; I am charged with fighting them. I have done the right thing.

womit man ja bekanntlich alles rechtfertigen kann.

Das Beste aber: Jack Thompson drehte daraufhin die Kanone um und beschimpfte den Richter mit

The judge’s spiteful ‘production’ of the game after the game was released, on ‘Tuesday morning’ was childish.

(via gamepolitics.com)

Die Hinweise verdichten sich jetzt natürlich, daß Jack Thompson auf Take Two’s payroll ist.

(via Tales of the Rampant Coyote)

Jackass – where has the system failed?

Jeder kennt Jon Stewart, zumindest jeder, der Den Demagogen besucht und SurfGuards Stories dazu gelesen hat. Seitdem nehme ich mir vor, die Videos der Comedy Cantral Site regelmässig zu besuchen, schaffe das aber offensichtlich zu selten. Denn man musste mich tatsächlich auf diesen Beitrag von Jon Stewart hinweisen: Player Haters. Hier der abstract: “Seriously, the House of Representative is filled with insane jackasses.” Schön das Bekenntnis der Abgeordneten, man sei ja selbst auch Gamer, wobei die Skala von Pong zu Civilization variiert.

Mein persönlicher Liebling ist Rep. Lee Terry, Nebraska, der sagt: “As a father of three young boys – 11, 8 and 6 – who are avid gamers, I am very concerned about the content included in the games …” wobei Jon Stewart vollendet “…and as I stand there – watching them play these violent games – helpless to do anything about it, I can’t help but wonder – where the system has failed?”

Diese Steilvorlage des Rep. Terry für Stewarts Beitrag rechtfertig nicht nur den abstract des Beitrags sondern ist auch die komödiantische Aufarbeitung der Antwort auf die Frage (Referenz habe ich leider nicht, ich glaube es war in einem paper blog), welche Instanz den nun das sagen habe über Computerspiel Freigaben, die FSK alleine könne es ja nicht sein. Nein, war die Antwort – dazu sind die Eltern da.

Nicht unerwähnt bleiben sollte hier aber noch TrashTalk’s Ill Will, hier mit einem higlight zu der berühmt/berüchtigten Aussage von Jack Thompson:

[EDIT] Der video link auf comedy central ist weg – aber es ist einfach auf youtube zu finden.

Metric-Medien

Kleiner Nachtrag zu Metric und den Rogers Sisters vorgestern.

Der vermisste Exkollege jpf war auch da, übrigens fahrlässigerweise ohne das nötige Tempotaschentuch pro Ohr, und hat die Kamera hochgehalten: http://metric.epiat.de/

misscaro (nur kurz von jpf vorgestellt bekommen und die Hand geschüttelt) auch, ebenfalls mit Kamera: Metric-Photset bei Flickr (dort auch den Links zu YouTube folgen).

Und Andreas stimmt mir zu, dass die Rogers Sisters die cooleren Säue sind: Nochmal Metric und The Rogers Sisters.


(Foto von misscaro)

Metric + The Rogers Sisters im Prime Club

Verdienter 3:2-Sieg für die Vorband, würde ich sagen.

Die Rogers Sisters waren cool, furztrocken und punkten wie die Sau. Metric waren cool und laut. Aber leider auch ein bisschen nölig, was ich hier mal nicht als Eigentor werte. Ebenfalls nicht in die Wertung geht ein, dass das Equipment von Metric erst gegen 21:30 eintraf, was für den Mann am Mischpult, neben dem ich stand, bedeutete, die ersten drei Songs als Soundcheck nehmen zu müssen. Das hatte zur Folge, dass die Sängerin zu Beginn gar nicht zu hören war, bis die richtigen Regler gefunden waren. (Jungejunge, so ein Mischpult HAT aber auch viele davon.)

Mal schauen, zu welcher Wertung Andreas kommt.

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