Kölnpfad, Etappe 3: Von Bocklemünd nach Roggendorf/Thenhoven

Das war mal ein schöner Sonntagsausflug: Einmal rund um Köln führt der “Kölnpfad“, 171 km lang. Zum Einstieg des Projekts nahmen wir die Etappe, die von uns aus mit der kürzesten Anreise erreichbar ist, nach offizieller Zählung die Etappe 3, über 16 km von Bocklemünd nach Roggendorf/Thenhoven.

Dom in der Ferne

Im Wesentlichen führt der Weg hier entlang. (Im Detail ist es dann doch leicht anders, aber Google Maps kennt nicht jeden Feldweg.)
Größere Kartenansicht

Zum Glück knubbelte sich das ganze Pech dieses Ausflugs gleich zu Beginn. Kaum an der Endstation aus der Stadtbahn-Linie 4 ausgestiegen, erwischte uns in Downtown Bocklemünd erst mal ein ordentlicher Regenschauer. An der dritten Kreuzung, als unsere Sinne noch nicht auf die Wegmarkierungen kalibriert waren, verpassten wir dann auch noch eine Abzweigung, bemerkten unseren Irrtum, kehrten um, nur um auf dem rechten Weg zu bemerken, dass eine Überquerung des Militärrings, zu dem wir parallel gelaufen waren, auch genügt hätte.

Das ganze kostete uns aber nur 10 Minuten Zeit, und in der Folge entsponn sich eine schöne Wanderung, entlang Industriegebieten, durch alte Wäldchen, durch Vororte, an Seen entlang und über Felder. Die Idee des Kölnpfads ist es nicht, die schönsten Stellen Kölns zu zeigen, sondern den Wanderer durch Stellen der Kölner Peripherie zu führen, die er sonst wohl nie entdecken würde.

So beginnt der Weg mit einem Schlenker durch das alte Bocklemünd, der alles andere als buchstäblich zielführend ist, sondern der nur das Dörfliche dieses Vororts zeigen soll. Weiter geht es durch junge Wäldchen vorbei am Industriegebiet Ossendorf, durch Mengenich hindurch, an den Escher und Pescher Seen vorbei, mitten durch ein Escher Wohngebiet.

Kölnpfad-Markierung

Es geht nicht nur durch romantische Gegenden

Chorweiler am Horizont

Man verlässt Esch mit einem bedrohlichen Blick auf die Chorweiler Hochhäuser, biegt aber weit vorher links ab, schlägt sich über Felder und durch schöne, alte Wälder bis zum Wasserwerk Weiler.

Wasserwerk Weiler

Von dort aus geht es über ein endlos weites Feld bis zum Zielort Roggendorf/Thenhoven. Am Ende der Etappe verlässt man den Kölnpfad, um von der wenige hundert Meter entfernt gelegenen S-Bahnstation Worringen den Heimweg anzutreten.

Die 16 km schafften wir in gemäßigtem, aber nicht trödeligem Tempo in vier Stunden plus zwei Pausen. Mit An- und Abreise (die S-Bahn fuhr uns vor der Nase weg) waren wir sechs Stunden unterwegs.

Das Schöne an der Kölnpfad-Wanderung sind nicht die großen Dinge, sondern gerade die kleinen: Ein exotisch aussehender Vogel auf einem Ast an den Escher Seen. Zwei exotisch aussehende Ureinwohner, die in einen Smart in der Escher Suburbia steigen. Eine Serie von Banken, gestiftet vom lokalen Bürgerverein. Ein Wasserspender am Wasserwerk. Ein paar aztekisch aussehende Ruinen in einem Mengenicher Waldstück. Die alte Buche, die im Kölnpfad-Führer noch als Markierungspunkt ausgegeben wird, die nun aber gefällt und zerlegt am Wegesrand liegt und ihre aufgemalten Markierungspfeile ins Leere zeigen lässt.

Exotischer Vogel am Wegrand

Escher Eingeborene

Wasserwerk Weiler

Für alle Fälle gerüstet

Unterm Strich ein sehr schönes Erlebnis. Voraussichtlich am Vatertag geht’s auf Etappe 4.

Zivilisationsspuren

Walk on!

Alle Kölnpfad-Fotos in meinem Flickr-Set.

Unitymedia im Wildwest-Stil: Erst abrechnen, dann fragen

Ich habe bei Unitymedia das kleine Digital-TV-Paket abonniert, außerdem läuft Sky ebenfalls über die Unitymedia-Smartcard und -Box. Der Kabelanschluss, auf dessen Basis diese Zusatzpakete erst funktionieren, lief in meiner letzten Wohnung über den Vermieter und wurde über die Nebenkosten berechnet. In meiner neuen Wohnung läuft der Kabelanschluss über meine Freundin.

Nach meinem Umzug informierte ich Unitymedia über meine neue Adresse. Ich bekam zur Antwort, dass die Änderung vermerkt sei, dass man mir die Unitymedia-Leistungen auch unter der neuen Adresse anbieten werde und dass ich “bitte beachten” solle, dass “der Kabelanschluss im Einzelnutzervertrag für 17,90 €/Monat als Grundversorgung erforderlich” sei. Danke für den Hinweis, dachte ich mir, habe ich berücksichtigt, der Kabelanschluss existiert schon.

Wie ich ein paar Tage später im Telefonat mit einer patzigen Hotlinemitarbeiterin feststellte, wollte Unitymedia diesen Satz allerdings nicht als freundlichen Tipp verstanden wissen – sondern als Ankündigung, dass man mir in Zukunft 17,90 €/Monat zusätzlich berechnen werde. (Das ist schon sprachlich zu bemängeln, was einer Hotlinemitarbeiterin aber kaum zu vermitteln ist.) Ich hatte in der Zwischenzeit nämlich eine Rechnung erhalten, in der mir Unitymedia einen Kabelanschluss in Rechnung stellt – wohlgemerkt ohne dass Unitymedia wissen konnte, ob ich diese Leistung noch benötige bzw. ob sie überhaupt erbracht wird.

Auf diese Weise verschiebt Unitymedia das Risiko elegant auf Kundenseite: Falls man die Leistung nicht benötigt, muss man sich erst mal melden, soll dann nachweisen (!), dass ein Kabelanschluss schon existiert und bekommt dann sein Geld zurückerstattet.

Schlussendlich ist noch interessant, dass Unitymedia zum Nachweis die Nennung einer Kundennummer im gleichen Mehrparteien-Haus genügt. Ob ich aber tatsächlich in der Wohnung wohne, zu der die Kundennummer gehört, kann ohne Privatdetektiv kaum überprüft werden. Ob es hingegen unter meiner neue Adresse überhaupt bereits Kabelkunden gibt, das hätte man bei Unitymedia wohl auch ohne mich feststellen können.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Unitymedia mir pauschal unterstellt, Kabelschwarzgucker zu sein, mir deshalb erst mal eine Rechnung stellt und sich nur nach Beweis des Gegenteils dazu erbarmen will, mir den zu Unrecht vom Konto eingezogenen Betrag zu erstatten. (Und ich vermute mal: Ohne die für Sofortkredite üblichen Zinsen.)

Als Einzelkunde ist man in so einer Angelegenheit ja erst mal recht hilflos, kann bestenfalls drüber bloggen. Aber ich werde mal austesten, ob sich die Verbraucherzentrale NRW nicht für solches Geschäftsgebaren interessiert.

Kündigst du noch, oder lebst du schon?

Ich bin gerade im Umzug begriffen. Heute in vierzehn Tagen, wenn ich mit meiner Freundin zusammenziehe, werden aus zwei Wohnungen eine. Folglich mussten ein paar Verträge gekündigt werden, weil nur wenige Haushalte etwa zwei Energieversorger oder Festnetzanschlüsse benötigen.

Man mag mich nun naiv nennen, und man hätte bis zu einem gewissen Grad auch recht damit. Aber ich war erschüttert, mit welchen Fristen ich tweilweise konfrontiert wurde, als ich meine Verträge kündigte.

  • Zunächst mein Mietvertrag: Ich wohne in einer Eigentumswohnung, die von einer Immobiliengesellschaft für die Eigentümer verwaltet wird. Der Vertrag, mit dem mein Wohnungsbesitzer sich verpflichtet hatte, die Wohnung zehn Jahre zu halten, lief im vergangenen Oktober aus. Seit Anfang des Jahres hatte ich mehrfach mit ihm telefoniert, und wir waren übereingekommen, dass ich ungefähr zum Jahreswechsel kündigen würde. Ihm kam das entgegen, weil er die Wohnung ohnehin verkaufen will, was sich ohne Mieter leichter bewerkstelligen lässt als mit. Also kündigte ich im Oktober zum 31. Januar 2011 – und bekam postwendend Antwort von der Immobiliengesellschaft: Man bedaure, aber ich könne vertragsgemäß erst zum 31. Oktober 2011 kündigen. Tatsächlich: Mein Mietvertrag von 2000 sieht vor, dass ich nur jährlich zum 31.10. kündigen kann. Klar, hab ich damals unterschrieben. Aber wie mieterfeindlich eine solche Vereinbarung ist, kann man daran erkennen, dass sie seit der Mietrechtsreform von 2001 gar nicht mehr getroffen werden darf. Alte Verträge behielten aber ihre Gültigkeit.
    Zum Glück ließ sich dieses Problem mit dem Einschreiten meines Besitzers halbwegs leicht regeln, der meine Kündigung dann doch akzeptierte.
  • Etwas komplizierter war es dann bei NetCologne, von denen ich Telefon und Internet beziehe. Ich bin dort seit 1998 Kunde, also quasi seit ihrer Gründung. Im Juni 2008 war ich dann mal in einen leicht günstigeren Tarif gewechselt. Ich hatte mich damals sehr geärgert, dass mir NetCologne diesen Tarif nicht von sich aus angeboten hatte, war aber bereit, dafür sogar eine zweijährige Mindestvertragslaufzeit zu akzeptieren. Nicht bedacht hatte ich, dass in den AGB versteckt die Regelung gefasst ist, dass sich der Vertrag um jeweils ein Jahr verlängert. Und tatsächlich hätte NetCologne gnadenlos für eine nicht mehr zu erbringende Leistung weiter Geld kassiert, wenn nicht meine Freundin ebenfalls bei NetCologne wäre: So konnten wir meine restliche Vertragslaufzeit auf ihren Vertrag übertragen.
  • Eigentlich nicht in direktem Zusammenhang mit dem Umzug steht mein Mobilfunkvertrag: Auch den wollte ich aber, wo ich schon mal dabei war, kündigen und den Anbieter wechseln. Pustekuchen! Nach mehr als einem Jahrzehnt Anbietertreue von meiner Seite ist T-Mobile der Meinung, dass ich den Tarif, für den ich damals ein Handy sowie die Telefonie- und Internetanbindung für zwei Jahre bis Februar 2011 vereinbart hatte, nun noch bis zum Februar 2012 weiterzahlen soll – natürlich ohne ein neues Handy oder eine Tarifreduktion zu bekommen. Ungefähr die Hälfte des Geldes will man also ohne Gegenleistung für ein Jahr weiterkassieren, weil man den entsprechenden Passus in den exakt letzten Absatz der AGBs geschrieben hat.

Ich habe keine Ahnung, wie diese Unternehmen sich mit so lebensfeindlichen Knebelveträgen am Markt durchsetzen können. Mein Schluss ist jedenfalls, dass dieser Markt oder seine Regulierung nicht so richtig zu funktionieren scheint, wenn er Unternehmen groß werden lässt, die ihren Kunden das Geld lieber aus der Tasche ziehen, als sich ihnen gegenüber so zu verhalten, dass die Dienstleistung zu normalen Lebensbedürfnissen wie einem Umzug mit weniger als 15 Monaten Vorlauf passt. Ärgerlicherweise wird solches Verhalten aber sogar vom höchsten deutschen Gericht protegiert: http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-umzug-und-der-24-monats-telefonvertrag-323640.

Ich bin also im Unrecht, das ist mir klar – aber empört bin ich trotzdem.

Und so kam es mir gerade recht, als ich dieser Tage eine Mail vom Spektrum-der-Wissenschaft-Verlag bekam. Im März letzten Jahres hatte ich meinem Vater ein Jahresabo der “Sterne und Weltraum” geschenkt. Hier ein Auszug aus der Bestellbestätigungsseite:

Sterne und Weltraum

Also ich lese da: “DAUER: ein Jahr”. Nicht “erster Bezugszeitraum: ein Jahr” oder “Mindesbezugszeit: ein Jahr”. Irgendwie gibt eine befristete Abonnementslaufzeit für ein Geschenkabo ja auch verteufelt viel Sinn.

Umso erstaunter war ich, als ich die Mail des Spektrum-Verlags las, die mir in dieser Woche in die Mail flatterte:

Sehr geehrter Herr [mein Nachname],

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Wunschgemäß haben wir Ihr Abonnement unbefristet
verlängert. Die Kündigung ist jedoch jederzeit zur
nächst errreichbaren Ausgabe möglich.
Wenn Sie noch Fragen haben, sind wir gerne für Sie
da.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Spektrum der Wissenschaft Leserservice

“Wunschgemäß”????? Gestern abend schrieb ich eine indignierte, immerhin noch sachliche, aber doch sehr deutliche Mail zurück, dass ich ein Geschenkabo keineswegs “wunschgemäß” unbefristet weiterzahlen wollte. Erst heute klärte sich das dann als Irrtum auf: Mein Vater hatte das Abo verlängert, die Bestellbestätigung hatte der Verlag jedoch fälschlich an mich geschickt.

Kann passieren, aber wahscheinlich ahnte der Spektrum-Sachbearbeiter nicht einmal, in welcher Gefahr er nach dieser Vorgeschichte schwebte ;-)

Iss meine Agfa Click, Instagram!

Das erste Foto, das ich je schoss, ist verschollen. Es muss einen Papagei gezeigt haben; jedenfalls behauptet das jenes kleine Inhaltsverzeichnis, das ich als Grundschüler in meiner besten, krakeligen Handschrift auf die letzte Seite des einfachen Einsteckalbums schrieb, in dem ich die Abzüge immer noch bewahre.

Ich habe keine Ahnung, wo dieses erste Foto abgeblieben ist. Die anderen 10 Bilder des Films sind aber erhalten. Das zweite Bild zeigt zwei Enten einer wohl ausstellungswürdigen Art.

Enten

Auch die anderen Fotos zeigen, bis auf eines, Tiere. Ich nahm nämlich an einem Ausflug teil, den meine Mutter, eine Grundschullehrerin, mit ihrer Klasse in den Kölner Zoo unternahm.

Über die fotografische Qualität der Bilder kann man sich natürlich unterhalten, auch wenn sie heutzutage in keinem Instagram-Wettbewerb negativ auffallen würden. Was die Fotos aber besonders macht, das ist, dass sie mit einer MIttelformatskamera aufgenommen wurden. Zugegeben, die ebenso gültige Bezeichnung “Rollfilm” (120er) für dasselbe Format klingt schon etwas weniger spektakulär. Aber Mittelformat bleibt Mittelformat, und das war auch um 1980 schon weitgehend vom Kleinbild verdrängt worden.

Umso tragischer, dass ich die Negative nicht mehr besitze, sondern nur noch Abzüge im Format 9×9 cm, also fast unvergrößert. Mich würde sehr interessieren, was man aus den Negativen heute noch herausholen könnte, zumal einzelne Bilder durchaus einen naiven Charme haben, den ich mir auch in 50×50 cm an meiner Wohnzimmerwand vorstellen könnte.

Elefant

Warum aber überhaupt Mittelformat? Ich hatte damals noch keine eigene Kamera, die bekam ich wohl erst im mittleren Teenager-Alter, sondern verwendete Geräte meiner Eltern. Und das simpelste und robusteste, das meine Eltern zur Verfügung hatten, war die wiederum erste Kamera meiner Mutter: eine Agfa Click II.

Agfa Click II

Dieses wundervoll einfache Gerät hat neben dem Auslöser genau einen Hebel, mit dem man zwischen drei Einstellungen wählen kann: Fokus 4 m bis unendlich bei sonnigem Wetter, dasselbe für bewölkt, und ein sozusagen wetterunabhängiger Fokusbereich von 2,5 bis 4 m.

Einstellung von Entfernung und Blende

Das mechanische System ist genial einfach: Der Hebel bewegt ohne irgendeine Übersetzung unterschiedliche Blenden hinter der vorderen Objektiv-Linse. Die Blende für sonniges Wetter ist etwas kleiner als die für Bewölkung, und sie hat außerdem noch einen Blaufilter aus gelbem Glas. Für die sogenannte “Portraiteinstellung” mit kürzerem Fokus wird einfach eine Zusatzlinse in den Lichtweg geschoben.

Blaufilter für Aufnahmen bei Sonne

Der Auslöser ist ein einfacher Hebel, mit dem man den Verschluss in einer Bewegung zunächst spannt und dann auslöst.

Objektiv

Und diese Agfa Click II, mit der ich dunnemals im Kölner Zoo unterwegs war, schluckt nun eben 120er-Rollfilm, den sie quadratisch belichtet, sodass 12 Fotos auf einen Film gehen.

Filmfach

Jenes Schätzchen (und sogar noch ein anderes mit einem ausfahrenden Faltenbalg-Objektiv, dazu vielleicht später mal) holten meine Eltern an Weihnachten wie selbstverständlich aus dem Keller, als meine Freundin und ich stolz ihre neue Holga vorführten und von den Vorzügen des professionellen Mittelformats schwärmten. Heute ist es tatsächlich so, dass man mit der Abgabe eines Diafilms im Mittelformat selbst in Fachgeschäften Eindruck machen kann, wenigstens in Bensberg. Damals war das ein Film, der wegen seiner geringen Bilderzahl auf dem absteigenden Ast war.

Ich habe mir die Agfa Click II meiner Mutter ausgeliehen und werde demnächst mal ein paar Fotos schießen. Ich bin gespannt, welche Qualität man aus der doch schon recht mitgenommenen Linse herausholen kann. Vor allem aber bin ich gespannt, welchen vielleicht speziellen Charme die mit ihr gemachten Fotos haben werden.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ein niedlicher Gruß

Ich bin ja keineswegs alleine darin, ein großer Bewunderer der Kunst von Felix Reidenbach zu sein. Natürlich kenne ich ihn wegen seiner “Niedlichen”, die viele Jahre lang die letzte Seite der Spex veredelten (hier auf “20. Jahrhundert” klicken). Aber seine übrigen Arbeiten zeigen, dass die Niedlichen nur das philosphischste Werk eines tollen und kreativen Illustrators waren: http://www.2d3d4d.de/

Dennoch: Die Niedlichen vermisste ich jahrelang so schmerzlich wie täglich. Da war es schon ein wahrer Festtag, als zu Beginn dieses Jahres Reidenbach selbst bei mir im Blog kommentierte, dass die Niedlichen eine zeitgemäße Wiederbelebung erfahren: Unter www.dieniedlichen.de postet Reidenbach in unregelmäßigen (und viel zu großen) Abständen neue Erlebnisse der Niedlichen.

Natürlich war es auch Ehrensache, im neuen Niedlichen-Shop ein Exemplar der “Schlecht besuchten Elphilharmonie Hamburg” zu bestellen, das seitdem schon, sehr würdig gerahmt, meine Wand ziert und dem ich jeden Tag zulächle.

Schlecht besuchte Elbphilharmonie

Schlecht besuchte Elbphilharmonie

Schlecht besuchte Elbphilharmonie

Seit Freitag allerdings habe ich etwas noch viel Tolleres. Denn meine Freundin hat erfreulich gut aufgepasst, als ich ihr von den Niedlichen vorschwärmte: Wie die gerade durch ihre durch Überabstraktion die dargestellten Situationen in völlig klarem Licht zeigen. Und wie sehr Felix Reidenbach mein Lebensgefühl trifft, eine leichte, freundlich lächelnde Entfremdung von der Welt.

Und so blieb sie vor zwei Wochen beim Cover von Hans Nieswandts neuem Buch hängen, als sie, Buchhändlerin, den Prospekt mit den KiWi-Neuankündigungen durchblätterte: “DJ Dionysos“. Das Cover war nämlich unzweifelhaft von Felix Reidenbach gestaltet! Ein neues Werk der Niedlichen! Ihrer spontanen Eingebung, dass das ein tolles Geschenk für mich sein könnte, folgte sie völlig zurecht, und so bin ich nach einem freundlichen Mailwechsel meiner Freundin mit Felix Reidenbach jetzt im sehr, sehr stolzen Besitz des voraussichtlich einzigen keilgerahmten Leinwanddrucks, den es von “DJ Dionysos” je geben wird, vom Künstler selbst bei der Druckerei in Auftrag gegeben und mit einem Echtheitszertifikat versehen. Mir gefällt besonders der Kontrast von Motiv und Medium.

Leinwanddruck des Covers zu "DJ Dionysos"

Leinwanddruck des Covers zu "DJ Dionysos"

Leinwanddruck des Covers zu "DJ Dionysos"

Echtheitszertifikat

Leinwanddruck des Covers zu "DJ Dionysos"

Und wenn es jetzt noch irgendetwas von Felix Reidenbach geben könnte, das ich noch sehr, sehr gerne haben möchte, dann ist das genau der handgeschriebene niedliche Gruß, den Felix Reidenbach der Sendung beilegte, und den meine Freundin partout selbst behalten will. Ich würd’s nicht anders tun.

Ein niedlicher Gruß

Ein niedlicher Gruß

Noch ein paar mehr Fotos meiner Felix-Reidenbach-Werke: http://www.flickr.com/photos/surfguard/sets/72157624622928884/detail/

Macht Arbeit Spaß oder nicht Spaß?

Ich gebe ja ab und an Vorlesungen im Fach Projektmanagement. Meine Klausuren sind relativ einfach, wenn man bereit ist, die Inhalte der wichtigsten Folien zu lernen und bei der Vorlesung leidlich aufzupassen. Natürlich gibt es immer wieder auch Kandidaten, die einfach nicht lernen. Meist sind deren Klausuren eine relativ einfache, aber auch traurige Angelegenheit: Dann gibt es eben keine Punkte für die nicht oder vollständig falsch beantworteten Aufgaben(teile).

Aber noch nie hat eine komplett falsche Antwort mich so herzlich und durchaus wohlmeinend zum Lachen gebracht, wie die folgende.

Die Frage/Aufgabe lautete:

Erklären Sie, wie Frederick Herzberg einen „Motivator“ und wie einen „Hygienefaktor“ definiert! Was fand Herzberg über den Unterschied zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit heraus?

Die Antwort auf diese Frage lautete:

machtarbeitspass

Das ist so weit neben der Frage, aber voll im Thema und hat gleichzeitig eine so banale Tiefe, fast Schwermut, dass ich mich wirklich schwer getan habe, keine Punkte zu geben. Außerdem kann ich mir nicht helfen, aber erinnert mich die Antwort ein bisschen hieran:  http://www.youtube.com/watch?v=zmRwMFUweC0#t=02m52s

Hat jedenfalls meinen Tag gemacht.

Der letzte Spritzer vom Platzen der Blase

Wenn du die Kündigung eines Kontos erhältst, das geführt zu haben du dich nicht erinnerst, dann weißt du: Deine letzten New-Economy-Aktienoptionen sind wohl verfallen, ohne dass du ihre Auszahlung jemals ernsthaft erwartet hättest.

Schwamm drüber

So, die Sache von gestern ist erledigt. Die kleine (ich glaube: Ein-Mann-) Agentur ist mächtig erschrocken, hat sich sofort entschuldigt und die Bilder offline genommen, womit die Sache für mich erledigt ist.

Dennoch erstaunlich ist, dass jemand, der sich doch einen relativ professionellen Anstrich gibt, CC-Lizenzen nicht kennt. Der Kollege schreibt mir, er sei davon ausgegangen, dass man Flickr-Fotos immer verwenden dürfe, solange man den Namen des Autors nennt. Das ist deswegen erstaunlich, weil er die anders lautenden Lizenzbedingungen kopiert und verlinkt hat – aber offensichtlich nicht gelesen. Ein weiteres Foto, das inzwischen auch von der Site verschwunden ist, war nicht mal mit einer CC-Lizenz versehen, sondern der Autor hatte sich alle Rechte vorbehalten.

Nach der sehr schnellen Reaktion und der schon ursprünglichen Nennung meiner Autorenschaft bin ich mir sicher, dass da echte Naivität dahintersteckte.

Etwas gespannter bin ich aber in einem anderen Fall. Auch auf xtranews.de ist ein Foto von mir kommerziell verwendet worden. Das Foto ist auf meine Nachricht hin inzwischen entfernt, aber es gab noch keine Antwort, in der auch nur “Sorry” gestanden hätte…

Peronäusparese

Ich überlege ja regelmäßig, wie viel von mir ich in diesem Blog preisgeben soll oder nicht, und so geht’s mir natürlich auch bei diesem Beitrag. Doch zum einen ist so eine Peronäusparese weder peinlich noch ansteckend. Und zum anderen fand ich, als ich selbst im Web danach recherchierte, als erstes die Gruselgeschichte eines Fliesenlegers mit unheilbarem Krankheitsverlauf, der sich dann zur Amputation entschloss, weil er lieber ohne Unterschenkel leben wollte als mit einem teilgelähmten.

Die Angelegenheit ist bei mir deutlich harmloser verlaufen und inzwischen fast ausgeheilt, und deswegen hoffe ich, dass dieser Artikel demnächst bei Google weit oben zu finden sein wird, damit andere Betroffene ihn finden und Mut schöpfen.

Für Nicht-Mediziner und Unbetroffene: Was ist eine Peronäusparese? (Achtung: Es folgt mein Laienverständnis dessen, was mir meine Ärzte erklärt haben. Bitte also nicht 100% drauf verlassen.) Der Nervus peroneus ist einer der beiden Hauptäste des Ischias. Er entspringt im Rückenmark, läuft das Bein hinunter und sorgt im Wesentlichen dafür, dass man den Fuß und die Zehen nach oben ziehen kann. Wenn man die Ferse auf dem Boden stehen lässt und den Fuß (aus dem Fußgelenk) oder nur die Zehen nach oben dreht, dann macht das der Peronäus. Parese ist die Lähmung oder jedenfalls Schwächung der Funktion eines Nervs. Eine Peronäusparese ist also eine nervlich bedingte, mehr oder weniger starke Fuß- und Zehenheberschwäche.

Da der Peronäus zusammen mit seinem Pendant im Arm einer der wenigen wichtigen Nerven ist, die nicht tief im Fleisch sondern dicht unter der Haut verlaufen, der Peronäus zudem noch am Schienbeinköpfchen vorbei, ist er stark gefährdet, durch äußeren Druck verletzt zu werden und seine Funktion (teilweise) einzubüßen.

Bei mir kam die Lähmung ohne Vorwarnung. Ich hatte mit den Kollegen im Büro Konsolenfußball gezockt, saß, stand auf – und knickte mit dem Fuß nach außen weg. Ich konnte mich zwar noch abfangen (Bänderrisse sind wohl ein häufiger Kollateralschaden einer Peronäusparese), war aber völlig frappiert: Der Fuß machte nicht mehr, was ich wollte. Da er sich außerdem sehr taub anfühlte, glaubte ich zunächst, dass er mir heftig eingeschlafen sein müsste. Als das Gefühl und die Beweglichkeit jedoch auch nach rund 30 Minuten nicht zurückkehrten, in denen ich mir aber immerhin noch den dritten Platz im FIFA-10-Turnier sicherte, humpelte ich nach Hause und machte mir Sorgen.

Die fehlende Fußheberfunktion ist beim Gehen nämlich ziemlich unvorteilhaft: Der Fuß hängt kraftlos nach unten, so dass man ständig mit der Fußspitze auf dem Boden hängen bleibt und buchstäblich über die eigenen Füße stolpert, außer man hebt das ganze Bein storchenartig an.

Die folgende Nacht schlief ich sehr bescheiden, weil ich mir große Sorgen machte, was ich wohl erlitten hätte. Außerdem grübelte ich, zu welchem Facharzt ich eigentlich gehen sollte, da ich ja noch nicht wusste, was ich hatte: Neurologe, Orthopäde, Phlebologe (vielleicht war’s ja eine Durchblutungsstörung), allgemeiner Arzt?

Ich entschloss mich dann, zum Orthopäden zu gehen, der mein Problem auch sofort korrekt diagnostizierte und mich zur Sicherheit zu einer Neurologin schickte, die seine Meinung auch messtechnisch absicherte. Die Diagnose beider Ärzte war, dass ich mir den Peronäusnerv vermutlich durch zu langes Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen abgedrückt hätte. Beide befragten mich mehrfach, ob ich an dem Abend viel Alkohol getrunken hätte, da das Abdrücken eines Nervs eigentlich stark schmerzt und es deshalb normalerweise nur sehr betrunkenen Personen passiert, die den Schmerz nicht mehr spüren. Ich hatte aber an dem Abend nicht mal einen Schluck Alkohol getrunken. Dennoch war die Prognose, dass die Funktion des Nervs binnen ein, zwei Wochen wiederhergestellt sein sollte.

Als das dann allerdings nicht so war, konsultierte ich beide Ärzte erneut. Die Neurologin maß noch einmal die Nervenfunktion, stellte fest, dass der Nerv nun völlig seine Funktion verloren hatte, ich aber laut Blutuntersuchung an keiner organischen Ursache litt und ihrer Meinung nach der Nerv einfach binnen einiger Monate nachwachsen werde.

Der Orthopäde meinte, man solle doch noch mal eine Magnetresonanztomographie machen. Zum Glück sagte er mir erst im Nachhinein, warum: Er wollte eine mögliche Schädigung des Nervs durch einen Tumor ausschließen. Zum Glück fand er keinen Tumor, aber eben doch die mutmaßliche, bis dahin etwas rätselhafte Ursache: In meinem Knie befand sich in der Nähe des Peronäus eine Flüssigkeitsansammlung, die da nicht hin gehört, eventuell eine tief innen geplatzte Ader. Diese Flüssigkeitsansammlung, so die Vermutung, hatte meinen Peronäus so irritiert, dass er die Funktion aufgab.

Das ganze ist jetzt knapp zwei Monate her, und der Nerv hat sich inzwischen sehr deutlich erholt. Ich habe keine besondere Behandlung bekommen (Krankengymnastik zwar, aber die hat nicht wahnsinnig zur Heilung beigetragen), sondern der Nerv wächst, wie von der Neurologin prognostiziert, einfach wieder nach, nur unterstützt von ein paar Vitaminchen in Neurotrat forte. Da das mit einer Geschwindigkeit von ca. 1 mm pro Tag geschieht und so ein Unterschenkel ja rund 30 cm lang ist, kann man überschlagen, dass zwar erst nach vielen Monaten mit einer vollständigen Genesung zu rechnen ist, die aber ziemlich sicher ist.

Ich kann meinen betroffenen Fuß im Stehen inzwischen wieder um etwa einen Fingerbreit vom Boden abheben (auf der gesunden Seite ungefähr eine Handbreite), wodurch ich wieder nahezu unbehindert gehen kann. Das Gefühl auf der Vorderseite des Unterschenkels war bereits nach ca. drei Wochen wiederhergestellt, die etwas hartnäckigere Taubheit im Bereich des dicken Zehs ist inzwischen auch fast verschwunden. Die Beweglichkeit der Zehen und des Fußes verbessert sich um Milligrad pro Milligrad, so dass von einem Tag auf den anderen eigentlich keine Änderung zu bemerken ist, über Wochen hinweg aber eben schon.

Und ob das jetzt der Auslöser war oder nicht: Ich setze mich jedenfalls bis auf weiteres nicht mehr mit eng übereinander geschlagenen Beinen hin.

Peronäusparese

Vorbildlicher Reklamationsprozess bei Schuh Gress

Man muss auch loben können! Ich hatte über Amazon bei Schuh Gress ein Paar Schuhe bestellt. Die wurden gestern auch geliefert, aber nicht in der bestellten Farbe. Also meldete ich mich gestern Abend per Mail, reklamierte die Lieferung und fragte nach, wie die Abwicklung passieren soll. Prompte Antwort heute morgen:

Hallo Herr [surfguard],

wir entschuldigen uns für unseren Fehler und diedamit verbundenen Unannehmlichkeiten.

Wir senden Ihnen schnellstens den richitgen Schuh zu, im Paket liegt dann eine Freimarke um den falsch gelieferten Schuh an uns zu senden.

Vielen Dank und Gruss
Stefan Gress

Respekt! Zum einen schreibt der Chef hier seine Kundenmails noch selbst und offensichtlich von Hand (siehe kleine Tippfehler), und zum anderen ist das ein Reklamationsprozess, wie ich ihn mir wünsche: Ich bekomme sofort die richtige Ware, habe die also so schnell wie möglich und nicht erst, nachdem meine Rücksendung beim Lieferanten eingegangen ist. Derjenige, der einen Fehler gemacht hat, korrigiert den also auf eigenes Risiko.

Könnt Ihr euch das bitte mal zum Vorbild nehmen, T-Mobile?

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