Fortuna Köln – VfB Hüls 3-0

Ein Sturmtief über Köln, drei Tore, zwei (gelb-)rote Karten, zwei Auswechslungen zur Pause – und trotzdem könnte dies irgendwie auch der kürzeste Fortuna-Spielbericht der bubbleboy-Geschichte werden. Denn alle Ereignisse schienen irgendwie en passant, eingebettet in ein fast belangloses, wenn auch erfolgreiches, vor allem aber von den Wetterumständen verwehtes Spiel. (Zwei Wind-Videos vom Spiel finden sich hier: http://blogs.23.nu/bubbleboy/2010/03/clouds-across-the-sky-gegenwind-im-sudstadion/)

Wolken über dem Südstadion

War nämlich der Morgen noch mäßig bewölkt und fröhlich sonnig gewesen, so zog ab dem Mittag das Sturmtief “Xynthia” über Köln auf und brachte Windstärken, die zwar noch unter Katstrophenniveau lagen, aber doch den Müll durch die Straßen der Stadt trieben und auch die Verhältnisse im Südstadion so gestalteten, dass der Schiedsrichter anbot, gar nicht erst anzupfeifen. Nur auf Wunsch beider Teams fand die erste Partie nach der Winterpause doch statt.

Trainer Mink hatte zwei Überraschungen in seine Aufstellung gemischt: Christian Beckers spielte als rechter Außenverteidiger, eine unübliche Position, die vor der Winterpause noch Tevfik Furucu mit Bravour gegeben hatte; heute saß er nur auf der Bank (Trainingsrückstand? Formschwäche? [Update: Laut Fortuna-Forum: Formschwäche). Außerdem trat die Fortuna auch als Favorit wieder nur mit einer Spitze an [Update, auch laut Fortuna-Forum: Rückenprobleme bei Can]: Kevin Kruth vor und Cengiz Can nach der Pause, so dass Mario Schwarz wieder als linker Flügelstürmer auflief, um das 4-2-3-1 zu komplettieren. Die Startaufstellung: Möllering – Beckers, Schroden, Marten, Venekamp – Ende, Dahmani – Glaser, Maouel, Schwarz – Kruth.

Auflaufen der Mannschaften

Es entwickelte sich bei hohen Windstärken ein Spiel, in das beide Mannschaften keinen Spielfluss bringen konnten: Der Fortuna, in der ersten Hälfte mit dem Wind, gerieten alle gut gedachten Steilpässe zu lang. Der Hülser Keeper, gegen den Wind, brachte kaum einen Abschlag auch nur in die Nähe der Mittellinie. Zwar war schnell zu erahnen, dass die Fortuna das Spiel dominierte und die bessere Spielanlage zeigte. Wirklich zu erkennen war das aber nicht, weil kaum eine Kombination zu Ende gespielt werden konnte. So entstand ein Hin und Her, das durch den Wind auch schon mal zu einem Hin und Hin entarte. (Wortspiel-Credits für “hin und hin” an levrheinland. (So macht man das, Helene!))

Der erste Höhepunkt des Spiels ereignete sich so nicht auf, sondern am Rande des Spielfelds – als der sehr inkonsistent leitende Schiedsrichter in der 20. Minute Fortuna- Trainer Mink auf die Tribüne verwies. Der schmunzelte sich dort, beobachtet von Teammanager, Ex- und Vertretungsfotograf Sebastian Flügel (Gute Besserung, palim!) zwar einen, konnte aber natürlich nicht mehr ganz so viel Einfluss auf das Spiel nehmen, wie er das üblicherweise tut.

Matthias Mink auf der Tribüne

Das Spiel plänkelte weiter vor sich hin, und es war zumindestens auch anteilig der Wind, der Wind, der in der 39. Minute der Fortuna den Führungstreffer bescherte: Ecke von der rechten Seite, eine Bö weht den Ball gefährlich Richtung Tor, hektisches und nachhaltiges Gestocher von beiden Seiten, Lars Marten ist als letzter Fortune am Spielgerät – und der gut stehende Schiedsrichter entscheidet, dass der Ball hinter der Linie gewesen sein soll.

Jubel nach dem 1-0

Bis zur Pause passierte nichts mehr, dafür in derselben: Matthias Mink wechselte gleich zwei Mal aus. Cengiz Can kam für Kevin Kruth, Winterpausenneuzugang Nico Schmied für den in Halbzeit eins tatsächlich  glücklosen Abdelkader Maouel. Schmied besetzte die zweite Sechserposition neben Ende, dafür rückte Hamdi Dahmani eins nach vorne.

Nico Schmied

Gewagte Frisur, Cengiz!

Frisurentechnisch legte die Fortuna mit diesen beiden Einwechslungen zwar auf der Fashion-Skala zu, am Spiel selbst änderte sich aber eigentlich nicht viel. Fortuna beherrschte das Geschehen relativ deutlich, wenn auch der Zufall (i.e. Wind) immer wieder lustige Situationen produzierte: Abschläge stiegen steil auf, wechselten in der Luft tatsächlich die Richtung und wehten zum abschlagenden Möllering zurück.

Und so war es wiederum dem Schiedsrichter vorbehalten, für das erste Entertainment zu sorgen: In der 83. und 84. Minute stellte er gleich zwei Hülsen vom Platz. Der erste Sportsfreund erhielt seine zweite gelbe Karte (ich hatte kurz nicht aufgepasst, weiß nicht ob zurecht). Der zweite Platzverweis grenzte aber ans Lächerliche: Tobis Urban war an der Mittellinie etwas unnötig hart mit der Hüfte gegen einen Fortunen eingestiegen, checkte den auch erfolgreich weg, aber eine gelbe Karte wäre das obere Rand des Strafmaßes gewesen. Der Schiedsrichter zeigte dagegen glatt Rot: völlig überzogen.

Den frisch gewonnenen Platz nutzte dann Cengiz Can für die zwei abschließenden und natürlich auch endgültig entscheidenden Tore: In der 86. Minute setzte er sich in einer schönen Einzelaktion gegen die ausgedünnte Hülser Abwehr durch und schob den Ball auch noch am herausstürzenden Keeper souverän vorbei neben dem linken Pfosten ins Netz. Nach dem Tor rannte Cengiz zur Tribüne und warf sein Trikot, das er über einem weiteren getragen hatte, in den Block der Mülltonnen, die von den aufgrund des Sturms gesperrten Stehplätzen dorthin ausgewichen waren und während des Spiels die meiste Stimmung im ansonsten erstaunlich ruhigen Fanblock gemacht hatten. (”Ohne Mülltonns wär hier gar nichts los”, schallte es kurz vor Schluss die Tribüne entlang.)

In der 90. legte Cengiz dann sogar noch das 3-0 nach, woraufhin der Schiedsrichter die Partie gar nicht erst neu anpfiff.

Nach dem Schlusspfiff

Am Ende war es ein unbedingt verdienter Erfolg der Fortuna, der gegen harmlose Hülsen auch in der Höhe berechtigt war, trotzdem diese seltsame Partie auf mich nie den Eindruck machte, überhaupt entschieden werden zu wollen. Eine spielerische Bewertung verbietet sich angesichts der meteorologischen Umstände, kämpferisch warf aber jeder Spieler in die Waagschale, was er hatte. Auch der Einstand von Nico Schmied muss unter bemüht und einsatzfreudig abgeheftet werden. Demnächst wird er möglicherweise mehr Gelegenheit bekommen, zu zeigen, ob er der Fortuna auch spielerisch weiterhelfen kann.

In der (allerdings zu ihren Gunsten verzerrten) Tabelle rückt die Fortuna erst einmal auf den 4. Platz vor. Es folgen nun jedoch Wochen der Wahrheit mit vier Auswärtsspielen in Folge, unter anderem in Siegen und bei Alemannia II. In der Folge wissen wir mehr über das Aufstiegs-Potenzial, das diese Mannschaft in der Rückrunde möglicherweise noch anzapfen kann.

Nach dem Schlusspfiff

Lars Marten klatscht ab

Frank Schroden ab

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Fotos von Sebastian Flügel auf Flickr.

Sfortuna per la Fortuna

Nur, falls irgendwer glaubt, ich hätte die Fortuna vergessen: Neinnein, natürlich nicht. Wegen des anhaltenden Winterwetters wird zurzeit nur Spiel um Spiel abgesagt, soeben auch das Auswärtsspiel bei Bergisch-Gladbach am kommenden Sonntag.

Ob am 28.02. die Heimpartie gegen Hüls wird stattfinden können, ist in meinen Augen auch sehr fraglich. Heute und die nächsten Tage soll es regnen, dann zwar trocken werden, allerdings bei bedecktem Himmel und weiterhin Nachtfrost. Das hört sich für mich nicht so an, als stünde in 10 Tagen ein bespielbarer Rasen bereit. Lassen wir uns überraschen. Auch letztes Jahr konnte erst Mitte März wieder gespielt werden, damals mussten sieben Partien nachgeholt werden.

Von Fans, wahren Fans, Ultras und meiner Stimme für Matthias Mink

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung findet sich heute eine ausführlicher Artikel dazu, wie Fangruppen in der Bundesliga versuchen, direkteren Einfluss auf ihren jeweiligen Verein zu nehmen. Anlass für den Artikel sind natürlich die Geschehnisse  rund um Markus Babbels Entlassung beim VfB Stuttgart, er schlägt aber einen weiteren Bogen, insbesondere auch über die Erstarkung der Ultra-Bewegung in den vergangenen Jahren.

Freundlicherweise liefert einer der Ursprünge der deutschen Ultras gerade in mehrfacher Hinsicht ein Beispiel und auch harte Fakten dazu, wie diese Bestrebungen um mehr Einfluss einzuschätzen sind. Bei Fortuna Köln gibt es mit den Eagles schließlich die laut Wikipedia älteste Ultra-Gruppierung Deutschlands.

Fortuna Köln hatte die ersten sechs Heimspiele dieser Saison nicht gewinnen können und dabei nur einen Punkt ergattert. Einigen Fangruppierungen war Trainer Matthias Mink schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge, insbesondere seine von ihnen als zu defensiv kritisierte Spielweise, die ihm den Spitznamen “Mörtel-Mink” eingetragen hatte. Entsprechend schäumte das offizielle Fortuna-Fanforum nach jeder neuerlichen Heimniederlage mit Schmähungen der Mannschaft über, die selten sachlich-kritisch, meist feurig-emotional vorgetragen wurden. Auch während der Spiele wurden die Schmährufe aus dem Fanblock in Richtung Trainerbank immer lauter und aggressiver. Öffentliche Stimmen pro Mink gab es in dieser Zeit fast gar keine.

Dann besannen sich einige Fans darauf, dass die Fortuna mit Deinfussballclub (DFC) ja eine Möglichkeit bietet, nicht nur emotionalen Einfluss zu nehmen, sondern Matthias Minks Beurlaubung konkret zu fordern und den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen. Gesagt, getan, der Sieg schien sicher, wenn man der Stimmungslage in den Foren glaubte.

Schon recht bald zeigte sich aber der erste Nebeneffekt der DFC-Demokratie: Abstimmungen müssen beantragt werden, der Antrag muss genug Stimmen bekommen, dann muss die eigentliche Abstimmung vorbereitet und schließlich durchgeführt werden. Unterm Strich gingen so von der Beantragung bis zum Abstimmungsstart gut zwei Monate ins Land. Und siehe da: Die Mannschaft begann plötzlich wieder zu gewinnen. Während es auswärts fast immer gut gelaufen war, kamen nun auch wieder Heimsiege hinzu. Inzwischen hat die Mannschaft von den letzten neun Ligaspielen seit Mitte Oktober nur eins verloren, zwei unentschieden gespielt und sechs gewonnen. Dazwischen kam zwar die schmähliche Pokalniederlage bei einem Landesligisten (zwei Spielklassen unter der Fortuna), die allerdings nur wenige Tage später vom hochverdienten 3:2-Sieg beim bis dahin heimstärksten Team der NRW-Liga gefolgt wurde. Dabei gelang Alexander Ende das inzwischen gewählte (und heute Abend in der Sportschau zu sehende) Tor des Monats November.

Die eingebaute Trägheit der DFC-Basisdemokratie sorgte also schon einmal dafür, dass ein unter massivem Beschuss stehender Trainer Zeit zum Weiterarbeiten bekam und auch nutzte, die ihm möglicherweise im präsidialen System des normalen Vereinsfussballs nicht gewährt worden wäre. Hätte der Verein dem massiven Drängen der Fans nachgeben können, wäre Mink vielleicht schon im Oktober entlassen worden.

Inzwischen, da die Abstimmung über Minks Beurlaubung seit über einer Woche läuft, zeigt sich eine weitere, eigentlich triviale Wahrheit: Die lautstärksten Fans aus der Kurve sind nicht die Mehrheit der Vereinsanhänger. Ich bin zwar eigentlich dagegen, Zwischenstände laufender Abstimmungen bekannt zu geben, habe gerade sogar einen entsprechenden Antrag bei DFC laufen. Aber da Zwischenstände der Mink-Abstimmung selbst im WDR-Videotext zu lesen sind, verrate ich hier kein Geheimis: Aktuell haben zwei Drittel aller bislang Abstimmenden gegen die Beurlaubung von Mink votiert, nur ein Fünftel ist dafür, der Rest enthält sich und stimmt damit effektiv auch gegen eine Beurlaubung. Zwar läuft die Abstimmung noch bis zum 30.12., aber es wird in diesem Jahr nur noch ein Spiel ausgetragen werden, so dass man eigentlich nicht mehr damit rechnen kann, dass der Trend noch dramatisch kippt.

Unterm Strich: Ein im Fanforum völlig eindeutiges Stimmungsbild, bei dem der Abstieg beschworen wurde, wenn der Trainer nicht sofort entlassen würde, hat sich bislang als völlig unrepräsentativ für das Meinungsbild der bei DFC angemeldeten Fortuna-Unterstützer erwiesen. Außerdem hat sich gezeigt, dass ein Trainer es schaffen kann, einen sportlich dramatischen Trend zu drehen.

Das muss in anderen Fällen bei anderen Vereinen natürlich nicht immer genau so sein. Aber es zeigt eins ganz deutlich: Niemand sollte auf die Idee kommen, dass die Rücksichtnahme auf den Druck aus der Kurve identisch ist mit echter Fanbeteiligung. Das wäre ungefähr so, als würden wir in Deutschland zukünftig auf Wahlen verzichten und die Zusammenarbeit mit Lobbyisten zur neuen Demokratie erklären. Denn natürlich haben Fangruppierungen das Wohl des Vereins im Auge, aber sie verfolgen auch eigene Vorstellungen, die nicht mit denen aller zahlenden Vereinsanhänger identisch sein müssen. Im Fall der Fortuna ist es beispielsweise das von den Fans massiv geforderte Schöne Spiel, das manch anderem Anhänger wohl wenigstens nicht so wichtig zu sein scheint, dass er deswegen Matthias Mink ablösen würde. Und es kann ja sogar sein, dass es Leute gibt, die das Spiel der Fortuna jetzt schon für attraktiv halten.

Eine Diskussion, die in diesem Zusammenhang gerade bei der Fortuna immer wieder aufflammt, ist die Differenzierung zwischen Fans, wahren Fans und Ultras. Ultras und Fanclub-Mitglieder sind nach diesem Dogma die wichtigsten. Dann gibt es noch wahre Fans, die sich beispielsweise dadurch auszeichnen, dass sie sehr regelmäßig ins Stadion gehen, aber zu keinem Fanclub gehören und nicht im Fanblock stehen. (Das wäre zum Beispiel ich, würde ich mich wenigstens selbst mal einordnen.) Dann gibt es normale Fans, die aber nicht regelmäßig im Stadion sind und irgendwie nicht so richtig zählen. Und schließlich gibt es speziell bei der Fortuna noch DFC-Mitglieder, die ohnehin irgendwie suspekt sind, ihre 40 € pro Jahr an die Fortuna abführen dürfen, sich aber in Diskussionen bitte nicht einmischen sollten.

Bei dieser Abstufung geht es natürlich implizit darum, das Gewicht der Stimmen von Fanclubs gegenüber denen der weniger wichtigen Fans zu erhöhen. Interessant ist nun jedoch, dass für die Mink-Abstimmung verschiedene Fanclubs gebeten worden waren, eine Stellungnahme abzugeben. Dieser Aufforderung kam lediglich ein einziger Fanclub nach, “D`r lange Ball“, und das mit einem Zweizeilen-Statement in Stichworten.

So wird noch deutlicher: Es geht nicht jedem um Demokratie, der Einfluss haben möchte. Aber natürlich ist eine echte Fandemokratie letztlich der einzige Weg, wie Anhänger ernsthaft an der Meinungsbildung ihrer Vereine beteiligt werden können, wenn das ganze nicht in einen vereinsoffiziell sanktionierten Lobbyismus entarten soll.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir keineswegs darum, Fanclubs und ihre positive Bedeutung für Fußballvereine gering zu schätzen oder gar beschneiden zu wollen. Doch wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen und bei Entlassung auch um persönliche Schicksale geht, dann braucht es andere Werkzeuge als ein Tonbandgerät vor der Kurve.

So, und wie fällt nun meine konkrete Entscheidung pro oder contra Matthias Mink aus?

Pro:

  • Die Fortuna nimmt eine erkennbare, langfristig positive Entwicklung. Unter Mink stieg sie zunächst (als Meisterschaftszweiter, weil der VfL Leverkusen die Lizenzbedingungen nicht erfüllen konnte) in die NRW-Liga auf, nachdem sie im Jahr davor noch gegen den Abstieg aus der Verbandsliga gespielt hatte. Der Klassenerhalt war in der ersten NRW-Liga-Saison nie ein Thema. In dieser Saison ist ein Platz im oberen Tabellendrittel das Ziel, und dieses Ziel ist eindeutig in Reichweite (aktuell Rang 5 in einer leicht positiv für die Fortuna verzerrten Tabelle).
  • Die mannschaftliche Geschlossenheit war bis auf ein, zwei Partien bei allen Spielen dieser Saison erkennbar.
  • Man erkennt nach einem etwas holprigen Start der auf wesentlichen Positionen veränderten Mannschaft, welches System Matthias Mink spielen lässt und wie dieses System mehr und mehr zu greifen beginnt.
  • Matthias Mink gelingt es, wenn auch nur über längere Zeiträume, flexibel zu sein und sich zu ändern. Die Umpositionierung von Hamdi Dahmani vom Flügel auf die Sechser-Position, der immer besser funktionierende Einbau von Abdelkader Maouel in die Mannschaft, die Umstellung auf zwei Spitzen: All das sind Veränderungen, die der Mannschaft halfen.
  • Das von Mink bevorzugte 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing funktioniert auswärts ganz hervorragend (Bilanz in dieser Saison bislang 5-2-2).
  • Junge Spieler entwickeln sich unter Mink immer wieder positiv und bekommen Einsatzzeiten: Kevin Kruth hat es vom Superjoker zum kaum noch verzichtbaren Sturmführer gebracht. Abdelkader Maouel tut der Mannschaft sehr gut. Jan Gran kommt auch noch. Von Michael Khan hört man immer wieder, dass er sehr gute Trainingsleistungen bringt. (Auf dem Platz ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen.)
  • Die Mannschaft hat unter und mit Matthias Mink die Kurve aus einer ganz, ganz schwierigen Saisonphase gekriegt.

Contra:

  • Das Spielsystem im Südstadion funktioniert erst in den letzten Spielen einigermaßen, aber noch lange nicht so gut wie auswärts.
  • Matthias Mink denkt aus der Defensive heraus. Das ist zwar im modernen Fußball weit weg von grundfalsch, aber auch gegen schlechte Mannschaften wird oft mehr reagiert als agiert. Mir fehlt eine klarere Spielphilosophie, wie die Mannschaft bei Ballbesitz agiert.
  • Mink ist ein Sturkopf, obwohl er langfristig durchaus Veränderungen vornimmt, beispielsweise wird in dieser Saison früher einwechselt als noch letzte Saison.
  • Wer bei Mink verschissen hat, der hat verschissen (vgl.  Bably, Moog, Höffgen).
  • Wechsel dienen bei einer Führung fast ausschließlich der Ergebnissicherung, nie dem Willen, die Entscheidung herbeizuführen, indem man noch ein Tor nachlegt.
  • Die Zusammenstellung des Kaders, für die Mink auch verantwortlich ist, ist nicht optimal. Es fehlt beispielsweise ein dritter, ligatauglicher Stoßstürmer. Auch die beiden Sechserpositionen und die Flügel sind zu dünn besetzt. Das ist nicht nur mit dem Etat erklärbar, denn wenn ich ein 4-4-2 spielen möchte, zu dem Matthias Mink sich bekennt, dann kann ich mich einfach nicht mit zwei Stoßstürmern zufrieden geben.

Unterm Strich überwiegen für mich die positiven Aspekte. Man darf auch nicht vernachlässigen, dass die Fortuna Matthias Minks erste Trainerstation ist, dass auch bei ihm eine Entwicklung erkennbar ist und er zudem den A-Trainerschein gerade macht. Ich bin weit davon entfernt, kritiklos gegenüber dem Trainer oder der Mannschaft zu sein. Aber diesen Trainer zu beurlauben, allemal ohne die Alternative zu kennen, wäre mehr als leichtsinnig. Ich bin davon überzeugt, dass die Fortuna mit Matthias Mink nächste Saison aufsteigen und sich in der Regionalliga etablieren kann.

Deswegen gebe ich meine Stimme pro Matthias Mink ab.

Fortuna Köln – TSG Sprockhövel 2-1 (2-1)

(Das Spiel fand schon am Freitag statt. Wegen technischer Probleme folgt der Spielbericht erst heute.)

Ein seltsames Spiel. Vor der Pause ein Feuerwerk der guten Laune, mit Torchancen en masse für die Fortuna, aber auch mit einem mutigen Tabellenletzten aus Sprockhövel. Nach der Pause dann ein Grottenkick mit unentschlossenen Fortunen und durchschlagsschwachen Ruhrgebietskickern.

Flutbeleuchtetes Südstadion

Matthias Mink hatte dieselbe Mannschaft aufs Feld geschickt wie letzte Woche, und zwar in der taktischen Formation aus der zweiten Halbzeit, also Hamdi Dahmani auf der Doppelsechs neben Ende, Abdelkader Maouel auf dem linken Flügel und Can und Kruth im Sturm. Die Aufstellung: Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Maouel, Ende, Dahmani, Glaser – Kruth, Can.

Auflaufen der Mannschaften

Hatte ich zu Beginn noch bedauert, dass Maouel nicht wieder hinter den Spitzen spielen durfte, wie letzte Woche noch in der ersten Halbzeit, legte sich dieses Bedauern erst einmal, denn die Fortuna übernahm sofort das Kommando auf dem Spielfeld und spielte entschlossen nach vorne. Dennoch war von Anfang an erkennbar, dass Sprockhövel nicht genauso schlecht auftreten würde wie letzte Woche Schermbeck. Spätestens in der 9. Spielminute war das auch dem letzten Zuschauer klar geworden, denn da zappelte der Ball im Netz – und zwar auf der Kölner Seite. Ich hatte mich gerade kurz auf meinen Glühwein konzentriert, und als ich aufblickte sah ich nur noch einen Sprocköveler in einen kurzen Steilpass sprinten und den Ball an Möllering vorbei einschieben. Der Treffer war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht unbedingt verdient, aber auch nicht völlig überraschend, denn so zögerlich Sprockhövel nach hinten agierte, so mutig und teilweise durchaus ansehnlich spielten sie nach vorne.

Sprockhöveler Jubel nach der Führung

Die Fortuna ließ sich nur kurz schocken, spielte dann umso drängender nach vorne und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt, die sie sehr zuverlässig versiebte, teilweise mit etwas Pech, teilweise am Torwart scheiternd, teilweise auch, weil die letzte Entschlossenheit fehlte.

Alle im Stadion hatten aber wohl den Eindruck, dass das schon noch was werden würde, auch die Spieler auf dem Rasen. Allerdings lag die Überlegenheit heute nicht so sehr am brillanten Kölner Spiel, sondern mehr daran, dass Willen und Selbstvertrauen auf eine schwache Abwehr trafen. Insbesondere von Alex Ende kamen heute nicht die präzisen Bälle auf die Flügel, die er noch letzte Woche geschlagen hatte. Hamdi Dahmani, manchmal mehr als Achter unterwegs, verrannte sich etwas zu oft. Was im Zentrum heute jedoch nicht so gut klappte, machten Maouel und Glaser auf den Flügeln gut, die sich immer wieder durchsetzen konnten.

So brauchte es dann aber 40 Minuten und ein bisschen Glück, denn der von Stephan Glaser von der Strafraumgrenze abgegebene Schuss wurde noch leicht abgefälscht, damit er sich unhaltbar zum Ausgleich ins Eck senken konnte.

Und heute war endlich einmal die Fortuna mit einem Doppelschlag dran. Hatten während der schlechten Phase zu Saisonbeginn im Südstadion immer wieder die Gegner in kurzer Folge getroffen, so konnte jetzt die Fortuna noch vor der Pause nachlegen: Furucu auf Can, der setzt sich körperlich gut durch, schüttelt seinen Gegenspieler ab und trifft von der rechten Fünfmeterraumgrenze in den linken oberen Torwinkel zum 2-1 (44.).

Jubel von Cengiz nach dem 2-1

Alles gut zur Halbzeit.

Doch aus der Kabine kam die Fortuna völlig verändert zurück. Auf einmal ging kaum noch etwas, der Zug war einfach aus dem Spiel raus. Es schien, als hätte die Mannschaft den Gang zu früh rausgenommen, anstatt wie in der ersten Hälfte den schwachen Gegner in seine Hälfte zu drängen und das mutmaßlich entscheidende 3-1 nachzulegen.

So entwickelte sich eine extrem zähe Partie, in der Fortuna erst nicht mehr wollte, dann nicht mehr konnte, und Sprockhövel auch kein Mittel fand, sich entscheidend vors Kölner Tor zu kombinieren. Und wenn sich der Fortuna schon mal die kaum vermeidbaren Konterchancen ergaben, dann vertrödelten die Spieler diese Chancen durch ein viel zu umständliches, zu wenig zwingendes Spiel oder durch unpräzise letzte Pässe und Flanken.

Der inzwischen schon wieder übelst holperige, sich im Spielverlauf immer mehr verschlechternde  Rasen im Südstadion trug auch das Seine dazu bei, dass kein flüssiges Spiel mehr zustande kam, kann aber keine Entschuldigung für so eine Halbzeit sein.

Übler Zustand des Rasens

Etwas unverständlich für mich heute auch die ersten beiden zwei Wechsel von Matthias Mink: Schwarz kam in der 77. Minute für Maouel, der bis dahin ordentlich gespielt hatte, nicht erschöpft wirkte und im Spiel nach vorne grundsätzlich mehr verspricht als der auch heute wieder zu brave Schwarz. Wenige Minuten später kam Jagusch für Kruth: Innenverteidiger für Stürmer. Jagusch sortierte sich zwar auf der Sechserposition ein und Dahmani ging für ihn in die Spitze. Aber als Aufbauspieler hatte sich Sascha Jagusch in der Vergangenheit noch nie hervorgetan. Wollte Mink gegen den Tabellenletzten zuhause den knappen Sieg sichern? In der 83. Minute ist dieser Gedanke nicht komplett illegitim, aber auch kein direkter Ausweis des Glaubens an die eigene Stärke. Kurz darauf musste dann auch noch Hamdi Dahmani raus, der sich scheinbar eine Zerrung zugezogen hatte. Für ihn kam zum ersten Mal nach seinem Jochbeinbruch wieder Christian Beckers mit Masek auf dem Gesicht.

So erzitterte sich die Fortuna einen Sieg gegen eine aber nie wirklich brandgefährliche TSG Sprockhövel. In Halbzeit zwei hätte das dennoch sehr leicht noch in die Hose gehen können, wenn auch für die TSG mal ein abgefälschter Schuss ins Tor gerutscht wäre. Da hätte einfach mehr kommen müssen, um gegen einen Gegner nicht mehr in Gefahr zu geraten, der der Fortuna erwiesenermaßen nicht gewachsen war.

Am Ende steht dennoch der vierte Heimsieg in Folge und der zwischenzeitliche Sprung auf Tabellenplatz 4, wenigstens bis die anderen Mannschaften morgen und am Sonntag nachlegen können. Mund abputzen, gewonnen, nächstes Mal entschlossener spielen!

Meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die offiziellen Fotos des Spiels von Barbara Lehmann auf Flickr.

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Fortuna Köln – SV Schermbeck 4-0

Na, wenn das mal kein flammendes Plädoyer für eine 4-4-2-Taktik war, wenigstens zu Hause gegen schwache Mannschaften? Endlich im Südstadion mal hoch gewonnen und dabei vor allem einen schlechten Gegner deutlich dominiert. Matthias Mink hatte sich gegen den SV Schermbeck dafür entschieden, die von den Fans schon lange geforderte Doppelspitze mit Can und Kruth zu bringen. Außerdem spielte die Fortuna mit einer Mittelfeldraute, auch wenn ich mir vielleicht wieder sagen lassen muss, dass das ja nur so ausgesehen habe. Unbestreitbar aber tummelte sich Abdelkader Maouel in der ersten Hälfte konstant auf der 10er-Position hinter den Spitzen. Hamdi Dahmani dagegen besetzte seit langem mal wieder den linken Flügel, Mario Schwarz hatte das Team für den zweiten Stoßstürmer verlassen müssen. Diese Mannschaft ließ Matthias Mink bei trübem, frühwinterlich nassem, aber doch noch halbwegs warmem Wetter auflaufen (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Ende – Dahmani, Glaser – Maouel – Kruth, Can.

Edstadio del Sud, Colonia

Auflaufen der Mannschaften

Die Fortuna übernahm vom Anpfiff weg das Kommando im Spiel, zumal sie schnell bemerkte, wie hüftsteif die Schermbecker Abwehr agierte. Nahezu jedes Dribbling gewannen die Kölner Spieler, die Zweikämpfe meist auch noch. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Kurzer Steilpass an die rechte Strafraumgrenze auf Can, der kämpft sich in den 16er, Querpass auf den mitgelaufenen Kruth, der sicher zum 1-0 in der 8. Minute einschieben kann.

Jubel nach dem 1-0 durch Kruth

Und als wollten die beiden zeigen, wie prima sie miteinander können, folgte schon zehn Minuten später das 2-0, dieses Mal im umgekehrten Zusammenspiel: Kruth nimmt in zentraler Position einen Ball an, der über den linken Flügel ins Zentrum getragen worden war, leitet ihn an Can weiter, der passt sofort kurz zurück, Kruth hebt ihn geistesgegenwärtig in den Lauf des voll durchstartenden Cengiz Can, und der lupft souverän am Torwart vorbei zum frühen 2-0 (19.).

Fast schon in der nächsten Minute hätte das 3-0 fallen können, als Kevin Kruth einen guten Querpass aus knapp 16 Metern dicht am linken Pfosten vorbei schoss.

Doch die Fortuna hatte das Spiel auch so im Griff, gegen eine Mannschaft aus Schermbeck allerdings, und das muss in dieser Deutlichkeit gesagt werden, die zu keinem Zeitpunkt ihre Ligareife nachweisen konnte. Das hing vielleicht teilweise mit dem frühen und entmutigenden Rückstand zusammen. Aber es war klar zu erkennen, dass die Schermbecker Abwehr viel zu unbeweglich ist (Selbst Goalgetter Kruth, wirklich nicht der Dribbler vor dem Herrn, durfte mit einem Solo erfolgreich bis in den Strafraum eindringen und nur knapp am Winkel der kurzen Ecke vorbei schießen), dass die Passgenauigkeit fast alles zu wünschen übrig ließ und die gesamte Mannschaft eine fast schon erschreckende Zweikampfschwäche demonstrierte.

Aber es darf auch gesagt werden, dass die Fortuna in Halbzeit eins eine taktisch und spielerisch hervorragende Leistung zeigte: Auch so einen Gegner muss man schließlich erst einmal schlagen. Die Raute funktionierte prima, die Flügelspieler auf der ballfernen Seite rückten vorbildlich nach innen, die beiden Stürmer waren beweglich nach hinten und auf die Flügel, die Außenverteidiger stießen immer wieder nach vorne, gut abgestimmt mit den Flügelspielern, und auch Alex Ende nutzte seine Freiheiten in der Offensive und schlug immer wieder gute Bälle auf die Flügel, wie man es von einem modernen Sechser erwartet. Es entstand insgesamt ein so variables Angriffsspiel, dass die Schermbecker nicht recht wussten, wo sie hinlaufen sollten. Und auch das übliche Mittelfeldpressing der Fortuna wurde heute gegen ein echtes Forechecking getauscht, gegen eine technisch so schwache Verteidigung eine völlig richtige Maßnahme.

Auch die Fans wunderten sich: “Hast du dir das ausgedacht, Mattes?” lautet ein schon fast verzweifelter Ruf in Richtung Trainerbank. Wenn man nichts mehr zu meckern hat, dann darf das Feindbild aber wenigstens nicht auch noch verantwortlich für das gute Spiel sein.

Vielleicht hatte es aber auch an Klaus Ulonska gelegen, der als Nikolaus verkleidet im Gefolge des Spendenballs über die Tribüne marodierte. Ich wäre ja dafür, dass er das als lustiger Glücksbringer jetzt solange wiederholen muss, wie die Mannschaft zuhause nicht mehr verliert :-)

Es weihnachtet im Fanblock

Nach der Pause kam ganz schnell der Deckel auf’s Spiel: Freistoß von halblinks, Abdelkader Maouel zieht den Ball in Richtung langer Pfosten, Freund und Feind bringen den Kopf nicht mehr in die Flugbahn – und das Gerät plöppt vor dem langen Pfosten ins Netz: 3-0 in der 46. Minute!

Jubel nach dem 3-0 durch Maouel

Und schon wenige Minuten später wieder Maouel, der an der linken Strafraumgrenze den Ball behauptet, den sich ihm nachlässig in den Weg stellenden Schermbecker Verteidiger kurz auswackelt und eine scharfe Flanke an den Fünfmeterraum bringt, wo Kevin Kruth richtig steht und problemlos mit dem Fuß verwandeln kann (51.).

Jubel nach dem 4-0 durch Kruth

Das Spiel verflachte nun erst einmal etwas, die Fortuna nahm einen Gang raus. Schade eigentlich, denn gegen so einen Gegner hätte man genauso weiterspielen und mindestens noch zwei, drei Tore erzielen können. In dieser engen Liga kann am Ende das Torverhältnis noch sehr wichtig werden.

Eine Umstellung hatte allerdings auch Matthias Mink zur Pause vorgenommen: Dahmani rückte, wie in den letzten Spielen, wieder auf die zweite Sechserposition, dafür besetzte Maouel nun den linken Flügel: Ein 4-4-2 mit Doppelsechs also. Warum diese Maßnahme, wo die offensivere Variante doch so prima funktioniert hatte? Doch ich will wirklich nicht das Haar in der Suppe suchen, denn auch in der Folge kontrollierte die Fortuna das Spiel und hatte nach einer kleinen Ruhephase noch sehr gute Torchancen. Die allergrößte vergab Kapitän Glaser, heute prima aufgelegt, in der 69. Minute: Bei einem Konter übersprintete er, steil geschickt, die Schermbecker Verteidiger, kam allerdings mit seinem kleinen Lupfer nicht am Torwart vorbei.

In der 80. Minute gab es dann doch noch die erste Torchance für den SV Schermbeck: Einen strammen Schuss aus 10 Metern konnte Christopher Möllering mit einer tollen Parade am Tor vorbei lenken. Nicht schlecht, wo er sich doch zuvor nur kalt und nass hatte regnen lassen und Pflichtaufgaben hatte erledigen müssen.

Fortuna Köln - SV Schermbeck

In den letzten Minuten zog die Fortuna dann noch einmal an, war allerdings in den Kontersituationen nicht mehr zwingend genug. Erst in der Nachspielzeit drosch Alex Ende den Ball aus 20 Metern auf’s Tor, und der Schermbecker Torwart hielt unbedachterweise die Hände in den Schuss. Zwar gelang es ihm, den Ball über die Latte zu lenken, es dürfte aber mächtig in den Fingerspitzen gezwiebelt haben.

Nach dem Schlusspfiff

Am Ende hatte die Fortuna einen Gegner, den man schlagen muss, auch tatsächlich geschlagen – und zwar, ohne je einen Zweifel am Sieg zu lassen. Das ist deutlich mehr, als man bislang nach irgendeinem Heimspiel sagen konnte. Dazu kam eine besonders in Halbzeit eins auch taktisch starke und sowieso engagierte Leistung. Dass das Team nach dem frühen 4-0 etwas nachließ, kann man ihm letztlich nicht übel nehmen.

Schon am Freitag Abend geht es um den nächsten Pflichtsieg, wenn der Tabellenletzte aus Sprockhövel ins Südstadion kommt.

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die Mannschaft auf dem Weg in die Südkurve

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Fortuna – Schermbeck, eine kurze Vorschau

Gleich werde ich mich auf den Weg ins Südstadion machen, wo Fortuna Köln gegen den Tabellenvorletzten SV Schermbeck antreten wird, die aktuell schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Da am Freitag bei Deinfussballclub die Abstimmung über die Beurlaubung von Trainer Matthias Mink gestartet ist und bis zum Jahresende laufen wird, formuliere ich heute mal meine Erwartungen an das Spiel. Ich habe für meine Stimme zwar bereits eine Tendenz, allerdings möchte ich die verbleibenden drei Partien innerhalb der Abstimmzeit nutzen, um mir noch mal ein sehr bewusstes Urteil zu bilden.

Worauf werde ich als heute besonders achten:

  • Zuvörderst steht, dass Mannschaft und Trainer endlich eine Antwort auf die Taktik von Teams finden müssen, die sich im Südstadion hinten reinstellen. Es ist zu erwarten, dass Schermbeck genau das tun wird, alles andere wäre jedenfalls fahrlässig, denn genau gegen Teams mit defensiver Spielweise hatte die Fortuna in dieser Saison die größten Probleme, während sie gegen offensiv orientierte Teams meist sogar gewann. Das liegt daran, dass die Mannschaft auf Mittelfeldpressing eingeschworen ist und die sich ergebenden Räume bei Ballgewinn hinter der Mittellinie gut nutzt. Selbst das Spiel zu machen war bisher hingegen ein Problem, auch wenn sich im letzten Heimspiel gegen SW Essen Besserung andeutete. Ich hoffe, dass sich dieser Trend heute fortsetzt.
  • Ob das mit einem 4-2-3-1 oder mit einem 4-4-2 gelingt, ist mir dagegen relativ egal. Ich würde zwar gerne sehen, wie die Fortuna mit zwei Stoßstürmern mehr Druck aufbaut. Wenn es ihr aber gelingt, den Gegner mit einem starken, offensiven Mittelfeld über die Flügel auszuspielen, dann soll es mir sehr recht sein.
  • Die Spieleröffnung war in der vergangenen Saison die große Schwäche, sie wurde in dieser Saison aber, spätestens mit der Versetzung von Hamdi Dahmani auf die zweite Sechserposition, weitgehend beseitigt. Diese Spieleröffnung wird gerade gegen einen defensiven Gegner einer der Schlüssel zum Erfolg sein. Im Pokal gegen Nierfeld gelang da allerdings mal wieder fast gar nichts, zahlreiche Querpässe der Innenverteidiger sorgten dafür, dass Nierfeld die Ordnung wahren konnte.
  • Dass ich sehen möchte, wie sich das Team für den Sieg und auch für den Trainer zerreißt, ist sowieso selbstverständlich. In der Vergangenheit war aber eigentlich nur beim Spiel gegen Windeck in Höhenberg fraglich, ob die Mannschaft den Willen aufbringt, so dass ich hier die wenigsten Zweifel habe.
  • Und ich bin gespannt zu sehen, wie der Support des Fanblocks sein wird, der tendenziell eher gegen Mink eingestellt ist. Ich hoffe auf positive Unterstützung, auch wenn es im Spiel nicht sofort super laufen sollte. Canstatter Szenen sollten uns erspart bleiben.

Schon in wenigen Stunden werde ich berichten, wie alles ausgegangen ist. Anstoß ist um 14:30 Uhr.

Jubelszenen nach dem 3-1-Sieg gegen Schermbeck in der letzten Saison

Tor des Monats

Alemannia Aachen scheitert ja schon seit zwei Wochen erfolglos, Fortuna Köln in der ewigen Zweitligatabelle zu überholen. Ein Sieg fehlt der Alemannia noch, der nicht fallen will – und jetzt schlägt die Fortuna auf ganz anderem Feld zurück: Alexander Endes 45-Meter-Traumtor gegen den MSV Duisburg II vom letzten Sonntag hat es nämlich in die Auswahl zum Tor des Monats geschafft.

Wann ist der Alemannia DAS denn zuletzt gelungen? Jedenfalls wird Endes voraussehbar triumphaler Sieg die Fortuna noch einmal ins Gedächtnis der Fußballnation zurückzurufen: Doch, hier wird auch noch Fußball gespielt!

Wer also für das Tor von Alex Ende stimmen möchte, der kann es sich unten ansehen und dann hier sein Votum abgeben: http://www.sportschau.de/sp/tor_des_monats/index.jsp

Tor des Monats – Sportschau – Alex Ende from Fortuna Köln on Vimeo.

MSV Duisburg II – Fortuna Köln 2-3

Heute nur ein kurzer Bericht, da ich das Spiel gestern lediglich im Livestream auf der Arbeit verfolgen konnte.

Gucksituation

Gucksituation

Matthias Mink hatte wieder ein 4-2-3-1 aufgestellt, allerdings war etwas überraschend Cengiz Can für Kevin Kruth auf die einzige Stürmerposition gerutscht, obwohl Kevin in den letzten Wochen sehr verlässlich getroffen hatte. Ansonsten lief das Team der letzten Wochen auf, also: Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Ende, Dahmani – Schwarz, Maouel, Glaser – Can.

Duisburg II, verstärkt um den Profi-Rekonvaleszenten Tobias Willi, spielte der der Fortuna in die Karten, indem sie das Spiel zu machen versuchten. Das gelang der Mannschaft in Sachen Ballbesitz zwar auch, allerdings war die Defensiveinstellung der Fortuna gestern erfreulich giftig, man eroberte Mal um Mal erfolgreich den Ball und spielte dann sehr schnell nach vorne. Es ergaben sich fast zahllose gute Tormöglichkeiten, die schon früher als in der 43. Minute hätten genutzt werden können, sogar müssen. Es fehlte aber am allerletzten Zug zum Tor, am letzten Pass und ein bisschen auch am Willen zum Abschluss. Kurz vor der Pause war aber endlich Hamdi Dahmani frei vor der Kiste und netzte souverän ein.

Mit dem  1-0 ging es in die Pause, aus der die Fortuna etwas unsortiert kam und nach wenigen Minuten in der Folge eines Eckballs prompt den Ausgleich kassierte.

Es schien jedoch, als hätte die Mannschaft nur zwei Dinge gebraucht: diesen Weckruf  – und einen sagenhaft treffsicher aufgelegten Alexander Ende. Sein erstes Tor erzielte er in der 56. Minute: Einen von links flach an die Strafraumgrenze gespielten Eckball drosch er direkt und mit dem Außenrist in den rechten oberen Knick. Doch wer hier, nicht ganz weit hergeholt, schon “Tor des Jahres” gejubelt hatte, wie Burkhard Mathiak DFC-Live-Ticker, der ahnte nicht, was noch kommen sollte.

Denn zehn Minuten später eroberte Ende, sonst nicht immer der stärkste Defensivzweikämpfer, den Ball an der Mittellinie, als der MSV gerade sein Spiel aufbauen wollten. Und anstatt den Ball wie sonst schnell in die Spitze zu passen, lief Ende noch ein paar Schritte und zog aus 45 Metern einfach direkt ab: Der Ball beschrieb einen traumhaften Bogen durch den Duisburger Nachmittagshimmel, überflog den verzweifelt ins Leere hechtenden Keeper und schlug genau unter der Latte ins Netz ein: 3-1-Führung für die Fortuna. Das war dann wirklich und endgültig das Tor des Jahres!

Tor des Monats – Sportschau – Alex Ende from Fortuna Köln on Vimeo.

In der Folge ließ die Mannschaft es etwas ruhiger angehen; Duisburg kam zu kleineren Chancen, die aber spätestens der gut aufgelegte Möllering allesamt zunichte macht. Erst in den Schlussminuten überschlugen sich die Ereignisse noch einmal: Venekamp musste in der 86. mit Gelb-Rot vom Platz, und vier Minuten später gelang Duisburg noch einmal der Anschluss. Die Fortuna konnte die Nachspielzeit allerdings mit ein paar Entlastungsangriffen recht gut runterspielen, wirklich kritische Situationen entstanden nicht mehr. Ganz am Ende verlor der Duisburger Torwart noch die Nerven und sah glatt Rot. Egal, der Schlusspfiff kam Sekunden später.

Das war gestern eine extrem geschlossene Mannschaftsleistung der Fortuna, deren Kontertaktik voll aufging. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Truppe mit jeder anderen in der NRW-Liga mithalten und sogar beim bis dahin heimstärksten Team der Liga verdient gewinnen kann. Umso spannender wird es zu beobachten sein, wie die Mannschaft am kommenden Sonntag zuhause gegen den Tabellenvorletzten aus Schermbeck auftreten wird, denn gerade gegen die schwachen und defensiven Gegner tat sie sich bislang sehr schwer. Auch für Matthias Mink, nach den letzten beiden Niederlagen im Pokal und in der Liga massiv in der Kritik, wird es die letzte Gelegenheit sein, um vor der DFC-Abstimmung über seine Entlassung noch einmal Punkte zu sammeln – nicht nur für die Liga. Jedenfalls kann man nach dem gestrigen Spiel sagen, dass die Mannschaft nicht, wie von manchem prognostiziert, nach zwei Niederlagen wieder zusammenfällt, sondern nach einem Saisontiefpunkt sofort wieder eine absolute Topleistung abrufen kann. Und auch taktisch war das eine sehr gute Leistung, die von der Mannschaft bis auf eine zehn Minuten lange Phase nach der Pause konzentriert auf den Rasen gebracht wurde.

P.S.: Die Fotos des Spiels von palim auf Flickr.

P.P.S.: Die Fotos von neph auf Flickr.

SV Nierfeld – Fortuna Köln 6:4 n.E.

Ein Spiel, das unbedingt nach 90 Minuten hätte vorüber sein müssen, und zwar aus mehreren Gründen: Zum ersten sowieso (vgl. Herberger), zum zweiten weil es am Spielfeldrand kälter als vorhergesehen war, und zum dritten, weil Cengiz Can Sekunden vor dem Abpfiff den Deckel auf dieses Spiel hätte machen *müssen*.

Trainer Mink ließ auch in diesem Pokal-Achtelfinale beim zwei Klassen schlechteren Landesligisten das 4-2-3-1 der letzten Spiele auflaufen. Lediglich Venekamp hatte Gran verdrängt, der in Wattenscheid übel gepatzt hatte. Die Mannschaft, die auf die matschige Asche des Sportplatzes Müsgesauel in Schleiden auflief, lautete also (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Dahmani, Ende – Schwarz, Maouel, Glaser – Kruth.

SV-Nierfeld - Fortuna Köln: Die Mannschaften
(Sorry, hatte gestern meine Kamera vergessen, Fotos also nur in Handyqualität.)

Ich habe mich in den letzten Spielen mit Taktikkritik bewusst zurückgehalten. Zum einen, weil die Mannschaft mehr oder weniger erfolgreich spielte, und zum anderen, weil das 4-2-3-1 aus der letzten Saison bekannt war und der Mannschaft nach ihrer Tiefphase möglicherweise Halt gegeben hatte. Doch warum Matthias Mink, der im Interview mit mir taktische Variabilität predigte, gegen einen Landesligisten nur einen Mittelstürmer aufbot, blieb mir unklar – zumal die Fortuna nicht etwa versuchte, sich gegen die erwartet defensiv stehenden Nierfelder schnell durch die Mitte zu kombinieren. Statt dessen bemühte man sich, die Außen freizuspielen und den Ball dann in die Mitte zu bringen. Gegen eine massierte Abwehr hilft dann aber ein entschlossener Extrakopf oder auch Bein vielleicht doch mal enorm.

Nierfeld hatte den Platz klein gemacht, was angesichts der Außenbahnen, die noch matschiger als der Rest des Spielfelds waren, aber auch nicht ganz unbegründet schien.

Platzverhältnisse

Auf diesem kleinen, auch nicht besonders langen Platz zog sich Nierfeld in die eigene Hälfte zurück, verschob, laustark dirigiert vom Keeper, sehr schnell und geschickt und machte die Räume so eng, wie das wahrscheinlich noch keine Landesligamannschaft hinbekommen hätte, bevor Professor Rangnick im Sportstudio die Viererkette erklärte. Die Fortuna tat sich mit dieser beweglichen Defensive sehr schwer, zumal es beiden Außen gestern zusammen genommen vielleicht ein oder zwei Mal gelang, einen Verteidiger im direkten Duell auszuspielen. Sowohl Schwarz aber auch Kapitän Glaser hatten keinen guten Abend erwischt.

Ebensowenig wäre aber erkennbar gewesen, dass die Fortuna mal ein schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen versuchte. Stattdessen wurde der Ball hintenrum quergeschoben, was für den Moment ja mal okay ist, aber auf Dauer doch nicht zum Ziel führt.

Das Ergebnis war ein Spiel, wie es zur Zeit auch der FC Bayern regelmäßig bietet: Schätzungsweise 75% Ballbesitz, aber keine adäquate Torgefahr. Mit 0-0 ging es in die Pause.

Dann der Schock: Eine Ecke für Nierfeld segelt quer durch den Kölner Strafraum, auf der anderen Seite erläuft sie ein Nierfelder, bringt sie wieder zurück, wieder quer durch den Strafraum, und auf der anderen Seite steht ein Angreifer mutterseelenallein, kann den Ball noch annehmen und kaum bedrängt hoch ins lange Eck abschließen: 1-0 für die Heimmannschaft in der 56. Minute.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Fortuna nun noch einmal zurückkommen würde, aber plötzlich wurde das Spiel drängender, einfach entschlossener, und es ergaben sich einige Tormöglichkeiten, was auch daran lag, dass Matthias Mink Cengiz Can für Mario Schwarz gebracht hatte: ein überfälliger Wechsel. In der 77. Minute dann endlich der Ausgleich, als Hamdi Dahmani in eine steile Flanke sprintete, den Kopf hinhielt und der Keeper ins Leere hüpfte.

Das Spiel lief dann irgendwie weiter, bis die letzte Spielminute anbrach. Nierfeld war erstaunlich weit aufgerückt, so dass nach einem Ballgewinn und einem Steilpass plötzlich Cengiz Can eine freie gegnerische Hälfte vor sich hatte. Kevin Kruth war auch noch mitgelaufen, so dass Can den Ball entweder mit dem Torwart ins Netz zimmern oder abspielen konnte. Er entschied sich für’s Abspiel – allerdings geriet der Pass auf Kruth auf dem nassen Boden viel zu schwach, so dass der Torwart den Ball locker aufnehmen konnte. Was für eine Chance! Und wie leichtfertig wurde sie vergeben?

Nur Sekunden später pfiff der Schiedsrichter zur Verlängerung, in der nicht mehr allzuviel passierte, auch wenn es durchaus noch ein paar kleine Chancen gab. Aber es ging mit 1-1 ins Elfmeterschießen.

Vorbereitungen zum ersten, verschossenen Elfer

Und da versagten ausgerechnet dem für den verletzten Alexander Ende eingewechselten Daniel Blankenheim die Nerven, einem der langjährigsten und treuesten Fortunen. Gleich als erster Schütze schoß er zu schwach und unplatziert. Der Keeper hielt, alle Nierfelder verwandelten ihre Schüsse, so dass der letzte Fortune gar nicht mehr antreten musste.

Mit 4:6 n.E. bei einem Landesligisten ausgeschieden. Für eine Pokalstory ist dieses Spiel so typisch wie unerklärlich. Die Zaghaftigkeit, mit der die Mannschaft spielte, wenn sie nicht zurücklag, ist mir auch heute morgen noch rätselhaft.

So bleibt mir nur, mich für die guten Nierfelder Würstchen und Mettbrötchen zu bedanken und überhaupt für den sehr freundlichen Empfang dort. Der Pokal bleibt ein schlechtes Pflaster für die Fortuna.

P.S.: Die wie immer schönen Bilder von palim auf Flickr, dieses Mal besonders stimmungsvoll.

SV Nierfeld - Fortuna Köln

Ermäßigter Eintritt für Randgruppen: Frauen, Jugendliche, Rentner

Kurz nachgefragt bei: Matthias Mink, Cheftrainer von Fortuna Köln

Matthias Mink, Jahrgang 1967, absolvierte in den 90er Jahren über 150 Zweitligaspiele für Fortuna Köln. In der Saison 2007/2008 kehrte er zurück – als Cheftrainer. In seiner ersten Spielzeit erreichte die Fortuna, die im Jahr davor noch gegen den Abstieg gespielt hatte, den zweiten Platz der Verbandsliga Mittelrhein und stieg auf, weil dem Meister VfL Leverkusen die Lizenz für die NRW-Liga verweigert wurde. Letztes Jahr schloss die Mannschaft als Aufsteiger ihre erste NRW-Liga-Saison auf Platz 9 ab.

Für die laufende Saison, die zweite in der NRW-Liga, wurde der Kader aufgerüstet und als Saisonziel ein Platz im oberen Tabellendrittel ausgegeben. Der Saisonstart geriet allerdings wechselhaft. Auswärts lief es sehr gut, zu Hause dafür umso schlechter: In den ersten sechs Heimspielen sammelte die Fortuna gerade mal einen Punkt, zwischenzeitlich wurden vier Spiele in Folge verloren, davon drei zuhause, und bei der Niederlage gegen Germania Windeck zeigte sich die Mannschaft mit zwei roten Karten wegen Tätlichkeiten fast schon selbstzerstörerisch.

Angesichts dieser Zwischenbilanz fand der Vorschlag eines Mitglieds von Deinfussballclub (DFC), der die Entlassung von Matthias Mink forderte, so viele Unterstützer, dass die verbindliche Abstimmung darüber im Dezember ansteht.

In den letzten Spielen lief es sportlich allerdings wieder besser: Die Fortuna ist inklusive dem Pokalsieg bei einem Bezirksligisten und dem Unentschieden bei Arminia Bielefeld II an diesem Sonntag seit fünf Spielen ungeschlagen, holte in der Liga aus vier Spielen zwei Heimsiege und zwei Auswärts-Unentschieden.

Die Abstimmung über Matthias Minks berufliche Zukunft bei der Fortuna wird dennoch stattfinden. Am vergangenen Donnerstag stand er mir im Büro von DFC für ein Interview zur Verfügung.

Herr Mink, wie schlafen Sie eigentlich zurzeit?

Ruhig. Weil wir gewonnen haben. Jeder weiß, dass ich das Projekt Deinfussballclub von Anfang an unterstützt habe, weil ich davon überzeugt bin, dass es eine gute Geschichte ist – auch im Hinblick auf die Abstimmung. Die Mitglieder unterstützen uns ja finanziell und bekommen dadurch die Möglichkeit mitzuwirken, mitzuarbeiten, sich einzubringen in den Verein.

Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Verantwortung der sportlichen Leitung durch die Mitglieder, die Co-Trainer, nicht in Frage gestellt werden sollte. Aber Managementaufgaben fallen klar in ihren Verantwortungsbereich, und eine dieser Aufgaben ist logischerweise auch die Mitbestimmung über das Personal. Dass dann sowas irgendwann mal kommen wird, war klar. Tatsache ist aber, dass bei solchen Entscheidungen auch Verträge berücksichtigt werden müssen.

Ich habe mich auf die sportliche Verantwortung zu konzentrieren, auf die sportliche Herangehensweise, und ich denke, da haben wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren ganz gut gearbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist das, worauf wir uns zu konzentrieren haben, nicht mehr und nicht weniger. Und deswegen schlafe ich auch gut.

Jetzt haben Sie nichtsdestotrotz gelernt, wie lang oder kurz die Geduld von manchen Mitgliedern ist, nämlich irgendwo in der Ecke von sechs nicht gewonnenen Heimspielen.

Ja…

Gerade letzte Saison hat es manchmal den Eindruck gemacht, dass auch das ein oder andere Vorstandsmitglied nur darauf wartete, dass es mal ein schlechtes Ergebnis gibt. Kann es sein, dass Sie in der Konstellation mit DFC abhängiger von Resultaten sind, als man das als Trainer ohnehin ist?

Ich seh’s eher umgekehrt. Manchmal ist man ja sogar abhängiger von Resultaten, wenn einzelne Personen aus einer gewissen Emotion heraus entscheiden. Eine basisdemokratische Entscheidung der Mitglieder ist aber eher weniger emotional, auch wenn es die eigentliche Diskussion um den Trainer in naher Vergangenheit schon war.

Die Frage ist: Ist das wirklich die Mehrheit, die da so reagiert? Oder hätte sich die Mehrheit, gerade auch in der schlechten Phase, vielleicht sogar für den Trainer entschieden? Das kann man jetzt nicht sagen. Da muss man abwarten, wie das Ergebnis schlussendlich ausfällt.

Ich finde diese Abstimmung aber auch im Hinblick auf ein möglicherweise negatives Ergebnis gar nicht so verkehrt, denn dann war’s keine emotionale Geschichte. Da hat keiner aus dem Bauch heraus entschieden: Der Mink, oder die Mannschaft vom Mink, liefert keine Ergebnisse mehr ab, und deswegen hauen wir ihn kurzerhand mal raus. Es gibt ja noch mehr Komponenten zu betrachten, die wirklich entscheidend sind für ein Weiterarbeiten oder auch nicht.

Nun wird aber immer wieder kritisiert, dass es zwischen Ihnen und den DFC-Mitgliedern keinen intensiven Austausch gibt. Es gibt die Chats vor den Spielen, es gab zwei Chats zwischendurch, aber es gibt keinen darüber hinaus gehenden Austausch. Es wird kritisiert, dass Sie nicht im Forum sind. Man könnte sich auch einen Newsletter zur sportlichen Situation vorstellen. Würde es Ihnen nicht gerade in dieser Situation, aber auch grundsätzlich, helfen, wenn Sie mehr Verständnis für Ihre Arbeit schaffen würden?

Ich weiß nicht, ob es zweckmäßig wäre, ins Forum zu gehen, wo man im Endeffekt mit heißer Nadel diskutiert, ob es Sinn machen würde, sich als Trainer dort zu eben vorwiegend emotionalen Themen zu äußern. Dass man sicherlich im Hinblick auf ein näheres Zusammenrücken das ein oder andere Mal mehr in den Chat gehen könnte, oder auch einen Newsletter rausgeben könnte, das ist eine Anregung. Da kann man ja vielleicht drüber nachdenken für die nahe Zukunft.

Es ist aber natürlich auch immer so eine Sache mit dem Arbeitsaufwand. Was kann man wirklich machen und wie kann man’s vernünftig umsetzen? Aber das sind Anregungen, die kann man sicherlich mitnehmen. Dass man nicht immer alle Mitglieder voll und ganz so versorgen kann, dass sie rundum glücklich sind, das ist auch klar. Es wird immer Leute geben, die sagen: Da fehlt mir das noch und da fehlt mir das noch.

Unterm Strich muss man sagen: Man hat sich mit der DFC-Mitgliedschaft eine Kompetenz erkauft, ein Mitwirken bei den Managementaufgaben. Wenn man dann aber richtig nah an der Mannschaft sein will, dann muss man sich nicht nur die Kompetenz erkaufen, dann muss man auch regelmäßig zum Training kommen und hat dann auch das Wissen. Und einzelne Fans, die das schon gemacht haben, sind so nah dran, dass der Trainer mit ihnen sicherlich auch außerhalb von Zeitungs-Statements oder sonstigen Anlässen einen Austausch pflegt.

Was die DFC-Mitglieder wahrnehmen, das sind zum einen Geschäftsführungs- und Vorstandsaufgaben, sie treffen also wirtschaftliche Entscheidungen. Der andere Aspekt ist eine Art Sportdirektion. Ich stelle mir den Austausch zwischen der Sportdirektion und dem Trainer in einem normalen Verein aber enger vor, als das bei der Fortuna im Konstrukt mit DFC vielleicht auch nur möglich ist.

Ja, aber das ist genau der Punkt: Die Sportdirektion, wenn sie ein Mitglied in Südamerika oder in Südostasien ist, hat eben das augenscheinliche Problem, dass sie nicht so nahe an der Mannschaft ist, und dass man ihr diese Nähe auch nicht geben kann, wenn sie nicht ständig das Tagesgeschäft miterleben kann. Und dann habe ich als sportlich Verantwortlicher für die erste Mannschaft das Problem, denen das jeden Tag so nahe zu bringen, dass sie sich ein Bild machen können? Das ist, glaube ich, zeitlich nicht möglich.

Man kann versuchen, gewisse Sachen zu transportieren. Ich glaube aber, unabhängig von einzelnen, die das vielleicht wollen, ist es auch nicht im Sinne der Mitglieder, dass ich sie mit so viel Information vollstopfe, dass sie Rüdiger Hoppe [Co-Trainer von Fortuna] hießen oder Günther Schumacher [Torwarttrainer]. Ich glaube nicht, dass die das wollen.

Wir hatten ja auch schon mal die Diskussion im Forum um die Frage der sportlichen Kompetenz: Sollten die Mitglieder auch aktiv in Aufstellung und Trainingsbetrieb mit eingreifen? Und da haben viele Mitgliedern klar gesagt: Nein, das wollen wir nicht. Es macht keinen Sinn, weil der Trainer da den besten Einblick hat und sicherlich auch die Fachkompetenz. Und wir würden wahrscheinlich mehr in Fettnäpfchen treten, als dass wir unterstützend wirken könnten.

Zurück zur sportlichen Situation. Inzwischen hat die Mannschaft die Kurve erst einmal gekriegt. Aber es gab eine Serie von vier Niederlagen in Folge, unter anderem in Höhenberg gegen Windeck, mit zwei rote Karten, dann noch das 0:4 gegen Herne. Wie stelle ich mir in so einer Phase die Stimmung in der Kabine vor einem Heimspiel vor? Ist die Mannschaft da extrem angespannt?

Angespannt waren wir eigentlich immer. Wir haben in der Phase logischerweise viel Ursachenforschung betrieben, haben versucht vielschichtig zu hinterfragen: Wo liegen die Gründe für diese Ergebnisse, für die Misere? Wo liegen Gründe für ein Ergebnis wie gegen Herne, wo wir mit 0:4 zuhause gegen einen Gegner verlieren, über den man eigentlich sagen muss: Der war nicht gut. Das war kein übermächtiger Gegner, wo man sagen könnte: Okay, da hast du’s verdient, so hoch zu verlieren.

Hat die Mannschaft, was ja nachvollziehbar gewesen wäre, einfach das große Flattern gekriegt?

Natürlich war der Druck groß, und das haben wir nach der Partie gegen Herne den Fans zu erklären versucht. Ich habe versucht, den Fans nahezubringen, dass viele Spieler sich auch persönlich unter einen hohen Erwartungsdruck gestellt haben und dass die Erwartungshaltung insgesamt sehr, sehr hoch war, innerhalb des Vereins und auch gerade in Fankreisen.

Und wenn man in diesen Situationen nicht die Ergebnisse abliefert, dann ist das wie eine Spirale, die sich nach unten dreht. Und die Mannschaft kam da in dem Moment nicht so einfach raus, weil sie nicht wussten, wo sie den Hebel ansetzen müssen, auch für sich persönlich. Wir haben dann als sportliche Leitung versucht Maßnahmen zu ergreifen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Was waren das für Maßnahmen?

Wir haben versucht, die Stimmung weiterhin hoch zu halten. Wir haben versucht, im Training immer wieder an Qualitäten, an Stärken jedes Einzelnen zu arbeiten. Wir wollten insgesamt die Spielfreude wieder entwickeln, wieder hochhalten.

Und dann kam unser Sportpsychologe mit dazu, über den ja auch bei DFC abgestimmt wurde. Wir haben versucht, durch eine Stärkenanalyse nicht nur jedes einzelnen Spielers sondern auch der kompletten Mannschaft, noch mal augenscheinlich herauszustellen und ihnen wirklich klar zu machen: Nicht die Ergebnisse sind das, was für euch entscheidend sein muss für das nächste Spiel oder die nahe Zukunft. Sondern das, was ihr an persönlichen Zielen und wir als Mannschaftsziel haben. Und zum zweiten das, was ihr auch schon Positives gezeigt habt, was eure Stärken sind, die ihr in die Waagschale werfen müsst.

Das waren dann alles Punkte, die in der Summe dazu geführt haben, dass wir wieder auf den richtigen Weg gekommen sind. Aber wir haben auch in der nicht erfolgreichen Phase immer wieder gesagt, dass wir eine gute Truppe haben, dass es sicherlich keine Sache der Qualität ist, sondern dass es in einzelnen Situationen auch von Glück und Pech abhängt. Es gibt so Situationen im Sport. Aber wenn wir beharrlich unsere Stärken, unseren Mannschaftsgeist und unsere Stimmung wirklich immer wieder hochhalten und aufs Spielfeld transportieren, dann wird sich das irgendwann wieder ins Gegenteil kehren. Und so war’s dann auch.

Was auch auffällt ist, dass die letzten vier erfolgreichen Spiele durchgängig mit der gleichen Besetzung gelaufen sind…

Ist auch ein Punkt!

…und auch in dem alten, letzte Saison bewährten 4-2-3-1-System. Hat das einen Einfluss gehabt? Hat die Mannschaft sich darin wieder wohler gefühlt?

Ja, wobei wir schon in Hüls ein 4-2-3-1 gespielt haben, als wir nach der Verletzung von Kevin wieder auf die eine Spitze umgestellt haben. Aber Kontinuität im Hinblick auf die Arbeit und Kontinuität im Hinblick auf die Mannschaftsaufstellung ist sicherlich ein wesentlicher Aspekt. Wir hatten viele Wechsel in der Anfangsphase, auch bedingt durch Verletzungen. Das ist nicht immer leistungsfördernd, zumal wir vor der Saison viele neue Spieler hatten, die sich trotz guter Vorbereitung in der Meisterschaft erst mal finden müssen. Das sind alles Punkte, die ausschlaggebend dafür sein können, dass es sportlich nicht so läuft, wie man sich das wünscht.

In der jetzigen Phase, in der wir kontinuierlich auf dieselbe Mannschaft gesetzt und die Spiele wieder erfolgreich gestaltet haben, fällt es dann leichter, klar. Aber sicherlich auch ein toller und wesentlicher Aspekt ist, dass trotz der Tatsache, dass wir in den vergangenen Wochen immer wieder auf dieselbe Mannschaft zurückgegriffen haben, es insgesamt sehr, sehr stimmig in der Truppe ist. Auch die im zweiten, vielleicht sogar im dritten Glied stehen, arbeiten sehr gut, auch im Training, sind sehr ambitioniert, obwohl man vielleicht denken könnte: Jetzt stellt der Trainer eh immer die gleichen elf auf, brauch ich ja kein Gas mehr geben. Andererseits geben aber auch die ersten elf im Training Gas, weil sie merken, dass die anderen ihnen im Nacken sitzen.

Und diese tägliche Trainingsarbeit, diese Spielfreude, diese Harmonie, die sich da entwickelt hat, die hat zuletzt auch diese Erfolge bedingt.

Es gab ein paar äußere Einflüsse: Die Sperre von Cengiz Can, die Sperre und Verletzung von Christian Beckers, Daniel Blankenheim war verletzt, Hamdi Dahmani auf links außer Form. Hamdi spielt jetzt auf der Position von Christian Beckers, Mario Schwarz, der am Anfang hängende Spitze war, spielt jetzt links. Hat da vielleicht auch die Not dazu geführt, dass jetzt eine Formation gefunden ist, an die Sie vor der Saison gar nicht gedacht hätten?

Wir haben sicherlich mit dieser Aufstellung in der Vorbereitung kein einziges Spiel bestritten. Bloß haben wir bei unseren Neuverpflichtungen und in der Vorbereitung schon gesagt: Wir können und werden im Laufe der Saison mehrere Varianten spielen müssen und wollen uns flexibler und variabler zeigen, weiterentwickeln im Vergleich zur vergangenen Saison.

Wir haben jetzt eine Formation gefunden, die auch eine Antwort auf Verletzungen und Sperren war.  Man muss aber ganz klar sagen: Wir wussten immer, dass der Hamdi auch im Zentrum spielen kann. Bloß war er in der letzten Saison über die linke Seite überragend, hat viele Tore vorbereitet und einige erzielt. Hamdi ist aber aus Troisdorf hierhin gekommen mit der Maßgabe, auf der 6 oder auf der 10 zu spielen. Wir wussten, dass er diese zentrale Rolle spielen kann, und dann hatten wir da ein Loch und mussten uns was einfallen lassen, wie wir dieses Loch stopfen und wie wir der Mannschaft vielleicht auch neue Impulse geben. Ich glaube, dass der Hamdi auch auf der linken Außenbahn wieder in die Spur gefunden hätte. Bloß hat es uns als Mannschaft in dieser Phase einen unglaublichen Halt gegeben, dass er auf der zentralen Position so funktioniert, wie er aktuell spielt. Er bringt sowohl in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsbewegung in jeglicher Situation Impulse. Wir hatten da nicht die Alternativen, deswegen war’s umso wichtiger. Dass dann noch Ergebnisse rauskommen und wirklich tolle Spiele und auch fußballerisch gute Qualität, ist umso besser.

Sie haben gerade schon die taktische Variabilität angesprochen. Es gab in dieser Saison mindestens vier Systeme, die die Fortuna gespielt hat.

Vier?

4-4-2 mit Raute, gegen Herne in der ersten Halbzeit.

Nein.

Da bin ich mir relativ sicher.

Nein.

Als Sie in der Pause auf 4-2-3-1 umgestellt haben?

Wir haben nicht mit Raute gespielt. Vielleicht wurde die Spielweise im Mittelfeld in der Offensive als Raute interpretiert. Aber meine Herangehensweise und unsere taktische Ausrichtung war keine Raute, mit Sicherheit nicht. Es ist aber natürlich so, dass die beiden 6er in der Spieleröffnung eine Tiefenstaffelung einnehmen müssen. Manche Zuschauer sehen dann möglicherweise eine Mittelfeldraute.

Auf jeden Fall gibt es ja das 4-4-2 mit zwei Sechsern. Es gab das Spiel gegen Speldorf, nach dem diskutiert wurde: War das ein 4-5-1, war das ein 4-3-3? Es gibt jetzt wieder das 4-2-3-1. Kann es sein, dass die taktische Variabilität für Amateursportler, auch wenn sie fast jeden Tag trainieren, ein bisschen viel ist? Wird die Mannschaft vielleicht überfordert?

Nein, warum? Wir haben eine taktisch gut geschulte und intelligente Mannschaft!

Weil in dem Moment, in dem ein stabiles, bekanntes System gespielt wird, der Erfolg zurück kommt. Aber als viel variiert wurde, gab es zwar auswärts immer gute Ergebnisse…

Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt mit super Spielen im 4-4-2.

Ich habe überhaupt nichts gegen ein 4-4-2!

Damals hat jeder propagiert: Ist ja super, endlich mit zwei Stürmern, und es funktioniert ja. Dann stellt man auf 4-2-3-1 um, im Hinblick auf die personelle Situation und die sportliche Entwicklung, und dann kann jeder sagen: Genau das Richtige in dem Moment, weil die Mannschaft den anderen Systemen nicht gewachsen war. Aber es ist doch Quatsch, diese Diskussion jetzt anzubringen und zu sagen: Die Mannschaft versteht die anderen Systeme nicht, wo wir die komplette Vorbereitung im 4-4-2 gespielt haben, und das erfolgreich.

Der Wechsel zwischen den Systemen, das war die Frage.

Ja, aber wir sind doch vom 4-4-2 auf 4-2-3-1 wieder zurück. 4-4-2 haben wir in der Vorbereitung supererfolgreich gespielt. Dann spielen wir’s im ersten Spiel gegen Sprockhövel, dann verletzt sich der Kevin. Dann spielen wir gegen Speldorf im 4-3-3, weil die im 3-5-2 spielen, damit wir mit drei Angreifern deren Spieleröffnung schon kaputt machen können, was wir auch sehr gut trainiert haben. Da kommen wir aber gar nicht ins Spiel, müssen unterm Strich froh sein, dass wir 0:0 spielen und mit einem blauen Auge davon kommen. Danach stellen wir wieder auf 4-4-2 um, verlieren unglücklich gegen Wiedenbrück mit nur zehn Mann und gewinnen 4:0 in Hamm.

Das heißt, wir haben, unabhängig von der personell bedingten Systemumstellung auf 4-2-3-1, davor immer mit zwei Spitzen gespielt. Dass ein Mario Schwarz in der Rückwärtsbewegung hinter einen Cengiz Can fällt, das ist eine ganz andere Geschichte. Das ist eine taktische Herangehensweise im Hinblick auf die defensive Grundordnung und das Anlaufen unserer Stürmer, aber das hat nichts mit dem taktischen Verständnis oder mit der Umsetzung durch die Mannschaft zu tun.

Also hat die Mannschaft Ihre taktischen Vorgaben so umgesetzt, wie Sie sich das vorstellen?

Das haben die meiner Ansicht nach sogar sehr, sehr schnell gelernt und auch unglaublich gut umgesetzt. Dass es immer mal wieder im Hinblick auf die Trainingsumfänge oder auf das Stellungsspiel die einen oder anderen Probleme gibt und wir die nicht komplett in erster Instanz ausmerzen können, das ist auch klar. Aber prinzipiell, wenn ich das hier mal erwähnen darf, gibt es auch andere Fußballfachmänner, die sagen: Von der taktischen Herangehensweise wird bei der Fortuna ein sehr, sehr guter Fußball gespielt. Weil man da ein System erkennt, und weil die Mannschaft nicht versucht, mit langen Bällen in der Vorwärtsbewegung zu operieren und man in der Rückwärtsbewegung nicht mehr weiß, wo spielt der jetzt eigentlich, der da auf der linken Seite plötzlich aufgetaucht ist?

Also es ist meiner Ansicht nach der völlig falsche Ansatz, zu sagen, die Mannschaft hat das System nicht verstanden. Wir sind aber natürlich in der Lage, uns auch noch weiter zu entwickeln.

Eine letzte Frage noch zur Taktik: Auf der Position im zentralen Sturm haben Sie Kevin Kruth und Cengiz Can zur Verfügung. Wenn einer von beiden verletzt oder gesperrt ist, dann wird sofort ein Systemwechsel nötig, weg vom 4-4-2. Ist das ein Problem, oder sagen Sie: Damit muss man leben?

Es ist die Frage, was man an Möglichkeiten hat, und was auch an aktuellen Alternativen vorhanden ist. Will ich wirklich als Trainer ein System durchspielen und sage: Egal, was kommt, wir spielen das so? Oder mache ich mir Gedanken im Hinblick auf den Gegner? Und welche Spieler sind für mich wichtig, die für die Mannschaft den sportlichen Erfolg bringen? Da muss man dann die jeweilige Situation abwägen.

Es gibt Trainer, die sagen: Ich spiele ein System konsequent durch. Wolfgang Frank war mal im Zuge des Fußballlehrer-Lehrgangs als Gastreferent eingeladen, der das mit seinen Mannschaften immer so praktiziert hat. Kann man machen. Aber meine Philosophie ist es, verschiedene Möglichkeiten zu haben beziehungsweise verschiedene Systeme zu trainieren, damit wir auch auf Situationen innerhalb der Spiele reagieren können, um flexibler zu werden und vielleicht auch um spielbestimmender zu sein. Natürlich auch, um innerhalb eines Spiels mal sagen zu können: Okay, wir liegen zurück, wir müssen was machen. Dann bringen wir einen weiteren Stürmer, deswegen müssen wir vielleicht eine Systemänderung vornehmen. Eventuell auch, wenn der Gegner umstellt. So wie wir gegen Schwarz-Weiß Essen zum Beispiel Sascha Jagusch eingewechselt haben, weil wir ein Problem mit dem Westerhoff hatten, der ständig vor der Abwehr rumturnte, dessen Kreise wir null einschränken konnten und für den keine Zuordnung vorhanden war. Dann haben wir den Sascha reingenommen, wenn auch kurz vor Schluss. Aber es war in der Phase wichtig, dass einer kommt, der sich dem Westerhoff annimmt. Und dann haben wir eben kurzfristig mal auf der zentralen Position vor der Abwehr Manndeckung gespielt. Das muss dann in solchen Situationen auch mal sein.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick: Was muss passieren, damit die Fortuna in zwei, drei, vier Jahren in den bezahlten Fußball kommen kann?

Dirk Daniel Stoeveken und Burkhard Mathiak aus dem Hintergrund: Zuschauer! Zuschauer und Sponsoren!

Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, wichtig ist, dass man die Kirche im Dorf lässt. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber gleichzeitig wissen wir auch ganz klar, schon im Hinblick auf Budgets: Wir sind aktuell da, wo wir hingehören, irgendwo im Mittelfeld, im vorderen Mittelfeld. Wir wollen logischerweise nach vorne. Das ist auch von der sportlichen Seite unsere Ambition und wir wollen das aktiv vorantreiben. Aber es geht nicht von heute auf morgen. Deswegen muss man der Mannschaft Zeit lassen, muss man auch dem Verein Zeit lassen.

Aber das Saisonziel bleibt das gleiche: Platz sechs oder besser?

Genau, das Saisonziel bleibt das gleiche. Ob das dann unterm Strich 4 oder 8 wird, das weiß man nie so genau, auch im Hinblick auf die Unwägbarkeiten einer Saison. Wenn Sie regelmäßig im Stadion sind, wissen Sie ja selbst schon im Hinblick auf die Schiedsrichterleistungen: Da steckt man manchmal nicht drin. Da kann mal so, mal so entschieden werden. Und am Ende können drei oder sechs Punkte über ein, zwei Plätze entscheiden. Aber das Saisonziel, denke ich mal, ist realistisch und für uns sicherlich machbar.

Und langfristig sehen Sie die Fortuna auf Kurs?

Ich denke, ein substanzielles Wachstum, wie wir es momentan haben, ist das beste Wachstum. Wenn du, wie teilweise andere Vereine, den dritten Schritt vor dem zweiten machst, den zweiten vor dem ersten, dann kommt manchmal erst ein, zwei Jahre später der Schlag ins Gesicht – und dann musst du wieder von vorne anfangen.

Die Entwicklung, die wir momentan vollziehen, ist okay, auch wenn ich auf die vergangene Saison blicke, als wir uns ganz gut in der Liga wiedergefunden haben. Da hatten wir auch mal eine Schwächephase, aber das ist ganz gut, denn aus so einer Phase kann man auch sehr gestärkt hervorgehen. Wir haben aus der Niederlagenserie in der vergangenen Saison unsere Lehren gezogen, aus den ganzen englischen Wochen und den vielen Verletzten, auch im Hinblick auf die Qualität des Kaders. Und wir haben aus der schlechten Phase in dieser Saison unsere Schlüsse gezogen.

Aber man sollte wirklich mit einer gewissen Kontinuität und mit einer gewissen Substanz an die Sache ran gehen.  Und dann denke ich, ist es auch drin, dass man in zwei, drei Jahren an die Tür des bezahlten Fußballs klopft. Was dann unterm Strich an Ergebnissen dabei rauskommt, das muss man abwarten, aber bisher ist unser Vorgehen eigentlich bestätigt worden. Und von daher sind wir mit dem aktuellen Stand sehr zufrieden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Matthias Mink

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