Kurz reingeschaut: “Skins”, Staffel 1 (und die ersten Folgen von Staffel 2)

Ich weiß nicht mehr, von wem der indirekte Tip zu “Skins” auf Twitter kam. Jedenfalls schon mal danke dafür, denn ich bin quasi sofort abhängig geworden, habe Staffel 1 kurz mal in zwei Tagen weggeschaut und schließe heute abend möglicherweise noch Staffel 2 ab.

Ich mag Coming-of-age-Geschichten und ich mag Dramedies, entsprechend doppelplusmag ich Skins. Die Serie erzählt die Erlebnisse einer Clique von College-Schülern in Bristol. Jede Folge konzentriert sich mit jeweils einer Hauptfigur auf eine abgeschlossene Handlung , die anderen Charaktere wuseln aber immer drumherum, und ein paar Handlungsstränge werden über die komplette Staffel erzählt.

Skins vereint, wie schon The Office oder auch die von mir geliebten Wonderfalls und Dead Like Me, hysterisch alberne Komik und stark überzeichnete Charaktere und Storylines mit großer emotionaler Tiefe. Schon diese Kombination legt irgendwo tief in mir drin einen Hebel um, der mich völllig willenlos macht. Dass die Probleme, mit denen sich die Figuren in Skins herumschlagen müssen, die großen Probleme des Lebens sind, die man eben im Teenageralter entdeckt, macht die Sache nur noch besser. Es geht um Liebe, um Drogen, um Sex, um das Verhältnis zu Freunden, Eltern und Stiefeltern und generell ums Erwachsenwerden.

In seinem Stil erinnert Skins immer wieder an Trainspotting: Schnelle Schnitte, übertriebene Extase und großer Witz, gegen den die teilweise existenziellen Probleme dann umso mehr kontrastieren. Skins schafft es, von einer Sekunde zur anderen umzuschalten von Albernheit zu tiefer Erschütterung. Probleme (unerwiderte Liebe, das zerrüttete Verhältnis der Eltern, Ärger mit dem Dealer, die Selbstfindung eines Schwulen) werden nie weggelacht, auch wenn ihr Potenzial für Komik bis zum Letzten ausgereizt wird.

So schickt Skins den Zuschauer auf eine Gefühls-Achterbahn, der er aber nicht etwa schwindlig, sondern geläutert und klüger wieder entsteigt. Sehr, sehr liebenswert!

P.S.: Bislang gibt es drei Staffeln, die vierte wird ab dem 28. Januar 2010 gesendet.

Kurz reingeschaut: Das weiße Band

Ich weiß, ich bin spät dran mit dieser Kritik, “Das weiße Band” läuft schon seit zwei Monaten in den Kinos. Aber kann ein Lob zu spät sein?

Es gibt so viele Gründe, wegen derer mir diese Film außerordentlich gut gefallen hat: Die tollen Schausspieler, die düster-stimmungsvollen Low-Key-Bilder und der hochinteressante Einblick in eine Zeit, die meine Großeltern noch erlebt haben.

Doch der wesentliche Grund ist, dass ich mich in Filmen scheinbar für denselben Aspekt interessiere wie Regisseur Michael Haneke, mindestens im Weißen Band. Ich hatte es schon einmal geschrieben: Mich interessieren Stimmungen, Emotionen, Motive viel mehr als Storys. Und genau darauf konzentriert sich dieser Film auf eine meisterliche Art, die gleichzeitig distanziert beobachtend und mitfühlend ist, aber nie gefühlig.

Die erzählerische Basis ist eine Reihe von Verbrechen in einem kleinen Dorf in den Jahren 1913 und 1914: Dem Arzt wird ein Draht quer über seinen Hofeingang gespannt und er so in einem schlimmen Reitunfall verletzt. Kinder werden gequält. Eine Scheune wird angezündet. Die Motive sind unklar. Sicher ist nur, dass der Täter in der kleinen Dorfgemeinschaft zu suchen ist.

Erzählt werden die Ereignisse im Rückblick vom damals 30-jährigen Dorflehrer.  Doch Michael Haneke macht aus seinem Film keine Detektivgeschichte und aus seinem Lehrer keinen Dorf-Sherlock. Viel mehr als für Täter und Hergang  interessiert sich Haneke für die Quelle der grausamen Taten – und er findet sie in einer Gesellschaft, die mit überzüchtetem Anstand, mit Ordnung und Höflichkeit ihre tiefe Verrohung nur mühsam verdeckt. Hinter den Fassaden von Wohlerzogenheit liegen Brutalität und Unmenschlichkeit, nach innen wie nach außen. Liebe zeigt Haneke nur in der zarten Beziehung zwischen dem Dorflehrer und einem Kindermädchen und in der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem geistig behinderten Kind. Überall sonst ist wahre Zuneigung unerwünscht und wird moralische Reinheit höchstens noch durch das titelgebende weiße Band am Ärmel getragen, aber nie wahrhaft vorgelebt.

Über die Dauer seines Films zeigt Haneke so erschreckend schlüssig, wenn auch stets in der Gefahr, zu psychologisieren, aus welcher Gesellschaft  zwei Weltkriege entspringen konnten.

Besonders loben will ich die ausnahmslos hervorragenden Schauspieler, aus denen man keinen hervorheben muss, zumal auch Michael Haneke kein Hauptfigur kürt, nicht einmal seinen Erzähler. Alle Darsteller, selbst die jugendlichen, beherrschen die Kunst, ohne überdramatisierte Oscar-Szenen das Innenleben ihrer Figuren zu zeigen, manchmal nur mit einem Blick, mit Körperhaltung oder dem Ton ihrer Stimme.

Und schließlich geben die beunruhigend ruhigen, außer in den Schneeszenen immer leicht unterbelichteten Schwarzweiß-Bilder von Christian Berger und der radikale Schnitt von Monika Willi dem Film eine Tiefe und Unmittelbarkeit, die mit der Goldenen Palme völlig zurecht belohnt wurde.

Für mich war es ein vergleichsweise schwaches Kinojahr, das mit diesem Meisterwerk aber noch mal einen wunderbaren, unerwarteten Höhepunkt gefunden hat.

Peronäusparese

Ich überlege ja regelmäßig, wie viel von mir ich in diesem Blog preisgeben soll oder nicht, und so geht’s mir natürlich auch bei diesem Beitrag. Doch zum einen ist so eine Peronäusparese weder peinlich noch ansteckend. Und zum anderen fand ich, als ich selbst im Web danach recherchierte, als erstes die Gruselgeschichte eines Fliesenlegers mit unheilbarem Krankheitsverlauf, der sich dann zur Amputation entschloss, weil er lieber ohne Unterschenkel leben wollte als mit einem teilgelähmten.

Die Angelegenheit ist bei mir deutlich harmloser verlaufen und inzwischen fast ausgeheilt, und deswegen hoffe ich, dass dieser Artikel demnächst bei Google weit oben zu finden sein wird, damit andere Betroffene ihn finden und Mut schöpfen.

Für Nicht-Mediziner und Unbetroffene: Was ist eine Peronäusparese? (Achtung: Es folgt mein Laienverständnis dessen, was mir meine Ärzte erklärt haben. Bitte also nicht 100% drauf verlassen.) Der Nervus peroneus ist einer der beiden Hauptäste des Ischias. Er entspringt im Rückenmark, läuft das Bein hinunter und sorgt im Wesentlichen dafür, dass man den Fuß und die Zehen nach oben ziehen kann. Wenn man die Ferse auf dem Boden stehen lässt und den Fuß (aus dem Fußgelenk) oder nur die Zehen nach oben dreht, dann macht das der Peronäus. Parese ist die Lähmung oder jedenfalls Schwächung der Funktion eines Nervs. Eine Peronäusparese ist also eine nervlich bedingte, mehr oder weniger starke Fuß- und Zehenheberschwäche.

Da der Peronäuse zusammen mit seinem Pendant im Arm einer der wenigen wichtigen Nerven ist, die nicht tief im Fleisch sondern dicht unter der Haut verlaufen, der Peronäus zudem noch am Schienbeinköpfchen vorbei, ist er stark gefährdet, durch äußeren Druck verletzt zu werden und seine Funktion (teilweise) einzubüßen.

Bei mir kam die Lähmung ohne Vorwarnung. Ich hatte mit den Kollegen im Büro Konsolenfußball gezockt, saß, stand auf – und knickte mit dem Fuß nach außen weg. Ich konnte mich zwar noch abfangen (Bänderrisse sind wohl ein häufiger Kollateralschaden einer Peronäusparese), war aber völlig frappiert: Der Fuß machte nicht mehr, was ich wollte. Da er sich außerdem sehr taub anfühlte, glaubte ich zunächst, dass er mir heftig eingeschlafen sein müsste. Als das Gefühl und die Beweglichkeit jedoch auch nach rund 30 Minuten, in denen ich mir aber immerhin noch den dritten Platz im FIFA-10-Turnier sicherte, nicht zurückkehrten, humpelte ich nach Hause und machte mir Sorgen.

Die fehlende Fußheberfunktion ist beim Gehen nämlich ziemlich unvorteilhaft: Der Fuß hängt kraftlos nach unten, so dass man ständig mit der Fußspitze auf dem Boden hängen bleibt und buchstäblich über die eigenen Füße stolpert, außer man hebt das ganze Bein storchenartig an.

Die folgende Nacht schlief ich sehr bescheiden, weil ich mir große Sorgen machte, was ich wohl erlitten hätte. Außerdem grübelte ich, zu welchem Facharzt ich eigentlich gehen sollte, da ich ja noch nicht wusste, was ich hatte: Neurologe, Orthopäde, Phlebologe (vielleicht war’s ja eine Durchblutungsstörung), allgemeiner Arzt?

Ich entschloss mich dann, zum Orthopäden zu gehen, der mein Problem auch sofort korrekt diagnostizierte und mich zur Sicherheit zu einer Neurologin schickte, die seine Meinung auch messtechnisch absicherte. Die Diagnose beider Ärzte war, dass ich mir den Peronäusnerv vermutlich durch zu langes Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen abgedrückt hätte. Beide befragten mich mehrfach, ob ich an dem Abend viel Alkohol getrunken hätte, da das Abdrücken eines Nervs eigentlich stark schmerzt und es deshalb normalerweise nur sehr betrunkenen Personen passiert, die den Schmerz nicht mehr spüren. Ich hatte aber an dem Abend nicht mal einen Schluck Alkohol getrunken. Dennoch war die Prognose, dass die Funktion des Nervs binnen ein, zwei Wochen wiederhergestellt sein sollte.

Als das dann allerdings nicht so war, konsultierte ich beide Ärzte erneut. Die Neurologin maß noch einmal die Nervenfunktion, stellte fest, dass der Nerv nun völlig seine Funktion verloren hatte, ich aber laut Blutuntersuchung an keiner organischen Ursache litt und ihrer Meinung nach der Nerv einfach binnen einiger Monate nachwachsen werde.

Der Orthopäde meinte, man solle doch noch mal eine Magnetresonanztomographie machen. Zum Glück sagte er mir erst im Nachhinein, warum: Er wollte eine mögliche Schädigung des Nervs durch einen Tumor ausschließen. Zum Glück fand er keinen Tumor, aber eben doch die mutmaßliche, bis dahin etwas rätselhafte Ursache: In meinem Knie befand sich in der Nähe des Peronäus eine Flüssigkeitsansammlung, die da nicht hin gehört, eventuell eine tief innen geplatzte Ader. Diese Flüssigkeitsansammlung, so die Vermutung, hatte meinen Peronäus so irritiert, dass er die Funktion aufgab.

Das ganze ist jetzt knapp zwei Monate her, und der Nerv hat sich inzwischen sehr deutlich erholt. Ich habe keine besondere Behandlung bekommen (Krankengymnastik zwar, aber die hat nicht wahnsinnig zur Heilung beigetragen), sondern der Nerv wächst, wie von der Neurologin prognostiziert, einfach wieder nach, nur unterstützt von ein paar Vitaminchen in Neurotrat forte. Da das mit einer Geschwindigkeit von ca. 1 mm pro Tag geschieht und so ein Unterschenkel ja rund 30 cm lang ist, kann man überschlagen, dass zwar erst nach vielen Monaten mit einer vollständigen Genesung zu rechnen ist, die aber ziemlich sicher ist.

Ich kann meinen betroffenen Fuß im Stehen inzwischen wieder um etwa einen Fingerbreit vom Boden abheben (auf der gesunden Seite ungefähr eine Handbreite), wodurch ich wieder nahezu unbehindert gehen kann. Das Gefühl auf der Vorderseite des Unterschenkels war bereits nach ca. drei Wochen wiederhergestellt, die etwas hartnäckigere Taubheit im Bereich des dicken Zehs ist inzwischen auch fast verschwunden. Die Beweglichkeit der Zehen und des Fußes verbessert sich um Milligrad pro Milligrad, so dass von einem Tag auf den anderen eigentlich keine Änderung zu bemerken ist, über Wochen hinweg aber eben schon.

Und ob das jetzt der Auslöser war oder nicht: Ich setze mich jedenfalls bis auf weiteres nicht mehr mit eng übereinander geschlagenen Beinen hin.

Peronäusparese

Von Fans, wahren Fans, Ultras und meiner Stimme für Matthias Mink

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung findet sich heute eine ausführlicher Artikel dazu, wie Fangruppen in der Bundesliga versuchen, direkteren Einfluss auf ihren jeweiligen Verein zu nehmen. Anlass für den Artikel sind natürlich die Geschehnisse  rund um Markus Babbels Entlassung beim VfB Stuttgart, er schlägt aber einen weiteren Bogen, insbesondere auch über die Erstarkung der Ultra-Bewegung in den vergangenen Jahren.

Freundlicherweise liefert einer der Ursprünge der deutschen Ultras gerade in mehrfacher Hinsicht ein Beispiel und auch harte Fakten dazu, wie diese Bestrebungen um mehr Einfluss einzuschätzen sind. Bei Fortuna Köln gibt es mit den Eagles schließlich die laut Wikipedia älteste Ultra-Gruppierung Deutschlands.

Fortuna Köln hatte die ersten sechs Heimspiele dieser Saison nicht gewinnen können und dabei nur einen Punkt ergattert. Einigen Fangruppierungen war Trainer Matthias Mink schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge, insbesondere seine von ihnen als zu defensiv kritisierte Spielweise, die ihm den Spitznamen “Mörtel-Mink” eingetragen hatte. Entsprechend schäumte das offizielle Fortuna-Fanforum nach jeder neuerlichen Heimniederlage mit Schmähungen der Mannschaft über, die selten sachlich-kritisch, meist feurig-emotional vorgetragen wurden. Auch während der Spiele wurden die Schmährufe aus dem Fanblock in Richtung Trainerbank immer lauter und aggressiver. Öffentliche Stimmen pro Mink gab es in dieser Zeit fast gar keine.

Dann besannen sich einige Fans darauf, dass die Fortuna mit Deinfussballclub (DFC) ja eine Möglichkeit bietet, nicht nur emotionalen Einfluss zu nehmen, sondern Matthias Minks Beurlaubung konkret zu fordern und den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen. Gesagt, getan, der Sieg schien sicher, wenn man der Stimmungslage in den Foren glaubte.

Schon recht bald zeigte sich aber der erste Nebeneffekt der DFC-Demokratie: Abstimmungen müssen beantragt werden, der Antrag muss genug Stimmen bekommen, dann muss die eigentliche Abstimmung vorbereitet und schließlich durchgeführt werden. Unterm Strich gingen so von der Beantragung bis zum Abstimmungsstart gut zwei Monate ins Land. Und siehe da: Die Mannschaft begann plötzlich wieder zu gewinnen. Während es auswärts fast immer gut gelaufen war, kamen nun auch wieder Heimsiege hinzu. Inzwischen hat die Mannschaft von den letzten neun Ligaspielen seit Mitte Oktober nur eins verloren, zwei unentschieden gespielt und sechs gewonnen. Dazwischen kam zwar die schmähliche Pokalniederlage bei einem Landesligisten (zwei Spielklassen unter der Fortuna), die allerdings nur wenige Tage später vom hochverdienten 3:2-Sieg beim bis dahin heimstärksten Team der NRW-Liga gefolgt wurde. Dabei gelang Alexander Ende das inzwischen gewählte (und heute Abend in der Sportschau zu sehende) Tor des Monats November.

Die eingebaute Trägheit der DFC-Basisdemokratie sorgte also schon einmal dafür, dass ein unter massivem Beschuss stehender Trainer Zeit zum Weiterarbeiten bekam und auch nutzte, die ihm möglicherweise im präsidialen System des normalen Vereinsfussballs nicht gewährt worden wäre. Hätte der Verein dem massiven Drängen der Fans nachgeben können, wäre Mink vielleicht schon im Oktober entlassen worden.

Inzwischen, da die Abstimmung über Minks Beurlaubung seit über einer Woche läuft, zeigt sich eine weitere, eigentlich triviale Wahrheit: Die lautstärksten Fans aus der Kurve sind nicht die Mehrheit der Vereinsanhänger. Ich bin zwar eigentlich dagegen, Zwischenstände laufender Abstimmungen bekannt zu geben, habe gerade sogar einen entsprechenden Antrag bei DFC laufen. Aber da Zwischenstände der Mink-Abstimmung selbst im WDR-Videotext zu lesen sind, verrate ich hier kein Geheimis: Aktuell haben zwei Drittel aller bislang Abstimmenden gegen die Beurlaubung von Mink votiert, nur ein Fünftel ist dafür, der Rest enthält sich und stimmt damit effektiv auch gegen eine Beurlaubung. Zwar läuft die Abstimmung noch bis zum 30.12., aber es wird in diesem Jahr nur noch ein Spiel ausgetragen werden, so dass man eigentlich nicht mehr damit rechnen kann, dass der Trend noch dramatisch kippt.

Unterm Strich: Ein im Fanforum völlig eindeutiges Stimmungsbild, bei dem der Abstieg beschworen wurde, wenn der Trainer nicht sofort entlassen würde, hat sich bislang als völlig unrepräsentativ für das Meinungsbild der bei DFC angemeldeten Fortuna-Unterstützer erwiesen. Außerdem hat sich gezeigt, dass ein Trainer es schaffen kann, einen sportlich dramatischen Trend zu drehen.

Das muss in anderen Fällen bei anderen Vereinen natürlich nicht immer genau so sein. Aber es zeigt eins ganz deutlich: Niemand sollte auf die Idee kommen, dass die Rücksichtnahme auf den Druck aus der Kurve identisch ist mit echter Fanbeteiligung. Das wäre ungefähr so, als würden wir in Deutschland zukünftig auf Wahlen verzichten und die Zusammenarbeit mit Lobbyisten zur neuen Demokratie erklären. Denn natürlich haben Fangruppierungen das Wohl des Vereins im Auge, aber sie verfolgen auch eigene Vorstellungen, die nicht mit denen aller zahlenden Vereinsanhänger identisch sein müssen. Im Fall der Fortuna ist es beispielsweise das von den Fans massiv geforderte Schöne Spiel, das manch anderem Anhänger wohl wenigstens nicht so wichtig zu sein scheint, dass er deswegen Matthias Mink ablösen würde. Und es kann ja sogar sein, dass es Leute gibt, die das Spiel der Fortuna jetzt schon für attraktiv halten.

Eine Diskussion, die in diesem Zusammenhang gerade bei der Fortuna immer wieder aufflammt, ist die Differenzierung zwischen Fans, wahren Fans und Ultras. Ultras und Fanclub-Mitglieder sind nach diesem Dogma die wichtigsten. Dann gibt es noch wahre Fans, die sich beispielsweise dadurch auszeichnen, dass sie sehr regelmäßig ins Stadion gehen, aber zu keinem Fanclub gehören und nicht im Fanblock stehen. (Das wäre zum Beispiel ich, würde ich mich wenigstens selbst mal einordnen.) Dann gibt es normale Fans, die aber nicht regelmäßig im Stadion sind und irgendwie nicht so richtig zählen. Und schließlich gibt es speziell bei der Fortuna noch DFC-Mitglieder, die ohnehin irgendwie suspekt sind, ihre 40 € pro Jahr an die Fortuna abführen dürfen, sich aber in Diskussionen bitte nicht einmischen sollten.

Bei dieser Abstufung geht es natürlich implizit darum, das Gewicht der Stimmen von Fanclubs gegenüber denen der weniger wichtigen Fans zu erhöhen. Interessant ist nun jedoch, dass für die Mink-Abstimmung verschiedene Fanclubs gebeten worden waren, eine Stellungnahme abzugeben. Dieser Aufforderung kam lediglich ein einziger Fanclub nach, “D`r lange Ball“, und das mit einem Zweizeilen-Statement in Stichworten.

So wird noch deutlicher: Es geht nicht jedem um Demokratie, der Einfluss haben möchte. Aber natürlich ist eine echte Fandemokratie letztlich der einzige Weg, wie Anhänger ernsthaft an der Meinungsbildung ihrer Vereine beteiligt werden können, wenn das ganze nicht in einen vereinsoffiziell sanktionierten Lobbyismus entarten soll.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir keineswegs darum, Fanclubs und ihre positive Bedeutung für Fußballvereine gering zu schätzen oder gar beschneiden zu wollen. Doch wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen und bei Entlassung auch um persönliche Schicksale geht, dann braucht es andere Werkzeuge als ein Tonbandgerät vor der Kurve.

So, und wie fällt nun meine konkrete Entscheidung pro oder contra Matthias Mink aus?

Pro:

  • Die Fortuna nimmt eine erkennbare, langfristig positive Entwicklung. Unter Mink stieg sie zunächst (als Meisterschaftszweiter, weil der VfL Leverkusen die Lizenzbedingungen nicht erfüllen konnte) in die NRW-Liga auf, nachdem sie im Jahr davor noch gegen den Abstieg aus der Verbandsliga gespielt hatte. Der Klassenerhalt war in der ersten NRW-Liga-Saison nie ein Thema. In dieser Saison ist ein Platz im oberen Tabellendrittel das Ziel, und dieses Ziel ist eindeutig in Reichweite (aktuell Rang 5 in einer leicht positiv für die Fortuna verzerrten Tabelle).
  • Die mannschaftliche Geschlossenheit war bis auf ein, zwei Partien bei allen Spielen dieser Saison erkennbar.
  • Man erkennt nach einem etwas holprigen Start der auf wesentlichen Positionen veränderten Mannschaft, welches System Matthias Mink spielen lässt und wie dieses System mehr und mehr zu greifen beginnt.
  • Matthias Mink gelingt es, wenn auch nur über längere Zeiträume, flexibel zu sein und sich zu ändern. Die Umpositionierung von Hamdi Dahmani vom Flügel auf die Sechser-Position, der immer besser funktionierende Einbau von Abdelkader Maouel in die Mannschaft, die Umstellung auf zwei Spitzen: All das sind Veränderungen, die der Mannschaft halfen.
  • Das von Mink bevorzugte 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing funktioniert auswärts ganz hervorragend (Bilanz in dieser Saison bislang 5-2-2).
  • Junge Spieler entwickeln sich unter Mink immer wieder positiv und bekommen Einsatzzeiten: Kevin Kruth hat es vom Superjoker zum kaum noch verzichtbaren Sturmführer gebracht. Abdelkader Maouel tut der Mannschaft sehr gut. Jan Gran kommt auch noch. Von Michael Khan hört man immer wieder, dass er sehr gute Trainingsleistungen bringt. (Auf dem Platz ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen.)
  • Die Mannschaft hat unter und mit Matthias Mink die Kurve aus einer ganz, ganz schwierigen Saisonphase gekriegt.

Contra:

  • Das Spielsystem im Südstadion funktioniert erst in den letzten Spielen einigermaßen, aber noch lange nicht so gut wie auswärts.
  • Matthias Mink denkt aus der Defensive heraus. Das ist zwar im modernen Fußball weit weg von grundfalsch, aber auch gegen schlechte Mannschaften wird oft mehr reagiert als agiert. Mir fehlt eine klarere Spielphilosophie, wie die Mannschaft bei Ballbesitz agiert.
  • Mink ist ein Sturkopf, obwohl er langfristig durchaus Veränderungen vornimmt, beispielsweise wird in dieser Saison früher einwechselt als noch letzte Saison.
  • Wer bei Mink verschissen hat, der hat verschissen (vgl.  Bably, Moog, Höffgen).
  • Wechsel dienen bei einer Führung fast ausschließlich der Ergebnissicherung, nie dem Willen, die Entscheidung herbeizuführen, indem man noch ein Tor nachlegt.
  • Die Zusammenstellung des Kaders, für die Mink auch verantwortlich ist, ist nicht optimal. Es fehlt beispielsweise ein dritter, ligatauglicher Stoßstürmer. Auch die beiden Sechserpositionen und die Flügel sind zu dünn besetzt. Das ist nicht nur mit dem Etat erklärbar, denn wenn ich ein 4-4-2 spielen möchte, zu dem Matthias Mink sich bekennt, dann kann ich mich einfach nicht mit zwei Stoßstürmern zufrieden geben.

Unterm Strich überwiegen für mich die positiven Aspekte. Man darf auch nicht vernachlässigen, dass die Fortuna Matthias Minks erste Trainerstation ist, dass auch bei ihm eine Entwicklung erkennbar ist und er zudem den A-Trainerschein gerade macht. Ich bin weit davon entfernt, kritiklos gegenüber dem Trainer oder der Mannschaft zu sein. Aber diesen Trainer zu beurlauben, allemal ohne die Alternative zu kennen, wäre mehr als leichtsinnig. Ich bin davon überzeugt, dass die Fortuna mit Matthias Mink nächste Saison aufsteigen und sich in der Regionalliga etablieren kann.

Deswegen gebe ich meine Stimme pro Matthias Mink ab.

Fortuna Köln – TSG Sprockhövel 2-1 (2-1)

(Das Spiel fand schon am Freitag statt. Wegen technischer Probleme folgt der Spielbericht erst heute.)

Ein seltsames Spiel. Vor der Pause ein Feuerwerk der guten Laune, mit Torchancen en masse für die Fortuna, aber auch mit einem mutigen Tabellenletzten aus Sprockhövel. Nach der Pause dann ein Grottenkick mit unentschlossenen Fortunen und durchschlagsschwachen Ruhrgebietskickern.

Flutbeleuchtetes Südstadion

Matthias Mink hatte dieselbe Mannschaft aufs Feld geschickt wie letzte Woche, und zwar in der taktischen Formation aus der zweiten Halbzeit, also Hamdi Dahmani auf der Doppelsechs neben Ende, Abdelkader Maouel auf dem linken Flügel und Can und Kruth im Sturm. Die Aufstellung: Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Maouel, Ende, Dahmani, Glaser – Kruth, Can.

Auflaufen der Mannschaften

Hatte ich zu Beginn noch bedauert, dass Maouel nicht wieder hinter den Spitzen spielen durfte, wie letzte Woche noch in der ersten Halbzeit, legte sich dieses Bedauern erst einmal, denn die Fortuna übernahm sofort das Kommando auf dem Spielfeld und spielte entschlossen nach vorne. Dennoch war von Anfang an erkennbar, dass Sprockhövel nicht genauso schlecht auftreten würde wie letzte Woche Schermbeck. Spätestens in der 9. Spielminute war das auch dem letzten Zuschauer klar geworden, denn da zappelte der Ball im Netz – und zwar auf der Kölner Seite. Ich hatte mich gerade kurz auf meinen Glühwein konzentriert, und als ich aufblickte sah ich nur noch einen Sprocköveler in einen kurzen Steilpass sprinten und den Ball an Möllering vorbei einschieben. Der Treffer war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht unbedingt verdient, aber auch nicht völlig überraschend, denn so zögerlich Sprockhövel nach hinten agierte, so mutig und teilweise durchaus ansehnlich spielten sie nach vorne.

Sprockhöveler Jubel nach der Führung

Die Fortuna ließ sich nur kurz schocken, spielte dann umso drängender nach vorne und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt, die sie sehr zuverlässig versiebte, teilweise mit etwas Pech, teilweise am Torwart scheiternd, teilweise auch, weil die letzte Entschlossenheit fehlte.

Alle im Stadion hatten aber wohl den Eindruck, dass das schon noch was werden würde, auch die Spieler auf dem Rasen. Allerdings lag die Überlegenheit heute nicht so sehr am brillanten Kölner Spiel, sondern mehr daran, dass Willen und Selbstvertrauen auf eine schwache Abwehr trafen. Insbesondere von Alex Ende kamen heute nicht die präzisen Bälle auf die Flügel, die er noch letzte Woche geschlagen hatte. Hamdi Dahmani, manchmal mehr als Achter unterwegs, verrannte sich etwas zu oft. Was im Zentrum heute jedoch nicht so gut klappte, machten Maouel und Glaser auf den Flügeln gut, die sich immer wieder durchsetzen konnten.

So brauchte es dann aber 40 Minuten und ein bisschen Glück, denn der von Stephan Glaser von der Strafraumgrenze abgegebene Schuss wurde noch leicht abgefälscht, damit er sich unhaltbar zum Ausgleich ins Eck senken konnte.

Und heute war endlich einmal die Fortuna mit einem Doppelschlag dran. Hatten während der schlechten Phase zu Saisonbeginn im Südstadion immer wieder die Gegner in kurzer Folge getroffen, so konnte jetzt die Fortuna noch vor der Pause nachlegen: Furucu auf Can, der setzt sich körperlich gut durch, schüttelt seinen Gegenspieler ab und trifft von der rechten Fünfmeterraumgrenze in den linken oberen Torwinkel zum 2-1 (44.).

Jubel von Cengiz nach dem 2-1

Alles gut zur Halbzeit.

Doch aus der Kabine kam die Fortuna völlig verändert zurück. Auf einmal ging kaum noch etwas, der Zug war einfach aus dem Spiel raus. Es schien, als hätte die Mannschaft den Gang zu früh rausgenommen, anstatt wie in der ersten Hälfte den schwachen Gegner in seine Hälfte zu drängen und das mutmaßlich entscheidende 3-1 nachzulegen.

So entwickelte sich eine extrem zähe Partie, in der Fortuna erst nicht mehr wollte, dann nicht mehr konnte, und Sprockhövel auch kein Mittel fand, sich entscheidend vors Kölner Tor zu kombinieren. Und wenn sich der Fortuna schon mal die kaum vermeidbaren Konterchancen ergaben, dann vertrödelten die Spieler diese Chancen durch ein viel zu umständliches, zu wenig zwingendes Spiel oder durch unpräzise letzte Pässe und Flanken.

Der inzwischen schon wieder übelst holperige, sich im Spielverlauf immer mehr verschlechternde  Rasen im Südstadion trug auch das Seine dazu bei, dass kein flüssiges Spiel mehr zustande kam, kann aber keine Entschuldigung für so eine Halbzeit sein.

Übler Zustand des Rasens

Etwas unverständlich für mich heute auch die ersten beiden zwei Wechsel von Matthias Mink: Schwarz kam in der 77. Minute für Maouel, der bis dahin ordentlich gespielt hatte, nicht erschöpft wirkte und im Spiel nach vorne grundsätzlich mehr verspricht als der auch heute wieder zu brave Schwarz. Wenige Minuten später kam Jagusch für Kruth: Innenverteidiger für Stürmer. Jagusch sortierte sich zwar auf der Sechserposition ein und Dahmani ging für ihn in die Spitze. Aber als Aufbauspieler hatte sich Sascha Jagusch in der Vergangenheit noch nie hervorgetan. Wollte Mink gegen den Tabellenletzten zuhause den knappen Sieg sichern? In der 83. Minute ist dieser Gedanke nicht komplett illegitim, aber auch kein direkter Ausweis des Glaubens an die eigene Stärke. Kurz darauf musste dann auch noch Hamdi Dahmani raus, der sich scheinbar eine Zerrung zugezogen hatte. Für ihn kam zum ersten Mal nach seinem Jochbeinbruch wieder Christian Beckers mit Masek auf dem Gesicht.

So erzitterte sich die Fortuna einen Sieg gegen eine aber nie wirklich brandgefährliche TSG Sprockhövel. In Halbzeit zwei hätte das dennoch sehr leicht noch in die Hose gehen können, wenn auch für die TSG mal ein abgefälschter Schuss ins Tor gerutscht wäre. Da hätte einfach mehr kommen müssen, um gegen einen Gegner nicht mehr in Gefahr zu geraten, der der Fortuna erwiesenermaßen nicht gewachsen war.

Am Ende steht dennoch der vierte Heimsieg in Folge und der zwischenzeitliche Sprung auf Tabellenplatz 4, wenigstens bis die anderen Mannschaften morgen und am Sonntag nachlegen können. Mund abputzen, gewonnen, nächstes Mal entschlossener spielen!

Meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die offiziellen Fotos des Spiels von Barbara Lehmann auf Flickr.

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Neues KVB-Motto: Divide et impera?

Nachdem ich mich über die kürzliche Gebührenerhöhung der KVB sehr geärgert hatte, insbesondere über die meiner Ansicht nach läppsche Begründung, hatte ich am 17.11. die folgende Mail an info@kvb-koeln.de geschrieben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Abonnent eines Formel-9-Tickets und habe gestern Ihre Benachrichtigung über die geplante Gebührenerhöhung erhalen.

Ich möchte Ihnen mitteilen, dass mich die Gründe nicht überzeugen.

  • “Verbesserung der Wirtschaftlichkeit”: Ist das nicht völlig nichtssagend? Jede Gebührenerhöhung verbessert natürlich die Wirtschaftlichkeit, aber das ist wohl kaum ein ausreichender Grund.
  • “Kompensation reduzierter öffentlicher Zuschüsse”: Mal abgesehen davon, dass ich den Unterschied zum ersten genannten Grund nicht erkenne, ist es aber in Zeiten der Klimakatastrophe eine Unmöglichkeit, den ÖPNV weniger zu fördern statt mehr. Doch da renne ich bei Ihnen wahrscheinlich offene Türen ein.
  • Und dann wollen Sie noch ein attraktives Serviceangebot sichern und ausbauen. Ja ist das nicht der Zweck Ihres Unternehmens, für den ich bereits jetzt jeden Monat Geld bezahle? Sofern es um Verbesserungen geht, wäre es hilfreich gewesen, die wenigstens zu benennen.

Sehr geärgert hat mich aber die Belehrung, dass ich bei Ablehnung der Gebührenerhöhung ein Sonderkündigungsrecht habe. Ich darf Sie darauf hinweisen, dass Sie ein De-facto-Monopol auf den ÖPNV in Köln haben. Wie können Sie mir da anbieten, entweder mehr zu zahlen, oder alternativ zu Fuß zu gehen?

Ich bitte Sie deshalb freundlich darum, mir Folgendes mitzuteilen:

  • Welche sind die von Ihnen angeführten “zuständigen VRS-Gremien”, von denen die aktuelle Preiserhöhung beschlossen haben, die Sie sprachlich zur “Anpassung” schönen?
  • Mit welchem Anteil sind gewählten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und/oder der VRS-Kunden in diesen Gremien vertreten?
  • Falls es solche Vertreter gibt: Können Sie die Personen und ggf. Ihre Parteizugehörigkeit benennen?
  • Warum gibt es keine unabhängige Kommission zur Festsetzung der Gebühren, etwa analog der KEF für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
  • Welchen Anteil haben Energiekosten an den Gesamtaufwendungen des VRS?
  • Sind auch die stark gestiegenen Kosten für den Bau der Kölner Nord-Süd-Bahn ein Grund für die Erhöhung der KVB-Tarife?

Ich bitte Sie abschließend darum, mir die Veröffentlichung Ihrer Antworten in meinem Blog http://blogs.23.nu/bubbleboy/ zu genehmigen.

Vielen Dank im voraus und mit freundlichen Grüßen aus Ehrenfeld,
[surfguard]

Ich hatte irgendwie nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet, muss aber erst einmal anerkennend feststellen, dass ich knapp drei Wochen später, mit Datum vom 03.12., eine immerhin zwei DIN-A-4-Seiten lange Antwort im Briefkasten hatte. (Im Papierbriefkasten, wohlgemerkt.)

Absender sind “Herr G.” (Gründe für die Anonymisierung: siehe weiter unten), von seiner Emailadresse als Mitarbeiter des “Kundendialogs” der KVB ausgewiesen, und ein Herr oder eine Frau K. Die beiden bemühen sich redlich, ein paar meiner Fragen zu beantworten. Beispielsweise setzen sie mir detailliert auseinander, dass sich in den “zuständigen Gremien” für eine Fahrpreiserhöhung durchaus demokratisch legitmierte Bürgervertreter befänden. (Ich muss jedoch zugeben, dass ich beim Wort “Vertretungskörperschaft” kurz mal gedanklich ausgestiegen war.) Einfach zu verstehen ist das ganze allerdings nicht, und die von mir nicht explizit gestellte Frage, ob die Bürgervertreter eigentlich eine Fahrpreiserhöhung verhindern können, weil sie etwa 50% der Gremiumsmitglieder stellen, kann ich jetzt auch noch nicht beantworten.

Witzig ist dann aber, dass mir auf die Bitte, die Vertreter zu benennen, mitgeteilt wird, dass sich die VRS-Verbandsversammlung nach der NRW-Kommunalwahl erst im Dezember 2009 konstituiere. Aber natürlich hatte ich nicht nach den neuen Vertretern gefragt, sondern ich wollte ggf. den/die Kölner Vertreter anmailen und sie fragen, ob sie denn der Fahrpreiserhöhung auch zugestimmt hätten.

Oder soll ich die Antwort möglicherweise so verstehen, dass die Fahrpreiserhöhung genau in eine Lücke hinein beschlossen wurde, in der die alte Verbandsversammlung schon aufgelöst war, die neue sich aber noch nicht konstituiert hatte?

Über die etwas lapidare Aussage, dass “nur mit steuerlichen Subventionen allein der wirtschaftliche Betrieb eines funktionierenden Nahverkehrs nicht zu erreichen” sei, könnte ich hier ausführlicher eingehen. Beispielsweise mit der Nachfrage, was das Wort “Wirtschaftlichkeit” in einer Antwort auf die Forderung nach einer vollständigen Steuersubventionierung zu suchen hat? (Ja, ich könnte mir da eigentlich schon auch was vorstellen, doch im Zusammenhang mit der ursprünglichen Begründung ist klar, dass die KVB mit “Wirtschaftlichkeit” nichts anderes meint als “Unabhängigkeit von Subventionen”.)

Ich würde eigentlich gerne mehr aus dem Antwortschreiben zitieren und hätte es am liebsten komplett hier eingestellt. Aber dann gibt es da diesen Schlussabsatz:

Wir würden uns freuen, sehr geehrter Herr [surfguard], wenn unsere Ausführungen zur Klärung der Situation beigetragen haben und von uns die Sachlage ausreichend dargestellt wurde. Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihrer Bitte zur Veröffentlichung unserer Antwort in Ihrem Blog nicht entsprechen können und widersprechen daher an dieser Stelle ausdrücklich.

Ja, aber: WARUM? Da schreibt mir die Abteilung Kundendialog der KVB auf ein Kritikschreiben, und sie will nicht, dass ihre Antwort öffentlich wird? Hält die KVB ihre Argumente für so schwach oder so unzureichend abgesichert, dass sie sie nicht öffentlich diskutiert sehen möchte?

Mir erschließt sich nicht der leiseste Grund, warum die KVB einer Veröffentlichung ihrer Antwort widerspricht. Und deshalb, lieber Herr G. und lieber Herr/liebe Frau K., kann ich auch nicht das von Ihnen floskelhaft erbetene “Verständnis” aufbringen. Verstehen kann man nur etwas, das begründet wird oder dessen Grund offensichtlich ist.

Ich kann nur konstatieren: Die KVB will nicht, dass ihre Preispolitik für die Öffentlichkeit transparent wird oder dsas die Gründe öffentlich diskutiert werden. Einzelnen Beschwerdeführern antwortet man zwar, verbietet ihnen aber, die Antwort mit der Öffentlichkeit zu teilen. Das ist kein anderes Prinzip als das alte “Teile und herrsche”.

Kurz reingeschaut: The Black Rider im Düsseldorfer Schauspielhaus

Was war das für eine Freude, zu lesen, dass der “Black Rider” endlich wieder aufgeführt werden darf – und er dann auch noch direkt um die Ecke in Düsseldorf auf die Bühne kommt! Nachdem ich Karten für die Aufführung am 07.12. gekauft hatte, fand ich zudem noch heraus, dass ebendies der 60. Geburtstag von Tom Waits ist. Was sollte also schiefgehen? Nun, fast wäre es doch gescheitert, vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber ein paar Schwächen muss sich die unterm Strich solide Inszenierung doch nachsagen lassen. Der Reihe nach.

The Black Rider ist die Musical-Adaption des Freischütz von William S. Burroughs (Text) und Tom Waits (Musik): Der Schreiberling Wilhelm liebt Käthchen, die Tochter des Försters Bertram. Der Vater will Käthchen aber nur einem Jäger geben, der sein Geschick mit einem Probeschuss beweisen muss. Da Wilhelm ein denkbar unbegabter Schütze ist, nimmt er gerne das Angebot des Teufels an, ihn mit Freikugeln zu versorgen. Beim entscheidenden Schuss schießt er auf sein Ziel jedoch genau mit der verfluchten siebten Kugel, die der Teufel steuern kann – und der alte Hinkefuß lenkt diese Kugel ins Herz von Kätchen. Tod, Ende, alles zum Teufel.

In der Düsseldorfer Inszenierung zeigt Hermann Schmidt-Rahmer die Szenen vor dem Gießen der  Kugeln  als ein grotesk überzeichnetes Bauerntheater, das ihm allerdings immer wieder ins Alberne abgleitet. Das hat oft die Subtilität von Annette Friers Darstellung eines Bayern in der “Wochenshow”, falls sich daran jemand erinnert. Die Dörfler sind tumbe Tannenficker, kaum eine Evolutionsstufe weiter als die Tiere des Waldes, die sie passenderweise in Doppelrollen gleich auch noch spielen. Das ist zu Beginn befremdlich, kurz auch mal lustig, aber meist eine Umdrehung zu weit aufgezogen.

Ebenso ambivalent ist das Bühnenbild. Thomas Goerge hat einen Kasten gebaut und mit bekritzelter Leinwand ausgekleidet. In normaler Bühnenbleuchtung sieht diese Bühne trist und öde und einfach unpassend aus. Wenn allerdings der komplette Bühnenkasten tatsächlich zur Leinwand wird, auf die verschiedene Filme mit mehr oder weniger abstrakten, verzerrten Motiven projiziert werden, dann gewinnt das ganze eine unheimliche Qualität.

Der positive Bruch in der Aufführung kommt in der letzten Szene vor der Pause, wenn Pegleg (Hinkefuß, der Teufel) aus dem Wald vor den fallenden Eisenvorhang tritt und den “Flash Pan Hunter” singt. Überhaupt ragt Winfried Küppers aus dem Ensemble heraus, aber besonders in dieser Szene, wenn er mit weit aufgerissenem Mund davon singt, wie Wilhelm nicht darauf warten kann, sein Büttel zu werden, und wie der Dornbusch die Rose (also Käthchen) doch niederringt, dann ahnt man, was nach der Pause kommt: Verderben, Tod und Wahnsinn nämlich!

Der Bruch ist gewollt und offensichtlich und er relativiert einiges zum Positiven, was vor der Pause zu klamaukig geriet. Besonders, wie Wilhelm zu “Oily Night” in Unterhose und mit Hirschgeweih einen wahren Veitstanz aufführt und Darsteller Gunther Eckes bis an die Grenzen geht, das ist schon beeindruckend. Auch der tödliche Probeschuss, den Pegleg wie einen Düsenjäger akustisch durch das Schauspielhaus kreisen lässt, bevor er endlich Käthchen trifft, ist gut und düster dargestellt. Und wenn Wilhelm dann, vom Schicksal in den Wahnsinn geschockt, erst mit einem Kinderklavier atonal zerklimpert, und dann immer wehmütiger, melodischer, am Ende auch emphatischer vom “Lucky Day” singt, dann rührt einen das ehrlich an.

Eins muss man aber auch sagen: Für das Abopublikum, das am Montag Abend den Großteil des Publikums stellte, ist das Stück nichts. Nicht einmal nach den schönsten und am besten gesungenen Stücken, wenn beispielsweise die stimmlich herausragende Katrin Röver als Käthchen “I’ll Shoot The Moon” makellos zum Besten gibt, können sich die Parkettsitzer zu einem mehr als pflichtschuldigen Szenenapplaus aufraffen.

Unterm Strich ein zwiespältiger Abend: Zu viel Klamauk vor der Pause, eine angemessen dramatische Inszenierung nach der Pause, eine tolle Band, unterschiedlich gute Sänger, ein während der Vorstellung seine Qualität wechselndes Bühnenbild. Für Waits-Fanboys gibt es wohl keine Wahl, als sich die Aufführung anzusehen, und wenn man auf die Albernheiten vorbereitet ist, treffen sie einen hoffentlich nicht ganz so hart.

Fortuna Köln – SV Schermbeck 4-0

Na, wenn das mal kein flammendes Plädoyer für eine 4-4-2-Taktik war, wenigstens zu Hause gegen schwache Mannschaften? Endlich im Südstadion mal hoch gewonnen und dabei vor allem einen schlechten Gegner deutlich dominiert. Matthias Mink hatte sich gegen den SV Schermbeck dafür entschieden, die von den Fans schon lange geforderte Doppelspitze mit Can und Kruth zu bringen. Außerdem spielte die Fortuna mit einer Mittelfeldraute, auch wenn ich mir vielleicht wieder sagen lassen muss, dass das ja nur so ausgesehen habe. Unbestreitbar aber tummelte sich Abdelkader Maouel in der ersten Hälfte konstant auf der 10er-Position hinter den Spitzen. Hamdi Dahmani dagegen besetzte seit langem mal wieder den linken Flügel, Mario Schwarz hatte das Team für den zweiten Stoßstürmer verlassen müssen. Diese Mannschaft ließ Matthias Mink bei trübem, frühwinterlich nassem, aber doch noch halbwegs warmem Wetter auflaufen (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Ende – Dahmani, Glaser – Maouel – Kruth, Can.

Edstadio del Sud, Colonia

Auflaufen der Mannschaften

Die Fortuna übernahm vom Anpfiff weg das Kommando im Spiel, zumal sie schnell bemerkte, wie hüftsteif die Schermbecker Abwehr agierte. Nahezu jedes Dribbling gewannen die Kölner Spieler, die Zweikämpfe meist auch noch. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Kurzer Steilpass an die rechte Strafraumgrenze auf Can, der kämpft sich in den 16er, Querpass auf den mitgelaufenen Kruth, der sicher zum 1-0 in der 8. Minute einschieben kann.

Jubel nach dem 1-0 durch Kruth

Und als wollten die beiden zeigen, wie prima sie miteinander können, folgte schon zehn Minuten später das 2-0, dieses Mal im umgekehrten Zusammenspiel: Kruth nimmt in zentraler Position einen Ball an, der über den linken Flügel ins Zentrum getragen worden war, leitet ihn an Can weiter, der passt sofort kurz zurück, Kruth hebt ihn geistesgegenwärtig in den Lauf des voll durchstartenden Cengiz Can, und der lupft souverän am Torwart vorbei zum frühen 2-0 (19.).

Fast schon in der nächsten Minute hätte das 3-0 fallen können, als Kevin Kruth einen guten Querpass aus knapp 16 Metern dicht am linken Pfosten vorbei schoss.

Doch die Fortuna hatte das Spiel auch so im Griff, gegen eine Mannschaft aus Schermbeck allerdings, und das muss in dieser Deutlichkeit gesagt werden, die zu keinem Zeitpunkt ihre Ligareife nachweisen konnte. Das hing vielleicht teilweise mit dem frühen und entmutigenden Rückstand zusammen. Aber es war klar zu erkennen, dass die Schermbecker Abwehr viel zu unbeweglich ist (Selbst Goalgetter Kruth, wirklich nicht der Dribbler vor dem Herrn, durfte mit einem Solo erfolgreich bis in den Strafraum eindringen und nur knapp am Winkel der kurzen Ecke vorbei schießen), dass die Passgenauigkeit fast alles zu wünschen übrig ließ und die gesamte Mannschaft eine fast schon erschreckende Zweikampfschwäche demonstrierte.

Aber es darf auch gesagt werden, dass die Fortuna in Halbzeit eins eine taktisch und spielerisch hervorragende Leistung zeigte: Auch so einen Gegner muss man schließlich erst einmal schlagen. Die Raute funktionierte prima, die Flügelspieler auf der ballfernen Seite rückten vorbildlich nach innen, die beiden Stürmer waren beweglich nach hinten und auf die Flügel, die Außenverteidiger stießen immer wieder nach vorne, gut abgestimmt mit den Flügelspielern, und auch Alex Ende nutzte seine Freiheiten in der Offensive und schlug immer wieder gute Bälle auf die Flügel, wie man es von einem modernen Sechser erwartet. Es entstand insgesamt ein so variables Angriffsspiel, dass die Schermbecker nicht recht wussten, wo sie hinlaufen sollten. Und auch das übliche Mittelfeldpressing der Fortuna wurde heute gegen ein echtes Forechecking getauscht, gegen eine technisch so schwache Verteidigung eine völlig richtige Maßnahme.

Auch die Fans wunderten sich: “Hast du dir das ausgedacht, Mattes?” lautet ein schon fast verzweifelter Ruf in Richtung Trainerbank. Wenn man nichts mehr zu meckern hat, dann darf das Feindbild aber wenigstens nicht auch noch verantwortlich für das gute Spiel sein.

Vielleicht hatte es aber auch an Klaus Ulonska gelegen, der als Nikolaus verkleidet im Gefolge des Spendenballs über die Tribüne marodierte. Ich wäre ja dafür, dass er das als lustiger Glücksbringer jetzt solange wiederholen muss, wie die Mannschaft zuhause nicht mehr verliert :-)

Es weihnachtet im Fanblock

Nach der Pause kam ganz schnell der Deckel auf’s Spiel: Freistoß von halblinks, Abdelkader Maouel zieht den Ball in Richtung langer Pfosten, Freund und Feind bringen den Kopf nicht mehr in die Flugbahn – und das Gerät plöppt vor dem langen Pfosten ins Netz: 3-0 in der 46. Minute!

Jubel nach dem 3-0 durch Maouel

Und schon wenige Minuten später wieder Maouel, der an der linken Strafraumgrenze den Ball behauptet, den sich ihm nachlässig in den Weg stellenden Schermbecker Verteidiger kurz auswackelt und eine scharfe Flanke an den Fünfmeterraum bringt, wo Kevin Kruth richtig steht und problemlos mit dem Fuß verwandeln kann (51.).

Jubel nach dem 4-0 durch Kruth

Das Spiel verflachte nun erst einmal etwas, die Fortuna nahm einen Gang raus. Schade eigentlich, denn gegen so einen Gegner hätte man genauso weiterspielen und mindestens noch zwei, drei Tore erzielen können. In dieser engen Liga kann am Ende das Torverhältnis noch sehr wichtig werden.

Eine Umstellung hatte allerdings auch Matthias Mink zur Pause vorgenommen: Dahmani rückte, wie in den letzten Spielen, wieder auf die zweite Sechserposition, dafür besetzte Maouel nun den linken Flügel: Ein 4-4-2 mit Doppelsechs also. Warum diese Maßnahme, wo die offensivere Variante doch so prima funktioniert hatte? Doch ich will wirklich nicht das Haar in der Suppe suchen, denn auch in der Folge kontrollierte die Fortuna das Spiel und hatte nach einer kleinen Ruhephase noch sehr gute Torchancen. Die allergrößte vergab Kapitän Glaser, heute prima aufgelegt, in der 69. Minute: Bei einem Konter übersprintete er, steil geschickt, die Schermbecker Verteidiger, kam allerdings mit seinem kleinen Lupfer nicht am Torwart vorbei.

In der 80. Minute gab es dann doch noch die erste Torchance für den SV Schermbeck: Einen strammen Schuss aus 10 Metern konnte Christopher Möllering mit einer tollen Parade am Tor vorbei lenken. Nicht schlecht, wo er sich doch zuvor nur kalt und nass hatte regnen lassen und Pflichtaufgaben hatte erledigen müssen.

Fortuna Köln - SV Schermbeck

In den letzten Minuten zog die Fortuna dann noch einmal an, war allerdings in den Kontersituationen nicht mehr zwingend genug. Erst in der Nachspielzeit drosch Alex Ende den Ball aus 20 Metern auf’s Tor, und der Schermbecker Torwart hielt unbedachterweise die Hände in den Schuss. Zwar gelang es ihm, den Ball über die Latte zu lenken, es dürfte aber mächtig in den Fingerspitzen gezwiebelt haben.

Nach dem Schlusspfiff

Am Ende hatte die Fortuna einen Gegner, den man schlagen muss, auch tatsächlich geschlagen – und zwar, ohne je einen Zweifel am Sieg zu lassen. Das ist deutlich mehr, als man bislang nach irgendeinem Heimspiel sagen konnte. Dazu kam eine besonders in Halbzeit eins auch taktisch starke und sowieso engagierte Leistung. Dass das Team nach dem frühen 4-0 etwas nachließ, kann man ihm letztlich nicht übel nehmen.

Schon am Freitag Abend geht es um den nächsten Pflichtsieg, wenn der Tabellenletzte aus Sprockhövel ins Südstadion kommt.

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die Mannschaft auf dem Weg in die Südkurve

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Fortuna – Schermbeck, eine kurze Vorschau

Gleich werde ich mich auf den Weg ins Südstadion machen, wo Fortuna Köln gegen den Tabellenvorletzten SV Schermbeck antreten wird, die aktuell schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Da am Freitag bei Deinfussballclub die Abstimmung über die Beurlaubung von Trainer Matthias Mink gestartet ist und bis zum Jahresende laufen wird, formuliere ich heute mal meine Erwartungen an das Spiel. Ich habe für meine Stimme zwar bereits eine Tendenz, allerdings möchte ich die verbleibenden drei Partien innerhalb der Abstimmzeit nutzen, um mir noch mal ein sehr bewusstes Urteil zu bilden.

Worauf werde ich als heute besonders achten:

  • Zuvörderst steht, dass Mannschaft und Trainer endlich eine Antwort auf die Taktik von Teams finden müssen, die sich im Südstadion hinten reinstellen. Es ist zu erwarten, dass Schermbeck genau das tun wird, alles andere wäre jedenfalls fahrlässig, denn genau gegen Teams mit defensiver Spielweise hatte die Fortuna in dieser Saison die größten Probleme, während sie gegen offensiv orientierte Teams meist sogar gewann. Das liegt daran, dass die Mannschaft auf Mittelfeldpressing eingeschworen ist und die sich ergebenden Räume bei Ballgewinn hinter der Mittellinie gut nutzt. Selbst das Spiel zu machen war bisher hingegen ein Problem, auch wenn sich im letzten Heimspiel gegen SW Essen Besserung andeutete. Ich hoffe, dass sich dieser Trend heute fortsetzt.
  • Ob das mit einem 4-2-3-1 oder mit einem 4-4-2 gelingt, ist mir dagegen relativ egal. Ich würde zwar gerne sehen, wie die Fortuna mit zwei Stoßstürmern mehr Druck aufbaut. Wenn es ihr aber gelingt, den Gegner mit einem starken, offensiven Mittelfeld über die Flügel auszuspielen, dann soll es mir sehr recht sein.
  • Die Spieleröffnung war in der vergangenen Saison die große Schwäche, sie wurde in dieser Saison aber, spätestens mit der Versetzung von Hamdi Dahmani auf die zweite Sechserposition, weitgehend beseitigt. Diese Spieleröffnung wird gerade gegen einen defensiven Gegner einer der Schlüssel zum Erfolg sein. Im Pokal gegen Nierfeld gelang da allerdings mal wieder fast gar nichts, zahlreiche Querpässe der Innenverteidiger sorgten dafür, dass Nierfeld die Ordnung wahren konnte.
  • Dass ich sehen möchte, wie sich das Team für den Sieg und auch für den Trainer zerreißt, ist sowieso selbstverständlich. In der Vergangenheit war aber eigentlich nur beim Spiel gegen Windeck in Höhenberg fraglich, ob die Mannschaft den Willen aufbringt, so dass ich hier die wenigsten Zweifel habe.
  • Und ich bin gespannt zu sehen, wie der Support des Fanblocks sein wird, der tendenziell eher gegen Mink eingestellt ist. Ich hoffe auf positive Unterstützung, auch wenn es im Spiel nicht sofort super laufen sollte. Canstatter Szenen sollten uns erspart bleiben.

Schon in wenigen Stunden werde ich berichten, wie alles ausgegangen ist. Anstoß ist um 14:30 Uhr.

Jubelszenen nach dem 3-1-Sieg gegen Schermbeck in der letzten Saison

Faceborg

Facebook stellt sein Privacy-Modell um, schafft regionale Netzwerke ab und gibt seinen Nutzern genauere Kontrolle darüber, mit wem sie einzelne Inhalte teilen wollen. Schön und gut. Ein echter Kracher ist aber der erste Satz des offenen Briefs, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zur Kommunikation dieser Maßnahmen an seine Nutzer schreibt:

It has been a great year for making the world more open and connected.

Über “connected” kann man ja noch streiten. Aber “open”? Schreibt das wirklich der Kopf eines Dienstes, der alles daran setzt, zum zentralen Knoten der Internet-Kommunikation zwischen Menschen zu werden?

Meine Kollegen, Geschäftspartner und Freunde sind in drei sozialen Netzwerken unterwegs: Twitter, Xing und Facebook. Und in keinem Netzwerk ist der ihm innewohnende Drang, das Netzwerk als Ersatz von Email zu nutzen, so groß wie auf Facebook. Manchmal ist das ja sehr praktisch: Man kann Menschen eine Nachricht zukommen lassen, deren Mailadresse man nicht hat. Aber meine beste Freundin würde mir nie eine Email schreiben, obwohl sie sie besitzt, sondern immer nur eine Facebook-Nachricht. Und ich weiß, dass sie eine Email vermutlich erst nach Tagen lesen würde, eine Facebook-Mail oder eine Nachricht auf ihrer “Wall” dagegen nach wenigen Stunden.

Facebook öffnet die Welt nicht, Facebook assimiliert sie. Facebook ersetzt sogar seit Jahrzehnten bestehende und funktionierende Kommunikationsmittel wie Email und IM durch einen blauen Bastard aus dem jeweiligen Dienst und der Facebook-Website.

Der einzige Wert, den Facebook initial spendierte, waren Profile und Verknüpfungen zwischen ihnen. Ich habe gerade keine Zeit mehr, danach zu googlen oder die W3C-Site zu durchwühlen: Aber wo ist der offene Webstandard, der es mir ermöglicht, ein Profil anzulegen und mit dem Besitzer einer anderen Emailadresse eine soziale, nach Freigaben abstufbare Beziehung einzugehen? Arbeitet da schon irgendwer dran?

Ich kann mir nur wünschen, dass es Facebook und auch Xing und Twitter so gehen wird, wie AOL, CompuServe, BTXplus und anderen geschlossenen Webdiensten, die hinweggefegt wurden, als Nutzer entdeckten, dass man sie nicht braucht, um miteinander zu kommunzieren und Inhalte abzurufen. Ich hoffe, dass Facebook gerade nur die zweite Welle von Netznutzern abgreift, die sich ebenso wie diejenigen der ersten Welle mit mehr Wissen von Facebook emanzipieren und das Netz als die freie Welt begreifen werden, die es sein kann.

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