MSV Duisburg II – Fortuna Köln 2-3
Heute nur ein kurzer Bericht, da ich das Spiel gestern lediglich im Livestream auf der Arbeit verfolgen konnte.

Gucksituation
Matthias Mink hatte wieder ein 4-2-3-1 aufgestellt, allerdings war etwas überraschend Cengiz Can für Kevin Kruth auf die einzige Stürmerposition gerutscht, obwohl Kevin in den letzten Wochen sehr verlässlich getroffen hatte. Ansonsten lief das Team der letzten Wochen auf, also: Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Ende, Dahmani – Schwarz, Maouel, Glaser – Can.
Duisburg II, verstärkt um den Profi-Rekonvaleszenten Tobias Willi, spielte der der Fortuna in die Karten, indem sie das Spiel zu machen versuchten. Das gelang der Mannschaft in Sachen Ballbesitz zwar auch, allerdings war die Defensiveinstellung der Fortuna gestern erfreulich giftig, man eroberte Mal um Mal erfolgreich den Ball und spielte dann sehr schnell nach vorne. Es ergaben sich fast zahllose gute Tormöglichkeiten, die schon früher als in der 43. Minute hätten genutzt werden können, sogar müssen. Es fehlte aber am allerletzten Zug zum Tor, am letzten Pass und ein bisschen auch am Willen zum Abschluss. Kurz vor der Pause war aber endlich Hamdi Dahmani frei vor der Kiste und netzte souverän ein.
Mit dem 1-0 ging es in die Pause, aus der die Fortuna etwas unsortiert kam und nach wenigen Minuten in der Folge eines Eckballs prompt den Ausgleich kassierte.
Es schien jedoch, als hätte die Mannschaft nur zwei Dinge gebraucht: diesen Weckruf – und einen sagenhaft treffsicher aufgelegten Alexander Ende. Sein erstes Tor erzielte er in der 56. Minute: Einen von links flach an die Strafraumgrenze gespielten Eckball drosch er direkt und mit dem Außenrist in den rechten oberen Knick. Doch wer hier, nicht ganz weit hergeholt, schon “Tor des Jahres” gejubelt hatte, wie Burkhard Mathiak DFC-Live-Ticker, der ahnte nicht, was noch kommen sollte.
Denn zehn Minuten später eroberte Ende, sonst nicht immer der stärkste Defensivzweikämpfer, den Ball an der Mittellinie, als der MSV gerade sein Spiel aufbauen wollten. Und anstatt den Ball wie sonst schnell in die Spitze zu passen, lief Ende noch ein paar Schritte und zog aus 45 Metern einfach direkt ab: Der Ball beschrieb einen traumhaften Bogen durch den Duisburger Nachmittagshimmel, überflog den verzweifelt ins Leere hechtenden Keeper und schlug genau unter der Latte ins Netz ein: 3-1-Führung für die Fortuna. Das war dann wirklich und endgültig das Tor des Jahres!
Tor des Monats – Sportschau – Alex Ende from Fortuna Köln on Vimeo.
In der Folge ließ die Mannschaft es etwas ruhiger angehen; Duisburg kam zu kleineren Chancen, die aber spätestens der gut aufgelegte Möllering allesamt zunichte macht. Erst in den Schlussminuten überschlugen sich die Ereignisse noch einmal: Venekamp musste in der 86. mit Gelb-Rot vom Platz, und vier Minuten später gelang Duisburg noch einmal der Anschluss. Die Fortuna konnte die Nachspielzeit allerdings mit ein paar Entlastungsangriffen recht gut runterspielen, wirklich kritische Situationen entstanden nicht mehr. Ganz am Ende verlor der Duisburger Torwart noch die Nerven und sah glatt Rot. Egal, der Schlusspfiff kam Sekunden später.
Das war gestern eine extrem geschlossene Mannschaftsleistung der Fortuna, deren Kontertaktik voll aufging. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Truppe mit jeder anderen in der NRW-Liga mithalten und sogar beim bis dahin heimstärksten Team der Liga verdient gewinnen kann. Umso spannender wird es zu beobachten sein, wie die Mannschaft am kommenden Sonntag zuhause gegen den Tabellenvorletzten aus Schermbeck auftreten wird, denn gerade gegen die schwachen und defensiven Gegner tat sie sich bislang sehr schwer. Auch für Matthias Mink, nach den letzten beiden Niederlagen im Pokal und in der Liga massiv in der Kritik, wird es die letzte Gelegenheit sein, um vor der DFC-Abstimmung über seine Entlassung noch einmal Punkte zu sammeln – nicht nur für die Liga. Jedenfalls kann man nach dem gestrigen Spiel sagen, dass die Mannschaft nicht, wie von manchem prognostiziert, nach zwei Niederlagen wieder zusammenfällt, sondern nach einem Saisontiefpunkt sofort wieder eine absolute Topleistung abrufen kann. Und auch taktisch war das eine sehr gute Leistung, die von der Mannschaft bis auf eine zehn Minuten lange Phase nach der Pause konzentriert auf den Rasen gebracht wurde.
P.S.: Die Fotos des Spiels von palim auf Flickr.
P.P.S.: Die Fotos von neph auf Flickr.
Kurz reingeschaut: Tegan and Sara live im E-Werk in Köln
Es gab wohl noch wenige Konzerte, auf denen ich mich so fehlplatziert gefühlt habe und doch mit einem okayen Gefühl nach Hause ging. Es begann damit, dass ich mich dem E-Werk näherte und die ganze Zeit das Gefühl hatte, auf Stelzen zu laufen: Ich war schätzungsweise 30 cm größer als 50% des Publikums. Ich habe, während ich mich durch’s E-Werk bewegte, ungelogen immer wieder mal auf den Boden geschaut, ob kurz vor mir nicht eine Stufe nach unten kommt. Das lag zum einen daran, dass es zahllose Teenies zu Tegan and Sara gezogen hatte, 14- bis 16-Jährige Mädchen, aber auch die etwas Älteren waren nicht viel größer. Hat sich die deutsche Jugend vielleicht schon in die körperliche Regredienz komagesoffen? Oder gehen zu Rolemodels wie dem lesbischen Zwillingspaar Tegan Rain und Sara Kiersten Quin nur die kleinwüchsigen Mädchen, weil die eher jemanden suchen, zu dem sie (buchstäblich) aufsehen können? Ich will nicht zu viel küchenpsychologisieren, aber es war wirklich frappierend.
Das Konzert ist dagegen schnell erzählt. Zu Beginn lief die Show ziemlich an mir vorbei. Zu mainstreamig, einfach konventionell waren die Songs. Aber auch eine Ansage unmittelbar zu Beginn, als Tegan oder Sara dem Publikum auf die wirklich platteste Art und Weise schmeichelte, hatte mich kurz aus der Spur geschossen. Immerhin stand ich direkt an der Bar, so dass es auch der Alkohol gewesen seinkann, der mich gegen Ende der Show dann doch noch positiv für die Band einnahm. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass die Songs stimmungsvoller wurden, mit Sicherheit jedoch wurden die Ansagen besser. Die beiden erzählten Stories über ihren Dad, die, selbst wenn sie es waren, nicht komplett auswendig gelernt und routiniert wirkten. Sehr sympathisch dann auch die Vorstellungsrunde für die Band, als jeder ein kleines Solo spielen durfte, allerdings nicht irgendeins, sondern ein cheekig-posendes: So musste sich der Drummer am Intro von “In the air tonight” versuchen, das er übrigens nur dem Stil nach, aber nicht Schlag für Schlag hinbekam. Ob das jetzt für ihn sprach?
Jedenfalls verließ ich das E-Werk versöhnt mit der Band, die ich nach 15 Minuten schon in die Kategorie “komplett überhypt” einordnen wollte. Ordentliche Mainstream-Emo-Indie-Mucke. Muss man jetzt aber auch nicht gesehen haben.
SV Nierfeld – Fortuna Köln 6:4 n.E.
Ein Spiel, das unbedingt nach 90 Minuten hätte vorüber sein müssen, und zwar aus mehreren Gründen: Zum ersten sowieso (vgl. Herberger), zum zweiten weil es am Spielfeldrand kälter als vorhergesehen war, und zum dritten, weil Cengiz Can Sekunden vor dem Abpfiff den Deckel auf dieses Spiel hätte machen *müssen*.
Trainer Mink ließ auch in diesem Pokal-Achtelfinale beim zwei Klassen schlechteren Landesligisten das 4-2-3-1 der letzten Spiele auflaufen. Lediglich Venekamp hatte Gran verdrängt, der in Wattenscheid übel gepatzt hatte. Die Mannschaft, die auf die matschige Asche des Sportplatzes Müsgesauel in Schleiden auflief, lautete also (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Dahmani, Ende – Schwarz, Maouel, Glaser – Kruth.

(Sorry, hatte gestern meine Kamera vergessen, Fotos also nur in Handyqualität.)
Ich habe mich in den letzten Spielen mit Taktikkritik bewusst zurückgehalten. Zum einen, weil die Mannschaft mehr oder weniger erfolgreich spielte, und zum anderen, weil das 4-2-3-1 aus der letzten Saison bekannt war und der Mannschaft nach ihrer Tiefphase möglicherweise Halt gegeben hatte. Doch warum Matthias Mink, der im Interview mit mir taktische Variabilität predigte, gegen einen Landesligisten nur einen Mittelstürmer aufbot, blieb mir unklar – zumal die Fortuna nicht etwa versuchte, sich gegen die erwartet defensiv stehenden Nierfelder schnell durch die Mitte zu kombinieren. Statt dessen bemühte man sich, die Außen freizuspielen und den Ball dann in die Mitte zu bringen. Gegen eine massierte Abwehr hilft dann aber ein entschlossener Extrakopf oder auch Bein vielleicht doch mal enorm.
Nierfeld hatte den Platz klein gemacht, was angesichts der Außenbahnen, die noch matschiger als der Rest des Spielfelds waren, aber auch nicht ganz unbegründet schien.
Auf diesem kleinen, auch nicht besonders langen Platz zog sich Nierfeld in die eigene Hälfte zurück, verschob, laustark dirigiert vom Keeper, sehr schnell und geschickt und machte die Räume so eng, wie das wahrscheinlich noch keine Landesligamannschaft hinbekommen hätte, bevor Professor Rangnick im Sportstudio die Viererkette erklärte. Die Fortuna tat sich mit dieser beweglichen Defensive sehr schwer, zumal es beiden Außen gestern zusammen genommen vielleicht ein oder zwei Mal gelang, einen Verteidiger im direkten Duell auszuspielen. Sowohl Schwarz aber auch Kapitän Glaser hatten keinen guten Abend erwischt.
Ebensowenig wäre aber erkennbar gewesen, dass die Fortuna mal ein schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen versuchte. Stattdessen wurde der Ball hintenrum quergeschoben, was für den Moment ja mal okay ist, aber auf Dauer doch nicht zum Ziel führt.
Das Ergebnis war ein Spiel, wie es zur Zeit auch der FC Bayern regelmäßig bietet: Schätzungsweise 75% Ballbesitz, aber keine adäquate Torgefahr. Mit 0-0 ging es in die Pause.
Dann der Schock: Eine Ecke für Nierfeld segelt quer durch den Kölner Strafraum, auf der anderen Seite erläuft sie ein Nierfelder, bringt sie wieder zurück, wieder quer durch den Strafraum, und auf der anderen Seite steht ein Angreifer mutterseelenallein, kann den Ball noch annehmen und kaum bedrängt hoch ins lange Eck abschließen: 1-0 für die Heimmannschaft in der 56. Minute.
Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Fortuna nun noch einmal zurückkommen würde, aber plötzlich wurde das Spiel drängender, einfach entschlossener, und es ergaben sich einige Tormöglichkeiten, was auch daran lag, dass Matthias Mink Cengiz Can für Mario Schwarz gebracht hatte: ein überfälliger Wechsel. In der 77. Minute dann endlich der Ausgleich, als Hamdi Dahmani in eine steile Flanke sprintete, den Kopf hinhielt und der Keeper ins Leere hüpfte.
Das Spiel lief dann irgendwie weiter, bis die letzte Spielminute anbrach. Nierfeld war erstaunlich weit aufgerückt, so dass nach einem Ballgewinn und einem Steilpass plötzlich Cengiz Can eine freie gegnerische Hälfte vor sich hatte. Kevin Kruth war auch noch mitgelaufen, so dass Can den Ball entweder mit dem Torwart ins Netz zimmern oder abspielen konnte. Er entschied sich für’s Abspiel – allerdings geriet der Pass auf Kruth auf dem nassen Boden viel zu schwach, so dass der Torwart den Ball locker aufnehmen konnte. Was für eine Chance! Und wie leichtfertig wurde sie vergeben?
Nur Sekunden später pfiff der Schiedsrichter zur Verlängerung, in der nicht mehr allzuviel passierte, auch wenn es durchaus noch ein paar kleine Chancen gab. Aber es ging mit 1-1 ins Elfmeterschießen.
Und da versagten ausgerechnet dem für den verletzten Alexander Ende eingewechselten Daniel Blankenheim die Nerven, einem der langjährigsten und treuesten Fortunen. Gleich als erster Schütze schoß er zu schwach und unplatziert. Der Keeper hielt, alle Nierfelder verwandelten ihre Schüsse, so dass der letzte Fortune gar nicht mehr antreten musste.
Mit 4:6 n.E. bei einem Landesligisten ausgeschieden. Für eine Pokalstory ist dieses Spiel so typisch wie unerklärlich. Die Zaghaftigkeit, mit der die Mannschaft spielte, wenn sie nicht zurücklag, ist mir auch heute morgen noch rätselhaft.
So bleibt mir nur, mich für die guten Nierfelder Würstchen und Mettbrötchen zu bedanken und überhaupt für den sehr freundlichen Empfang dort. Der Pokal bleibt ein schlechtes Pflaster für die Fortuna.
P.S.: Die wie immer schönen Bilder von palim auf Flickr, dieses Mal besonders stimmungsvoll.
Kurz reingeschaut: “Die Verwandlung und andere Erzählungen” im Schauspielhaus Köln
Endlich mal wieder ein anstrengender, fordernder, aber auch lohnender Theaterabend jenseits der eingefahrenen Inszenierungsschemata. In der Kölner Uraufführung von “Die Verwandlung und andere Erzählungen” verspinnen Antonio Latella (Regie), Federico Bellini und Sybille Meier (Dramaturgie) rund um den Kern von Kafkas Verwandlungserzählung mehrere seiner Texte mit stark choreografierten Bühnenbildern zu einem ausdrucksstarken Gesamtkunstwerk.
An vielen Stellen ist diese “Verwandlung” mehr Tanztheater oder Lesung als ein Theaterstück. Die fünf Darsteller des Abends rezitieren zu Beginn “In der Strafkolonie”. Parallel dazu werden einige dicke und dünne Holzplatten vor einem Schauspieler so kunstvoll aufgeschichtet, dass der im Anschluss wie hinter einem insektenartig strukturierten Panzer verborgen ist und die Verwandlung so unmerklich stattgefunden hat, wie sie auch für Gregor Samsa gewesen sein muss. Die anschließende Szene, in der Samsa sein Käferwesen gleichzeitig dekonstruiert, nämlich den Plattenstapel wieder abbaut und auf der Bühne ausbreitet, und in seinem Habitus immer mehr zum Insekt wird, ist repetitiv, anstregend und buchstäblich laut, aber auch sehr beeindruckend gespielt und lässt den Zuschauer das wütende Erschrecken Samsas nachempfinden.
Die folgende, fast alberne Szene, in der derselbe Zeitpunkt noch einmal aus der Perspektive von Samsas Eltern außerhalb seines Zimmers erzählt wird, löst die Strenge mit streng choreographierter Albernheit fast wieder auf, zeigt aber auch schon den Weg, den die Inszenierung nach der Pause nimmt: Dann nämlich werden die Menschgebliebenen die eigentlichen Monster, vom Kostüm (Annelisa Zaccheria) in widerliche Ganzkörper-(Fat)-Suits gepackt. Samsas Welt besteht nur noch aus den Platten, die zu Beginn seinen Panzer bildeten und die jetzt nur durch ihre Beschriftungen als die Gegenstände seines Zimmers identifizierbar sind.
Diese Fixierung auf die Schrift konnte ich ehrlich gesagt nicht ganz entschlüsseln. Von der ersten Szene an spielt die Inszenierung immer wieder mit Schrift und Buchstaben. Ob das Kafkas distanzierten, fast entfremdeten Blick auf die Welt darstellen soll, den er nur durch seine Prosa hatte?
Spätestens nach der (unnötigen) zweiten Pause leert sich der Zuschauersaal des Schauspielhauses merklich, was eine Schande ist. Denn in dieser Aufführung kann man noch etwas lernen, wird man noch gefordert, aber auch höchstens mal ein paar Minuten gelangweilt. Einige Szenen sind wenige Minuten zu lang geraten, aber insgesamt entschädigt die Aufführung dafür durch ein abwechslungsreiches Bühnenbild, durch sehr gute, sich verausgabende Schauspieler und den bleibenden Eindruck beim Zuschauer, einen diffusen aber mächtigen Einblick in die Welt Franz Kafkas gewonnen zu haben.
Nichts für Musicalbesucher!
Kurz reingeschaut: The Damned United
Viele Fußballfilme habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ein paar Dokus, ja, aber Spielfilme? “Das Wunder von Bern”, klar. Aber meist dient der Fußball da ja doch nur als Nährboden für eine mehr oder weniger unabhängige Handlung.
Auf Empfehlung der aktuellen 11Freunde-Ausgabe hin beschaffte ich mir nun aber “The Damned United“, und hier ist alles anders. Der Film erzählt die wahre Geschiche von Brian Clough, dem englischen Trainer, der zunächst Derby County als Aufsteiger zur englischen Meisterschaft führte, dann bei Leeds United übel scheiterte, um anschließend Nottingham Forest binnen vier Jahren aus der zweiten Liga zu zwei Europapokalsiegen in Folge zu führen.
Die Geschichte Cloughs wird rund um sein desaströses, nur 44 Tage dauerndes Engagement bei Leeds United erzählt. In immer kürzer in die Vergangenheit springenden Rückblicken zeigt der Film, wie die persönliche Feindschaft Cloughs mit dem langjährigen Leeds-Manager Don Revie den zügellosen Ehrgeiz von Clough befeuert, bis er endlich Revies alte Mannschaft übernehmen kann, die zu der Zeit die englische Liga dominierte. Die Mannschaft jedoch lehnt ihn ab, zumal Cloughs Ehrgeiz endgültig in reine Arroganz umschlägt. Der Film endet mit der Versöhnung von Clough mit seinem langjährigen Assistenten Peter Taylor. Nur in kurzen Texteinblendungen wird der weitere Verlauf ihrer Geschichte bei Nottingham erzählt.
“The Damned United” fasziniert durch seine ebenso charismatische wie arrogante Hauptfigur und natürlich die Tatsache, dass die Geschichte den historischen Tatsachen entspricht. Die schauspielerischen Leistungen können mit der Geschichte leider nicht ganz mithalten, insbesondere bei der Darstellung von Brian Clough selbst agiert Michael Sheen immer auf der Grenze zum Chargierens, regelmäßig auch darüber. Timothy Spall als Peter Taylor ist da schon ein ganzes Stück glaubwürdiger und hat die grandioseste Szene des ganzen Films, als er Clough bis ins Absurde demütigt, um ihn nach ihrem Streit wieder als Freund und Partner anzunehmen.
Außer der gut erzählten Geschichte wird hier mit einem Klischee gründlich aufgeräumt: Dass der englische “Manager” als Alleinherrscher ein erfolgreiches Konzept sei, der die Aufgaben deutscher Manager, Sportdirektoren und Trainer kongenial in sich vereinte. Tatsächlich wird gezeigt, wie Clough ohne seinen Partner Taylor völlig verloren ist und nicht zuletzt deswegen bei Leeds scheitert, weil ihm die Kompetenz von Taylor an der Seitenlinie, im Umgang mit den vorhandenen und beim Scouting neuer Spieler fehlt. Sehr schön stellt der Film dar, wie Clough diese Tatsache bei einem in England wohl legendären Fernsehduell mit seinem alten Widersacher und Vorgänger als Leeds-Trainer, Don Revie, bewusst wird (hier die Originalaufzeichnung), in dem Revie ihm seine Versäumnisse vorhält und den zu Beginn des Interviews noch vollständig von sich selbst überzeugten Clough komplett vernichtet.
Für jeden Fußballfan ein Muss! (Kommt im Januar auf deutsch raus.)
Kurz nachgefragt bei: Matthias Mink, Cheftrainer von Fortuna Köln
Matthias Mink, Jahrgang 1967, absolvierte in den 90er Jahren über 150 Zweitligaspiele für Fortuna Köln. In der Saison 2007/2008 kehrte er zurück – als Cheftrainer. In seiner ersten Spielzeit erreichte die Fortuna, die im Jahr davor noch gegen den Abstieg gespielt hatte, den zweiten Platz der Verbandsliga Mittelrhein und stieg auf, weil dem Meister VfL Leverkusen die Lizenz für die NRW-Liga verweigert wurde. Letztes Jahr schloss die Mannschaft als Aufsteiger ihre erste NRW-Liga-Saison auf Platz 9 ab.
Für die laufende Saison, die zweite in der NRW-Liga, wurde der Kader aufgerüstet und als Saisonziel ein Platz im oberen Tabellendrittel ausgegeben. Der Saisonstart geriet allerdings wechselhaft. Auswärts lief es sehr gut, zu Hause dafür umso schlechter: In den ersten sechs Heimspielen sammelte die Fortuna gerade mal einen Punkt, zwischenzeitlich wurden vier Spiele in Folge verloren, davon drei zuhause, und bei der Niederlage gegen Germania Windeck zeigte sich die Mannschaft mit zwei roten Karten wegen Tätlichkeiten fast schon selbstzerstörerisch.
Angesichts dieser Zwischenbilanz fand der Vorschlag eines Mitglieds von Deinfussballclub (DFC), der die Entlassung von Matthias Mink forderte, so viele Unterstützer, dass die verbindliche Abstimmung darüber im Dezember ansteht.
In den letzten Spielen lief es sportlich allerdings wieder besser: Die Fortuna ist inklusive dem Pokalsieg bei einem Bezirksligisten und dem Unentschieden bei Arminia Bielefeld II an diesem Sonntag seit fünf Spielen ungeschlagen, holte in der Liga aus vier Spielen zwei Heimsiege und zwei Auswärts-Unentschieden.
Die Abstimmung über Matthias Minks berufliche Zukunft bei der Fortuna wird dennoch stattfinden. Am vergangenen Donnerstag stand er mir im Büro von DFC für ein Interview zur Verfügung.
Herr Mink, wie schlafen Sie eigentlich zurzeit?
Ruhig. Weil wir gewonnen haben. Jeder weiß, dass ich das Projekt Deinfussballclub von Anfang an unterstützt habe, weil ich davon überzeugt bin, dass es eine gute Geschichte ist – auch im Hinblick auf die Abstimmung. Die Mitglieder unterstützen uns ja finanziell und bekommen dadurch die Möglichkeit mitzuwirken, mitzuarbeiten, sich einzubringen in den Verein.
Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Verantwortung der sportlichen Leitung durch die Mitglieder, die Co-Trainer, nicht in Frage gestellt werden sollte. Aber Managementaufgaben fallen klar in ihren Verantwortungsbereich, und eine dieser Aufgaben ist logischerweise auch die Mitbestimmung über das Personal. Dass dann sowas irgendwann mal kommen wird, war klar. Tatsache ist aber, dass bei solchen Entscheidungen auch Verträge berücksichtigt werden müssen.
Ich habe mich auf die sportliche Verantwortung zu konzentrieren, auf die sportliche Herangehensweise, und ich denke, da haben wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren ganz gut gearbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist das, worauf wir uns zu konzentrieren haben, nicht mehr und nicht weniger. Und deswegen schlafe ich auch gut.
Jetzt haben Sie nichtsdestotrotz gelernt, wie lang oder kurz die Geduld von manchen Mitgliedern ist, nämlich irgendwo in der Ecke von sechs nicht gewonnenen Heimspielen.
Ja…
Gerade letzte Saison hat es manchmal den Eindruck gemacht, dass auch das ein oder andere Vorstandsmitglied nur darauf wartete, dass es mal ein schlechtes Ergebnis gibt. Kann es sein, dass Sie in der Konstellation mit DFC abhängiger von Resultaten sind, als man das als Trainer ohnehin ist?
Ich seh’s eher umgekehrt. Manchmal ist man ja sogar abhängiger von Resultaten, wenn einzelne Personen aus einer gewissen Emotion heraus entscheiden. Eine basisdemokratische Entscheidung der Mitglieder ist aber eher weniger emotional, auch wenn es die eigentliche Diskussion um den Trainer in naher Vergangenheit schon war.
Die Frage ist: Ist das wirklich die Mehrheit, die da so reagiert? Oder hätte sich die Mehrheit, gerade auch in der schlechten Phase, vielleicht sogar für den Trainer entschieden? Das kann man jetzt nicht sagen. Da muss man abwarten, wie das Ergebnis schlussendlich ausfällt.
Ich finde diese Abstimmung aber auch im Hinblick auf ein möglicherweise negatives Ergebnis gar nicht so verkehrt, denn dann war’s keine emotionale Geschichte. Da hat keiner aus dem Bauch heraus entschieden: Der Mink, oder die Mannschaft vom Mink, liefert keine Ergebnisse mehr ab, und deswegen hauen wir ihn kurzerhand mal raus. Es gibt ja noch mehr Komponenten zu betrachten, die wirklich entscheidend sind für ein Weiterarbeiten oder auch nicht.
Nun wird aber immer wieder kritisiert, dass es zwischen Ihnen und den DFC-Mitgliedern keinen intensiven Austausch gibt. Es gibt die Chats vor den Spielen, es gab zwei Chats zwischendurch, aber es gibt keinen darüber hinaus gehenden Austausch. Es wird kritisiert, dass Sie nicht im Forum sind. Man könnte sich auch einen Newsletter zur sportlichen Situation vorstellen. Würde es Ihnen nicht gerade in dieser Situation, aber auch grundsätzlich, helfen, wenn Sie mehr Verständnis für Ihre Arbeit schaffen würden?
Ich weiß nicht, ob es zweckmäßig wäre, ins Forum zu gehen, wo man im Endeffekt mit heißer Nadel diskutiert, ob es Sinn machen würde, sich als Trainer dort zu eben vorwiegend emotionalen Themen zu äußern. Dass man sicherlich im Hinblick auf ein näheres Zusammenrücken das ein oder andere Mal mehr in den Chat gehen könnte, oder auch einen Newsletter rausgeben könnte, das ist eine Anregung. Da kann man ja vielleicht drüber nachdenken für die nahe Zukunft.
Es ist aber natürlich auch immer so eine Sache mit dem Arbeitsaufwand. Was kann man wirklich machen und wie kann man’s vernünftig umsetzen? Aber das sind Anregungen, die kann man sicherlich mitnehmen. Dass man nicht immer alle Mitglieder voll und ganz so versorgen kann, dass sie rundum glücklich sind, das ist auch klar. Es wird immer Leute geben, die sagen: Da fehlt mir das noch und da fehlt mir das noch.
Unterm Strich muss man sagen: Man hat sich mit der DFC-Mitgliedschaft eine Kompetenz erkauft, ein Mitwirken bei den Managementaufgaben. Wenn man dann aber richtig nah an der Mannschaft sein will, dann muss man sich nicht nur die Kompetenz erkaufen, dann muss man auch regelmäßig zum Training kommen und hat dann auch das Wissen. Und einzelne Fans, die das schon gemacht haben, sind so nah dran, dass der Trainer mit ihnen sicherlich auch außerhalb von Zeitungs-Statements oder sonstigen Anlässen einen Austausch pflegt.
Was die DFC-Mitglieder wahrnehmen, das sind zum einen Geschäftsführungs- und Vorstandsaufgaben, sie treffen also wirtschaftliche Entscheidungen. Der andere Aspekt ist eine Art Sportdirektion. Ich stelle mir den Austausch zwischen der Sportdirektion und dem Trainer in einem normalen Verein aber enger vor, als das bei der Fortuna im Konstrukt mit DFC vielleicht auch nur möglich ist.
Ja, aber das ist genau der Punkt: Die Sportdirektion, wenn sie ein Mitglied in Südamerika oder in Südostasien ist, hat eben das augenscheinliche Problem, dass sie nicht so nahe an der Mannschaft ist, und dass man ihr diese Nähe auch nicht geben kann, wenn sie nicht ständig das Tagesgeschäft miterleben kann. Und dann habe ich als sportlich Verantwortlicher für die erste Mannschaft das Problem, denen das jeden Tag so nahe zu bringen, dass sie sich ein Bild machen können? Das ist, glaube ich, zeitlich nicht möglich.
Man kann versuchen, gewisse Sachen zu transportieren. Ich glaube aber, unabhängig von einzelnen, die das vielleicht wollen, ist es auch nicht im Sinne der Mitglieder, dass ich sie mit so viel Information vollstopfe, dass sie Rüdiger Hoppe [Co-Trainer von Fortuna] hießen oder Günther Schumacher [Torwarttrainer]. Ich glaube nicht, dass die das wollen.
Wir hatten ja auch schon mal die Diskussion im Forum um die Frage der sportlichen Kompetenz: Sollten die Mitglieder auch aktiv in Aufstellung und Trainingsbetrieb mit eingreifen? Und da haben viele Mitgliedern klar gesagt: Nein, das wollen wir nicht. Es macht keinen Sinn, weil der Trainer da den besten Einblick hat und sicherlich auch die Fachkompetenz. Und wir würden wahrscheinlich mehr in Fettnäpfchen treten, als dass wir unterstützend wirken könnten.
Zurück zur sportlichen Situation. Inzwischen hat die Mannschaft die Kurve erst einmal gekriegt. Aber es gab eine Serie von vier Niederlagen in Folge, unter anderem in Höhenberg gegen Windeck, mit zwei rote Karten, dann noch das 0:4 gegen Herne. Wie stelle ich mir in so einer Phase die Stimmung in der Kabine vor einem Heimspiel vor? Ist die Mannschaft da extrem angespannt?
Angespannt waren wir eigentlich immer. Wir haben in der Phase logischerweise viel Ursachenforschung betrieben, haben versucht vielschichtig zu hinterfragen: Wo liegen die Gründe für diese Ergebnisse, für die Misere? Wo liegen Gründe für ein Ergebnis wie gegen Herne, wo wir mit 0:4 zuhause gegen einen Gegner verlieren, über den man eigentlich sagen muss: Der war nicht gut. Das war kein übermächtiger Gegner, wo man sagen könnte: Okay, da hast du’s verdient, so hoch zu verlieren.
Hat die Mannschaft, was ja nachvollziehbar gewesen wäre, einfach das große Flattern gekriegt?
Natürlich war der Druck groß, und das haben wir nach der Partie gegen Herne den Fans zu erklären versucht. Ich habe versucht, den Fans nahezubringen, dass viele Spieler sich auch persönlich unter einen hohen Erwartungsdruck gestellt haben und dass die Erwartungshaltung insgesamt sehr, sehr hoch war, innerhalb des Vereins und auch gerade in Fankreisen.
Und wenn man in diesen Situationen nicht die Ergebnisse abliefert, dann ist das wie eine Spirale, die sich nach unten dreht. Und die Mannschaft kam da in dem Moment nicht so einfach raus, weil sie nicht wussten, wo sie den Hebel ansetzen müssen, auch für sich persönlich. Wir haben dann als sportliche Leitung versucht Maßnahmen zu ergreifen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Was waren das für Maßnahmen?
Wir haben versucht, die Stimmung weiterhin hoch zu halten. Wir haben versucht, im Training immer wieder an Qualitäten, an Stärken jedes Einzelnen zu arbeiten. Wir wollten insgesamt die Spielfreude wieder entwickeln, wieder hochhalten.
Und dann kam unser Sportpsychologe mit dazu, über den ja auch bei DFC abgestimmt wurde. Wir haben versucht, durch eine Stärkenanalyse nicht nur jedes einzelnen Spielers sondern auch der kompletten Mannschaft, noch mal augenscheinlich herauszustellen und ihnen wirklich klar zu machen: Nicht die Ergebnisse sind das, was für euch entscheidend sein muss für das nächste Spiel oder die nahe Zukunft. Sondern das, was ihr an persönlichen Zielen und wir als Mannschaftsziel haben. Und zum zweiten das, was ihr auch schon Positives gezeigt habt, was eure Stärken sind, die ihr in die Waagschale werfen müsst.
Das waren dann alles Punkte, die in der Summe dazu geführt haben, dass wir wieder auf den richtigen Weg gekommen sind. Aber wir haben auch in der nicht erfolgreichen Phase immer wieder gesagt, dass wir eine gute Truppe haben, dass es sicherlich keine Sache der Qualität ist, sondern dass es in einzelnen Situationen auch von Glück und Pech abhängt. Es gibt so Situationen im Sport. Aber wenn wir beharrlich unsere Stärken, unseren Mannschaftsgeist und unsere Stimmung wirklich immer wieder hochhalten und aufs Spielfeld transportieren, dann wird sich das irgendwann wieder ins Gegenteil kehren. Und so war’s dann auch.
Was auch auffällt ist, dass die letzten vier erfolgreichen Spiele durchgängig mit der gleichen Besetzung gelaufen sind…
Ist auch ein Punkt!
…und auch in dem alten, letzte Saison bewährten 4-2-3-1-System. Hat das einen Einfluss gehabt? Hat die Mannschaft sich darin wieder wohler gefühlt?
Ja, wobei wir schon in Hüls ein 4-2-3-1 gespielt haben, als wir nach der Verletzung von Kevin wieder auf die eine Spitze umgestellt haben. Aber Kontinuität im Hinblick auf die Arbeit und Kontinuität im Hinblick auf die Mannschaftsaufstellung ist sicherlich ein wesentlicher Aspekt. Wir hatten viele Wechsel in der Anfangsphase, auch bedingt durch Verletzungen. Das ist nicht immer leistungsfördernd, zumal wir vor der Saison viele neue Spieler hatten, die sich trotz guter Vorbereitung in der Meisterschaft erst mal finden müssen. Das sind alles Punkte, die ausschlaggebend dafür sein können, dass es sportlich nicht so läuft, wie man sich das wünscht.
In der jetzigen Phase, in der wir kontinuierlich auf dieselbe Mannschaft gesetzt und die Spiele wieder erfolgreich gestaltet haben, fällt es dann leichter, klar. Aber sicherlich auch ein toller und wesentlicher Aspekt ist, dass trotz der Tatsache, dass wir in den vergangenen Wochen immer wieder auf dieselbe Mannschaft zurückgegriffen haben, es insgesamt sehr, sehr stimmig in der Truppe ist. Auch die im zweiten, vielleicht sogar im dritten Glied stehen, arbeiten sehr gut, auch im Training, sind sehr ambitioniert, obwohl man vielleicht denken könnte: Jetzt stellt der Trainer eh immer die gleichen elf auf, brauch ich ja kein Gas mehr geben. Andererseits geben aber auch die ersten elf im Training Gas, weil sie merken, dass die anderen ihnen im Nacken sitzen.
Und diese tägliche Trainingsarbeit, diese Spielfreude, diese Harmonie, die sich da entwickelt hat, die hat zuletzt auch diese Erfolge bedingt.
Es gab ein paar äußere Einflüsse: Die Sperre von Cengiz Can, die Sperre und Verletzung von Christian Beckers, Daniel Blankenheim war verletzt, Hamdi Dahmani auf links außer Form. Hamdi spielt jetzt auf der Position von Christian Beckers, Mario Schwarz, der am Anfang hängende Spitze war, spielt jetzt links. Hat da vielleicht auch die Not dazu geführt, dass jetzt eine Formation gefunden ist, an die Sie vor der Saison gar nicht gedacht hätten?
Wir haben sicherlich mit dieser Aufstellung in der Vorbereitung kein einziges Spiel bestritten. Bloß haben wir bei unseren Neuverpflichtungen und in der Vorbereitung schon gesagt: Wir können und werden im Laufe der Saison mehrere Varianten spielen müssen und wollen uns flexibler und variabler zeigen, weiterentwickeln im Vergleich zur vergangenen Saison.
Wir haben jetzt eine Formation gefunden, die auch eine Antwort auf Verletzungen und Sperren war. Man muss aber ganz klar sagen: Wir wussten immer, dass der Hamdi auch im Zentrum spielen kann. Bloß war er in der letzten Saison über die linke Seite überragend, hat viele Tore vorbereitet und einige erzielt. Hamdi ist aber aus Troisdorf hierhin gekommen mit der Maßgabe, auf der 6 oder auf der 10 zu spielen. Wir wussten, dass er diese zentrale Rolle spielen kann, und dann hatten wir da ein Loch und mussten uns was einfallen lassen, wie wir dieses Loch stopfen und wie wir der Mannschaft vielleicht auch neue Impulse geben. Ich glaube, dass der Hamdi auch auf der linken Außenbahn wieder in die Spur gefunden hätte. Bloß hat es uns als Mannschaft in dieser Phase einen unglaublichen Halt gegeben, dass er auf der zentralen Position so funktioniert, wie er aktuell spielt. Er bringt sowohl in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsbewegung in jeglicher Situation Impulse. Wir hatten da nicht die Alternativen, deswegen war’s umso wichtiger. Dass dann noch Ergebnisse rauskommen und wirklich tolle Spiele und auch fußballerisch gute Qualität, ist umso besser.
Sie haben gerade schon die taktische Variabilität angesprochen. Es gab in dieser Saison mindestens vier Systeme, die die Fortuna gespielt hat.
Vier?
4-4-2 mit Raute, gegen Herne in der ersten Halbzeit.
Nein.
Da bin ich mir relativ sicher.
Nein.
Als Sie in der Pause auf 4-2-3-1 umgestellt haben?
Wir haben nicht mit Raute gespielt. Vielleicht wurde die Spielweise im Mittelfeld in der Offensive als Raute interpretiert. Aber meine Herangehensweise und unsere taktische Ausrichtung war keine Raute, mit Sicherheit nicht. Es ist aber natürlich so, dass die beiden 6er in der Spieleröffnung eine Tiefenstaffelung einnehmen müssen. Manche Zuschauer sehen dann möglicherweise eine Mittelfeldraute.
Auf jeden Fall gibt es ja das 4-4-2 mit zwei Sechsern. Es gab das Spiel gegen Speldorf, nach dem diskutiert wurde: War das ein 4-5-1, war das ein 4-3-3? Es gibt jetzt wieder das 4-2-3-1. Kann es sein, dass die taktische Variabilität für Amateursportler, auch wenn sie fast jeden Tag trainieren, ein bisschen viel ist? Wird die Mannschaft vielleicht überfordert?
Nein, warum? Wir haben eine taktisch gut geschulte und intelligente Mannschaft!
Weil in dem Moment, in dem ein stabiles, bekanntes System gespielt wird, der Erfolg zurück kommt. Aber als viel variiert wurde, gab es zwar auswärts immer gute Ergebnisse…
Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt mit super Spielen im 4-4-2.
Ich habe überhaupt nichts gegen ein 4-4-2!
Damals hat jeder propagiert: Ist ja super, endlich mit zwei Stürmern, und es funktioniert ja. Dann stellt man auf 4-2-3-1 um, im Hinblick auf die personelle Situation und die sportliche Entwicklung, und dann kann jeder sagen: Genau das Richtige in dem Moment, weil die Mannschaft den anderen Systemen nicht gewachsen war. Aber es ist doch Quatsch, diese Diskussion jetzt anzubringen und zu sagen: Die Mannschaft versteht die anderen Systeme nicht, wo wir die komplette Vorbereitung im 4-4-2 gespielt haben, und das erfolgreich.
Der Wechsel zwischen den Systemen, das war die Frage.
Ja, aber wir sind doch vom 4-4-2 auf 4-2-3-1 wieder zurück. 4-4-2 haben wir in der Vorbereitung supererfolgreich gespielt. Dann spielen wir’s im ersten Spiel gegen Sprockhövel, dann verletzt sich der Kevin. Dann spielen wir gegen Speldorf im 4-3-3, weil die im 3-5-2 spielen, damit wir mit drei Angreifern deren Spieleröffnung schon kaputt machen können, was wir auch sehr gut trainiert haben. Da kommen wir aber gar nicht ins Spiel, müssen unterm Strich froh sein, dass wir 0:0 spielen und mit einem blauen Auge davon kommen. Danach stellen wir wieder auf 4-4-2 um, verlieren unglücklich gegen Wiedenbrück mit nur zehn Mann und gewinnen 4:0 in Hamm.
Das heißt, wir haben, unabhängig von der personell bedingten Systemumstellung auf 4-2-3-1, davor immer mit zwei Spitzen gespielt. Dass ein Mario Schwarz in der Rückwärtsbewegung hinter einen Cengiz Can fällt, das ist eine ganz andere Geschichte. Das ist eine taktische Herangehensweise im Hinblick auf die defensive Grundordnung und das Anlaufen unserer Stürmer, aber das hat nichts mit dem taktischen Verständnis oder mit der Umsetzung durch die Mannschaft zu tun.
Also hat die Mannschaft Ihre taktischen Vorgaben so umgesetzt, wie Sie sich das vorstellen?
Das haben die meiner Ansicht nach sogar sehr, sehr schnell gelernt und auch unglaublich gut umgesetzt. Dass es immer mal wieder im Hinblick auf die Trainingsumfänge oder auf das Stellungsspiel die einen oder anderen Probleme gibt und wir die nicht komplett in erster Instanz ausmerzen können, das ist auch klar. Aber prinzipiell, wenn ich das hier mal erwähnen darf, gibt es auch andere Fußballfachmänner, die sagen: Von der taktischen Herangehensweise wird bei der Fortuna ein sehr, sehr guter Fußball gespielt. Weil man da ein System erkennt, und weil die Mannschaft nicht versucht, mit langen Bällen in der Vorwärtsbewegung zu operieren und man in der Rückwärtsbewegung nicht mehr weiß, wo spielt der jetzt eigentlich, der da auf der linken Seite plötzlich aufgetaucht ist?
Also es ist meiner Ansicht nach der völlig falsche Ansatz, zu sagen, die Mannschaft hat das System nicht verstanden. Wir sind aber natürlich in der Lage, uns auch noch weiter zu entwickeln.
Eine letzte Frage noch zur Taktik: Auf der Position im zentralen Sturm haben Sie Kevin Kruth und Cengiz Can zur Verfügung. Wenn einer von beiden verletzt oder gesperrt ist, dann wird sofort ein Systemwechsel nötig, weg vom 4-4-2. Ist das ein Problem, oder sagen Sie: Damit muss man leben?
Es ist die Frage, was man an Möglichkeiten hat, und was auch an aktuellen Alternativen vorhanden ist. Will ich wirklich als Trainer ein System durchspielen und sage: Egal, was kommt, wir spielen das so? Oder mache ich mir Gedanken im Hinblick auf den Gegner? Und welche Spieler sind für mich wichtig, die für die Mannschaft den sportlichen Erfolg bringen? Da muss man dann die jeweilige Situation abwägen.
Es gibt Trainer, die sagen: Ich spiele ein System konsequent durch. Wolfgang Frank war mal im Zuge des Fußballlehrer-Lehrgangs als Gastreferent eingeladen, der das mit seinen Mannschaften immer so praktiziert hat. Kann man machen. Aber meine Philosophie ist es, verschiedene Möglichkeiten zu haben beziehungsweise verschiedene Systeme zu trainieren, damit wir auch auf Situationen innerhalb der Spiele reagieren können, um flexibler zu werden und vielleicht auch um spielbestimmender zu sein. Natürlich auch, um innerhalb eines Spiels mal sagen zu können: Okay, wir liegen zurück, wir müssen was machen. Dann bringen wir einen weiteren Stürmer, deswegen müssen wir vielleicht eine Systemänderung vornehmen. Eventuell auch, wenn der Gegner umstellt. So wie wir gegen Schwarz-Weiß Essen zum Beispiel Sascha Jagusch eingewechselt haben, weil wir ein Problem mit dem Westerhoff hatten, der ständig vor der Abwehr rumturnte, dessen Kreise wir null einschränken konnten und für den keine Zuordnung vorhanden war. Dann haben wir den Sascha reingenommen, wenn auch kurz vor Schluss. Aber es war in der Phase wichtig, dass einer kommt, der sich dem Westerhoff annimmt. Und dann haben wir eben kurzfristig mal auf der zentralen Position vor der Abwehr Manndeckung gespielt. Das muss dann in solchen Situationen auch mal sein.
Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick: Was muss passieren, damit die Fortuna in zwei, drei, vier Jahren in den bezahlten Fußball kommen kann?
Dirk Daniel Stoeveken und Burkhard Mathiak aus dem Hintergrund: Zuschauer! Zuschauer und Sponsoren!
Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, wichtig ist, dass man die Kirche im Dorf lässt. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber gleichzeitig wissen wir auch ganz klar, schon im Hinblick auf Budgets: Wir sind aktuell da, wo wir hingehören, irgendwo im Mittelfeld, im vorderen Mittelfeld. Wir wollen logischerweise nach vorne. Das ist auch von der sportlichen Seite unsere Ambition und wir wollen das aktiv vorantreiben. Aber es geht nicht von heute auf morgen. Deswegen muss man der Mannschaft Zeit lassen, muss man auch dem Verein Zeit lassen.
Aber das Saisonziel bleibt das gleiche: Platz sechs oder besser?
Genau, das Saisonziel bleibt das gleiche. Ob das dann unterm Strich 4 oder 8 wird, das weiß man nie so genau, auch im Hinblick auf die Unwägbarkeiten einer Saison. Wenn Sie regelmäßig im Stadion sind, wissen Sie ja selbst schon im Hinblick auf die Schiedsrichterleistungen: Da steckt man manchmal nicht drin. Da kann mal so, mal so entschieden werden. Und am Ende können drei oder sechs Punkte über ein, zwei Plätze entscheiden. Aber das Saisonziel, denke ich mal, ist realistisch und für uns sicherlich machbar.
Und langfristig sehen Sie die Fortuna auf Kurs?
Ich denke, ein substanzielles Wachstum, wie wir es momentan haben, ist das beste Wachstum. Wenn du, wie teilweise andere Vereine, den dritten Schritt vor dem zweiten machst, den zweiten vor dem ersten, dann kommt manchmal erst ein, zwei Jahre später der Schlag ins Gesicht – und dann musst du wieder von vorne anfangen.
Die Entwicklung, die wir momentan vollziehen, ist okay, auch wenn ich auf die vergangene Saison blicke, als wir uns ganz gut in der Liga wiedergefunden haben. Da hatten wir auch mal eine Schwächephase, aber das ist ganz gut, denn aus so einer Phase kann man auch sehr gestärkt hervorgehen. Wir haben aus der Niederlagenserie in der vergangenen Saison unsere Lehren gezogen, aus den ganzen englischen Wochen und den vielen Verletzten, auch im Hinblick auf die Qualität des Kaders. Und wir haben aus der schlechten Phase in dieser Saison unsere Schlüsse gezogen.
Aber man sollte wirklich mit einer gewissen Kontinuität und mit einer gewissen Substanz an die Sache ran gehen. Und dann denke ich, ist es auch drin, dass man in zwei, drei Jahren an die Tür des bezahlten Fußballs klopft. Was dann unterm Strich an Ergebnissen dabei rauskommt, das muss man abwarten, aber bisher ist unser Vorgehen eigentlich bestätigt worden. Und von daher sind wir mit dem aktuellen Stand sehr zufrieden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Money (That’s What They Want)
Da habe ich grade mal seit ein paar Monaten eine gültige KVB-Fahrkarte, ein Formel-9-Ticket, da flattert mir bereits die erste Preiserhöhung ins Haus. Zum 01.01.2010 will die KVB für das Ticket im Abo monatlich 46,40 € haben. Gegenüber den bisher verlangten 44,70 € ist das eine Preiserhöhung von 3,8%.
Das könnte man noch normal finden, schließlich liegt das nur leicht über der jährlichen Inflationsrate. Obwohl, moment mal, Energie, die im KVB-Etat bestimmt nicht den kleinsten Posten ausmacht, sogar billiger geworden ist… Die Löhne explodieren zurzeit jetzt auch nicht gerade…
Was sind also die Gründe für die Erhöhung? Freundlicherweise klärt die KVB selbst auf:
Diese Preisanpassung soll dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, reduzierte öffentliche Zuschüsse zu kompensieren, ein attraktives Serviceangebot für Bus und Bahn zu sichern und auszubauen.
Aha. Der Reihe nach.
Erhöhte Preise sollen “die Wirtschaftlichkeit verbessern”. Wenn ich das richtig verstehe, dann bedeutet das nichts anderes, als: “Wir erhöhen die Preise, damit wir bei gleichem Aufwand mehr Geld verdienen.” Ach was! Noch knackiger zusammengefasst: “Geben Sie uns bitte mehr Geld, damit wir es haben.” Als “Begründung” im engeren Sinne fällt so etwas irgendwie aus.
Weiterhin möchte die KVB “reduzierte öffentliche Zuschüsse kompensieren”. Über das Thema habe ich neulich schon mal ausführlich gebloggt. Die Reduktion von öffentlichen Zuschüssen ist die exakt falsche Richtung. Mehr öffentliche Zuschüsse für den Nahverkehr wären richtig. Aber wahrscheinlich muss die Stadt Geld sparen, um die Strafe in dreistelliger Millionenhöhe zu begleichen, die der EuGH noch festsetzen wird wegen des schon festgestellten Verstoßes gegen das Vergaberecht beim Bau der neuen Messehallen, die bei Berücksichtigung des Vergaberechts wahrscheinlich außerdem noch billiger geworden wären… Und mal abgesehen davon ist das zweite im Grunde genommen das gleiche Argument wie das erste. Die wollen die Wirtschaftlichkeit verbessern, damit sie weniger von der Stadt bezuschusst werden müssen, die ihnen die Zuschüsse gekürzt hat…
Und dann möchte die KVB das “Serviceangebot sichern und ausbauen”. Ja geht’s bitte etwas schwammiger? Die möchten also ihrem Unternehmszweck nachkommen? Wow, dafür zahlt man doch gerne extra!
Die allergrößte Unverschämtheit ist aber die Rechtsbelehrung:
Natürlich haben Sie ein vertragliches Sonderkündigungsrecht, das sie bis zum 10.12.2009 ausüben können.
Ein Sonderkündigungsrecht. Schönen Dank auch. Ein Sonderkündigungsrecht BEI EINEM MONOPOLISTEN???? Seid ihr eigentlich noch bei Sinnen? “Wenn Sie die Preiserhöhung nicht gut finden, dann gehen Sie doch bitte zu Fuß.” Wo ist die Kommission, an die ich mich wenden kann, ähnlich der immerhin alibimäßig existierenden KEF?
Ich hätte gute Lust, wieder zum Schwarzfahrer zu werden.
[UPDATE] Ich habe mal schriftlich bei der KVB nachgefragt, welche Gremien eigentlich Preiserhöhungen beschließen, ob und wie darin gewählte Vertreter von Bürgern oder Kunden vertreten sind und welchen Anteil Energie an den Gesamtkosten hat.
Kurz reingeschaut: Juliette Lewis im Gloria in Köln
Seit fünf Jahren ist Juliette Lewis jedes Jahr mindestens einmal in der Stadt, und noch nie hatte ich es geschafft, mir sie anzusehen, immer kam etwas dazwischen. Wahrscheinlich hatte ein gnädiges Schicksal darauf gewartet, dass sie endlich im schönsten Konzertsaal Kölns auftritt, im Gloria, wohin das Konzert aus der schlimmen Live Music Hall verlegt worden war. (Danke! Danke! Danke!) Der Grund dafür war wohl der nicht so brillant laufende Vorverkauf, tatsächlich war die Veranstaltung nicht komplett ausverkauft, größere Lücken im Publikum gab es allerdings auch nicht. Ob es an der Konkurrenz durch die Editors lag, die am selben Abend im Palladium auftraten? Oder hat Juliette Lewis durch ihre neue Platte doch ein paar Fans verschreckt, wie sie selbst etwas kokett vermutete? Ganz so straight wie die ersten Veröffentlichungen ist “Terra Incognita” nämlich nicht, ein paar mehr gebrochene Akkorde haben sich eingeschlichen.
Sieben Songs der neuen Platte spielte Ms. Lewis an diesem Abend, und leider keinen der ganz großen Kracher ihrer früheren Platten außer “You’re Speaking My Language”. Aber kein “20 Year Old Lover”, kein “American Boy” oder “Seventh Sign”, kein “This I Know”.
Doch bei aller leichten Enttäuschung über die Setlist, lehrte doch gerade das: Bei Juliette Lewis geht’s nicht nur um die Musik, sondern um das Erlebnis. Dass die 36-Jährige über die Bühne wirbeln kann, weiß man, dass sie nicht still halten könnte, wenn sie’s wirklich wollte, ebenso. Aber dass das ganze keine Gymnastik ist, sondern echte Wirkung rüberbringt, das merkt man erst, wenn man im selben Saal steht wie sie. Und die kleine Stagediving-Einlage war da noch der kalkulierteste Höhepunkt (ab ca. 4:30).
Und dass das Kölner Publikum geiler sein soll als das in München und Wiesbaden? Naja, Überraschung… (Und Hamburg haben wir am Ende auch noch gekriegt.)
Letztlich lernt man bei einem Juliette-Lewis-Konzert aber vor allem eins: Dass man geboren ist, um am Leben zu sein, wie sie vor ihrem Auftritt bei schon abgedunkeltem Saallicht laut über die Boxen mitteilen lässt. (Übrigens ein Song, der ohne Video doch irgendwie cooler wirkt.)
Am Ende war’s eine lohnende Investition. Gut gerockt wankt man nach Hause und freut sich schon auf’s nächste Mal.
Kurz reingeschaut: Jochen Distelmeyer im Gloria in Köln
Dieser Mann schlägt eine Saite in mir an. Natürlich bin ich nicht der einzige, dem das so geht, und ich kann auch nicht genau den Finger drauf legen. Aber Tatsache ist, dass ich gestern, so irgendwann bei der zweiten Zugabe wahrscheinlich, da stand, und mal wieder das Wasser bis zur Pupille stehen hatte. Es war kein spezielles Lied, insbesondere nicht etwa ein besonders romantisches, das die Band gerade spielte. Aber es war ein Moment, in dem ich mich einfach zutiefst verstanden fühlte von Jochen Distelmeyers Texten und von seiner Musik.
Das Gloria ist natürlich einer der schönsten Kölner Orte, die man sich für ein Distelmeyer-Konzert wünschen kann: Ein altes Kino, rot-plüschig verkleidet, nicht zu groß, nicht zu klein, mit perfektem Blick auf die Bühne, wenn man wie ich hinten vor der Bar steht.
Das Konzert begann, indem die Band die Bühne betrat, einen sehr langsam anschwellenden Feedbacksturm entfachte, der dann überging in “Wohin mit dem Hass?” Ein würdiger Auftakt, gefolgt von zwei weiteren schnellen Stücken und dann einem Set, bunt gemischt aus Distelmeyer- und jüngeren wie älteren Blumfeld-Songs.
Besonders auffällig war, wie viel musikalischer als gewohnt Distelmeyer besonders die Blumfeldstücke interpretierte. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob dieses Erlebnis nicht vielleicht dem Mischer zu verdanken war, der mal den Bass oder mal die Schnörkel spielende zweite Gitarre etwas mehr hervorhob als gewohnt und so dem Stück eine neue Kopfnote gab. Aber spätestens bei den älteren Stücken (”2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß”, “Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder”) wurde offensichtlich, dass Distelmeyer auch die Gesangsmelodie variiert hatte, ihr einfach etwas mehr Melodie verpasst hatte.
Und so stand da nach dem wütenden Beginn ein Distelmeyer auf der Bühne, der zu seinen alten Stücken aufrecht und ungebrochen steht, der sie heute aber doch mit etwas mehr Milde sieht.
Ob die drei Zugaben nach dem regulären, etwa einstündigen Set, auch der Tatsache zu verdanken waren, dass das Konzert aufgezeichnet wurde? Jedenfalls kam Distelmeyer für insgesamt eine weitere Stunde zu drei Zugaben zurück auf die Bühne, herzlich gefeiert vom dankbaren Publikum. Kleine Höhepunkte der Zugaben waren eine nicht mehr a capella gegebene, sondern sehr sparsam, mit akustischer Gitarre und ein paar Keyboard-Phrasen instrumentierte Version von “Regen”, außerdem eine Coverversion von Patti Smiths eigentlich schon totgenudeltem Hit “Dancing Barefoot”, die überraschend hell und frisch strahlte.
Es endete mit einer ziemlich plattengetreuen Version von “Old Nobody”. Doch das Gefühl des Abends hatte Distelmeyer bereits ganz zu Beginn vorgegeben, als er nach dem ersten oder zweiten Song die Band und sich mit den Worten vorstelle: “Wir sind Jochen Distelmeyer.” Nein, Jochen, das ist natürlich Quatsch. WIR sind Jochen Distelmeyer, und du bist wir, wenn du das willst. Es gibt einfach keinen anderen Musiker, der ein vage deutsches Lebensgefühl mit solcher künstlerischen Tiefe, solcher ehrlichen Emotionalität und gleichzeitigen Unaffektierheit fasst wie Jochen Distelmeyer.
Das werden lange Jahre bis zum nächsten Konzert.
Fortuna Köln – Schwarz-Weiß Essen 2-0
Es war ein wechselhafter, regnerisch-sonniger Samstagnachmittag im November, als die Fortuna nicht nur den zweiten Heimsieg der Saison landete, sondern hoffentlich auch endgültig zu ihrem Spiel fand. Denn das 2-0 gegen eine zwar engagierte, aber letztlich doch zu schwache Mannschaft von SW Essen ging zwar in Ordnung. Doch viel wichtiger war, dass nach dem kämpferisch erzwungenen Sieg gegen Kleve und den unzähligen Heimniederlagen in den Wochen davor nun auch erkennbar war, wie Trainer Mink sich das Zusammenspiel der Mannschaft bei Ballbesitz vorstellt. Auswärts war es ja schon die gesamte Saison lang prima gelaufen, doch wenn sie das Spiel machen sollte, tat sich die Fortuna bislang sehr schwer. Hoffentlich nur bis heute.
Matthias Mink schickte dieselbe Startelf wie in den letzten, niederlagenlosen Spielen aufs Feld: Möllering – Furucu, Schroden, Marten, Gran – Ende, Dahmani – Glaser, Maouel (82. Jagusch), Schwarz – Kruth (86. Blankenheim). Wieder ein 4-2-3-1 also, vermutlich aber nur, bis nächste Woche Cengiz Can wieder spielberechtigt ist. Das Spiel fand (an einem wie geschrieben trüben Tag und parallel zur Bundesliga) vor nur 450 Zuschauern statt, wobei die Essener zu dieser Zahl ziemlich genau acht beisteuerten… Lachhaft. (Korrektur: Es waren doch neun.)
Die Fortuna begann das Spiel druckvoll, wurde von Essen aber auch dazu eingeladen: Schwarz-Weiß stellte sich zwar nicht direkt hintenrein, hatte aber offensichtlich beschlossen, der Fortuna erst einmal den Ball zu überlassen, eventuell in der nicht ganz weit hergeholten Hoffnung, dass die damit ihre Probleme haben würde. Und tatsächlich hatte die Fortuna viel Ballbesitz, konnte aber zunächst nicht allzuviel daraus machen – bis in der 12. Minute Hamdi Dahmani nach schnellem Passspiel kurz und steil in den Strafraum geschickt wurde, noch zwei Gegner austanzte, frei vor dem Tor aus elf Metern zum Schuss kam, dann aber zu schwach abschloss. Das hätte gut die frühe Führung sein können.
Anschließend verflachte das Spiel etwas. Die Fortuna bemühte sich zwar weiterhin um schnelle, steile Anspiele auf die Flügel, lief dabei aber entweder ins Abseits oder brachte keine brauchbaren Flanken in den Strafraum.
Nach gut 20 Minuten begann dann auch SW Essen es zur Abwechslung mal mit Angreifen zu versuchen. Die wurden von der Fortuna-Abwehr meist zwar nicht allzu früh, aber am Ende doch entscheidend unterbunden. Bis plötzlich in der 30. Minute Martin Setzke durchgebrochen war und den weit aus seinem Tor geeilten Christopher Möllering überlupfte. Mölle war aber nicht zu Boden gegangen, machte stattdessen auf dem Absatz kehrt, sprintete dem in Richtung Tor kullernden Ball hinterher und konnte ihn mit einem Hechtsprung Zentimeter vor der Linie doch noch zur Seite ablenken.
Das war Glück, anders als kurz vor der Pause, als Essen einen Freistoß aus 18 Metern zwar knallhart auf’s Tor brachte, Möllering aber nur in der Torwartecke stehen bleiben musste, um den unplatziert geschossenen Ball sicher zu fangen.
Das Unentschieden zur Pause war so letztlich gerecht, auch die Spielanteile waren ungefähr gleich verteilt. Es war ein zähes Ringen gewesen, bei zum Glück gerade noch erträglichen Temperaturen im Südstadion. Die Füße konnten einem aber eventuell schon eingeschlafen sein.
Das änderte sich zum Glück nach der Pause. Es begann sofort mit einem Fanfarenstoß: In der 50. Minute drang Alex Ende in den Strafraum ein, hatte nur noch den Torwart vor sich, legte auf den mitgelaufenen Kevin Kruth ab und der verwandelte sicher zur Führung – die sogar gezählt hätte, wenn Kruth nicht im Abseits gestanden hätte. Die Entscheidung war zwar knapp und der Linienrichter auf dieser Seite hatte unbestritten ein unruhiges Händchen, aber es war mindestens ungeschickt von Kruth, in dieser Situation nicht deutlich hinter dem Ball geblieben zu sein.
Zum Glück sollte sich diese Nachlässigkeit nicht rächen, denn schon zehn Minuten später durfte Kruth seinen Fehler wiedergutmachen, und die Fortuna durfte zeigen, wie ihr Angriffsspiel aussieht, wenn es so funktioniert, wie es wohl gedacht ist: Der Ball wurde über den rechten Flügel getrieben, dann ein Pass von Glaser Richtung Zentrum, sofort und halb aus der Drehung der Steilpass (von Maouel?) zurück auf den Flügel. Dort nahm der nun freigespielte Glaser den Ball wieder auf, zog in den Strafraum und passte zurück in die Mitte, wo Kevin Kruth ihn direkt nahm und über den herausgelaufenen Torwart hinweg unter die Latte zimbelte. Schönes Direktspiel, folgerichtig belohnt.
Überhaupt: Genauso wie beim Tor sah das Spiel der Fortuna heute immer wieder aus. Konsequent über die Flügel, dann mit kurzen oder auch raumgreifenden (Doppel-)Pässen Vertikalgeschwindigkeit erzeugen und vom Flügel keine weiten Flanken schlagen, sondern bis in den Strafraum ziehen und den vergleichsweise kurzen Pass suchen, wenn möglich flach, wenn nötig hoch. Diese Taktik funktionierte gut, in der zweiten Hälfte mit etwas mehr Durchschlagskraft als in der ersten. Besonders hilfreich war, dass heute die beiden Außenverteidiger oft die Flügelspieler hinterliefen und dass sich Abdelkader Maouel aus dem Zentrum immer wieder Richtung Flügel bewegte, so dass dem ballführenden Flügelspieler meist gleich zwei Anspielpartner zur Verfügung standen. Dass Stephan Glaser auch noch einen guten Tag erwischt hatte (bis auf einen üblen Katastrophenrückpass vom “falschen” linken Flügel in der ersten Hälfte), war dabei kein illegitimes Hilsmittel.
Generell orientierte sich die Mannschaft bei Ballbesitz heute merklich nach vorne: Maouel löste das 4-2-3-1 oft fast schon zum 4-4-2 auf, Hamdi Dahmani rückte dann von der zweiten 6er- bis auf die 10er-Position vor. Das sah schon wirklich gut aus, wenn auch noch nicht mit der allerletzten Präzision gespielt. Aber es ist eben immer noch Oberliga.
Genug gelobt, es muss nämlich auch getadelt werden: Denn wie dauerhaft sich die Fortuna nach dem Führungstreffer von Schwarz-Weiß in die Defensive drängen ließ, das war doch etwas überraschend. Nach dem 1-0 bis kurz vor Schluss schaffte es die Fortuna bis auf einen guten Distanzschuss von Hamdi Dahmani nicht, den entschiedenden Konter zu setzen, obwohl der Gegner logisch und deutlich öffnete. Die Essener brachten zum Glück zu selten echte Gefahr zustande, was aber auch an der schon gegen Kleve lässig-guten Kölner Innenverteidigung lag, die sich darauf spezialisiert zu haben scheint, Angriffe nicht durch frühes Rausrücken zu vereiteln, wie es letzte Saison noch der (manchmal riskante) Stil von Cedric Mimbala gewesen war. Stattdessen bringt man nun meist kurz vor knapp noch eine Gräte in den gegnerischen Spielzug und kann den Torschuss noch verhindern oder abblocken. Einmal allerdings hatte Lars Marten (?) etwas Glück, dass der Schiedsrichter es als unabsichtlich wertete, als er bei einer Grätsche an der Grundlinie eine Flanke gegen die Hand geschossen bekam.
Zur fehlenden Entlastung trug aber leider auch die gerade in dieser Phase etwas läppsche Spielweise von Abdelkader Maouel bei. Der versuchte zu oft, den Ball mit Spitze, Hacke, Außenrist zu verarbeiten, war so aber gefundenes Fressen für die Essener Verteidiger, die mit einem kurzen Rempler und entschlossenem Einsatz den Ball zu leicht erobern konnten.
Echte Brandherde konnte die Essener Offensive im Kölner Strafraum nicht oft erzeugen, dennoch wartete die Fortuna bis zur allerletzten Spielsekunde, um das Spiel zu entscheiden: Einen endlich mal in der Mitte der eigenen Hälfte abgefangenen Ball spielte sie schnell in die Spitze, wo Stephan Glaser den sehr weit aus seinem Tor gerückten Keeper kurz ausspielte und den Ball aus 40 Metern locker einschob.
Anschließend ließ der etwas kleinlich pfeifende Schiedsrichter Riesener nur noch den Anstoß ausführen und pfiff sofort ab. Am Ende war es ein verdienter und gerechter Sieg der Fortuna, den sie sich mit der klareren Spielanlage, den besseren Einzelspielern und wieder einem mannschaftlich geschlossenen Auftritt erarbeitet hatte. So kann das gerne weitergehen, so kann der Erfolg wenigstens gegen die schlechteren und mittelmäßigen Mannschaften der Liga herausgespielt werden. Nur das Weiterspielen und Nachlegen nach dem Führungstor muss noch merklich verbessert werden, sonst gibt es gegen bessere Gegner ein böses Erwachen. Doch die Tendenz stimmt!
P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

























