Start in die neue Serien-Saison: Dexter, FlashForward, Curb, Californication

In der vergangenen Woche ist die neue US-Serien-Saison gestartet. Hier ein kurzer Blick in die ersten Folgen von ein paar der wichtigsten Produktionen.

Dexter
Dein liebster Serienkiller ist zurück, und es geht ihm gut: Frau, Kind, Haus. “How much are we living the dream?” fragt sie ihn. Er antwortet: “Very much” – und man spürt, wie sich in seinem Inneren die Eingeweide winden. Natürlich will der Soziopath Dexter eigentlich viel weiter weg sein von allen anderen Menschen, als es ihm die Suburbia ermöglicht. Als dann sein nächstes Opfer auftaucht, ein etwas zu klischeehaft unsympathischer, brutaler Familienschläger, hat Dexter mit seiner Doppelrolle zu kämpfen: Der Killer ist übermüdet, weil ihn sein Baby-Sohn nachts wach hält, und Dexter schläft schon beim Ausspionieren des Opfers ein. Aber auch ein paar weitere, vielversprechende Story-Fanfaren, natürlich Dexters voraussichtlich nächster Endgegner: der perfekteste, nicht gefangene Serienkiller in der Geschichte der USA, sowie ein spektakulärer Cliffhanger machen Lust auf die nächsten Folgen. Eigentlich ist bei Dexter alles wie immer: Tolle Schauspieler, mehrere Handlungsfäden, die alle auf irgendeinem Grat wandeln. Ich bin gespannt!

FlashForward
FlashForward ist eine neue Serie. Zum gleichen Zeitpunkt fallen ohne Vorwarnung alle Menschen auf der Welt für gut zwei Minuten in Schlaf, der aber keineswegs traumlos ist: Alle, so scheint es, träumen zwei Minuten ihrer Zukunft in rund einem halben Jahr. Wenigstens stimmen die verschiedenen Träume perfekt miteinander überein, und erste Teile werden bereits erfüllt. FlashForward setzt ganz auf den Mystery-Faktor seiner Story, wobei meiner Ansicht nach eine andere Ebene noch fehlt: die Menschliche. Auf Dauer trägt auch eine noch so spannende Geschichte keine Serie, wenn nicht auch die Personen glaubhaft sind und eine gewisse Tiefe zeigen. Das konnte ich in der ersten Folge noch nicht erkennen. Kann ja noch werden.

Curb Your Enthusiasm
Die Improv-Comedy rund um Seinfeld-Erfinder Larry David geht schon die siebte Staffel, und sie scheint, nach den ersten beiden neuen Folgen zu urteilen, etwas überreizt.  Es wird viel geschrieen und viel blamiert, aber die Storylines sind nicht mehr so subtil wie in früheren Staffeln. Meist ist nach zehn Sekunden klar, warum Larry in der aktuellen Szene mal wieder mehr oder weniger ungerechterweise als Unsympath dasteht. Die alten Staffeln schlugen den Bogen da meist noch über ganze Folgen, in denen am Ende ein während der ganzen Folge diskutiertes Thema Larry plötzlich vor ein unlösbares soziales Dilemma stellte. Das ist jetzt nicht mehr so, und es drängt die Serie mehr in Richtung Klamauk. Guter Klamauk vielleicht, aber immer noch Klamauk. Außerdem fehlt Cheryl Hines als Larrys Ehefrau, die den früheren Folgen als Ruhepol diente, der jetzt auch fehlt. Steigerungsfähig.

Californication
Bereits nach wenigen Sekunden wieder in Höchstform ist dagegen die dritte Staffel von Californication: Hank schläft beim Sex mit irgendeinem Häschen ein, sie verlässt das Haus empört, Hank stolpert im Bademantel in den Flur, wo ihm seine Tennage-Tochter mit einer Freundin entgegen kommt, beide komplett stoned – und zwar von Dope, das sie in Hanks Arbeitszimmer gefunden haben. Ups. Auch im weiteren Verlauf der Folge ist Hank Moody wieder der konfliktfreudige, jedem Rock hinterher jagende, geniale Schriftsteller, der von einer Peinlichkeit in die nächste stolpert, was ihm aber sympathisch egal ist, solange er seinen Spaß hat. Auch Californication zieht die Shrillness-Schraube merklich an, überdreht sie aber noch nicht, insbesondere weil am Ende der Folge Natasha McElhone wieder auftaucht und alles, was vorher an Exaltierheiten zu sehen war, mit einem Blick ihrer Uuntertassenaugen wieder ausbalanciert. So kann’s weitergehen.

Germania Windeck – Fortuna Köln 3-2

Was für ein unfassbares Debakel, das vom Ergebnis völlig unzureichend widergespiegelt wird. Fortuna unterlag Windeck in allen Belangen und hatte großes Glück, aus einer Chance zwei Tore zu machen, während Windeck einige allerbeste Gelegenheiten ausließ.

War es der Spielort im Sportpark Höhenberg, mit dem die Fortuna traumatische Erinnerungen verbindet? War es der Druck, quasi wieder eines der verfluchten Heimspiele zu haben, weil der Gegner aus Dattenfeld, dem man auch in seinem letzten Ausweichspielort Siegburg  kein Asyl mehr gewähren möchte, nach Köln fliehen musste? War es Nervosität? Am Ende sogar Ratlosigkeit? War es eine schlechte Aufstellung? War es jedes dieser Probleme?

Sportpark Höhenberg

Matthias Mink hatte sich für die Aufstellung zwei Überraschungen ausgedacht. Das Dauerproblem auf den Außenverteidigerpositionen sollte wenigstens auf der rechten Seite Mario Schwarz beheben. Der war in dieser Saison immer nur als hängende Spitze aufgelaufen, einmal für Stephan Glaser auf der rechten Mittelfeldposition eingewechselt worden. Gestern sollte er im strahlenden Sonnenschein von Höhenberg den Außenverteidiger geben: eine Position, die er laut Mink bei seinem letzten Arbeitgeber, dem Ligakonkurrenten aus Kleve, auch ein paar Mal gespielt hatte. Dieser Schachzug war noch erkennbar der Verzweiflung geschuldet.

Was allerdings der Positionstausch von Alex Ende und Frank Schroden sollte, war mir völlig schleierhaft. Schroden hatte über große Strecken der letzten Saison einen hervorragenden Innenverteidiger gegeben, Neuzugang Ende war auf der Sechserposition in den bisherigen Spielen offensiv wie defensiv immer einer der Besten gewesen, dazu noch extrem torgefährlich. Was versprach sich Mink davon, Ende als Innenverteidiger und Schroden als Sechser auflaufen zu lassen: Ein besseres Spiel aus der Abwehr heraus?

Ergebnis war jedenfalls, dass gestern in der Zentrale des Fortuna-Spiels ein Vakuum gähnte, das jedes Offensivspiel in Sekundenbruchteilen verschluckte, zumal auch Christian Beckers einen schrottreifen Tag erwischt hatte.

Die Aufstellung der Fortuna sah so aus: Möllering – Venekamp, Marten, Ende, Schwarz – Dahmani, Schroden, Beckers, Glaser – Can, Kruth.

Auflaufen der Mannschaften

Spielerkreis in Höhenberg

Zum eigentlichen Spiel muss man nicht viel schreiben, zumal da eigentlich keins war, wenigstens nicht von Seiten der Fortuna. Die erste Halbzeit war eine grausame Aneinanderreihung von Fehlpässen, von ziellosen, vom Gegner leicht gestoppten Einzelaktionen, von langen, fast schon früh verzweifelten Bällen in die Spitze. Schroden und Beckers in der Zentrale verloren mehr Bälle als sie zum Mitspieler brachten, Dahmani und Glaser auf den Außen blieben bei ihren Aktionen meist am erstbesten Gegenspieler hängen. Einem Mitspieler helfen, etwa durch Freilaufen, wollte aber auch niemand. Die ärmste Sau auf dem Platz war jeweils der ballführende Fortune.

Der Gegner sah sich das harmlose Gegurke an, kombinierte selbst eher mäßig nach vorne, sah sich aber plötzlich durch zwei Tore binnen 60 Minuten belohnt: 2-0 in der 21. und 22. Minute. Danach hoffte man als Fortuna-Fan nur noch inständig darauf, der Schiedsrichter möge einfach zur Pause pfeifen, denn natürlich wurde das Spiel der Fortuna noch unsicherer. Zum Glück erzielte Windeck kein Tor mehr.

Pause

Seltsamerweise wechselte Trainer Mink zur Pause niemanden aus, es hätte eigentlich jeden treffen können. In der 52. Minute dann kam verspätet Jan Gran für Benjamin Venekamp, der sich wieder mal nicht mit Ruhm bekleckert, ein paar Mal böse hatte überlaufen lassen und nach vorne wirkungslos blieb.

Natürlich löste dieser Wechsel aber ebensowenig die Probleme der Fortuna im Spielaufbau wie die glatt rote Karte, die sich Christian Beckers fünf Minuten später abholte, als er nach einem Pfiff des Schiedsrichters einem Gegenspiel den Ball aus kürzester Distanz gegen den Kopf warf. Eine Aktion, so unnötig wie ein Loch im Kopf, selbst in dem des getroffenen Gegenspielers, und jedenfalls mannschaftsschädigend hoch zehn.

Christian Beckers lamentiert nach seiner Roten

Eine Möglichkeit muss man zur Ehrenrettung von Beckers allerdings in Betracht ziehen: Seinen frei werdenden Platz im defensiven Mittelfeld durfte jetzt endlich Alex Ende einnehmen, so dass die Fortuna in Unterzahl im Rückstand immerhin lieber die Abwehr zu einer Dreierkette lockerte, als einen Stürmer vom Platz zu nehmen. Wollte Beckers also mit Gewalt den Aufstellungsfehler des Trainers korrigieren?

Erstaunlicherweise fiel der Anschlusstreffer für die Fortuna wiederum nur zwei Minuten später: Einem lang in die Spitze geschlagenen Ball setzt Cengiz Can nach, der Windecker Abwehrspieler (Andy Moog?) und der weit herausgeeilte Torwart sind sich uneinig, Can hält irgendeine Gräte rein – und der Ball trudelt dutzende von Metern weit ins verlassene Tor zum 1-2 (59.).

Jubel nach dem 1-2

Keine Chance, aber getroffen: Schon träumte ich vom Wunder von Höhenberg, als die Fortuna in Unterzahl nach einem Glückstor die Partie und die ganze Saison noch drehte… Tatsächlich hatte die Fortuna jetzt ihre stärkste Phase, spielte entschlossen nach vorne, und auch Windeck bekam plötzlich Angst vor der Blamage gegen einen dezimierten und eigentlich schon geschlagenen Gegner. Doch nach gut zehn Minuten war das Strohfeuer schon wieder ausgetreten, als der weit aufgerückte Gran mit einer wilden Grätsche im Mittelfeld den Ball nicht traf, Windeck über die von ihm entblößte linke Abwehrseite vorstieß, Christopher Möllering den ersten Schuss noch parieren konnte, gegen den Nachschuss aus kurzer Distanz aber machtlos war.

Niedergeschlagenheit nach dem 1-3

Eigentlich war die Partie jetzt gelaufen, doch zwei Höhepunkte hatte sie sich noch für den Schluss aufgehoben. Zunächst gelang Cengiz Can nach schöner Vorarbeit des eingewechselten Abdelkader Maouel in der 87. Minute der etwas überraschende erneute Anschlusstreffer. Die erste gelungene Kombination im Spiel der Fortuna wurde prompt belohnt! Geht doch, wollte man rufen, tat es auch und hoffte plötzlich wieder auf ein Wunder einen ungerechten Punktgewinn.

Doch nur vier Minuten später, schon in der Nachspielzeit, setzte Can auf seine zwei Tore und sein engagiertes Spiel einen, mit Verlaub: großen Haufen Scheiße. Als eine Aktion auf der von mir aus weit entfernten linken Angriffsseite der Fortuna nach seiner Meinung wohl zu Unrecht abgepfiffen wurde, schoss er den Ball wütend in Richtung Schiedsrichter: Satt Rot, und kurz darauf der Schlusspfiff. Gerade hatte der Neuzugang zu seinem Spiel und vor allem zu Torgefahr gefunden, da schaltet er sich für die hoffentlich nur vier nächsten Spiele selbst aus. Wenn er Pech hat werden es sogar deutlich mehr.

Verlierer

Verlierer

Das positive Fazit zuerst: Die Fortuna hörte nie auf zu kämpfen, obwohl sehr schnell erkennbar war, dass an diesem Sonntag wirklich gar nichts zusammenging.

Doch das Negative überwog: Es gab quasi kein Passspiel. Fast jeder Fortune führte den Ball zu lange am Fuß, zumal Anspielstationen fehlten. Der Positionswechsel von Schroden und Ende nahm dem Spiel der Fortuna das letzte bisschen Durchschlagskraft, das es zuvor vielleicht noch gehabt hatte. Die defensiven Außenposten waren auch gestern wieder die Einfalltore für die Angriffe des Gegners, obwohl Schwarz eine ordentliche Partie ablieferte.

Und obwohl dieses Spiel kein Maßstab sein sollte, konnte ich noch in keiner Partie der Fortuna erkennen, was eigentlich die Idee des Offensivspiels ist? Es scheint kein Zufall zu sein, dass die Fortuna bislang auswärts besser abschnitt als zuhause. Wenn ihr der Gegner den Ball überlässt, wie das auch gestern oft der Fall war, dann kommt meistens einfach nichts. Nur, wenn es gelingt, den Ball defensiv zu erobern und schnell zu kontern, ist Fortuna im Moment voraussagbar gefährlich.

Ich habe letzten Sonntag in Speldorf mit Hüls eine Mannschaft gesehen, bei der auf Anhieb zu erkennen war, wie sich der Trainer das Spiel nach vorne vorstellt, selbst wenn es nicht immer gelang. Das fehlt mir bei der Fortuna vollständig. Immer wieder schlagen die Defensivspieler lange Bälle nach vorne, die aber nicht zum Beispiel gezielt nach hinten abgelegt werden, zumal da niemand nachrückt. Dann wieder versuchen sich die Außen durchzufummeln, aber ohne dass auf dem Flügel eine Überzahl gebildet und das schnelle Kurzpassspiel gesucht würde.  Ich habe keine Ahnung, wie das gedacht ist, jedenfalls klappt es hinten und vorne nicht.

Die Fortuna steht nach neun Spieltagen auf dem 15. von 19 Tabellenplätzen. Am Sonntag kommt der 16. zu Gast: die ebenso traditionsreiche Westfalia aus Herne. Und dann geht es für die Fortuna darum, irgendwie zu siegen, von mir aus mit einem geschundenen Elfmeter, um dem aufkommenden Gerede vom Abstiegskampf erst mal ein Ende zu machen. Diese Mannschaft kann so viel mehr.

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

Kevin wird aufgerichtet

Kevin Kruth

Trauerarbeit nach dem Spiel

Die Rückkehr der Schutzhaft

Unter Innenminister Schäuble muss man nur lange genug warten, dann wird jede Voraussage wahr.

Vor gut zwei Jahren schrieb ich, dass der logische nächste Schritt in Schäubles Sicherheitswahn die Schutzhaft sei.

Einen Tag nach der Bundestagswahl jetzt das:

Terrordrohungen gegen das Oktoberfest versetzen die Münchner Polizei in Alarmstimmung. Präventiv nahmen die Fahnder zwei Islamisten fest, die sich angeblich verdächtig verhielten. [...] Obwohl den beiden Männern laut dem Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer “keine Straftaten” vorgeworfen werden, habe man sie sicherheitshalber in Haft genommen, um mögliche Straftaten der beiden zu verhindern.

Und alle Befürworter direkterer Demokratie-Elemente, also auch die Piraten, möchte ich bitten, sich zu fragen, ob eine solche Maßnahme bei einem Volksentscheid abgelehnt würde?

Wer nichts zu verbergen hat

In Bayern gehen die Uhren eben anders, und zwar sogar noch, nachdem das Bundesverfassungsgericht die Glocke geschlagen hat. Heise berichtet über ein Urteil, bei dem die Klage eines Bürgers gegen das verdachtsunabhängige Massenscanning von Autokennzeichen in Bayern abgewiesen wurde. Das Verfassungsgericht hat entsprechende Normen aus Hessen und Schleswig-Holstein schon vor einiger Zeit kassiert. Bayern glaubt aber, es trotzdem zu dürfen.

Am unverfrorensten ist die Begründung des Urteils laut heise.de:

Da nach der bayerischen Regelung die Videodaten von Fahrzeugen, bei denen es keine Übereinstimmung mit Inpol-Fahndungsdaten gebe, sofort und spurlos gelöscht werden, entstehe keine Benachrichtigungspflicht für jedermann. [...] Wer im Netz hängenbleibt, könne im Rahmen der weiteren, dann offenen Polizeimaßnahmen seine Rechte wahrnehmen.

Das ist im ersten Teil die Reinform des uralten Wer-nichts-zu-verbergen-hat-Arguments. Um meine Daten schützen zu dürfen, muss ich aber eben nichts zu verbergen haben. Es ist der Sinn von Datenschutz, dass der Staat meine Daten nur überprüft, wenn er einen konkreten Verdacht hat. Darum sind Massen-Gentests auch freiwillig, selbst wenn das hier urteilende Gericht das mit dem angeführten Argument (”Wenn wir nichts finden, löschen wir ihre Daten ja wieder”) möglicherweise anders sehen würde.

Und über das zweite Argument, dass ja seine Rechte wahrnehmen können, gegen wen Polizeimaßnahmen eingeleitet werden, kann nur lachen, wer kürzlich diesen Blog-Post gelesen hat: “Meine Festnahme – Freiheit statt Angst oder eher Angst statt Freiheit“.

Mal abgesehen davon, dass man mit dem Argument auch einfach mal willkürlich Leute verhaften kann, die dann ja ihre Rechte wahrnehmen können. Auf genau diese Idee war unser Innenminister übrigens auch schon vor ein paar Jahren mal gekommen: “Willkür 2.0“.

Qualwahl

Ich bin Wechselwähler, obwohl ich das Wort nicht mag: Es suggeriert irgendwie Unbeständigkeit, vielleicht sogar Unzuverlässigkeit oder gar Beliebigkeit. Dabei bedeutet es doch nichts anderes, als dass ich nicht kritiklos oder eindimensional wähle. Stattdessen schaue ich mir vor jeder Wahl genau an, welche Partei in der aktuellen Lage die für mich überzeugendsten Lösungen anbietet. Manchmal genügt mir auch eine Person, von der ich möchte, dass sie Kanzler, Oberbürgermeister oder Europabgeordneter wird. Ich habe schon CDU gewählt, SPD, FDP, Grüne, Piraten und Deine Freunde.

Aber vor noch keiner Wahl war ich so aufgeschmissen, wen ich wählen sollte, wie vor dieser Budnestagswahl. Ich finde bei jeder prinzipiell in Frage kommenden Partei ein Ausschlusskriterium. Meine Problemliste:

CDU
Zwei Worte: Wolfgang Schäuble. Noch vier Worte: Ursula von der Leyen. Die beiden sind wirklich komplette Ausschlusskriterien. Die völlige inhaltliche Leere, mit der die Kanzlerin alle ihre letzten Interviewer ins Leere laufen ließ, kommt erschwerend hinzu.

SPD
Warum soll ich eine Partei wählen, die alle ihre realistischen Regierungsoptionen ausgeschlossen (rot-rot-grün) oder abgesagt bekommen (Ampel) hat, der also nur die große Koalition bliebe, die nun selbst der größte Nihilist nicht wollen kann? Dass die SPD den Zensurgesetzen der Familienministerin zugestimmt hat, ist da nur der letzte Sargnagel.

FDP
Die Partei der unermüdlichen Verfassungsgerichtskläger Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wäre normalerweise schon eine Option. Auch der Guido ist mir durchaus sympathisch. Aber die aktuelle Zustimmung der FDP zu mehr Telefonüberwachung in Sachsen ist nicht der erste Sündenfall. Auch bei meinem Besuch beim Bundesverfassungsgericht wurde das Online-Durchsuchungsgesetz Nordrhein-Westfalens verhandelt – beschlossen von einem FDP-Innenminister. Der FDP ist in Sachen Datenschutz und Privatsphäre also nicht zu trauen, wenn sie erst mal ind er Regierung ist. Das genügt mir schon, so dass ich mich über Dirk Niebel zum Glück nicht auslassen muss und mir die Vorschläge der FDP zur Finanzmarktregelung nicht mehr persönlich anschauen muss, die selbst der Financial Times Deutschland zu altbacken sind.

Die Grünen
Obwohl sie in der Opposition sind, ließ es sich mehr als ein Dutzend Grüner Bundestagsabgeordneter nicht nehmen, sich bei der Abstimmung über das Leyenschen Zensurgesetz zu enthalten anstatt dagegen zu stimmen. Ich meine: WTF? Das arrogante Trittinsche Dauergegrinse geht mir außerdem so was von auf die Nerven, dass ich die schon deswegen nicht wählen kann, obwohl mir die Partei ansonsten durchaus sympathisch ist, auch wenn mir ihre Antiatomhaltung zu naiv ist.

Die Linke
Nur wegen Gysi und Lafontaine kann ich keine Partei wählen, die immer noch DDR-Altkader mitschleppt.

Piratenpartei
Auch wenn mir die Piraten unbestritten sympathisch sind, wird eine Stimme für sie mit höchster Wahrscheinlichkeit verloren sein, weil sie die 5% nicht überspringen. Und ob ich das Risiko eingehe, so eine schwarz-gelbe oder schlimmstenfalls sogar neue große Koalition zu befördern, ist mir unklar. Außerdem denke ich, dass die Piraten erst mal in Stadträten und Landtagen echtes Politikmachen üben und ihr Personal schulen, sieben und sortieren sollten, bevor ich sie mir für das höchste deutsche Parlament wünsche.

Deine Freunde
Wichtigstes Ausschlusskriterium: Treten bei der Bundestagswahl leider nicht an.

Und jetzt? Nichtwählen ist keine Option, Ungültigwählen auch nicht, dann könnte ich ja auch Piraten wählen. Schwarz-grün könnte ich mir zwar vorstellen, aber auch die FTD, deren Wahlempfehlung diese Koalition ist, konnte mir nicht erklären, wem ich denn meine Stimme geben müsste, damit diese Koalition zustande kommt: Gäbe ich sie der CDU, benutzt die sie für schwarz-gelb, gebe ich sie den Grünen, wird’s wahrscheinlich nicht reichen.

Was für ein Dilemma.

VfB Speldorf – VfB Hüls 3-1 (0-0)

Ein sonniger Sonntagnachmittag, an dem ich nichts Besseres vorhabe: Warum sollte ich da nicht mal ein paar Kilometer durch die Gegend gondeln, um mir die Ligakonkurrenz der Fortuna bei ihren Bemühungen anzusehen und nebenbei ein paar Groundhopping-Punkte zu sammeln?

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg: Halbzeitpause

VfB Speldorf - VfB Hüls

Gesagt getan, zumal im Stadion am Blötter Weg in Speldorf, einem Stadtteil von Mülheim an der Ruhr, heute die Überraschungsmannschaft vom VfB Hüls antrat. Letzte Saison hatte Hüls gerade noch den Abstieg vermieden, vor diesem Spieltag standen sie mit einer Bilanz von 5-2-1 auf dem zweiten Tabellenplatz. Speldorf dagegen konnte bislang gerade mal 8 Punkte sammeln – was aber immerhin genügen würde, um mit einem Sieg die Fortuna in der Tabelle zu überholen.

Außer mir wollten laut Stadionsprecher noch 500 andere Zuschauer das Match sehen, ich hätte eher 300-400 geschätzt. “Die Blötte” liegt mitten in einem Wohngebiet, parken tut man auf einem Schulparkplatz oder vor REWE. Wenn man den Einlass passiert hat, liegt das Spielfeld ein paar Meter tiefer, eng umgrenzt von den Banden, die zu den Außenlinien gerade mal einen knappen Meter Raum lassen. Das Catering-Angebot ist sehr erfreulich: Es gibt einen Imbissstand, dessen Menükarte sich der Fortuna-Caterer praktisch komplett abschreiben könnte, ohne einen Doppelten zu finden: Pommes, natürlich Bratwurst, Currywurst, Frikadelle und sogar Kotelett ist zu bekommen. Die Wurst ist zwar eher mittelmäßig, die Pommes sahen allerdings sehr gut aus. Außer der Imbissbude gab es noch zwei Getränkestände, außerdem einen im Gästebereich. Der scheint das einzige echte Problem des Stadions zu sein: Wie nämlich auf diesem Grashubbel die überlicherweise zahlreichen Fortuna-Fans unterkommen sollen, ist mir schleierhaft. Vielleicht ist hier der Spielplan ein Glück, denn in Speldorf tritt die Fortuna voraussichtlich im tiefen Winter an, so dass ein paar Fans sich den nur rund 45-minütigen Weg von Köln vielleicht doch sparen.

Stadion am Blötter Weg

Gute Auswahl von Imbissprodukten

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg

Zum Spiel: Hüls dominierte die erste Halbzeit vollständig, verpasste jedoch das Toreschießen. Man trat in einem blitzsauberen 4-4-2 mit Raute an, spielte nach Ballgewinnen sofort nach vorne, der angespielte Stürmer legte dann entweder auf den nachrückenden Zehner ab oder versuchte selbst einen Pass auf seinen Sturmpartner. Das hatte erkennbar Methode und war sehr gut anzusehen, auch wenn die ganz großen Chancen Mangelware blieben. Deutlich harmloser präsentierten sich dagegen die Gastgeber, die insbesondere im Spiel nach vorne überhaupt keine Durchschlagskraft entwickelten. Insofern war Speldorf mit dem Pausenstand von 0-0 sehr gut bedient.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Hüls stürmte kontrolliert und gefährlich, Speldorf ließ sich hinten rein drängen. Etwa in der 60. Minute fiel dann endlich das längst verdiente 1-0 für Hüls. Wohl kaum jemand im Stadion rechnete zu diesem Zeitpunkt mit der Wende im Spiel. Die Zuschauer um mich herum hatten sich von Beginn an nicht durch überschäumenden Optimismus hervorgetan, der aber vielleicht auch generell keine der hervorstechendsten Eigenschaften von Ruhrgebietsbewohnen ist.

VfB Speldorf - VfB Hüls

Doch es kam anders. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, weil ich die Kamera oft vor dem Auge hatte, ob es zuerst den Ausgleich für Speldorf gab und dann die gelb-rote Karte für Hüls, oder ob es andersherum war. Jedenfalls konnte Speldorf nach dem Rückstand ja nicht mehr anders als angreifen, tat das auch, und war mit etwas Glück erfolgreich: Als der Schiedsrichter einen Freistoß 30 Meter vor dem Hülser Tor verhängte, hielt der Speldorfer Schütze einfach mal drauf, traf an der Mauer vorbei neben den Pfosten und übertölpelte den Keeper, der diesen Ball unbedingt hätte halten müssen.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Dann gab es eine gelbe Karte gegen einen Hülser Spieler, der Schiedsrichter notierte sie, ging noch einmal zu demselben Spieler – und zeigte Rot. Sollte das Gelb-Rot sein? Oder war doch eine Beleidigung im Spiel gewesen? Jedenfalls große Aufregung, die zusammen mit der entstandenen Unordnung auf dem Spielfeld Speldorf die Möglichkeit gab, weiter anzugreifen. Ein Ball fliegt in den Strafraum, wird hoch aber viel zu kurz abgewehrt, eine Kopfballablage, ein langes Bein: 2-1 für die Heimmannschaft!

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Hüls stemmte sich gegen die drohende Niederlage und hätte mit einem scharfen Freistoß, den der Speldorfer Keeper grandios aus dem Winkel fischte und einem Kopfball, der auf die Latte fiel, noch einiges Pech. Ein anderes Mal stürmte nach einem Nachschuss der kleine Hülser Auswärtsmob geschlossen nach vorne, hatte den Ball wohl hinter der Linie gesehen. Nicht so der Schiedsrichter.

Das 3-1 für Speldorf fiel dann in der Nachspielzeit, ein klassischer Konter, als Hüls den Ball noch einmal schnell nach vorne bringen wollte, ihn dabei verlor und sich so die Entscheidung fing.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Unterm Strich muss ich sagen: Hüls steht nicht zufällig dort oben, die spielen einen gepflegten Ball in einem offensiven System. Speldorf dagegen hatte heute Glück, nicht abgeschossen worden zu sein, so seltsam sich das nach einem 3-1-Sieg auch anhört.

Einen Ausflug ins Stadion am Blötter Weg kann ich jedenfalls nur empfehlen. Ein sehr netter, kleiner Fußballkessel mit familiärer Atmosphäre, in dem man sehr dicht am Geschehen ist und vernünftiges Catering bekommt.

Alle meine Fotos aus Speldorf bei Flickr.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 2-4 (1-2)

Die Story war eigentlich schon geschrieben: Kruth dreht den Trend! Spielverlauf auf links gekrempelt! Das Wunder von Zollstock! Wir können auch anders! Doch dann ein Ballverlust im Mittelfeld – und alles liegt wieder in Scherben. Aber der Reihe nach.

Auflaufen der Mannschaften

Trainer Mink hatte sein aus der letzten Saison bewährtes 4-2-3-1 aufgestellt: Blech – Gran, Jagusch, Schroden, Venekamp – Ende, Beckers – Glaser, Blankenheim, Dahmani – Can. Dass der wieder genesene Kevin Kruth noch nicht für 90 Minuten fit sein würde, war schon vorher klar. Dass deswegen kein 4-4-2 gespielt werden würde, eigentlich auch. Dass aber Daniel Blankenheim spielte, war nicht selbstverständlich, hatte er sich doch im Training eine schwere Stauchung der Hand zugezogen.

Ob’s daran lag? Jedenfalls zeigte Blankenheim in der ersten Halbzeit eine gruselige Leistung, Fehlpässe und schlampige Zuspiele galore. Leider war er auf diesem Niveau aber nicht alleine: Kein Fortuna-Spieler erreichte vor der Pause auch nur annähernd etwas, das man als Oberliga-Niveau bezeichnen könnte. War die Mannschaft wegen der negativen Heimbilanz (vor dem Spiel gestern: 0-1-3-) verunsichert? Ein Kombinationsspiel war jedenfalls nicht erkennbar. Vielleicht wäre ja auch alles anders gekommen, wenn Cengiz Can in der 4. Minute, alleine auf den Torwart zulaufend, das Tor statt den Pfosten getroffen hätte?

Jedenfalls war es nach diesem kurzen Strohfeuer mit aller Herrlichkeit der Fortuna vorbei, so dass die zwei Gegentreffer in der 26. und 30. Minute folgerichtig und verdient waren, zumal sie von den spielstarken Aachenern blitzsauber herauskombiniert worden waren.

Und als man nicht mehr damit rechnen konnte, dass vor der Pause noch etwas passiert, stocherte Can in der 45. Minute irgendwie einen Eckball zum 1-2 ins Tor. Vielleicht ein Weckruf, dass doch noch was geht?

Jubel nach dem Anschlusstreffer

Zur Pause wechselte Matthias Mink völlig leistungsgerecht aus – leider nur zwei Mal. Denn außer Blankenheim und Dahmani, für die Maouel und Kruth kamen, hätten insbesondere auch die beiden Außenverteidiger Gran und Venekamp in der Kabine bleiben können, Christian Beckers brachte vor der Pause ebenfalls nicht viel zustande, und Käptn Glaser war zwar immerhin ballsicher, konnte aber das Spiel nach vorne auch nicht ankurbeln.

Prominenter Gast: Michael Schulz

Der Aufwind durch den Anschlusstreffer vor der Pause und vielleicht auch die Systemumstellung auf ein 4-4-2 mit Can und Kruth als Doppelspitze zeigten jedenfalls Wirkung, denn auf einmal entwickelte die Fortuna großen Druck – traf aber wieder erst einmal die Latte: Gleich in der 47. Minute war Can kurz angespielt worden, setzte sich im Straraum auf halbrechts durch und traf mit einem etwas unentschlossenen Schuss nur das Aluminium.

Beide Hereinnahmen aber belebten das Spiel der Fortuna in der Folge deutlich: Abdelkader Maouel konnte sich auf links im Gegensatz zum gestern schwachen Dahmani ein paar Mal durchsetzen, und Kevin Kruth versprühte im Zentrum auf Anhieb wieder die Gefährlichkeit, die ihn schon während der kompletten Saisonvorbereitung ausgezeichnet hatte. Ein paar Mal scheiterte die Fortuna in aussichtsreicher Position, einmal tanzte der Ball quasi sekundenlang über der Aachener Torlinie, überschritt sie aber nach Meinung der Schiedsrichter nicht.

In der 69. Minute war es dann endlich so weit: Wieder eine unübersichtliche Situation im Aachener Strafraum, die Abwehr kann den Ball nicht klären, Kevin Kruth ist zur Stelle und köpft den Ball energisch ein. Zu diesem Zeitpunkt ein hoch verdienter Treffer!

Kevin jubelt nach dem 2-2

Und doch gelang es der Fortuna nur fünf Minuten später, mit dem Arsch einzureißen, was sie sich über eine halbe Stunde mühsam aufgebaut hatten. Christian Beckers verliert den Ball in der Vorwärtsbewegung an der Mittellinie, unnötig, Jan Gran kann seinen Gegenspieler nicht stoppen, traut sich aber auch nicht den frei auf die Abwehr zulaufenden Mann zu foulen, die Aachener Stürmer kreuzen gut, und statt auf seinen in den Strafraum startenden Mitspieler zu passen, zieht Zlatko Muhovic aus 18 Metern ab und trifft neben den rechten Pfosten ins Tor: 2-3.

Das nur zwei Minuten später folgende 2-4 war dann nur noch der letzte Nagel im Sarg dieses Spiels. Zwar traf Kevin Kruth in der 81. noch einmal den Pfosten, und wer weiß was dannn passiert wäre…

Frustration

Aber letztlich muss man natürlich die Chancen zuhause auch einfach mal rein machen. Und man muss ein Spiel gegen zwar gut mit dem Ball umgehende, aber körperlich keineswegs besonders robust wirkende Gegner auch einfach mal dominieren. Nur eine gelbe Karte für die Fortuna (Beckers trat seinem Gegenspieler völlig unmotiviert auf den Oberschenkel) bei vier Gegentoren: Das zeigt sehr deutlich, mit welcher spielerischen Mühelosigkeit Aachen zum Sieg kam. Die zusammen genommen vielleicht 35 guten Minuten der Fortuna durften nicht zum Sieg reichen.

Was waren gestern die größten Probleme? Das Passpiel funktionierte überhaupt nicht. Von aktivem Freilaufen war nicht viel zu sehen, insgesamt wirkte das nicht gut eingespielt. Die Verteidiger suchten zum Spielaufbau viel zu selten die beiden Sechser, spielten stattdessen oft lange Bälle in die Spitze oder passten auf den gut gedeckten Flügel. Beide Außenverteidigerpositionen sind die in dieser Saison bislang die großen Schwachstelle der Fortuna, weder Gran noch Venekamp (gestern immerhin ohne groben Fehler) oder Furucu konnten bislang überzeugen. Und wenn dann noch die beiden Außenstürmer ohne Durchschlagskraft bleiben, wobei ihnen allerdings auch die Doppelpasspartner fehlten, weil weder die Außenverteidiger weit genug nachrückten noch ein Spieler aus dem offensiven Zentrum den Weg nach draußen suchte, dann kann das Spiel nicht funktionieren. Gegen Ende holte sich ein verzweifelter Kevin Kruth die Bälle schon selbst an der Mittellinie ab.

Überhaupt Kevin Kruth: Er war gestern der einzige echte Lichtblick. Wenn er wieder fit ist, dann gewinnt das Spiel der Fortuna erkennbar an Gefahr. Auch wieder mal sehr lobenswert, wie er nach dem Spiel als erster von überhaupt nur wenigen Spielern den schweren Weg zum Fanblock suchte.

Kevin stellt sich den Fans

Das nächste Spiel der Fortuna steigt am nächsten Sonntag bei Germania Windeck (früher: Dattenfeld) – allerdings in Köln-Höhenberg. Vielleicht wäre ein echtes Auswärtsspiel besser.

Nächtliches Südstadion

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

Fortuna-Update

So, nach meiner Urlaubsunterbrechung nach einiger Zeit mal wieder ein Update zur sportlichen Situation der Fortuna. Leider musste ich gleich zwei Heimspiele sausen lassen, inzwischen ist aber nicht viel passiert. Tatsächlich hat die Fortuna nämlich nur ihre beiden Serien fortgesetzt. Die eine lautet 3-0-0-, die andere 0-1-3. Seltsamerweise ist aber die erste die Auswärts- und das zweite die Heimbilanz.

Insofern müsste man vor dem heute um 20 Uhr anstehenden nächsten Heimspiel eher Sorge haben, wenn die Mannschaft nicht auch in den zuletzt verlorenen Heimspielen gute Leistungen gezeigt hätte. Das Spiel gegen Bergisch-Gladbach ging binnen weniger Minuten nach zwei Freistoßgegentreffern verloren, und auch gegen die Sportfreunde Siegen zeigte man wohl 75 Minuten lang ein engagiertes Spiel, führte 2:0 – und brach dann ein.

Die Kondition kann es allerdings auch nicht sein, denn auswärts konnte die Fortuna auch in den Schlussminuten des Spiels immer noch Treffer nachlegen. Man steht also vor einem kleinen Rätsel.

Einer der Schlüssel zum Erfolg könnte die Rückkehr von Kevin Kruth sein. Der Torjäger ist nach seinem Schlüsselbeinbruch im ersten Saisonspiel wieder einsetzbar, wenn auch voraussichtlich noch nicht über 90 Minuten. Mit ihm und dem so langsam erstarkenden Neuzugang Cengiz Can kann Trainer Mink dann endlich das 4-4-2-System aus der Saisonvorbereitung auf’s Feld bringen.

Ich bin jedenfalls sehr (!) gespannt, wie sich die Mannschaft nach dem spielfreien letzten Wochenende gegen die mäßig gestartete (2-2-3) Aachener Reserve präsentieren wird. Ich werde natürlich hier berichten.

Spielerkreis

Bundeswehr im Inneren… …von S-Bahnen

Wenn man den Tod eines couragierten Bürgers offensichtlich dazu nutzen kann, einen Ausbau der erwiesenermaßen fast nutzlosen Videoüberwachung zu fordern, könnte man dann den Anlass nicht in verghleichbarer Würdelosigkeit dazu missbrauchen, auch andere konservative Forderungen zu untermauern? Den Einsatz der Bundeswehr im Inneren zum Beispiel. Im meine, so ein lafettenmontiertes MG3 in jedem S-Bahn-Waggon: DAS würde die Asis mal abschrecken. Da könnte man dann auch noch die ganze Killerspielkiddies hintersetzen, und dann hätte man die auch endlich weg vom Bildschirm und für was gesellschaftlich Sinnvolles eingesetzt: die Bekämpfung sozial Benachteiligter sozialer Benachteiligung.

Kurz reingeschaut: District 9

Ich muss sagen, dass ich mich selten so betuppt gefühlt habe. Der sagenhaft geile Trailer ließ mich nur noch die Überschriften und die Fazits von ein paar wenigen Rezensionen lesen. Insofern bin ich vielleicht selbst Schuld, nicht vorher gewusst zu haben, dass der Trailer mit dem eigentlichen Film nichts zu tun hat. Was sich in der Vorschau als Rassismus- und Sozial-Metapher darstellt, ist in Wirklich doch nur Popcorn-Action-Kino mit Explosionen, großen Waffen, High-Tech-Schnickschnack und einem zugegebener Maßen sehr coolen Mech.

Der Reihe nach: Wikus Van De Merwe ist ein rückgratloser, leicht dümmlicher Karrierist. Weil er der Schwiegersohn des Chefs der MNU ist, wird er mit einer wichtigen Mission beauftragt: Er soll die Evakuierung von 1,8 Mio Außerirdischen aus District 9 leiten. Die vor 20 Jahren unfreiwillig in Johannesburg gelandeten und von den Menschen seitdem ghettoisierten Aliens sollen in Disctrict 10 abgeschoben werden, der hunderte Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Bei der Aktion wird Van De Merwe versehentlich mit einer Flüssigkeit infiziert, die seine genetische Umwandlung in einen Außerirdischen verursacht. Da die mächtigen Waffen der Aliens nur von Trägern ihrer artspezifischen DNS bedient werden können, wird Van Der Merwe zum militärischen Forschungsobjekt degradiert, dessen Tod bei den Untersuchungen billigend in Kauf genommen werden würde. Er entkommt, und die eigentliche Story beginnt: die seiner Flucht.

Leider wird die sozialkritische Grundstory ab diesem frühen Punkt des Films zum reinen Sprungbrett degradiert. Was eine packende, im Mockumentary-Stil gefilmte Parabel hätte werden können, wird und bleibt nun schnell Popcorn-Kino, das weniger Gesellschaftskritik enthält als “Shrek”.

Wahrscheinlich war einfach das Budget zu groß. Denn von den immer wieder erwähnten “nur” 30 Mio Dollar kann man sich eben doch eine Menge Aliens rendern lassen, und es bleibt offensichtlich immer noch genug für einen Mech und zahllose Explosionen übrig. Hätte man Regisseur Neill Blomkamp die Hälfte des Budgets gestrichen, dann hätte er sich vielleicht überlegen müssen, wie man ein Ghetto klischeefreier und einfühlsamer darstellt und wie man seit Enemy Mine Freundschaften zwischen Menschen und Aliens erzählt. Vielleicht hätte er sich aber auch in der Zeit, die er nicht mit dem Rendering von Alien-Waffen-Effekten verbracht hätte, einfach noch mal das Drehbuch vorgenommen und ein paar der klaffendsten Logiklücken* geschlossen. Und am Ende hätte er sich sogar ein künstlerisch schlüssiges Konzept überlegen können, in dem der begonnene Mockumentary-Stil nicht ind er Mitte des Films ohne Kommentar vergessen wird und ohnehin nie mit echter Bedeutung aufgeladen wird, beispielsweise indem er Erzählebenen oder -perspektiven trennen würde.

So geht der Film also nach 15 seiner immerhin 112 Minuten in wildem Geballer und in zunehmend kitschiger Heldenromantik unter. Immerhin bleibt das Ende offen. Doch über reine Unterhaltung, die allerdings nie langweilt, kommt Disctrict 9 nicht mehr hinaus.

Eine vergebene Chance, 7 von 10.

*(Achtung SPOILER) Logiklücken in Disctrict 9:

- Warum rekrutiert der Staat nicht wenigstens vorübergehend einfach Aliens zur Bedienung ihrer eigenen Waffen? Unter eine Population von 1,8 Mio, die zudem noch drogenabhängig sind, müssten sich doch genug Söldner finden lassen.
- Warum telefoniert Van Der Merwe, auf der Flucht, mehrfach mit einem Handy, das er dann auch noch bei sich behält, wodurch er natürlich aufgespürt wird?
- Warum soll gerade dieselbe Flüssigkeit, die die genetische Umwandlung Van Der Merwes einleitet, auch ein Treibstoff sein?
- Warum entwickelt sich bei Van Der Merwe binnen Stunden eine ganze Alienhand, in den folgenden Tagen aber kein weiteres Körperteil mehr?

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