Gute Monopole, schlechte Monopole
An Felixens beiden Thesentexten zur Frage, wie Blogger zu Werbung stehen können oder sollen, wollte ich eigentlich noch ein bisschen rumdifferenzieren. Doch dann kam mir heute morgen das hier dazwischen: ein (leider von mir in der Firma scheiße gescannter, ist mir erst zuhause aufgefallen) Artikel in einer von AS&S finanzierten und befüllten Sonderbeilage der “werben & verkaufen”. (Zum Glück gibt’s den Text zum Beispiel hier noch mal digital, sogar in etwas längerer Version.)
AS&S, das ist die “ARD-Werbung SALES & SERVICES Gmbh. Und die lässt finden, dass werben zu dürfen ein Grundrecht ist, und dass es zwei Sorten von Monopolen gibt: nämlich schlechte, das wären die der anderen, und gute, das sind überraschenderweise die eigenen. Erstaunlich ist weniger, dass man sowas denkt. Das tut schließlich jeder, der den Hals nicht voll kriegen kann. Erstaunlicher ist, dass man sich traut, sowas öffentlich zu sagen.
Ein schlechtes Monpol entsteht nach Meinung des von AS&S beauftragten Prof. Dr. Hans-Peter Schneider dann, wenn es den Privatsendern gehören würde:
Nach Einschätzung von Schneider unterscheiden sich die Zielgruppen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Kanäle so eindeutig, dass von abgrenzbaren „Teilwerbemärkten“ gesprochen werden könne. Der Zugang zum Teilwerbemarkt der Öffentlich-Rechtlichen müsse offen gehalten werden, da ansonsten ein Monopol der Privatsender entsteht.
Das ist ohnehin schon eine lustige Vorstellung: Dass der Ausschluss von zwei, ohnehin nur werktags vor 20 Uhr werbenden Sendern (die Dritten und die digitalen ÖR-Ableger senden gar keine Werbung) aus dem Markt von ca. 35 heftig konkurrierenden Sendern in meinem Kabel und ca. 200 in meinem Digitalkabel ein Monopol schaffen würde. Selbst wenn man berücksichtigt, dass einige dieser Sender in Konzernen vereint sind, bleibt da noch viel Streit um Werbekunden übrig.
Aber der Professor hat ja noch ein As im Ärmel:
Wirtschaftswerbung sei ein Element freier Kommunikation im wirtschaftlichen Bereich und werde von der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. „Daraus kann ein Recht auf Nutzung des Rundfunks zwecks Erreichen bestimmter Zielgruppen von Zuhörern und Zuschauern auf einem Werbemarkt abgeleitet werden, bei dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Medium ein Monopol hat“, so Schneider.
Wenn ich das also richtig verstehe, ist das so gemeint: Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk Moik, Silbereisen und Nebel bezahlt und so die früher durchaus erfolgreichen Ausflüge des Privatfernsehens in volkstümliche Fach zum Erliegen gebracht hat, weil er sich also mit Zwangsgebühren ein Monopol auf die Generation Kukident erkauft hat – deswegen muss dieses Monopol erhalten bleiben? Weil Granufink sonst in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt wäre? Und das, obwohl der Professor zuvor selbst festgestellt hat, dass die Wirtschaft andernfalls zum schlechten, neuen “Monopol” der Privatsender wechseln würde?
Man muss schon sehr verzweifelt sein und ein paar öffentlich-rechtliche Schleichwerbe- und Sportsponsoringskandale der letzten Jahre verpasst haben, wenn man der Meinung ist, dass Sender, die über 7 Milliarden Euro GEZ-Gebühren im Jahr bekommen, also ungefähr so viel, wie RTL und ProSiebenSat.1 zusammen an Umsatz ausweisen, außerdem noch Werbung platzieren dürfen müssen, um der Meinungsfreiheit zu dienen. Wo doch die werbende Industrie einzig und allein daran interessiert ist, nur noch eine Meinung zuzulassen: nämlich diejenige, in der ihr jeweiliges Produkt am besten im Bild ist.
Kunde: unbekannt
Schon seltsam, wie wenig vorbereitet Premiere anscheinend in die Umstellung auf Sky gegangen ist, wenigstens was die Kunden angeht.
Vor ca. vier Wochen bestellte ich, vorher bereits Premiere Kunde (Pakete: Bundesliga, Internationaler Fußball, Doku) telefonisch die Pakete Sport und Bundesliga. Und natürlich unfreiwillig auch Sky Welt. Der Hotline-Mitarbeiter kündigte mir an, dass ich demnächst eine Bestellbestätigung bekommen solle, auch per Email.
Die Mail kam nie an. Zwei Wochen nach meiner Bestellung erhielt ich ein Dankesschreiben für meinen Auftrag. Ohne, dass meine Bestellung aufgeführt worden wäre, bekam ich mitgeteilt (im Volltext zitiert):
Sehr geehrter Herr [SurfGuard],
wir freuen uns über Ihr Interesse an Sky. Wir haben Ihren Wechsel auf unsere neuen Angebote wunschgemäß vorgenommen. Sobald die Umstellung erfolgt ist, erhalten Sie eine umfassende Vertragsbestätigung mit allen Informationen rund um Ihr neues Abonnement.
Mit freundlichen Grüßen.
Das Schreiben hätte man nun wirklich auch einen Tag nach meiner Bestellung eintüten können, und nicht erst zwei Wochen später, aber gut.
Inzwischen, wiederum gute zwei Wochen später, also vier Wochen nach meiner telefonischen Bestellung, habe ich immer noch nicht die angekündigte “Vertragsbestätigung”erhalten. Dafür flatterte mir heute ein anderes Schreiben von Sky ins Haus. Betreffzeile:
Tauchen Sie ein in die neue Welt des Entertainments und rufen Sie uns an
Was zur Hölle? Die wissen heute nicht mal, dass ich vor vier Wochen auf Sky umgestellt habe und senden mir Werbung?
Immerhin kann ich gerade auf Sky 1 die DFB-Pokal-Konferenz sehen. Aber ich glaube, morgen rufe ich mal an und frage, ob die wissen, wer ich bin.
Vodafone starts giving
Man muss ja auch anerkennen können. Genau so stelle ich mir das Handeln eines selbsterklärten Partners der Netizens tatsächlich vor:
Was wahrscheinlich nicht jeder weiß: Vodafone beteiligt sich aktiv beim World Wide Web Consortium (W3C) im Bereich mobile Internet, um die Standardisierung voranzutreiben. Einer dieser Standards, der auf Browsern basiert, legt ein Applikationsformat für mobile Widgets (@widgetspecs) fest.
…
In Deutschland findet dazu am Samstag, den 29.08. ein Tages-Workshop im Mediapark (KOMED) in Köln statt.
Ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem auch kommunikativ!
Bayern-Aufstellung im 4-3-3
Da hat der Otmar allerdings recht: Die Festlegung von Louis van Gaal auf ein 4-4-2 mit Raute für Bayern halte ich auch für voreilig. Grundsätzlich würde ich ihm vertrauen, dass er weiß, was er tut. Aber ich könnte mir wie der General auch ein 4-3-3 vorstellen, wobei er das ja interessanterweise selbst nie aufgestellt hat:
Ribéry ——— Klose/Gomez —— Schweini/Klose
Pranjic — Tymoshchuk/van Bommel — Altintop/Schweini
Braafheid —- Badstuber —- Demichelis —- Lahm
—————–Butt/Rensing—————–
Echte Haken an dem System wären, dass es das Überangebot im Sturm deutlich verschärfen würde und dass es für die rechte vordere Position keine Idealbesetzung im Bayern-Kader gibt. (Wobei ich mir Schweinsteiger dort schon gut vorstellen könnte, wenn er noch ein bisschen das Flanken üben würde.)
Der Vorteil wäre, dass der beste Fußballer im Team auf dem von ihm geschätzten Flügel alle seine Stärken nach vorne ausspielen könnte, quasi ein Messi auf links.
Na, Meneer van Gaal wird schon wissen, was er tut.
P.S.: Übrigens wird mir nach den testspielen immer ein bisschen blümerant im Kopf, wenn ich “Braafheid” schreibe… Vielleicht doch Lahm wieder nach links und Görlitz auf rechts?
Ullas Dienstwagen: Geopfert für eine Privatkasse
Mir war schon immer klar, dass es sich irgendwann auszahlen würde, Bekannte in Els Poblets zu haben: Die Redaktion der etwas prahlerisch benamten “Spanischen Allgemeinen Zeitung” (SAZ), bei der mein Freund und Blogpartner “Wilhelm Wagner” arbeitet, hat dort ihren Sitz.
Und als heute Abend Ulla Schmidt in der “Casa de Cultura” von Els Poblets einen von zwei Terminen hatte, die so wichtig waren, dass sie sich dafür ihren Dienstwagen klauen ließ, entsandte die SAZ lieber gleich mal ihre Herausgeberin. Und die erlebte einen Treppenwitz in der Geschichte der Dienstwagenaffären. Denn die Veranstaltung in dem 6.000-Einwohner-Dörfchens entpuppte sich als Werbeveranstaltung – für eine private Krankenversicherung!
Und so lag überall im überhitzten Rathaussaal die Asssa-Werbung auf den Tischen – gesprochen wurde aber auch über die Konkurrenz von der DKV. Die dürfte sich kaum gefreut haben.
Wer weiß? Man muss sich das schließlich auf der Zunge zergehen lassen: Die Bundesgesundheitsministerin lässt ihren Dienstwagen nach Spanien fahren, der dort zu allem Überfluss geklaut wird, um sich als erklärte Befürworterin der öffentlichen Krankenkassen vor den Karren einer Privatversicherung spannen zu lassen. Perverser geht’s nimmer.
Die Elimination der Glaubwürdigkeit mit 0,5 Schnutinger/Woche
Frau Schnutinger, eine der Blogger/innen, mit denen Vodafone aktuell wirbt, hört also mit dem Bloggen auf. Das hat inzwischen wohl jeder mitbekommen, und ix hat ihre letzte offizielle PR-Handlung für Vodafone hinreichend gedisst. (Übrigens auch endlich mal wieder ein veritabler Flamewar dort in den Kommentaren!)
Ich kannte Frau Schnutingers Blog nicht gut, war kein Abonnent und konnte mich mit dem Stil ihrer Videos nie so recht anfreunden. In einer inzwischen gelöschten Stellungnahme, deren Google-Cache-Eintrag ich darum hier auch nicht verlinke, hatte Frau Schnutinger beschrieben, wie sie in die Vodafone-Werbung halt so reingeschliddert war. Wie die Aktion irgendwann viel größer war, als sie sich das vorab gedacht hatte.
Das kam alles extrem glaubwürdig und auch recht sympathisch rüber. An ihrem Abschiedsposting hat mich ein Satz aber wirklich erschüttert. Nicht, weil ich’s nicht genau so vorhergesagt hätte, sondern weil ich selbst nicht gedacht hätte, dass der Effekt so schlimm ist. Man vergleiche selbst.
Denn das ist vielleicht die neutrale Betrachtungsweise dessen, was aus subjektiver Blogger-Sicht “Ausverkauf” genannt wird: Eine Kampagne, die die Privatheit ihrer Werbeträger zum Treibstoff kommerziellen Erfolgs machten will, verbraucht diesen Treibstoff. Alles, was Blogger in die Waagschale werfen können, ist ihre Privatheit und Unabhängigkeit. Aber genau das sind sie in der Folge einer Kampagne eben nicht mehr, privat und unabhängig
Die Werbung ist das eine, aber wenn mir persönlich nicht mehr geglaubt wird, dann geht nichts mehr, dann bleibt nur eins: Der Rückzug.
Meiner Ansicht nach ist das die logische Konsequenz der Teilnahme an der Kampagne: Die Elimination der Glaubwürdigkeit. Dass Frau Schnutinger das vorab nicht geahnt hatte, will ich ihr nicht vorwerfen. Aber Tatsache ist jedenfalls, dass Vodafone nach zwei Wochen seine erste Kampagnen-Protagonistin verbraucht hat.
[UPDATE] Ein, wie ich finde, sehr lesenswerter Kommentar zum Vorwurf, die Mitglieder des Web 2.0 trügen eine Mitverantwortung an Frau Schnutingers Rückzug: http://lanu.blogger.de/stories/1451020/#1451242
Kurz reingeklickt: Vodafone “Update” für Android
Einer der Vorwürfe gegen die Vodafone-Kampagne war ja, dass da außer großen Worten und einer Image/Testomonial-Kampagne nicht viel ist, womit sich Vodafone tatsächlich als Partner der aktiven Netzbewohner empfehlen würde. Nico Lumma erwähnte in einem Kommentar hier im Blog die “Update-Applikation”, die Vodafone kostenlos für Android- und Blackberry-Nutzer zur Verfügung stellt.
Mal abgesehen davon, dass das im Rahmen einer viele Millionen schweren Kampagne ein ziemlich kleiner Anfang ist und aktuelle Vodafone-Blogpost zeigen, dass der Weg noch sehr weit ist, wenn Vodafone ihn tatsächlich gehen will – mal abgesehen davon ist eine solche kostenlose Applikation tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Also mal kurz reingeschaut.
“Update” ist eine 1,2 MB schwere Android-Applikation (Das ist nicht wenig, aber leider ganz okay, zum Vergleich: Twidroid: 1,0 MB), mit denen der Nutzer seinen Twitter-, Facebook- und Myspace-Account auslesen und schreiben kann. (Anmerkung: Da ich keinen lebenden MySpace-Account habe, konnte ich diesen Kanal nicht testen.) Meines Wissens gibt es keine andere Android-Applikation, wenigstens keine populäre, mit der man mehrere Social-Web-Dienste auslesen kann. Lediglich die Applikation von ping.fm bietet diesen Service noch, allerdings nur um den Preis eines ping.fm- Registrierung. (Man möge mich bitte korrigieren, wenn ich hier eine gute App übersehen habe!) Die Grundidee von “Update” ist also so schlicht wie sinnvoll.
Die Registrierung der Accounts ist einfach, nach Eingabe der Account-Credentials muss der Nutzer noch auf der jeweiligen Website quittieren, dass “Update” tatsächlich Zugriff erhalten soll.
Anschließend liest “Update” dann den Status der verschiedenen Dienste aus und stellt ihn in chronologischer Reihenfolge dar. Optional kann man jeden Dienst einzeln aktivieren oder deaktivieren, sich also beispielsweise nur seine Tweets oder nur die Facebook- und MySpace-Nachrichten anzeigen lassen oder eben alle zusammen.
Hier zeigt sich aber schnell eines der ersten Probleme, das wahrscheinlich viele Mitglieder der neuen Zielgruppe betrifft, der von Voadofone so genannten “Generation Upload”: Viele Twitterer mit Facebook-Account lassen ihre Tweets von einer App in ihren Facebook-Stream einlesen. In der Zeitleiste von “Update” stehen in meinem Fall also dutzendweise doppelte Nachrichten direkt untereinander, nämlich die von ein und demselben Menschen, ausgelesen aus seinem Twitter- und Facebook-Feed. Das ist zwar zum einen der Tatsache geschuldet, dass sowohl Facebook als auch Twitter proprietäre Systeme sind und die Nutzer ihre Nachrichten deshalb tatsächlich verdoppeln müssen, um sie in beiden Kanälen anzeigen zu lassen. Aber eine mindestens wünschenswerte Option wäre, dass “Update” mir textidentische Nachrichten nur einmal anzeigt.
Die Implementation des Android-Interfaces ist Vodafone leider nicht gut gelungen:
- Die Bedienelemente sind für die Bedienung mit dem Daumen auf dem Touchscreen zu klein geraten.
- Vor allem aber gibt es kein Aktivierungs-Feedback: Wenn ich einen Button klicke oder einen Tweet anwähle, müsste mir ein kurzes Highlighting anzeigen, dass ich die Funktion tatsächlich aktiviert habe. Ohne geht gar nicht.
Auch funktional lässt “Update” in mancher Hinsicht zu wünschen übrig:
- Es gibt keine Möglichkeit, das Profil eines Freundes/Verfolgten anzusteuern, weder innerhalb des Clients noch über eine Verlinkung auf die Website des jeweiligen Dienstes.
- Um auf eine Nachricht zu antworten, muss ich sie mir erst auf einem eigenen Bildschirm anzeigen lassen, was schon für sich genommen kein besonders sinnvolles Feature ist. Es gibt aber keine Möglichkeit, direkt aus der Timeline heraus “antworten” zu wählen.
- Selbst um einen Link aufzurufen, muss ich mir erst die Nachricht, in der dieser Link vorkommt, einzeln anzeigen lassen. Albern.
- Man sieht nicht die Antworten anderer Nutzer auf die eigenen Facebook-Einträge, dabei sind doch gerade diese zugeordneten Diskussionen ein Vorteil von Facebook gegenüber Twitter.
- Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu Facebook hochzuladen. Zwar bietet “Update” eine funktionierende Twitpic-Einbindung, und ich kann den Twitpic-Link dann auch in eine Facebook-Message einbinden, aber das ist natürlich nicht dasselbe: Private Fotos stelle ich für meine Freunde bei Facebook ein, würde sie aber nie twitpicen oder öffentlich sichtbar flickern. (Kleine Anmerkung: Wirklich gut wäre die Twitpic-Einbindung auch erst dann, wenn sie nicht nur das Foto zu Twitpic hochladen würde, sondern auch den Nachrichtentext, wie Twidroid das zum Beispiel tut. Auf diese Weise steht dann bei Twitpic nicht nur das nackte Foto.)
- Es gibt keine Möglichkeit, “Update” im Hintergrund laufen und sich über Aktualisierungen seiner Freunde automatisch informieren zu lassen. (Ich persönlich würde eine solche Option zwar nicht aktivieren, aber gerade für Nur-Facebook-Nutzer und andere Social-Web-Einsteiger ist sie durchaus sinnvoll, und viele Twitter-Clients bieten sie an.)
Einen echten Pluspunkt verdient allerdings die in den Client integrierte Twitter-Suche!
Unterm Strich würde ich dennoch sagen: Okaye Applikation, die etwas zu unausgereift ist. Ich werde beim bisherigen Stand weiterhin Twidroid und die Facebook-Website benutzen. Ich lasse “Update” aber mal installiert und warte auf Aktualisierungen.
Deutlich schlechter sieht die Beurteilung jedoch aus, wenn ich die Applikation gegen Anspruch halte, den Vodafone mit seiner Kampagne für sich selbst geschaffen hat: Partner der aktiven Netzbewohner zu sein, etwas “mit und für die Web-2.0-Welt” tun zu wollen. Dann würde ich als allererstes erwarten, dass “Update” als Open Source veröffentlicht oder wenigstens die API offengelegt wird, über die Entwickler die Applikation um weitere Dienste erweitern könnten.
Noch wünschenswerter und mehr im Sinne der Kampagne wäre es aber, wenn ein Gigant wie Vodafone seine Macht nicht nur nutzen würde, um mal ein halbgares Applikatiönchen basteln zu lassen, sondern wenn er sich zum Beispiel darum kümmern würde, das Thema Microblogging auf gewissermaßen “politischer” Ebene voranzubringen. Warum stellt Vodafone nicht etwa einen Mitarbeiter ab, der sich darum kümmert, die OpenMicroBlogging-Spezifikation voran zu bringen, um Microblogging endlich aus einem Stand herauszubringen, den Email bereits Anfang der 90er überwand: von einem Balkan aus AOL-Mail, CompuServe-Mail, Mailboxen etc. hin zu einem System freier Server, die über ein einheitliches Protokoll miteinander kommunizieren können. Von mir aus könnte Vodafone auch Laconica mal bis zur Version 1.0 bringen, natürlich alles offen und transparent.
Das wären aus meiner Sicht Beispiele für echte Zeichen, dass Vodafone sich als ehrlicher Partner der Netzbewohner verstünde: Wenn es die Community befähigen würde, selbst Dinge zu tun (und als Access-Provider anschließend sogar davon profitieren würde).
Aber das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt von einem Konzern, der gerade noch das Bloggen lernt.
Wie der T-Punkt auf der Schildergasse nur knapp der Apokalypse entging
Ich bin sehr zufrieden mit meinem G1. Schon etwas weniger zufrieden war ich mit dem Bestellprozess bei T-Mobile. Aber noch weniger zufrieden bin ich mit dem Service rund um einen mechanischen Defekt an der Tastatur meines G1.
Zwei der mechanischen Tasten begannen seit einiger Zeit zu schwächeln: das Z und der Punkt. Der Druckpunkt der beiden Tasten war zwar immer noch klar spürbar, aber sein Überwinden führte nicht zum Erscheinen des Zeichen auf dem Bildschirm. Dazu musste man fester drücken, was ja nun nicht der Sinn eines Druckpunkts ist.
Kann ja passieren, dachte ich, und schlenderte letzten Montag in den T-Punkt auf der Schildergasse. (Für Nicht-Kölner: Das ist Europas meistfrequentierte Einkaufsstraße, also keine unrepräsentative Lage.) Nachdem ich mein Leid geklagt hatte und der freundliche Mitarbeiter den Schaden problemlos nachvollziehen konnte, war klar, was kommen musste: Einschicken. Immerhin, so hieß es, solle ich das Gerät schon am nächsten Tag wieder abholen können. Wie das gehen sollte, war mir zwar unklar, wenn die Werkstatt nicht gerade einen Direktkurier senden würde?
Und natürlich wurde es dann doch nicht Dienstag, sondern Mittwoch, bis der Anruf kam. Hätte man auch gleich wissen und ein falsches Versprechen weniger abgeben können. Dennoch: Eine respektable Turnaround-Zeit – wenn das Austauschgerät denn funktioniert hätte, als ich es am Donnerstag abholte. Das Gerät fing sich aber beim Hochfahren in einer Endlosschleife und kam nie auch nur bis zur PIN-Eingabe.
Zum Glück hatte ich die Scheiße noch gleich im Laden ausprobiert. Ich also zum Tresen, musste natürlich erneut warten, klagte dem Servicemitarbeiter mein Leid, und er sagte das unvermeidliche Wort: Einschicken. Ich resignierte nach kurzem Protest, gab ihm mein 5 min zuvor empfangenes Ersatzgerät, er füllte die Reparaturmeldung aus – und delierte, dass das Gerät mit etwas Glück schon am nächsten Tag, Freitag, wieder zurück sei. Is klar, Kumpel, dachte ich, und fragte lieber gleich nach den Servicezeiten am Samstag. “Samstag bekommen wir keine Lieferungen.” Natürlich, doof von mir.
Heute, am Montag, kam dann die Benachrichtigung, dass mein Ersatzgerät angekommen sei. Ich also vorhin in den Laden, nehme das Gerät entgegen, lege SIM- und SD-Karte – und tatsächlich fährt die Mühle hoch. Ich gebe meine PIN ein, das Gerät fragt nach dem Google-Konto, ich klappe die Tastatur aus, trage meinen Account-Namen ein, will mit dem Trackball zum Passwortfeld navigieren – und bemerke, dass der Trackball klemmt.
In drei von vier Richtungen ließ sich das kleine, durchaus nicht unwichtige Teufelsding rollen, aber nicht in die vierte. Ich stelle mich wieder an und warte, bis sich eine neue Mitarbeiter mir zuwendet. Ich schildere ihr das Problem, sie bekommt den Trackball auch nur in drei Richtungen gerollt, gesteht ein, dass es sich um einen Fehler handelt und will gerade das schlimme Wort sagen, als ich ihr zuvor komme: “Sagen Sie mir jetzt aber nicht, dass Sie das Gerät einschicken wollen.” Sie so: “Doch, das geht leider nicht anders.” Ich: “Das ist das zweite Ersatzgerät, das ich binnen weniger Tage defekt ausgeliefert bekomme. Wie lange soll denn das noch so weitergehen?” Sie: Das wisse sie jetzt auch nicht, aber sie könne nur einschicken. Ich so: “Ich hätte jetzt eigentlich erwartetet, dass Sie ins Lager gehen, ein Gerät holen, es mir in die Hand drücken und den Rest unter sich regeln.” Das sei leider nicht möglich, bleibt sie unerweichlich.
Ich hatte es schon nach dem ersten Mal getwittert: Es ist tatsächlich eine meiner Stärken, solchen Ärger nicht an unmündigen Servicemitarbeitern auszulassen. Aber ich kochte innerlich – und verlangte nach dem Chef. Wenn die Dame gewusst hätte, in welcher Gefahr sie schwebte, sie hätte nicht so gelassen auf einen Herrn im hinteren Ladenbereich gezeigt.
Der Chef war gerade noch mit einem Verkaufsgespräch beschäftigt. Ich folgte ihm mit seinen Kunden zur Kasse und wartete darauf, dass er frei würde, fest entschlossen, auf einem sofortigen Austausch des Geräts zu bestehen. In der Zwischenzeit probierte ich noch ein bisschen an dem G1 rum – als sich plötzlich irgendein Hemmnis löste und der Trackball wieder in alle Richtungen bewegen ließ.
Ich glaube, wenn das erst in der Hand des Filialleiters passiert wäre und ich als Dummie dagestanden hätte wie zu Schulzeiten, wenn meine Mutter das Lieblings-T-Shirt vor meinen Augen mit den Worten “Augen auf” aus dem Kleiderschrank zauberte, in dem es fünf Sekunden zuvor garantiert noch nicht gelegen hatte, ich hätte irre lachend auf dem Gerät rumgetrampelt und gerufen “Is wohl kaputt!”
So drehte ich mich um udn verließ den Laden, nicht ohne der Mitarbeiterin von vorhin zu sagen, dass es das Gerät nun doch täte.
Jetzt liegt es hier bei mir zuhause und funktioniert, obwohl zwischenzeitlich das Trackballproblem doch wieder kurz aufgetreten war. Es macht den Anschein, als sei da ein winziges Gummistückchen unter dem Trackball, das sich ab und an verklemmt, dann aber komischerweise nur genau eine Rollrichtung hemmt.
Ich hoffe, das Problem erledigt sich durch mechanische Reibung während der Nutzung.
Aber ich bin etwas erschüttert, dass mein erstes G1 nach sechs Monaten kaputt geht und gleich zwei Austauschgeräte defekt ausgeliefert werden. Und dass sich außerdem ein T-Punkt nicht in der Lage sieht, einem nun wirklich vom Schicksal gebeutelten Early-Adopter-Kunden mit etwas Kulanz und einem Lagergerät aus der Patsche zu helfen.
Ich bleibe dran.
Kurz reingeschaut: “Breaking Bad”, Staffel 1
Durch einen SpOn-Artikel über amerikanische Serienschätze war ich auf “Breaking Bad” aufmerksam geworden. Also flugs mal reingeschaut und, da die erste Staffel nur sieben Folgen hat, gestern Nacht und an diesem regnerischen Nachmittag auch gleich durchgeschaut.
Die Story: Der Chemielehrer Walter White erfährt kurz nach seinem 50. Geburtstag, dass er Lungenkrebs hat. Um für die Behandlungskosten aufkommen zu können, entschließt er sich, nebenberuflich ins kriminelle Fach zu wechseln und Crystal Meth herzustellen. Als gelerntem Chemiker gelingt ihm das so gut, dass die Meth-Händler interessiert sind – zu interessiert. Da White sich außerdem mit einem grenzdebilen Kleindealer zusammen getan hat, ergeben sich allerlei üble Verwicklungen.
Herausragend an “Breaking Bad” ist, wie die Serie kippt. Sie beginnt als Kriminalgroteske: White kocht Meth in Unterhose und Schürze in einem Wohnwagen mitten in der Wüste, stolpert nolens volens ins kriminelle Milieu und muss sich mit üblen Nebeneffekten wie der Entsorgung von Leichen beschäftigen. Doch ab der vierten Folge widmet sich die Serie sehr glaubwürdig der Krebserkrankung von White, den Auswirkungen auf sein Familienleben und wie er selbst mit seinem drohenden Tod umzugehen versucht. Der Ton wechselt hier völlig, wird sehr ruhig, nachdenklich und intim.
Gegen Ende kommt dann noch mal ein bisschen mehr Action auf, aber letztlich ist das Tolle an “Breaking Bad”, wie glaubwürdig Bryan Cranston die innere Zerrissenheit von Walter White darstellt, die wilde Entschlossenheit und die großen Skrupel. White ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat. Nur sehr selten ist die Serie in Gefahr, das Kriminelle seiner Taten zu verharmlosen, immer lauert die Gefahr, und oft genug wird das Elend der Abhängigkeit gezeigt, das Crystal Meth verursacht.
Stilistisch hat “Breaking Bad” viel von “One Hour Photo“, nicht nur wegen der äußeren Ähnlichkeit von Walter White mit Seymour Parrish (Robin Williams), und nicht nur wegen der Ähnlichkeit der Geschichten: Hinter der bürgerliche Fassade eines vermeintlich harmlosen, alterndern Mannes verbirgt sich ein Verbrecher. Auch der nüchterne, manchmal sehr leise Stil der Kamerarbeit und die lakonische Erzählweise erinnern aneinander.
Einziger Haken der ersten Staffel ist, dass sie kein echtes Ende hat. Eigentlich keiner der Handlungsfäden wird hier zu einem Abschluss gebracht, alles bleibt in der Schwebe. Das ist andererseits aber auch das zentrale Thema von “Breaking Bad”: Die Schwebe zwischen Leben und Tod, zwischen Bürgerlichkeit und Verbrechen, zwischen Geld und Gewissen.
8 von 10. Ich hoffe, die zweite Staffel hält das Niveau.
Gefallene Helden
Nico Lumma, der an der Entstehung der sagenhaft unfamösen Vodafone-Blogger-Kampagne beteiligt war, schreibt in seinem Blog ein paar Zeilen über die Hintergründe. Eins muss man ihm lassen: Besser als das Ekel erregende Making-of-Video ist sein Artikel dann doch. Aber wenn es nur noch einen Satz gebraucht hätte, um die Kampagne hinzurichten, dann wohl diesen unten von mir hervorgehobenen:
Ist das Aufgreifen von Bloggern in einem klassischen TV-Spot und die Nutzung des Themas Generation Upload jetzt der Ausverkauf der Blogosphäre, das Ende der Unschuld und der Sieg des Kommerzes in jedem Lebensbereich? In keinster Weise. Das wurde auch schon bei den Opel-Bloggern vor vier Jahren geschrieben und ehrlich gesagt habe ich danach nicht festgestellt, dass dadurch ein Ausverkauf der Blogs stattgefunden hat. Im Gegenteil, die Blogs sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Online-Mixes geworden, sogar in Deutschland.
Nico, das IST das, was viele als Ausverkauf verstehen. Blogs sind natürlich erst mal nur ein Format, ein Publikations- und Navigations-Mechanismus. Aber dieses Format steht synonym für die private Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit. Und natürlich wisst ihr das, Vodafone und S&F, schließlich bezieht der Spot genau daraus seinen Sinn. Da sitzt ja nicht irgendein Typ mit roten Haaren im Bus, sondern der Sascha Lobo. Da spielt nicht irgendeine Frau mit ihrem Kind, sondern die Frau Schnutinger.
Du behauptest, der Vodafone-Spot sei kein Ausverkauf der Blogosphäre, weil Blogs ein fester Bestandteil des Online-Mixes geworden seien. Weil also deiner Ansicht nach das im Kern Private schon lange Bestandteil des Marketingmixes ist. Welcher perversen Zirkellogik folgt denn bitte dieses Argument? War Großwildjagd in Ordnung, weil Tigerfelle mittlerweile ein fester Bestandteil des Inneneinrichtungsmixes geworden waren?
“Ausverkauf” meint, dass Blogs nicht mehr dasselbe wären wie vorher, wenn die Vodafone-Logik flächendeckend aufginge: Das Private kommerziell umarmen. Sascha Lobo ist jetzt schon nicht mehr derselbe wie vorher. Er ist, wenn er das jemals war, nicht mehr die lustig frisierte Stimme der Blogosphäre, er steht jetzt auf der anderen Seite: nicht auf der privaten Seite, sondern auf der kommerziellen. Was auch immer Lobo in der näheren Zukunft sagt, kann ich nicht mehr als seine persönliche Meinung wahrnehmen. Und auch bei seinen letzten Äußerungen, insbesondere natürlich denen gegen die Piratenpartei, muss ich mich fragen, wie viel davon ein Liebesdienst an der Verwertungsmaschine Vodafone war.
Denn es macht einen zentralen Unterschied, ob ich ausgewählt Privates der Öffentlichkeit zugänglich mache, oder ob ich seine Verwertung durch solche Unternehmen erlaube, die im Kern eben nicht privat sind und insbesondere auch nicht offen. Mozilla oder die Wikimedia Foundation hätten so einen Spot drehen können, ohne ihre Werbeträger zu verbrauchen, Vodafone nicht.
Denn das ist vielleicht die neutrale Betrachtungsweise dessen, was aus subjektiver Blogger-Sicht “Ausverkauf” genannt wird: Eine Kampagne, die die Privatheit ihrer Werbeträger zum Treibstoff kommerziellen Erfolgs machten will, verbraucht diesen Treibstoff. Alles, was Blogger in die Waagschale werfen können, ist ihre Privatheit und Unabhängigkeit. Aber genau das sind sie in der Folge einer Kampagne eben nicht mehr, privat und unabhängig, sondern sie sind tausendfach plakatierte Werbeträger und würden für eine vergleichbare Kampagne nicht mehr taugen.
Und darum, Nico, ist der Vodafone-Spot ein “Ausverkauf” der Blogosphäre, auch wenn mir dieses Kampfwort nicht gut gefällt.

