Keiner will den Bachelor

Man kann ja von verkürzten Ausbildungszeiten halten, was man will. Aber bitte erzähle mir niemand mehr, “die Wirtschaft” wolle das so: Stiefkind Bachelor: Von vielen Arbeitgebern abgelehnt.

Besonders frappierend finde ich diese Passage:

Anders als im angelsächsischen System passen die halbfertigen Absolventen schlechter in den Betrieb. “In Deutschland fehlt die Infrastruktur der internen Weiterbildung”, meint Rouven [Sperling vom Projekt "Berufsfeldorientierte Kompetenzen" der Universität Freiburg]. “Die Personalabteilungen erwarten fertige Leute.”

Damit wird offenbar, was jedem sowieso klar war, der mit offenen Augen durch die politische Welt läuft: Die Verkürzung der Ausbildungszeiten hat ausschließlich finanzielle Gründe. Der Staat verlagert Teile der universitären Ausbildung in die Betriebe und entlastet sich damit von den Kosten. Das kann man ja sogar gut finden, mal abgesehen davon, dass es ein Nullsummenspiel sein dürfte. Aber man soll’s dann bitte auch einfach sagen.

Outed, stalked or randomized?

To whom it may concern:

Eigentlich wollte ich heute morgen, nach dem Besorgen von Fortuna-Tickets und dem Abholen meiner gereinigten Hemden, mit dem Auto noch in die Waschanlage. Es hatte die Woche einen Sahararegen gegeben, so dass schon vor Ansicht der Karre klar war, dass sie mit einem gelben Schleier überzogen sein würde.

War sie auch – und in den Schleier stand auf der Motorhaube mit dem Finger geschrieben: “BuBBilicious”. So dass ich mit dem Waschen erst mal wartete, bis ich Fotos geschossen hatte.

Jetzt gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Ich bzw. mein Auto wurde geoutet – spätestens, indem ich jetzt mit diesem Posting bekenne, dass es sich tatsächlich um meinen Golf handelte.

  2. Ich werde von einem Cyber-Stalker/Stalkerin verfolgt. (Vielleicht auch eine Kombination der ersten beiden Optionen.)
  3. Es kann es natürlich sein, dass der Gott des Zufalls einen seiner allerlustigsten Streiche gerade mir zu spielen beliebte.

Natürlich gibt es auch noch Option vier: Einer der zahlreichen Kollegen, die wissen, wer dieses Blog schreibt, wohnt hier in der Gegend (nicht, dass ich wüsste), kennt mein Auto und hatte Lust auf einen schmutzigen Zeigefinger.

Doch eins ist bei der ganzen Affäre bemerkenswert: Ich parke keineswegs immer an der gleichen Stelle, sondern als Straßenrandparker in der näheren Umgebung meine Wohnung, also irgendwo auf schätzungsweise 1,5 km Straße. Und mein Auto muss man erst mal kennen.

Aber ich schätze, die Geschichte wird sich mit diesem Posting aufklären, oder?

Videospielentzug macht aus Missbrauchsopfern wieder sensible Menschen

Natürlich. Ein Mann raucht Joints, seit er fünf ist, wurde in seiner Kindheit sexuell missbraucht und geschlagen. Heute ist er 25 und abhängig von Drogen und Alkohol (jaja, doppelt gemoppelt).

Und was soll jetzt wohl Schuld daran sein, dass er mit einem Knastbruder zusammen mit 143 km/h über den neuseeländischen Highway heizte, von der Polizei so lange verfolgt, bis er die Karre in den Graben setzte, nur um anschließend den Polizisten bewusstlos zu prügeln? Na?

Richtig, ist doch offensichtlich: Videospiele. Bitte, Herr Prof. Pfeiffer, beschützen Sie uns uns vor drogenabhängigen Knackis mit Missbrauchsbiographie: Die Welt könnte so ein paradiesischer Ort sein – mit nur ein paar Controllern weniger in den falschen Händen.

Ich bin erst halb durch, aber ich empfehle bei der Gelegenheit schon mal: Grand Theft Childhood: The Surprising Truth about Violent Video Games and What Parents Can Do

Zoll-Wahn

Mitte der 90er war das die Regel: Ich bestellte mir CDs bei CDNOW in den USA, und statt des ersehnten Päckchens gab’s nach Wochen des Wartens einen grünen Zettel. Der Zoll meldete sich, wollte seinen Anteil haben – und bat zu dieser Gelegenheit ins Zollamt nach Köln-Wahn. Was an Wahn noch Köln ist, wissen allerdings nur die Stadtväter, die dereinst den Status der Millionenstadt mit ungezählten Eingemeindungen erreichten: Wahn liegt noch jenseits von Porz, wo man sich auch schon nicht mehr als Kölner fühlt. Eine halbe Stunde Autofahrt ist angesagt.

In den letzten Jahren kassierte der Postbote den Zoll, wenn er mal fällig war, immer an Ort und Stelle durch den Postboten. In einem Anfall von Nostalgie bittet man mich jetzt aber mal wieder nach Wahn – werktäglich ab 07:30 Uhr. Und wer so früh zu schaffen beginnt, der muss natürlich mittags den Schalter wieder schließen… (Für mich sind die Zeiten übrigens einfach nur scheiße. Aber für jemanden, der Früh- oder Tagschicht arbeitet?)

Die Angaben darüber, wer mir die Sendung überhaupt geschickt hat, halten sich in engen Grenzen. In den USA wohnt der Lieferant. Mehr ist nicht zu erfahren.

Könnte mir egal sein. Aber der letzte der Benachrichtigungszettel lässt mich bürokratisch Fürchterliches ahnen:

Die Rechnung soll ich mitbringen? Ja WELCHE DENN, IHR NASEN? Na nützt auch der ungeahnt zeitgemäße Hinweis auf Ebay-Auktionen nichts. Ich hab nämlich echt keine Ahnung, wer der Lieferant sein könnte. Vielleicht hab ich da vor Monaten mal irgendwo irgendwas bestellt. Aber ein Tipp wäre doch nicht zu viel erbeten? Und außerdem befindet sich eine Rechnung ja wohl gerne mal in der Sendung selbst.

Kotzen könnt ich.

Ich freu mich schon auf die nächste Saison

Suchtags: Ribery, Toni

Hassduell oder Fußballfest?

Jetzt ist das Thema also endlich durch: Das Aufstiegsendspiel in der Verbandsliga Mittelrhein wird nicht in Leverkusen stattfinden. Stattdessen treffen sich die Mannschaften im Flughafenstadion Höhenberg, dem Stadion von Viktoria Köln. Die erwartete Zahl von Zuschauern hätte das Leverkusener Stadion nicht verkraftet.

Die Platzverlegung schmeckt den Leverkusenern natürlich ganz und gar nicht: Auswärts hat man eine ausgeglichene Saisonbilanz (6-1-6). Auf dem heimischen Kunstrasen konnte man 11 von 12 Spielen gewinnen. Entsprechend zäh versuchten die Verantwortlichen offensichtlich, die Verlegung zu verhindern.

Nachdem alles gescheitert und das Spiel verlegt war, ließ man sich als letzte verbliebene Schikane wenigstens noch einfallen, DPD-Porto zu sparen und den Bitten der Fortuna um die Ermöglichung eines Vorverkaufs in Köln nicht zu entsprechen.

Für unfreundliche Stimmung sorgten im Vorfeld allerdings auch ein paar unbesonnene Fortuna-Fans. Die Geschichte von der Morddrohung ist zwar noch journalistisch erkennbar boulevardistisch und inkompetent zusammengestoppelt: Von einer Morddrohung kann man bei aller Bösartigkeit des wiedergegebenen, angeblich erfolgten Drohanrufs nun wirklich nicht sprechen. Und bei der Bildunterschrift gerieten dann sogar mal die frisch geschaffenen Fronten durcheinander.

Deutlich dämlicher war da schon der Randale-Aufruf im Fortuna-Fan-Forum. Im Forum ist er inzwischen zwar gelöscht, aber mit größerer Naivität kann man dem eigenen Verein wohl kaum schaden.

Bleibt noch die lustige Beschwerde des VfL-Geschäftsführers Bernd Kuhn: „Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung“, ärgert sich Kuhn. Und auch Trainer Marco Zillken ist überhaupt nicht erfreut über die Verlegung. „Das ist sportlich eine ganz klare Benachteiligung“.

Wettbewerbsverzerrung, klar… Das ist gleich aus zwei Gründen lächerlich:
a) Das Spiel musste verlegt werden, weil deutlich mehr als die 2.000 Zuschauer erwartet wurden, die das Leverkusener Stadion offiziell fasst. (Wie gesagt: Offiziell…) Wir halten fest: Es handelt sich um ein Aufstiegsspiel. Die Leverkusener wollen also mit einem Stadion aufsteigen, das schon den Erfordernissen eines wichtigen Verbandsligaspiels nicht standhält. Es herrscht weitgehend Einigkeit, dass Leverkusen im Fall des Aufsteigs die Lizenz für die NRW-Liga nur erhält, wenn sie auf einem anderen Platz spielen.
b) Kann der Wilderer “Diebstahl” rufen, wenn ihm der Förster die Falle wegnimmt? Eben. Kunstrasenschummler: Leisetreten.

Und im übrigen kann man die Platzverlegung ja auch so sehen,d ss der Druck für die Fortuna jetzt gestiegen ist. Der Kunstrasen hätte als Ausrede für jede Niederlage herhalten können. Diese Ausrede gilt jetzt nicht mehr. Aber was für eine bessere Motivation könnte es geben als die Aussicht, am letzten Spieltag den Tabellenersten vom Thron zu stoßen – und das im Stadion des lokalen Erzrivalen?

Ich werde am Sonntag vor Ort sein.

Fortuna – Freialdenhoven: Das Video

Ein Video des gestrigen Spiels von Fortuna Köln gegen Borussia Freialdenhoven gibt’s seit gerade bei spox.com.

Eurovision-Gastbeitrag: O tempora, o mores!

Wahnsinn, mein zweiter Gastbeitrag! axel von Lost in Nippes hatte dereinst gegen mich um die Platzierung der No Angels gewettet. Wetteinsatz: Ein Gastbeitrag für das Blog des anderen.

Das besonders erwähnenswerte ist, dass ich seinerzeit die No Angels in Unkenntnis der Konkurrenz noch auf den 19. Platz tippte, axel hielt mit Position 22 dagegen – lag also damals deutlich näher am wirklich Ergebnis als ich. Erst mein letzter Final-Tipp vom Freitag, nach Wettabschluss abgegeben, nannte korrekt den 23. Platz. Mit unvergleichlich sportlichem Geist hat axel die Wette für sich trotzdem als verloren gewertet und mir darum den folgenden Gastbeitrag geschickt, den ich voller Dankbarkeit hiermit wiedergebe!

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Achja, der GrandPrix.

Was waren das damals noch fest gebuchte Feiertage. Als Kind saß man mit den Eltern vor dem Fernseher, hoffte inständig nicht vor der Punktevergabe ins Bett geschickt zu werden (was immer gelang, weil es ja Samstag war und der Tag -von der Wichtigkeit her- nur mit einem WM-Finale zu vergleichen war) fieberte bei jeder Punktevergabe mit, egal ob eine sowjetische (o.ä.) Betonfrisur im Bild war und grade der erstaunten Welt mitteilte daß der rote Knopf bereits gedrückt wurde oder aber eine aparte Schönheit aus Frankreich nonchalant erklärte daß die Deutschen durch die unendliche Gnade der Grand Nation zwei Punkte ergattert hatten. Hach.

Damals gab es kein “Televoting”, der Pöbel hatte keine Chance sich durchzusetzten, denn die Punkte wurden von einer Fachjury vergeben die in erster Linie die “songwriting-skills” (hihi) bewerteten. Ergo hatte auch Deutschland jedes Jahr die Chance zu gewinnen. Das taten dann zwar immer die Iren (Johnny Logan!) aber trotzdem war es aufregend vor allem wegen der “Gruppe Wind” und derem unerhörtem Schicksal.

Irgendwann wurden die Regeln geändert und man selbst wurde genauso flügge wie Osteuropa. Während Kasachstan und Lettland Mütterchen Rußland den Rücken kehrten machten wir es genauso und veranstalteten pubertäre Partys zum GrandPrix die meistens schon vor 23 Uhr zu deutlichen Wahrnehmungsschwierigkeiten führten. Trotzdem war die Abstimmung immer noch ein Höhepunkt und es wurde aufrichtig mitgefiebert. Und was mußten wir alles schlucken:“Wind”, “Müchener Freiheit”, “Stone & Stone”…es wurde immer schlimmer. Dann kam 1996: Deutschlands Titel (“Leon” mit “Blauer Planet”) wurde ausgeladen! Wegen zuvielen Teilnehmern! Halloooo? Damals hatte man die historische Chancen dem GrandPrix den Rücken zu kehren und zu sagen: “Dann macht euren Driss doch selber. Von uns gibts keinen Pfennig(!) mehr”. Da fehltem dem NDR aber die Cochones für und man ergab sich still in sein Schicksal.

Mit diesem ganzen neuen Firlefanz, der Telefonabstimmung und dem Wust an Ländern wurde die Veranstaltung für mich immer mehr zur “kann-man-machen-wenn-grad nix-anderes-anliegt”-Veranstaltung.Das ist es eigentlich bis heute geblieben nur kurz unterbrochen von Guildo Horn, Stefan Raab und Roger Cicero, dessen Lied ich wirklich stark und für siegeswürdig hielt. Die Geschichte mußte mich eines besseren belehren.Die restlichen Jahre sind spurlos an mir vorbei gegangen.

Ich hatte mir ja eigentlich geschworen der Belgrader Ausgabe gestern fernzubleiben und zur Not das TV kaputt zu hauen, aber da der Freitag hochexplosiv war und ich anscheinend zuviele masochistische Tendenzen habe, hab ich dann doch mal reingeschaut. O tempora, o mores! Wär ich doch ausgegangen! Hätt ich doch meinen faulen Hintern von der Couch bewegt! Zwischen den Innings (Baseball auf NASN war dann doch mein “Hauptprogramm”) hab ich immer mal wieder umgeschaltet und konnte nur staunen. Ich weiß jetzt nicht ob ich ein völliger Ignorant bin aber ich fand orginal jeden einzelnen Song unfassbar schlecht. Da hat mir nix gefallen. Nada.

Gesehen hab ich die Türken, die Russen, die Engländer, die Deutschen, die Spanier, die Ukraine und die Franzosen. Ähm. Da fällt mir nix zu ein. Daß die Russen das Ding gewinnen kann nur heißen daß alle außer mir keinen Geschmack haben. Da gibt es auch keine zwei Meinungen drüber. Obwohl…wenn ich so drüber nachdenke…einen besseren Sieger kann ich auch nicht nennen…vielleicht die Isländer allein weil das ein kuscheliges und schrulliges Volk ist aber das kann ich nicht beurteilen, denn das Lied hab ich nicht gehört und ich werd einen Teufel tun und youtube befragen. Soweit geht es dann doch nicht.

Was mir aber wirklich komplett die (eh schon miese) Stimmung versaut hat war dann die Punktevergabe. Also der offene Kanal Bielefeld hätte das wohl stimmungsvoller inszeniert.
Jeder, absolut J-E-D-E-R der 43 Köpfe lobte die “großartige Show” und stammelte dann die Punkte von drei Ländern in die Kamera nachdem er erstmal zehn Sekunden ins Leere lächelte weil man ihm anscheinend keinen Monitor zur Verfügung gestellt hatte und er nur raten konnte wann die Einblendung der niedrigeren Wertungen aus dem Bild war. Da kann man es auch ganz sein lassen und einfach das Ergebnis aller Länder einbenden, dann wär die Veranstaltung wenigstens schneller vorbei. Da ist aber auch wirklich gar nichts mehr übrig geblieben von dem Flair was den GrandPrix (jedenfalls für mich) mal ausgemacht hat. Unsäglich.

Zu dem deutschen Beitrag wiederhole ich gerne, was ich in in meinem Blog bei der Vorausscheidung geschrieben habe: Unwürdig. Keine Klasse. Anbiederei. Zum Glück mit völliger Ignoranz abgestraft worden.

Normalerweise könnte man ja hoffen daß dieses Ergebnis ein Art “Hallo-wach!” sein könnte, aber ich glaube, der NDR und vor allen Dingen die “TeleVoter” sind da beratungsresistent.

Und während ich mich noch ärgere, daß die Engländer und die Polen nicht ein Pünktchen mehr haben holen können und auf Spiel 1 des StanleyCups aus HockeyTown warte, grinst mich Thomas Her(r?)mann in bester “Galopper des Jahres”-Manier von der “großen GrandPrix Party auf der Reeperbahn” an macht das, was Thomas Her(r?)mann halt macht, nämlich unlustige zotige Belanglosigkeiten in ein entmündigtes Publikum zu schreien und das war dann doch eine Spur zu viel für mich auch wenn ich als Katastrophengaffer schon gern ein Statement der “No Angles” gehört hätte aber ich mußte kapitulieren und hab die nächsten 20 Minuten mit der neuen “11 Freunde” und den “Cocteau Twins” verbracht nur um mir dann anzusehen wie Sidney Crosby mit den Pens schön von den Red Wings auf die Mütze bekommt.

Hätte ich doch die blaue Pille geschluckt!

Fortuna Köln – Borussia Freialdenhoven 2-1

[Update] Video des Spiels bei spox.com.

Jungejunge, das hätte peinlich werden können. Die Fortuna hatte zum letzten Heimspiel gestern gegen Borussia Freialdenhoven showtechnisch aufgerüstet und gezeigt, was man in höherklassigen Ligen so alles hat: Einlaufkinder, Cheerleader und sagenhafte 2.100 Zuschauer. Was also, wenn nachher alles Show, aber nichts Erfolg gewesen wäre?

Trotzdem: Insbesondere die Cheerleader waren eine schöne, fast sentimentale Remineszenz an Zweitligazeiten. Damals hatte man dem regelmäßigen Turnen der Mädchen vor der Tribüne noch etwas belustigt von Stehplatz Mitte aus zugesehen – gestern saß oder stand man selbst auf dieser Tribüne und sah zu, wie die Puschelgirls zum Einlaufen der Mannschaften einen Tunnel bildeten.

Für den Gegner aus Freialdenhoven ging es sportlich um nichts mehr. Aber wenn es für sie noch eine Motivation gebraucht hätte, sich nochmal so richtig reinzuhängen, dann war das wohl diese Inszenierung: Der Showtruppe der Verbandsliga würde ich als Freialdenhovener auch mal so richtig einen einschenken wollen.

So geschah es dann auch. Nach etwa zehn Minuten zerfahrenen Spiels bekam Freialdenhoven einen Freistoß auf halbrechts zugesprochen, die Flanke segelte in den Strafraum zu einem Freialdenhovener, der stolperte sich zur Torauslinie durch und passte vor die Kölner Bude, wo einer seiner Kumpels keine Probleme hatte, zu verwandeln: 0-1.

Die Fortuna antwortete mit weiterhin energischen, aber auch weiterhin unpräzisen Angriffen. Dennoch war zehn Minuten später, nachdem der Ball an der Straraumgrenze ein paar Mal hin und her gekickt worden war, der Torschütze der letzten Wochen wieder zur Stelle: Rachid Bouallal verwandelte einen wunderschönen Volleydrehschuss zum verdienten Ausgleich.

In der Folge der ersten Halbzeit passierte nicht mehr besonders viel – außer einer wirklich extrem geilen F.O.R.T.U.N.A.-Choreo mit Cheerleader-Unterstützung:

Halbzeitshow.

Prominenter Tribünengast und Ex-Fortune:

Nach der Pause änderte sich am Spielverlauf nicht viel. Es hatte sich herumgesprochen, dass Alfter zeitgleich gegen Leverkusen führte. Ein Sieg war also extrem wichtig, um das Aufstiegsendspiel am nächsten Wochenende zu erreichen. Und so drängte die Fortuna, bekam kombinatorisch aber extrem wenig auf die Kette. Es machte den Anschein, als seien die Spieler genauso nervös wie die Zuschauer, die das Spiel so angespannt verfolgten, dass man bei den regelmäßig gefährlichen Gegenstößen von Freialdenhoven eine Stecknadel im Stadion hätte fallen hören können, so angstvoll hielten alle die Luft an.

Und so sah das Offensivspiel regelmäßig aus: Aus gefährlichen Grundsituationen machte die Fortuna viel zu wenig.

Auf der anderen Seite hätte wenigstens einmal die Führung für Freialdenhoven fallen müssen, als der schon auf die Grundlinie durchgebrochene Spieler den Rückpass zum Glück viel zu ungenau spielte. Durchatmen.

Dann hatte der Schiedsrichter zwei große Auftritte. Zunächst entschied er, nachdem Stephan Glaser klar im Strafraum zu Fall gekommen war, auf Elfmeter. Großes Getümmel, der Ball liegt schon auf dem Punkt, es wird diskutiert – und plötzlich liegt der Ball kurz vor der weißen Linie: doch nur Freistoß. Undurchsichtig.

Kurz darauf dann eine Szene, wie man sie selten sieht: Yannick Moudoute war einem konternden Gegner hinterhergelaufen, der kam im Zweikampf zu Fall, vielleicht ein Freistoß, vielleicht nicht. Moudoute ärgerte sich, schoss den Ball unmittelbar nach dem Pfiff weg – und der Schiri zeigte ihm in derselben Szene gleich zweimal Gelb: für das vermeintliche Foul und für das Ballwegschlagen. Platzverweis binnen rund 3 Sekunden also. Unglaublich. Und das gegen einen Spieler, der zuvor wirklich nicht durch hartes Spiel aufgefallen war, so dass man wenigstens das Foul, das auch noch strittig war, nicht mit einer Verwarnung hätte ahnden müssen.

Die Unterzahl schien die Fortuna aber nach kurzer Irritationsphase anzustacheln. Der Druck nach vorne nahm zu, die Bemühungen blieben aber zerfahren. Und so wurde, wie oft, ein Spieler zum Held, der in der Saison nicht oft zu sehen gewesen war: Eine Minute nach seiner Einwechslung brachte Kevin Kruth in der 84. Minute bei einer wieder mal unübersichtlichen Szene im Strafraum den Fuß an den Ball, der wurde noch abgefälscht und schlug endlichendlichendlich im Freialdenhovener Tor ein. Alles Jubel!

In der Folge passierte nichts mehr, die Fortuna ließ keine Chance mehr zu. Alfter führte inzwischen 3-0 gegen Leverkusen, so dass beim Abpfiff klar war: Am nächsten Sonntag gibt es ein Endspiel in Leverkusen!

Selten eine spannendere Saison erlebt. Acht Spiele in Folge war die Fortuna jetzt siegreich, und endlich hat Leverkusen Nerven gezeigt und Punkte gelassen. Am Sonntag geht’s zum Finale!

Viel mehr Fotos und Videos gibt’s übrigens auf meiner Flickr-Seite.

Letzter, und noch stolz drauf

Wer sich wirklich noch fragt, warum die No Angels abgekackt sind, der muss sich einfach nur dieses Video ansehen: Die No Angels im Interview mit bild.de nach der Show.

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