Letzte Amtshandlung
Abwesenheitsmail aktivieren. Die kommenden zwei Wochen im Wandkalender mit blauem Textmarker kennzeichnen und dick URLAUB drüber schreiben.
Ich wär dann mal weg.
T minus 36
Nur noch ein Tag und eine Nacht bis Formentera. Dann wird es hier für zwei Wochen deutlich ruhiger werden.
2,5-Jahres-Fliege
Ich will nicht mal von “Volare” und Domenico Modugno reden, hinter dessen weltumarmender Original-Interschmachtation von Achtundfuffzich sich alle Gipsy-Kings-Mitglieder zusammen verstecken könnten.
Nein, ich will von der Linie 5 in Richtung Ossendorf an einem beliebigen Donnerstagabend reden. Da klingelte nämlich heute ein Telefon. Und was spielte es, im Zeitalter der Real-Tone-Klingeltöne? Es spielte “My Number One”: den Titel, mit dem Helena Paparizou (ich betone: aus dem Gedächtnis richtig geschrieben), 2005 den Eurovision Song Contest in Kiew gewann.
Und da sagen die Leute, der Grand Prix produziere nur noch Eintagsfliegen.
Agiles Halbwissen
Erstaunlich, welche Fehlvorstellungen es von agilen Methoden immer noch gibt. Insbesondere konnte ich gestern mal wieder feststellen, dass der ansonsten wirklich kompetente Vortragende coram publico erklären wollte, das Prinzip “leichtgewichtiger” Development-Methoden sei es, alles Überflüssige wegzulassen.
So weit, so halbrichtig. Nur wird regelmäßig vergessen, dass agile Methoden eben auch neue Aspekte in den Development-Prozess einführen oder wenigstens viel stärker betonen als traditionell üblich.
Und wenn man dann noch klar macht, dass eines dieser Dinge das Überlassen und die Übernahme von Verantwortung ist – dann tun gerade diejenige als wäre das selbstverständlich, die vorher den Lenkungsausschuss über den Projektmanager über die Teamleiter über die Teil-Teams gemalt haben.
Scherbengericht
Gestern war ich auf einem recht interessanten Vortrag, der in einem Raum der Uni Düsseldorf statt fand. Klingt ja seriös, und der Vortrag war es auch.
Allerdings bekam ich es doch mit der Angst zu tun, als ich mein Auto gegen 18 Uhr auf den schon ziemlich leeren Parkplatz steuerte, und sah, dass ungelogen auf jedem dritten Stellplatz Scherben von Autoscheiben lagen.
Vielleicht sind Studenten heutzutage aber auch einfach nur vergesslicher geworden und müssen häufiger mal ohne Schlüssel in ihre Autos….
Mein Auto war gegen 20:30 Uhr jedenfalls noch unbeschädigt.
Kurz reingeschaut: Second Monday und Android Kills Universe im Blue Shell, Köln
So, das war gestern also das Kontrastprogramm zu Rilo Kiley: Android Kills Universe als Vorband und Second Monday als Hauptact. Beide Bands firmieren unter dem Genre-Labe “Post-Hardcore”. Ich bin mir allerdings nicht ganz so sicher, was daran “Post” sein soll.
Android Kills Universe würde ich eher unter “Progressive Hardcore” einordnen – und wenn ich den Begriff gerade hätte erfinden müssen. Die sehr jungen Dessauer tragen die gleichen 80er-Frisuren wie The Ark, haben mit deren Musik aber wirklich gar nichts am Hut. AKU spielen komplexe Songs, die kaum mal 30 Sekunden ohne Break und Tempowechsel auskommen. Dass die Jungs dabei jederzeit den Einsatz treffen und das ständig wechselnde Tempo halten ist besonders bewundernswert, weil die Band auf der Bühne schwer abgeht. In dem Alter hat man halt noch Energie, die raus muss. Sehr zur Freude des Publikums!
Wo ich gerade Publikum sage: mehr als rund 30 Besucher hatten sich an einem frühherbstlichen Montagabend nicht im Blue Shell eingefunden. Die 30 waren ausnahmslos sehr junge und beinharte Second-Monday-Fans, die sich aber auch von den Androiden nur einmal freundlich bitten ließen, um dann vor der Bühne eine kleine Moshpit zu eröffnen.
AKU ab, Second Monday auf.
Die fast noch ebenso jungen Kerle aus Winchester spielen einen so melodiösen wie breakreichen Starkstrom-Hardcore. Live wird das ganze extrem kompetent aufgeführt. Sänger und Gitarrist hatten ihre Mikros und Fußpedale gleich mal vor der kleinen Bühne aufgebaut und standen so mitten im Bublikum. Die waren wegen der Jungs aus Winchester gekommen, hatten das gleiche Alter und sangen jeden Song mit – soweit das während des wilden Pogens denn ging.
Auch der Auftritt von Second Monday dauerte nur gut 30 Minuten. Das war zwar auch der Tatsache geschuldet, dass das Blue Shell wochentags um 23 Uhr den Lautstärkepegel runterdrehen muss. Aber es war auch einfach genug: Denn was in der kurzen Zeit von Second Monday übersprang, das war pure Energie, von der man auch nicht beliebig viel vertragen kann – wenigstens nicht als Demnächst-Vierziger. Die Jungs haben ganz offensichtlich viel Spaß an ihrer Musik und ihrem Auftritt und können noch viel Kraft verpulvern.
Und wenn sie dieses Level beibehalten können, dann kann man sich von Second Monday noch viel versprechen.
Verzerrung ohne Verzerrung
Hammer, was die heutzutage alles machen können: verzerrungsfreie Bildskalierung bei gleichzeitiger Veränderung des Seitenverhältnisses. Dochdoch, genau so. Jetzt mal ungelogen. (OK, ein paar Bildinformationen gehen halt verloren, aber der Effekt ist knallermäßig.) Angucken:
Besser als Hollywood
Wenn es darum geht, wann Computerspiele als Kunstform erwachsen werden, dann wird ja oft als Kriterium angeführt, dass Games den Spieler zum Weinen bringen sollen. Mal abgesehen davon, dass ich glaube, dass Spiele das durchaus könnten (Ico), muss man sich fragen, ob ein Spiel, das den Spieler zum Weinen bringt, eigentlich ein gutes Spiel ist.
Unterschiedliche Medien haben eben unterschiedliche Stärken. Wann hast du denn zum Beispiel das letzte Mal bei einer Zeitungsreportage geweint? (Mir persönlich treiben übrigens auch Spielfilme extrem selten die Tränen in die Augen, Film-/Fernseh-Reportagen dagegen viel häufiger.)
Ein Game, das den Spieler zum Weinen bringt, kann das meiner Ansicht nach hauptsächlich auf Kosten seiner Qualität als Game tun. Wenigstens würden die Tränen weniger durch einen Akt des Spielens hervorgerufen, sondern viel mehr durch filmische Aspekte des Spiels.
Spiele haben da ganz andere Qualitäten, die ganz andere Emotionen viel stärker hervorrufen können als andere Medien. Clive Thompson zeigt auf wired.com beispielsweise zu Recht ein in der Filmbranche beileibe nicht unterrepräsentiertes Genre auf, das Games schon seit langer Zeit merklich besser repräsentieren: Gore Is Less: Videogames Make Better Horror Than Hollywood.
Schon Horrorfilme sind nicht so mein Ding. Aber ein Horrorgame habe ich mich noch nie zu spielen getraut. Und irgendwie dachte ich auch nicht, dass Bioshock so schröcklich ist, als ich es bestellt habe. Jetzt liegt’s schon zu Hause. Ob ich’s vor dem Urlaub noch anzocken soll?
Die CDU vor der Selbstauflösung?
Die “offene Mitgliedergruppierung cdu-basis.de” fordert radikale Reformen der GEZ, der KEF und des öffentlich-rechtlichen Sendeauftrags. Schön und gut, aber eine Forderung überrascht dann doch ziemlich:
Aufsicht über ARD und ZDF durch einen “bürgerlichen Kontrollrat”. [...] Was der Bürger bezahlt, soll er auch kontrollieren und mitgestalten können. Der bürgerliche Kontrollrat soll deshalb mit Vertretern besetzt werden, die in freier Wahl – gekoppelt an die Landtagswahlen – bestimmt werden. Um hier Klüngel zu verhindern, ist streng definiert, wer alles nicht gewählt werden darf: Dazu zählen sämtliche aktuellen wie ehemaligen Mitglieder der Landtage und des Bundestages, Parteifunktionsträger oberhalb der Kreisebene, Regierungsmitglieder und -beamte, Mitarbeiter von politischen Funktionsträgern…
Wenn Parlamentsmitglieder angeblich keine Kontrollfunktionen für die Bürger ausüben können, sondern “die Bürger” das selbst übernehmen sollen, dann könnte man das auch als Kapitulationserklärung der parlamentarischen Demokratie verstehen.
Kann man ja durchaus drüber nachdenken, aber schon überraschend, das sowas aus einer Gruppe einer politischen Partei kommt. Vielleicht sollten die Kollegen eher Basisdemokratie fordern und zur APPD wechseln.
Scheitern als Chance?
Als ich über das Rilo-Kiley-Publikum schrieb, es sei “sehr freundlich gesinnt” gewesen, da meinte ich anscheinend Andrea Anez, die für intro.de über das Konzert schreibt:
Zur Zugabe werden wir noch mit einer richtigen Showeinlage verwöhnt, in der das Verspielen und das Nichtfunktionieren der Technik bewusst eingesetzt werden, um auf die letzten Lieder einzustimmen.
Ähem: “bewusste Showeinlage”? Ich stand hinter dem Mischpult und konnte die hilflos-erschrockene Reaktion des Manns an den Reglern sehen, als die von ihm eingelegte CD zu springen begann. Da war nix bewusst.
Man kann sich auch alles schön reden, wenn man die Glitzerklamotten der Band gut findet.

