Liebe Grundschullehrer …

“So, Ihr lieben westlichen Grundschullehrer.

Jetzt erklärt ihr Pappnasen mal den Kindern, warum ihr soviel besser seid als wir, wie das so ist mit der Todesstrafe und warum der Typ hinter mir 2007 nicht erlebt.”

Zwischenstand

Nach dem Fest bei den Eltern einen Zwischenstopp zuhause eingelegt, Weihnachtsgeld in neuen Anzügen (mit aktualisierter Passform…) angelegt (Anson’s bietet bis Samstag wieder die legendäre Kauf-3-zahl-2-Aktion!), und auf den Silvesterurlaub im Harz vorbereitet: Schiedungen, ich komme!

Kurz reingeschaut: Babel

Selten habe ich einen Film gesehen, bei dem der Trailer so wenig von seiner unfassbaren Klasse wiedergibt, wie gestern Babel. Der Trailer, wie üblich hektisch geschnitten, zeigt viel zu wenig von den vielen ruhigen Momenten, die der Film in all der Hektik seiner drei parallel erzählten Handlungsstränge oft hat.

Brad Pitt und Cate Blanchett sind nur die trojanischen Marketing-Pferde des Films, spielen im Film eigentlich eher Nebenrollen, bestenfalls zwei von wenigstens fünf, sechs Hauptrollen, auch wenn sich die Handlung rund um sie entwickelt: Susan (Blanchet) und Richard (Pitt) sind als amerikanische Touristen in der marokkanischen Wüste unterwegs, als Blanchett von einer durch ein Kind leichtsinnig abgefeuerten Gewehrkugel getroffen wird. In der Folge entspinnen sich drei Geschichten: Die um die Rettung Susans, die einer mexikanischen Hochzeit, auf die das Kindermädchen von Susan und Richard deren Kinder mitnimmt, und die eines taubstummen japanischen Schulmädchens auf der Suche nach Liebe. Ja, richtig gelesen: die eines taubstummen japanischen Schulmädchens auf der Suche nach Liebe. (Wie das zusammenhängt, soll hier nicht verraten werden.)

Die Handlung nimmt Regisseur Alejandro González Iñárritu (of “21 Grams” fame) zum Anlass, drei Dokumentationen als Spielfilm auszugeben: Selten habe ich einen nichtdokumentarischen Film gesehen, der so gut beobachtet, einfühlsam und präzise. Mit nur wenigen Bildern gelingt es Iñárritu, Stimmungen einzufangen, Emotionen auszudrücken, Schicksale darzustellen, aber auch einfach nur das Leben seiner Charaktere zu zeigen. Der brillante Einsatz der Filmmusik und der inzwischen gerne genommene Trick, zeitversetzte Handlungen parallel zu erzählen, steigern nur noch das Gefühl, dem Schicksal ohnmächtig bei der Arbeit zusehen zu müssen.

Es geschieht nicht oft, dass ein Kinosaal kollektiv den Atem anhält, man nur hier und da ein unterdrücktes Schniefen, ein entsetztes Stöhnen hört. Einer der wenigen Filme, nach denen es schwer fällt, aufzustehen und zurück in die Welt zu gehen. Brillant. Modern und zeitlos. Einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

In diesem Sinne: Frohes Fest!

Kurz reingeschaut: “Die Nacht singt ihre Lieder” in Köln

Gestern abend in der “Schlosserei”, dem kleinen Haus des Kölner Schauspielhauses: Die Nacht singt ihre Lieder von Jon Fosse. Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt: Ein junges Paar, dessen Namen während des Stücks nie fallen, hat kürzlich ein Kind bekommen. Der junge Mann ist arbeitslos, will Schriftsteller werden, ist aber über zahlreiche Ablehnungen von Verlagen in Depression verfallen und verlässt das Haus nicht mehr. Seine Frau ist damit unglücklich, will nicht in den Abwärtsstrudel gerissen werden und versucht verzweifelt und hysterisch, aus dem gemeinsamen Leben und der Beziehung auzubrechen. Die Nacht singt ihre Lieder erzählt einen halben Tag aus dem Leben des Paars.

Die Inszenierung von Olaf Altmann in der “Schlosserei” setzt vor allem auf zwei wirkungsvolle, dramaturgische Effekte: Zu Beginn ist die Szenerie, das Zimmer des Paars, hinter einer Leinwand verborgen, nur sehr schemenhaft und verschwommen erkennbar. Umso direkter, fast erschreckend ist es dann, wenn einer der Charaktere vor die Leinwand tritt und plötzlich nur noch zwei Meter vor der ersten Zuschauerreihe steht.

Der andere Kniff sind ein paar Popsongs, die in den Szenenpausen von einer Schauspielerin vorgetragen werden. Die Songs kommentieren nicht nur textlich das Geschehen, wenn auch eher platt. Die Sängerin tritt auch wie das personifizierte Schicksal an die Charaktere heran, in die Szenerie hinein, verwirrt sie, geht ihnen quasi im Kopf herum.

Die Nacht singt ihre Lieder ist eine sehr gelungene Inszenierung. Schon durch die Enge des Theaterraums entsteht eine ungeheure Direktheit, die von der Qualität der Darsteller noch gesteigert wird. Sébastien Jacobi und Sabine Waibel als junges Paar sind in aller Übersteigerung immer glaubhaft. Jochen Langner ist in einer Doppelrolle stets lakonisch, hervorragend besetzt, trifft vor allem als Vater des jungen Manns immer präzise den Ton, den eigentlich sprachlose Vatzer-Sohn-Beziehungen oft haben.

Überhaupt wird in dem Stück viel geredet, aber wenig gesagt. Worte reichen einfach nicht aus, um die Verzweiflung zu beschreiben, die den Charakteren die Luft zum Atmen nimmt. Umso eindringlicher sind die sonst im Theater manchmal sehr aufgesetzt wirkenden Szenen von körperlicher Auseinandersetzung oder Intimität.

Unterm Strich ist Die Nacht singt ihre Lieder wirklich sehenswert. Und wenn man zwischendurch den Eindruck hat, dass eine Kürzung um 5 oder 10 Minuten dem Stück gut getan hätte, dann nur deswegen, weil man als Zuschauer dem dargestellten Alltags-Elend und den Beziehungen der Charaktere genauso entkommen möchte wie sie selbst. Dieses Gefühl zu vermitteln, ist eine respektable Leistung der Inszenierung.

Warum “Improcomedy” weg muss

Danke, Björn! Endlich sagt’s mal einer wie’s ist: Improvisations-Comedy ist nicht lustig. Und wenn er es dann auch noch so fundiert und wortreich sagt, dann ist das schon mal einen Klick wert: Humorkritik: Gott sei Dank… dass sie da sind!.

Aber ich verstehe nicht warum man aus dem Stehgreif lustig sein muss oder sollte, wenn es nicht nötig ist. Warum sollte man Komiker dazu zwingen, sich spontan mäßig lustige Antworten auszudenken, wenn sie mit ein wenig Zeit und der Hilfe eines Drehbuchautors wirklich lustige Antworten im Vorfeld ausarbeiten könnten. Und zwar ohne die vielen “Äähs”, “Öööhs” und “Uhms”. Wenn ein Musiker mit etwas Vorbereitung ein paar richtig gute Lieder aufnehmen kann, warum sollte ich ihn dann in einem Konzert sehen wollen, in dem er spontan einige höchstens mittelprächtige Songs improvisiert nur um sich über die Zeit zu retten?

Nur eine kleine Ergänzung zu dem Artikel: Curb Your Enthusiasm ist zwar nicht geskriptet, wie Björn richtig schreibt, allerdings schreibt Larry David sehr detaillierte Stories, die alle Szenen bis ins Detail ausarbeiten. Im Endeffekt kommt es in Curb dann nämlich auch nicht mehr auf den Wortwitz an, sondern die Situation selbst ist so absurd und komisch, dass das leicht stammelnde der Akteure nur umso authentischer wirkt.

Gewonnen!

Wahnsinn: Gestern geschrieben, heute schon gewonnen!

Gewonnen hat heute surfguard mit seinem Beitrag zum Argentina Steakhaus.

Verfassungsbeschwerde gegen Wahlcomputer

Der Kampf geht weiter:

Der Bundestag hat am 14. Dezember 2006 auf Empfehlung des Wahlprüfungsausschusses 44 Wahleinsprüche als “offensichtlich unbegründet” abgelehnt. [...] Gegen den Beschluss des Bundestages werden drei der Einsprechenden Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegen. [...] Wenn Sie uns helfen möchten, bitten wir Sie, die Unterstützungserklärung zu unterzeichnen.

“Tragic Kingdom”

Zahle ich zu viel Trinkgeld? Mehr im demagogen.

“Tragic Kingdom”

Als Costa, Wirt des alpha am Friesenplatz, mir neulich erzählte, dass er Silvester seiner Frau und seinen beiden Kindern in Euro Disney verbringt, da fragte ich mich schon, ob dort die Preise so extrem gefallen sind oder ob ich zu viel Trinkgeld gebe. Anscheinend Ersteres: Trouble at Euro Disney.

With a loss of almost €90 million in the past fiscal year, Euro Disney remained a disappointment to its shareholders. Its share price is currently hovering around seven cents.

Auch sonst aber eine spannend zu lesende Geschichte (leider nur auf englisch frei verfügbar).

Auto verloren

Es gibt ja Leute aus der virtuellen Nachbarschaft, die fanden es wenigstens ein Foto wert, dass ich mir aufschreibe, wo mein Auto steht. Lächelt ihr alle ruhig, ich weiß als Straßenrandparker schon ganz genau, warum ich das mache: Car found after seven months.

Eric King has been reunited with his car — seven months after FORGETTING where he parked it.


Foto von mdornseif

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