Drittens

Vodafone-Strategie: Mit voller Kraft zurück

Drittens will sich Vodafone stärker auf die Bedürfnisse seiner Kunden einstellen und damit neue Umsatzquellen erschließen.

Drittens?

Will Information frei sein?

Manchmal ist es ganz gut, daran erinnert zu werden, dass es da draußen noch Menschen gibt, die Flickr nicht kennen und auf eine Einladung als “Friend” ganz menschlich reagieren:

ich glaub langsam ich bin zu blöd- ich find nichts!!! was ist das eigentlich für eine seite?! kann da jeder seine privaten bilder hochladen damit andre die sehen können? versteh ich nicht…

Vielleicht ist das Konzept, dass Information frei sein will, doch nicht so selbstverständlich, wie jeder glaubt, der “Web 2.0″ schon für ein Buzzword hält, bevor es 95% aller Menschen auch nur einmal in ihrem Leben gehört hätten. Ich lebe in einer großen Blase.

Intelligent Design aus Hennef

Mein Gott, Millionen Jahre Evolutionsgeschichte: Ein Irrtum. Der Fisch (as in: Der Fisch anunfürsisch) ist völlig umsonst an Land gekrochen und hat Lungen ausgebildet. Erst jetzt, mit der fabulösen Entwicklung der natural energy solutions AG, kann man Luft nicht nur zum Kitesurfen beutzen, sondern auch atmen:

Airnergy ist die 1. Technologie, die Atemluft verwertbar macht.

Und wenn die Intelligent-Design-Befürworter sich immer fragen lassen müssen, wer denn der Designer sei, dann sollten sie vielleicht einfach mal in Hennef vorbeischauen.

via Boocompany

[UPDATE] Leider alles gerichtlich testierter Schwindel

Quod licet iovi 2006

Es gibt zwar keinen Anspruch auf ausgleichende Ungerechtigkeit, aber manchmal würde man sich den schon wünschen:

Aufatmen bei den Inhabern von VIP-Tickets für die WM: Sie dürfen – entgegen einem Medienbericht – offenbar auch dann in die WM-Stadien, wenn die Karten nicht ausdrücklich auf ihren Namen ausgestellt sind. [...] Die “Süddeutschen Zeitung” hatte zuvor berichtet, rund 300.000 Besitzer von VIP-Karten müssten damit rechnen, dass ihnen der Zugang zu den Stadien verwehrt werde, weil sie auf Grund einer Organisationspanne nicht registriert worden seien. [...] “Es wird nicht vorkommen, dass Leute mit gültigen Eintrittskarten vor den Stadiontoren stehen und nicht herein kommen”, sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach dem Radiosender “HR-Info”.

Wie sie schon seit Jahrtausenden sagen: Quod licet iovi, non licet bovi.

Ein Volk, ein Bundestrainer, eine Geflügelwurst

(Diesen Artikel habe ich zunächst als Kommentar bei allesaussersport veröffentlicht, Diskussionen deshalb bitte dort.)

Zwei Dinge erschütterten mich an der ZDF-Sportberichterstattung gestern:

Michael Steinbrecher sagt im Sportstudio zu Daum, heute sei er, Steinbrecher, ja “in erster Linie Journalist”. Da beunruhigt doch arg, dass das überhaupt in Frage steht und es so etwas wie eine zweite Linie abseits des Journalismus gibt, im Flaggschiff des ZDF-Sportjournalismus, wenigstens seit der Absetzung des “Sportspiegels”.

Aber es passt bestens zum zweiten Punkt: Johannes B. Kerner durfte die Übertragung des Länderspiels gegen Luxemburg moderieren. Sein eigener Chefredakteur, Nikolaus Brender, hatte erst neulich öffentlich geurteilt: „Ein Journalist wirbt nicht, und wer wirbt, ist kein Journalist“ (letzter Absatz im verlinkten Artikel). Und dann stellt man Kerner bei einem Länderspiel vor die Kamera, um Pauseninterviews mit dem Sportwerbekönig Beckenbauer zu führen, als wäre nichts gewesen?

Aber worüber soll man sich wundern, wenn jetzt schon der Bundesklinsi, eigentlich unverdächtig was seine Haltung zum Kampagnenjournalismus angeht, gestern in der SZ von den Medien Nibelungentreue einfordert:

SZ: Nach dem USA-Spiel haben Sie die Kritik an der deutschen Presse heftig und pauschal gekontert. Alle wussten, dass Sie dabei vor allem die Bild-Zeitung meinten. Jetzt überrascht uns Bild mit einer Serie über Ihr Leben und Arbeiten, zu der Sie den Inhalt liefern. Sind das Konzessionen im Sinne der WM?

Klinsmann: Nach dem USA-Spiel in Dortmund wollte ich die Medien darauf hinweisen: Es ist genauso eure WM. Danach habe ich gesagt: Ich bin offen, mit mir kann man reden. Aber: Ich bin nicht käuflich. Es gibt von mir auch weiterhin keine Informationen, etwa über die Mannschaftsaufstellung. Zu Bild habe ich gesagt: Wenn es euer Wunsch ist, aus dem Gespräch eine kleine Serie zu machen, dann ist das kein Problem. Ich hab’ gesagt: Okay, können wir machen, aber dann betrachtet bitte die WM auch ein bisschen als euer Ding.

Wenn es um die WM geht, dann sollen wir anscheinend alle ein Volk, eine Mannschaft, ein Bundestrainer sein. Und wenn’s nach Herrn Kerner geht am besten auch noch eine Geflügelwurst.

Bilder vom Eurovision Song Contest Kyiv 2005

Ich habe mal noch ein paar Fotos vom Grand Prix in Kiew letztes Jahr nachgeflickrt, die teilweise auch hier schon veröffentlicht worden waren: Eurovision Song Contest Kiev 2005

SurfGuard en Corse

Gerade festgemacht: Mitte August geht’s nach Korsika :-)


Bild von cybermat, cc-lizensiert.

Vespaparken

Ist klar: Vor der roten Ampel passt man problemlos zwischen zwei Autos, aber wenn es dann an’s Parken geht, dann ist man plötzlich ein ganzes Auto breit.

Eurovision Song Contest: Ein Blick zurück in Milde

Schauen wir doch einfach mal auf den gerne erhobenen Vorwurf, der Grand Prix sei eine Veranstaltung, bei der nur Sangesplunder von Plastikbands gewinnen könne, indem wir die Top 10 des diesjährigen Wettbewerbs durchgehen:

  1. Lordi: “Hardrock Hallelujah” (Finnland)
    Über Lordi ist nun wirklich das meiste schon gesagt. Jedenfalls steht fest, dass das Song auch von Alice Cooper hätte sein können, schnell ins Ohr geht und auch beim 20. Hören nicht nervt. Ein verdienter Sieger, wenn es auch andere hätte geben können. Aber Lordi bekamen Punkte aus ganz Europa. Nur Monaco (kein Televoting), Armenien (schon im Bett, der Contest begann dort um 0 Uhr Ortszeit) und Albanien (ohne Vokuhila geht da eben nix) vergaben keine Punkte für Lordi.

  2. Dima: “Never let you go” (Russland)
    Um diesen zweiten Platz zu verstehen, muss man einerseits wissen, dass Dima Bilan in seiner Heimat ein großer Popstar ist, der schon letztes Jahre den Music Award von MTV Russia gewann. Der Song ist poppig, eingängig, hat eine paar schöne a-ha-Keyboards (Wer hat behauptet, der Grand Prix sei innovativ?) und wird mit Pathos vorgetragen. Über den Vokuhila kann man natürlich streiten, aber nicht mit Albanern.

  3. Hari Mata Hari: Lejla (Bosnien&Herzegovina)
    Der Sänger, der bürgerlich Hajrudin Varešanović heißt, ist seit 20 Jahren auf dem Balkan ein Megastar. Der Song wurde von Željko Joksimović geschrieben, der schon vor zwei Jahren mit “Lane Moje” für Serbien&Montenegro eine zauberhafte, osteuropäische Ballade zum Grand Prix beitrug. Dass dieser Song als Favorit gehandelt wurde und auch weit oben landete, mag alle jene beruhigen, die beim Grand Prix nur Tanzmäuschen und Inszenierungen vermuten. So ernsthaft, so traurig, fast depressiv, so musikalisch gut, so annähernd bedrohlich inszeniert, und doch so weit vorne: Die Welt ist gerecht.

  4. Mihai Traistariu: “Tornero” (Rumänien)
    Eine Uptempo-Popnummer mit einem Sänger, der fünf Oktaven schafft und das in seinem Song auch mit ein paar Kieksern demonstrierte. Nicht mein Favorit, aber kein schlechter Song.

  5. Carola: “Invincible” (Schweden)
    Klassischer Abba-Pop von einer Sängerin, die in Schweden seit über 20 Jahren Top of the Pops ist und jederzeit weiß, an welcher Kamera das rote Licht leuchtet. Hätte ich mir persönlichweiter hinten gewünscht, war aber einfach ein guter Showact mit einem soliden Song.

  6. LT United: “We Are the Winners” (Litauen)
    Brauchen wir nicht drüber reden. Mit einer Kaspernummer kommt man immer auf einen Platz zwischen 5 und 10, das ist selbst Alf Poier für Österreich gelungen.

  7. Tina Karol: “Show me your love” (Ukraine)
    Davon schweigen wir ebenfalls. Mit Silikon und einem Komplett-Rip-Off des letzten Siegertitels schafft man’s halt auch in die Top 10.

  8. Andre: “Without your love” (Armenien)
    Vielleicht sogar die größere Überraschung als der Sieg Finnland: Eines der kleinsten, jedenfalls das östlichste der teilnehmenden Länder, zum ersten mal überhaupt beim Eurovision Song Contest dabei, schafft es mit einer fetzigen Discopopnummer mit arabischen Einschlägen gleich in die Top 10. Sehr verdient, weil der Song einfach nach vorne geht und hüpfbar ist.

  9. Anna Vissi: “Everything” (Griechenland)
    Gleich danach die wahrscheinlich größte Enttäuschung des Wettbewerbs. Die Griechen hatten sich eine Menge ausgerechnet, und man kann verstehen warum. Wäre dieser Song vor 10 Jahren von Aerosmith oder Bon Jovi mit ein bisschen rauerer Stimme und weiter nach vorne gemischten Gitarren gekommen, die Charts hätten sich überschlagen. Natürlich ist das Lied heutzutage ein bisschen beliebig, aber darum ging es in Pop und Schlager noch nie.

  10. Brian Kennedy: “Every song is a cry for love” (Irland)
    Der Song ist nach einem paar Mal hören zu einem meiner diesjährigen Grand-Prix-Lieblingslieder geworden. Leider überdreht Kennedy, in Irland ein Star und schon mit Van Morrison auf Tour gewesen, die Pathosschraube eine halbe Umdrehung. besonders das einbeinige Niederknien während seines Auftritts war echt zuviel. Aber mit solchen Songs muss Irland nicht bange sein, da kann die goldene Zeit bald zurück kommen.

Natürlich ist jedes von diesen Liedern einfach nur Pop und setzt keinen Trend. Aber dafür war der Grand Prix noch nie da. Abba waren die einzigen, die es schafften, nach ihrem Grand-Prix-Auftritt die Musikwelt zu beeinflussen.

Noch zwei Sätze zum wieder schlechten Abschneiden der “großen Vier”: Deutschland (15.), UK (19.), Spanien (20.) und Frankreich (22.) landeten wieder ganz hinten. Und womit? Mit Recht! Das war einfach luschig, inklusive Texas Lightning, hatte an keiner Stelle den Wumms den man haben muss, um nach einmaligem Hören von Millionen Menschen gewählt zu werden. Jörn Wöbse holt im “Tagesspiegel” ein bisschen weiter aus: Piep, piep, piep, keiner hat uns lieb!

Seit gestern aber ist mir um den Grand Prix nicht mehr bange, trotzdem Lordi mit Sicherheit missverstanden werden. Ich fuhr mit der Straßenbahn, und da standen zwei 18-Jährige, Junge und Mädchen, beide betont hip angezogen. Sie bauchfrei, er mit cooler Schiebermütze. Sie: “Haste den Grand Prix gesehen?” Er: “Klar!”. Sie: “War ja wohl alles scheiße, oder?” Und anschließend lästerten sie 5 Minuten über jedes Detail der Show und des Kommentars von Peter Urban.

Der Eurovision Song Contest ist und bleibt eben der McDonald’s der Fernsehunterhaltung. Es könnte schlimmer kommen.

Lordi: Band ohne doppelten Boden

Finnland also. Wie schlimm ist es eigentlich für wen, dass Lordi gewonnen haben? Schlimm für den Contest, schlimm für den Heavy Metal, dem Lordi einen schlechten Namen geben? Meine These war ja, dass noch nie eine Spaßband den Grand Prix gewinnen konnte, weil die Zuschauer nicht sehen wollen, wie die Show auf den Arm genommen wird, für die sie sich gerade drei Stunden Zeit nehmen.

Jetzt scheint es so, als wäre Lordi genau das gelungen: Die Eurovisions-Piraten ziehen sich alberne Masken über und kapern das Flaggschiff der europäischen Fernsehunterhaltung. Das ist zwar nur scheinbar so, doch schlimmerweise werden viele Bands in den nächsten Jahren nur nach dem Schein gehen und den Grand Prix für zum Abschuss freigegeben halten.

In Wirklichkeit sind Lordi eine ernsthafte Band, die eben kein bisschen ironisch ist – ein Missverständnis, dem übrigens auch The Darkness häufiger begegnen. Diese Bands sind, wer sie sind, sie treten als sie selbst auf, wenn auch ihr Bühnenselbst manchmal anders ist als ihr privates. Aber wäre Angela Merkel eine selbstironische Bundeskanzlerin, nur weil sie privat, an Professor Sauer gekuschelt, auch mal “Sissi” guckt? Hätte ein Foul von Matthias Sammer jemals weniger weh getan, nur weil er nach dem Spiel Nicole (ja, die!) im Kopfhörer hatte? Eben!

Lordi sind, wer sie sind. Und sie sind kein bisschen selbstironisch. Bei einer Pressekonferenz wurde die Keyboarderin gefragt, warum sie eigentlich bei der Band XY ausgestiegen sei, um jetzt mit Lordi zu spielen. Sie sagte, dass sie nicht diese Person sei und darum auf die Frage nicht antworten werde. Es gibt bei Lordi kein Doppelbödigkeit. Natürlich macht das Verkleiden interessant, das Eigentlich-ja-doch-jemand-anders-sein. Aber Lordi ziehen ihre Nummer mit wenigstens der gleichen, ja sogar mit einer größeren Ernsthaftigkeit durch als die Gorillaz, wo Damon Albarn immer durchschimmert. Übertroffen werden sie vielleicht nur noch von Michael Jackson, der sich die Maske wirklich ins Fleisch schneiden ließ. (Aber da sind auch mir, wie verschiedentlich geschrieben wurde, Künstler lieber, die das Silikon über der Haut tragen.)

Und Iron Maiden haben sich eben nur nie getraut, selbst Eddie zu sein.

Mr. Lordi

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