Ein Patent auf’s Einkaufen
Warum dürfen eigentlich so oft erst die höchsten Richter gesunden Menschenverstand anwenden, anstatt sich hinter kleinstteiliger Paragraphenauslegerei zu verschanzen? Supreme Court hears eBay’s patent appeal:
During oral arguments that lasted about an hour, Justice Stephen Breyer suggested that if eBay’s “Buy it Now” feature could be patented, “then maybe A&P could patent its process for a supermarket.”
Bundesliga AG
Kompakter kann man’s nicht darstellen, darum hier nur ein Link zu allesaussersport: Bundesliga-TV 2.0. Hoch spannend, das Ganze!
Um es sich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen: die DFL vergibt die Pay-TV-Rechte an einen Partner, von dem sie später Anteile erwerben will.
Dagegen ist die Deutschland AG ja ein müder Wirtschaftspups, schließlich geht’s hier um was viel wichtigeres als Geld: Fußball.
Old-School-Blogging
Bei elle kann man lernen, wie Blogging früher ging.
Ich habe selbst auch noch einen Ordner (ja, so Leitz) mit Zeitungsausrissen im Regal stehen. Eine Weile zu Beginn der 90er habe ich Zeitungs- und Zeitschriftenartikel ausgerissen und aufgehoben, von denen ich meinte, dass ich sie irgendwann mal wieder lesen wollte. Den Anfang machte der “Anschwellende Bocksgesang” (PDF) von Botho Strauß im Spiegel. Den hatte ich in meinem Spiegel-Aboexemplar gelesen und turnusmäßig weggeworfen. Einige Wochen drauf geriet ich, wir waren Studenten und wussten es nicht besser, mit einem Freund in eine heftige Diskussion darüber, was der Herr Strauß denn wirklich gemeint und geschrieben habe. Wie der Rest der Republik übrigens auch. Daraufhin besorgte ich mir die inzwischen alte Spiegelausgabe irgendwo, erwarb einen Leitzordner, machte zwei Löcher in den Bocksgesang und wusste, dass anschließend die Beweissicherheit auf meiner Seite war.
Ich heftete anschließend bis 1998 die unteschiedlichsten Artikel zusammen, nicht viele pro Jahr: “Großbritannien trauert um Prinzessin Diana”, einen Nachruf auf Jurek Becker (nie ein Buch von ihm gelesen), eine Filmkritik zu “Leaving Las Vegas”, ein Spiegel-Sonderheft “D@as Netz”, einen Rückblick auf die Nürnberger Prozesse, ein Interview mit Gorbi über seine Rolle bei der deutschen Einheit, einen Artikel zum Kruzifix-Urteil, einen allerersten Artikel über die Rechtschreibreform. Es endet mit einer Sonderpublikation zur Schröder-Wahl 1998. Erstaunlicherweise half mir das Lochen von Papier beim Merken. Was in dem Ordner ist, das weiß ich größtenteils auch heute noch.
Bis heute habe ich mich aber nicht getraut, den Ordner zu vernichten, obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr hinein gesehen habe. So sehr habe ich mit meiner Zeit als Twen einfach noch nicht abgeschlossen. Und wenn ich die Artikel nicht nur gelocht sondern so liebevoll collagiert und kommentiert hätte wie elles Mutter, dann käme das sowieso nicht in Frage.
Schneller wie der Zwiebelfisch
Ich schwor kürzlich dem öffentlichen Sprachkritikastertum ab. Heute bestärkt mich der Zwiebelfisch in dieser Entscheidung. Ich meine, wenn jetzt sogar schon ich hier dem großen SpOn ein knappes Jahr voraus bin im Setzen von aktuellen Sprachkritiktrends…?
Aliquid semper haeret
Ach je… Ich wusste schon, warum ich dazu nichts gebloggt habe. Irgendwie war klar, dass hier nur eine Lose-Lose-Situation (lies: luhs-luhs-sitjuäischen) entstehen kann. Was spätestens jetzt offensichtlich wird, wo alle Parteien anfangen, darüber zu schreiben, was sie mit dem, was sie ursprünglich geschrieben hatten, eigentlich gemeint hatten oder nicht.
Irgendwas bleibt immer hängen – und zwar an allen Beteiligten.
Aaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhh
Kein ish-Digitalkabelanschluss, kein arena, keine Live-Bundesliga 06/07.

Hausverwaltung und Wohnungseigentümer sind schon informiert. So geht das doch nicht.
Musik-WM-Achtelfinale: Eine Vorschau
Die Achtelfinals in Andreas’ Musik-WM stehen fest:
A1: Element of Crime – Madsen =
A2: Klee – Kettcar =
A3: Funny van Dannen – Samy Deluxe =
A4: 2raumwohnung – Die Toten Hosen =
A5: Mia. – Muff Potter =
A6: Tocotronic – Juli =
A7: Spillsbury – Die Fantastischen Vier =
A8: Die Ärzte – Sido =
Also, ohne Fettes Brot, Tomte und Rosenstolz, alle in der Vorrunde ausgeschieden, fehlt da irgendwie das Holland-Deutschland-Pendant.
Klee-Kettcar ist eindeutig mehr Norwegen-Schweden: sympathische Länder mit solidem Fußballniveau, die aber nur wenigen wirklich wichtig sind.
Und 2raumwohnung-Die Toten Hosen wäre eher Südkorea-Türkei: sympathischer Underdog gegen technisch versierte Brutalotruppe.
Spillsbury-Fanta4 passt wohl am besten zu Spanien-Südkorea: Die technisch überlegene Truppe glaubt, dass sie schon gewonnen haben, werden dann aber von leicht eklektischen Exoten um den Sieg gebracht werden, ohne dass die eine blasse Chance auf den Turniererfolg hätten.
Am höchsten wird es dann vielleicht noch beim ersten Match hergehen, Element of Crime-Madsen, dessen Spielverlauf ich mir analog zu Frankreich-England vorstelle: schöngeistige Nulltoreschießer gegen Bulldoggen auf Grasnabenhöhe.
Bleibt nur die Frage, wer Brasilien ist?
80 Mio. Schlaubischlümpfe
Die Times berichtet, dass die Deutschen die intelligentesten Europäer sind. Wenn jetzt noch die Zahl der gewonnen Fußballwelt- und -europameisterschaften eingerechnet würde, dann wüssten auch die Holländer endgültig, wo der Hammer hängt.
via IT&W
“Europa für Anfänger”
Kleiner Theatertipp: Europa für Anfänger – Ein Abend mit Türke im Kölner Schauspielhaus. Erstaunlich, wie viel politische Botschaft, wenn auch teils ein bisschen platte, man in einen Musicalabend stecken kann.
Zwei Dinge haben mir besonders gut gefallen:
- Der offensichtliche Wille des Regisseurs, bekannte Musikstücke ganz wie Tarantino außerhalb ihres eigentlichen Kontextes so zu verwenden, dass sie ein für alle Mal verbrannt sind. (Man denke an die Verwendung von “Stuck in the middle with you” (Real-Player-Link) in der berühmten Folterszene in “Reservoir Dogs”.) Vergleichbar wird in “Europa für Anfänger” der Elvisklassiker “Blue Suede Shoes” geprägt. Wenn die Amibraut den bösen Moslem nach einer minutenlangen Hetzjagd endlich gestellt hat und ihm die Bazooka direkt vor die Nase hält, und der sie flehend ansingt: “You can knock me down, step in my face, slander my name all over the place. Do anything that you want to do, but uh-uh honey lay off of my shoes, Dont step on my blue suede shoes” – dann ist das schon ein echter Vollkracher. Und niemals wieder wird man sich den Song ohne Bazooka vor dem geistigen Auge anhören können.
- Sehr beeindruckend außerdem die Präzision, mit der die acht Sänger im großen Schlusschor “We Are The World” nicht einfach nur singen, sondern auch die einzelnen Stimmen der zahllosen Originalinterpreten imitieren. Ich hatte mir die Scheibe seinerzeit als Maxi geholt und circa einen Monat lang nonstop gehört (und mein Plattenspieler hatte kein Auto-Repeat…). Ich weiß genau, welcher Künstler an welcher Stelle singt, und die Interpretation gestern parodierte jeden Einzelnen auf das Lustigste. Und nicht etwa nur Cyndie Lauper, auch wenn die natürlich am dankbarsten ist.
Unterm Strich: Stehende Ovationen (leicht übertrieben), aber jedenfalls zwei Stunden ganz große, gleichzeitig leichte und politische Unterhaltung.
Geschäftsidee für die Musikindustrie: Double Bass ‘Hung Up’ mit einem Extraspritzer Höhen
In meinem Badezimmer steht ein Ghettoblaster. Ich finde, wenn ein Raum schon keine Fenster und morgendliches Vogelgezwitscher hat, dann braucht er, außer einem ventilatorgestützten Abzug, wenigstens auch Musik. Das Gerät ist so ein klassisches Old-School-Teil, wo noch eine Kassette reingeht (übrigens dieses Modell: Grundig RRCD 3400). Es steht auf der Waschmaschine, allerdings nicht mehr, wenn die in Betrieb ist, nachdem der letzte Blaster bereits nach drei Jahren deutliche Spurfindungsprobleme entwickelte. Außer Kassette kann der Player natürlich auch CDs, sogar MP3-CD-ROMs.
Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit dem Gerät. Jetzt aber das Erstaunliche: Es gibt für CDs kein Rewind. Richtig gelesen: Man kann auf einer CD nicht innerhalb eines Lieds ein paar Sekunden zurückspulen, lediglich an den Anfang des Stücks zurückspringen. (Fast Forward ist allerdings da.)
Es ist mir relativ unerklärlich, wie man so ein Feature, das seit bald einem Jahrhundert zum Standardfeatureset von Musikwiedergabegeräten gehört, einfach vergessen könnte. Deswegen kann ich mir eigentlich nur vorstellen, dass es absichtlich weggelassen wurde.
Der Grund für dieses Weglassen erschließt sich allerdings relativ flott. Mit der Zunahme von Wiedergabekanälen und Kopiermöglichkeiten hat die Musikindustrie ja damit begonnen, Einzelleistungen separat verkaufen zu wollen, von denen man bislang glaubte, sie seien im Kaufpreis einer CD enthalten. Das Recht auf die Privatkopie zum Beispiel. Oder das Recht, die CD auch im Auto zu hören.
Die sich daraus ergebende Geschätsidee wurde mir mit einem Schlag offenbar, als ich vorhin auf dem Weg ins Büro den Starbucks passierte: Komplette Vollfragmentierung aller verfügbaren Features jedes einzelnen Songs. Was sollte schließlich dagegen sprechen, dass der Kunden in ein paar Jahren “einmal Madonnas Double Bass ‘Hung Up’ mit Dolby und Rewind, ohne MP3, dreimal kopierbar und mit einem Extraspritzer Höhen bitte” bestellt? “Einmal die neue Morrissey ohne alles zum Hierhören” gibt’s dafür umsonst, bereits heute.
Und dann wundern die sich noch, warum die Umsätze sinken, wenn solche Hammergeschäftsideen ungenutzt bleiben.

