Sakrileg vor Gericht
Schöner, süffisant geschriebener Artikel in der Times über den ersten Tag im Prozess gegen Dan Brown wegen angeblicher Kopierrechtsverletzung: Rival writers start last chapter in war of words over Da Vinci Code
It is not as though Brown has simply lifted a discrete series of raw facts from HBHG. He has lifted the connections that join the points up.
Mr Rayer-James [der Anwalt der Kläger] went on about levels of abstraction as though he were talking about drawing water from an aquifer [=eine wasserführende Erdschicht].
St. Karneval
Aktuelle Berichterstattung meiner Schwester aus Hannover:
Da stehe ich in der Bäckerei, kommen zwei verkleidete Kinder rein und singen: “Bin ein kleiner König, gib nicht zu wenig”, kriegen je ein Brötchen in ihren Beutel und lassen mich erschüttert zurück. Da kann Pisa nicht besser werden!
Nur, falls sich irgendwer gefragt hat, wieso wir den Dom in Kölle lassen.
Hype ist…
…wenn eine Band innerhalb eines halben Jahres erst im kleinsten, dann im mittlersten und schließlich im größten Club der Stadt spielt. Verrückt.
Und soooo spielt ein Absteiger…
Vor einem knappen Jahr geschrieben, noch in der vergangenen Saison: Warum der 1. FC Köln Fahrstuhlmannschaft bleiben wird.
Und so wird es dem Effzeh gehen wie immer. Man glaubt, dass man die Meilensteine erreichen wird, ohne zu wissen wie – einfach weil’s schon gut gehen wird. Und dann passiert gar nix und man steigt verwundert wieder ab. Mark my words!
Heute 0:3 gegen Leverkusen, sechs Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz. Da geht natürlich immer noch was, aber die “Vision” von Wolle Overath hat sich wohl erledigt, sag ich schon mal.
…and your gigs for free?
Ich glaube, ich verstehe irgendwas nicht an der Forderung von Telekom-Chef Ricke:
Große Web-Unternehmen sollen in Zukunft für die Nutzung des Telekom-Netzes zahlen. “Es kann nicht sein, dass die Telekom investiert und andere davon profitieren”, sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke.
Soll das heißen, dass Google und andere große Content-/Service-Anbieter ihre Infrastruktur und ihren Traffic umsonst bekommen?
Der iBusiness-Newsletter schreibt zu dem Thema:
Gegner wie Google dagegen befürchten, dass solche Pläne die “Internet-Neutralität” bedrohen. Schließlich, so die Begründung, kann dann nicht mehr jeder seine Online-Services anbieten. Sondern nur noch der, der auch dafür bezahlt.
Äh, naja, also wenn ich ein Internetangebot ins Netz stellen möchte, dann brauche ich einen Provider. Der Provider braucht einen Internetzugang, im Zweifel einen Backbone-Anschluss. Für den bezahlt er und berechnet mir diese Kosten weiter (oder eben auch nicht, wenn er sich anders entscheidet/finanziert).
Sprich: Auch heute ist es keineswegs kostenlos, Inhalte anzubieten, im Gegenteil verlangen ISPs von großen Anbietern dafür teilweise deutlich fühlbare Kosten, die bereits jetzt eine relevante Rolle bei der Entscheidung für oder wider das Anbieten bestimmter, besonders bandbreitenintensiver Inhalte spielen.
Oder verpasse ich da was?
Pointen ins Nichts
Wieder so eine Pointe, die kein Mensch versteht, dafür mit “schigger” aber ein zauberhaftes neues Wort erfunden: gliz @ zwarwald. (Wie heißen denn diese Worte, die im Comic daneben stehen, wenn einer eine Bewegung macht, also etwa “knirsch” oder “zappel” oder “wipp”, und hat sich um die nicht Erika Fuchs verdient gemacht?)
Kann man jedenfalls gar nicht genug loben. Fragt sich nur, warum es erst acht Bloglines-Abonnenten gibt?
Vielleicht kein Zufall ist es…
…wenn nach einer Studiodiskussion über Doping im folgenden Beitrag eine Bobpilotin über ihr unerwartet schlechtes Abschneiden sagt: “Wir sind nicht auf Speed gekommen.”
Internetradio offline?
Vor einiger Zeit wollte ich in dieser illustren Runde noch folgende Frage zum Besten geben:
Wenn man – wie ich – seine Musikinspiration nicht mehr aus dem ‘normalen’ Radio bekommt, weil es nur die zusammengekauften Top20 oder uralte Sachen spielt (und natürlich schon gar nicht aus dem TV), sondern nur noch über hochspezialisierte und informierte Internetradios – wem gibt man dann eigentlich Geld? Den Internetradios oder den Musikgruppen?
Heute lese ich auf laut.de, daß die Phonoverbände fordern, daß Internetradio abgeschafft werden soll. Meine oben gestellte Frage würde damit obsolet: wenn diese Inspirationsquelle versiegt, verdient die Phonoindustrie halt weniger Geld.
Zugegebenerweise höre ich aufgrund meiner unheilbaren Morbus Synthie (vulgo: ‘Progrock Disorder’) insbesondere den amerikanischen Kanal Delicious Agony. Dort hörte ich das erste Mal Bastard von Devin Townsend. Kurz nachdem ich mir daraufhin die erste CD bestellte, gab es bei o.g. laut.de eine Synchestra Rezension, worauf ich mir zwei weitere CDs nachkaufte.
Das nur mal so als typische (?) Geschichte. Um also der Monokultur des Teutschen Radios zu entkommen, müsste ich brav Internet Radio abonnieren _und_ CDs kaufen.
Aber wer weiß – vielleicht ist Internetradio hören demnächst in Deutschland verboten? Wenn man dafür auch noch bezahlt, ist man gar Kollaborateur?
Man kann heutzutage gar nicht vorsichtig genug sein, wie CapK und Henry wissen.
Ich möchte Beil einer Jugendbewegung sein
Vorhin in der wahrscheinlich schlimmsten Theatervorstellung meines Lebens gewesen: Emilia Galotti im Kölner Schauspielhaus.
Nicht genug damit, dass diesem schönen, spannenden, tragischen Stück bewusst jede Emotion genommen wird, dass die Texte fast lustlos runtergeleiert werden, dass Gefühle, wenn sie mal vorkommen, albern überzogen werden.
Nein, das Schlimmste war, dass Emilia Galotti offensichtlich gerade an Kölner Schulen gelesen wird. Ergebnis des Theaterbesuchs von gefühlt 3.000 Schülern: Das Gehuste will das ganze Stück durch kein Ende nehmen, man glaubt noch nicht mal, es dämpfen zu müssen. In der Ecke hinten links wird in einem fort gequatscht – im Theater, wo kein Dolby Surround irgendein Geräusch übertüncht. Nur als ein Herr im hinteren Parkett sich ein Herz fasst und vernehmlich “mal die Fresse halten, da hinten” sagt, ist für genau fünf Minuten Ruhe. Zwischendurch klingelt ein Handy, obwohl vor Vorstellungsbeginn gleich zweimal ausdrücklich ums Ausschalten gebeten wird. Gekichert wird an den unpassendsten Stellen. Und die Girlgang neben mir glaubt, dass ihre geflüsterten Bemerkungen zum Stück witzig sind.
Als ich irgendwann böse rübergucke und darum bitte, die Kommentare auf später zu verschieben, blicke ich in erschrocken aufgerissene Rehaugen. Es wird hastig genickt. Die Kids von heute (jetzt isses soweit, ich bin alt) sind anscheinend völlig selbstvergessen. Sie glauben ernsthaft, dass man sie nicht hört, wenn sie sich zehn Zentimeter neben einem unterhalten. Wenn das so weitergeht, dann muss ich mein Amazon-DVD-Abo demnächst aufstocken.
Ich habe mich selten so beherrschen müssen wie heute, nicht einfach aufzustehen und “Schnauze, Ihr Arschgeigen” durch den Saal zu brüllen.
Katastrophenschutz
Gerade im heute journal den Begriff “Katastrophenschutzgebiet” gehört. Freud holt auch die Journalisten ein.
