Urlaub

Taxi kommt in 5 Minuten, dann kein Blog mehr, nur noch Urlaub. Bis bald!

400-€-Treter

Ich berichtete bereits über die Preiswürdigkeit einer histologischen Untersuchung. Auch Krücken sind mit 30 € vergleichsweise günstig.

Heute flatterte allerdings der bisherige Spitzenreiter ins Haus (Arzt- und Krankenhaushonorare stehen noch aus): Für den “Adipromed”-Spezialschuh, der mir zur Zeit das Gehen auf zwei Beinen überhaupt erst ermöglicht, fordert das Sanitätshaus stolze 400,95 €! Und die Dinger sind nicht mal aus Schlangenleder.

Abgesehen davon, dass man dem Preis ansieht, wie unpolitisch die Preiskalkulation in der Gesundheitsbranche offensichtlich ist (man hätte mit einem klitzekleinen bisschen Anstrengung ja auch noch unter 400 € kommen können), muss ich gleich mal checken, ob’s für die Teile einen grauen Markt bei Ebay gibt.

P.S.: Immerhin ein Adipromed-Schuh wird derzeit bei Ebay angeboten, getragen. Mal abwarten, was die Auktion bringt. Darf man von der Krankenkasse getragene Gerätschaften eigentlich privat weiterverkaufen?

P.P.S.: Voll die Mehrwertsteuer übersehen: Macht dann unterm Strich sogar 465,10  €…

Intelligent Design ist Science Fiction

Nur ein Zitat noch aus den Kitzmiller-Transkripten, weil es wieder ganz hollywoodmäßig zeigt, wie wirkungsvoll der Satz “Keine Fragen mehr, Euer Ehren” sein kann.

Es geht um eine von den ID-Befürwortern behauptete Analogie zwischen Intelligent Design und Archäologie, die in einigen Fragen zuvor vom Anwalt der Anklage komplett aufgebrochen wurde. [Hervorhebung durch mich]

Q. So if the strength of an inference depends on the similarities, this is a pretty weak inference, isn’t it, Dr. Behe?

A. No, I disagree completely. Again if something showed strong marks of design, and even if a human designer could not have made it, then we nonetheless would think that something else had made it. Lots of science fiction movies are based on scenarios like that, and again the, I think the similarities between what we find in designed objects in our everyday world and the complex molecular machinery of the cell have actually a lot more in common than do explosions we see on earth such as cannon balls and so forth and the explosion of an entire universe, and that induction seems to have been fairly successful in trying to explain some features of the world. So I think it’s not at all uncalled for to make a similar induction in this case.

Q. Science fiction movies are not science, are they, Professor Behe?

A. That’s correct, they are not. But they certainly try to base themselves on what their audience would consider plausible within the genre, so they can offer useful illustrations at some points, for some points.

MR. ROTHSCHILD: I have no further questions, Your Honor.

Frohe Weihnachten :-)

Busted

Es macht wirklich großen Spaß, einen Blick in die Transkripte des Intelligent-Design-Prozesses Kitzmiller vs. Dover zu werfen (wir berichteten). Naturgemäß, es war ein 6-wöchiger Prozess, ist da eine MENGE Text zusammen gekommen. Aber ein schneller Blick nur in den Beginn der Kreuzbefragung von Michael Behe, einem DER Posterboys der Intelligent-Design-Bewegung, fördert zum Beispiel das folgende Kleinod zu Tage. (Man bedenke, dass ID behauptet, Wissenschaft zu sein und sich ausschließlich wissenschaftlicher Methoden zu bedienen, was zu beweisen Schülern in Dover das Buch Of Pandas and People empfohlen werden sollte.)

Question: But you actually were a critical reviewer of Pandas, correct; that s what it says in the acknowledgments page of the book?

Answer: That s what it lists there, but that does not mean that I critically reviewed the whole book and commented on it in detail, yes.

Q What did you review and comment on, Professor Behe?

A I reviewed the literature concerning blood clotting, and worked with the editor on the section that became the blood clotting system. So I was principally responsible for that section.

Q So you were reviewing your own work?

A I was helping review or helping edit or helping write the section on blood clotting.

Q Which was your own contribution?

A That s — yes, that s correct.

Q That s not typically how the term “critical review” is used; would you agree with that?

A Yeah, that s correct.

Und nur wenige Seiten weiter wird’s noch besser:

Q [...]Mr. Buell is asked, “Who are the authors of Design of Life as you understand it?” And can you read his answer?

A He says, “Kenyon, Davis, Dembski, Behe and Wells, Jonathan Wells.”

Q So Mr. Buell thinks you re an author too?

A That s correct. I think he s working under the same impression as Bill, that he wanted to get together that he wanted to get together people who were most involved with the intelligent design movement to have a book which would be authored by them. And again, I told them that right now I was too busy. I told them that a couple years ago. But I said that perhaps in the future I could be involved.

Q Mr. Behe, this statement is false, isn t it?

A I m sorry?

Q The statement is false, isn t it?

A What statement is that?

Q The statement that you re an author, and Mr. Dembski s statement is false too, isn t it?

A That s not what it says on the screen, sir. It says, “Who are the authors of Design of Life as you understand it?” And the way I read that is that he s seeing into the future and seeing when this actually will be published and anticipating that I will participate in the publication of the book at that point.

Q Seeing into the future is one of the powers of the intelligent design movement?

A I think –

MR. MUISE: Objection, argumentative.

MR. ROTHSCHILD: I ll withdraw it, Your Honor.

Ganz großes Kino, buchstäblich.

Bad Santa

Sorry, ich konnte mir nicht helfen:

Kleiner Lesebericht: “Die Stadt der Träumenden Bücher”

So, wie befohlen habe ich zuletzt dem Moers Walter seine “Stadt der Träumenden Bücher” gelesen. Seinerzeit hatte ich mich verpflichtet, hier einen kleinen Lesebericht abzugeben. Sodenn:

Nachdem ich mit den Träumenden Büchern meinen ersten Moers-Roman gelesen habe, muss ich mich schon schwer wundern: Warum in Dreiteufelsnamen wird jedes Moers-Buch von halb Deutschland verschlungen? Dem Buch fehlt bis auf die Schlusspassage jede Spannung, die über mehr als wenige Seiten trägt. Ständig wird irgendeine neue Sau durch’s Buch getrieben – Hauptsache, sie hat mehr als vier Beine, weniger als zwei Augen und macht ein Geräusch, das man mit einer neuen Worterfindung befußnoten kann. So sammelt Moers zwar Fantasie-Fleißpunkte, kann aber mehr schlecht als recht verdecken, dass er bis auf das nimmermüde Erfinden von Wesen und Szenarien von Spannungsbögen so wenig versteht wie der große FC Bayern im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld.

Dass Moers seinen Ich-Erzähler die verwendeten, billigen Erzähltricks gerne selbst aufdecken lässt, ist wahrscheinlich ironisch gemeint. Tatsache ist aber, dass er der Erzählung dadurch keine Meta-Ebene hinzugefügt, sondern lediglich die einzig vorhandene diskreditiert – und zwar zu Recht.

Denn da versucht einer schlicht und einfach Klasse (Spannung! Wahrheit!) durch Masse (Fantasie… Sonderdruck-Seiten…) zu ersetzen. Gegen ein wirklich spannendes Buch kacken die Träumenden Bücher genauso ab wie die SAT-1-Aufführung von “Urmel aus dem Eis” gegen “Alien”.

Das Beste, was ich über das Buch sagen kann, ist dass die Kapitel genau so lang gehalten sind, wie ihre Ideen tragen: also seeeehr kurz. “Die Stadt der Träumenden Bücher” taugt damit immerhin hervorragend zur Krankenhaus- und Badewannenlektüre: Immer genau dann, wenn einem die Arme müde werden, kann man das Buch beiseite legen. Schließlich versucht einen mit Sicherheit keine Handlung dazu, das nächste Kapitel unbedingt noch anlesen zu wollen.

Muss der Erfolg von Moers andererseits wirklich wundern? Ein Bummel über den Weihnachtsmarkt oder das Studium von Konzertpreisen lehren schließlich auch, dass Kunsthandwerk in Deutschland deutlich lieber genommen wird als Kunst. Und “Die Stadt der Träumenden Bücher” ist zutiefst Kunsthandwerk: Alles bleibt an der “fantasievollen” und handwerklich äußerst professionell geschnitzten Oberfläche, aber nichts davon berührt wirklich.

Wenn ich ein wirklich gutes Buch über Bücher lesen möchte, dann greife ich aber auch in Zukunft wieder zu Paul Austers “Nacht des Orakels”. Wenn ich ein gutes Buch über Gemetzel lesen möchte, dann bleibe ich bei James Ellroy. Wenn ich detaillierte Szenarien ohne viel Handlung lesen möchte, dann nehme ich wieder John Updikes Rabbit-Bücher. Wenn ich “überbordende Fantasie” haben möchte, dann doch John Irving. Und wenn es denn schon unbedingt Fantasie-Wesen sein müssen, dann bleibe ich beim Herrn der Ringe oder von mir aus noch bei der Unendlichen Geschichte.

Aber bleibt mir mit dieser rückstandsfrei weglesbaren Gebrauchsliteratur weg.

P.S.: Verrisse machen doch immer noch am meisten Spaß. Vielleicht sollte ich mir das nächste Buch doch wieder von euch empfehlen lassen, geneigte Leser :-))
P.P.S.: Und nimm’s nicht persönlich, prisac!

Billiger ist besser

Das Schöne ist ja: Je besser die Musik ist, die man hört, desto billiger kann sie in der Regel live sehen. Beispiel gefällig? Die einzigen derzeit für den Prime Club (i.e. Ex-Luxor) angekündigten Konzerte, die über 20 € Eintritt kosten, sind John Cale (na gut, der Mann hat es sich aber auch seit 40 Jahren verdient) und… …Marc Terenzi. 25 Gold verlangt der Mann von einem Publikum, das dafür wahrscheinlich zwei Monate auf Klingeltöne verzichten und sich die Schmach antun muss, sich von Mama vom Konzert abholen (wenn nicht sogar begleiten) zu lassen.

Die Engel des Intelligent Designs

Das Kitzmiller-Urteil in Sachen “Intelligent Design” scheint, nachdem es zunächst wilden Aufruhr in den ID-Reihen und ausgelassenen Jubel bei den Evolutionisten ausgelöst hat, eine ernüchternde Wirkung zu haben. William Dembski, einer der führenden ID-Protagonisten, verschiebt beispielsweise in seinem Blog die Frontlinie zwischen ID/Kreationismus und Wissenschaft weiter in Richtung Gott:

Is the designer responsible for biological complexity God? Even as a very traditional Christian and an ardent proponent of ID, I would say NOT NECESSARILY. To ask who or what is the designer of a particular object is to ask for the immediate intelligent agent responsible for its design. The point is that God is able to work through derived or surrogate intelligences, which can be anything from angels to organizing principles embedded in nature.

OK: Gott, als ein möglicher intelligenter Designer, bewirkt die Schöpfung durch seine Engel oder indem er die Natur eben so gemacht hat, wie sie ist, und sie anschließend sich selbst überlässt. Das ist meilenweit entfernt von der Position, die im “Lehrbuch” Of Pandas and People vertreten wird, gerade dessen Empfehlung vor Gericht strittig war – dass nämlich “Fische mit Flossen, Vögel mit Federn, Schnäbeln und Flügeln abrupt in die Welt traten.

Auf Dembskis neue Position können sich wahrscheinlich alle einigen, die keine strikt atheistische Position vertreten. Und bald können wir ID dann auch wieder Kreationismus nennen und weiter im Religionsunterricht und der Sonntagsschule lehren, wo er in guten Händen ist.

Ist ja schließlich Weihnachten, da kann man sich mal ein bisschen lieb haben.

Original-WM-Lose

Ab 50.000 € kann man bis Sonntag um 18:00 Uhr dabei sein und um das Original-Loszettelchen Deutschlands aus der WM-Gruppenziehung mitbieten. Derzeit steht das Höchstgebot bei 48.500 Tacken. Die anderen Lose gibt’s teilweise deutlich günstiger, Togo steht zurzeit bei 100,90 €.

Arsch kalt

Perfekt: Die KVB haben gerade noch rechtzeitig zum Winteranfang die aus Plastik gefertigten Wartebänke an den Straßenbahnhaltestellen gegen solche aus Metall ausgetauscht. Da Stahl ungefähr die 500-fache Wärmeleitfähigkeit von Plastik hat, wird einem der Arsch jetzt so richtig kalt. Alles Schildbürger.

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