Spanien, Italien, Spitalien

Wenn man doch schon ach so lange auf den “Final” wartet, dann könnte man wenigstens die ersten drei Worte der selbstverlinkten Meldung lesen. Da steht völlig korrekt:

Der spanische Telekommunikationsriese Telefonica schluckt den britischen Konkurrenten O2.

Dass die Telefonica die spanische “Ma Bell” ist, könnte man auch so noch wissen, wenn man sich für Wirtschaft interessiert. Manche sehen das aber anders:

…nun geht 02 für 26,1 Milliarden Euro nach Italien.

Gruselige Globalisierung

Scheint so, als seien die Programmacher beim ZDF Fortschritts- und Globalisierungsgegner, wenn ich mir das Programm der langen Gruselnacht so ansehe:

  • 23.55 Die lange Gruselnacht – Schauriges an Halloween
  • 01.55 heute
  • 02.00 King Kong und die weiße Frau
  • 03.35 neues
    Schöner wohnen mit Design-PCs u.a.
  • 04.05 heute
  • 04.10 Vor 30 Jahren – Die Chinesen kommen
  • 05.05 Global Vision

Erst Design-PCs, dann die gelbe Gefahr und schließlich auch noch globale Visionen, wo man doch schon wegen deren normaler Spielart laut Helmut Schmidt zum Arzt gehen soll: Da kann einem aber auch wirklich ein Schauer den Rücken runterlaufen.

Die Taschen voll

Ein Lehrbeispiel für die Gefährlichkeit von Incentives. Ulirich Schumacher, Ex-Chef von Infineon, gibt heute im Interview mit dem Tagesspiegel indirekt zu, über Treuhänder mehr Aktien gekauft zu haben, als er zum Börsengang bekommen sollte:

Frage: Hat denn ein Treuhänder – die Rede ist von Ihrem damaligen Vorstandskollegen Peter Bauer – Aktien für Sie gekauft?

Schumacher: Es ist auch nach Meinung von Aktienrechtlern nicht angreifbar, dass Teilnehmer eines „Friends-and-Familiy“-Programms Aktien treuhänderisch für andere halten, wenn sie ihre eigene Quote nicht ausschöpfen. [...] Die Aktien wurden nicht innerhalb der Spekulationsfrist verkauft. Ich habe alle Einnahmen beim Verkauf eigener Aktien korrekt versteuert.

Selbst falls steuerlich alles korrekt zugegangen ist, betont die FTD doch, dass Schumacher wenigstens gegen den Geist der Aktienausgabe evrstoßen hat:

“Das war alles mit dem Aufsichtsrat abgesprochen”, heißt es aus Schumachers Umfeld. Aus dem Infineon-Kontrollgremium verlautet das Gegenteil: Der damalige Aufsichtsratschef Volker Jung habe Wert darauf gelegt, dass sich Infineons Topleute nicht “die Taschen voll schaufeln”.

Das ist zwar löblich, man hätte aber auch etwas strikter kontrollieren oder Treuhändermodelle von vornherein untersagen können.

Denn wenn der Chef des Unternehmens große Aktienanteile besitzt, dann besteht immer die Gefahr, dass er ausschließlich auf den Shareholder-Value Wert legt, den Aktienwert des Unternehmens in die Höhe treibt, dann verkauft und kein interesse an der langfristige Entwicklung des Unternehmens hat. Gerade neulich las ich, dass unter den erfolgreichsten Unternehmen Deutschlands außergewöhnlich viele privat geführte sind, die der Öffentlichkeit oder ihren Shareholdern keine Rechenschaft schuldig sind. Die Quelle muss ich unbedingt noch mal recherchieren.

Von der Sowjetunion lernen

Demokratie ist schon scheiße. Warum dem Präsidiumspack zwei Alternativen zur Wahl stellen? Am Ende stimmt es noch gegen den vom Chef als Generalsekretär vorgesehen Kandidaten:

Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner [...] warnte vor einer Kampfabstimmung im SPD-Vorstand. “Das ist schlecht für alle Beteiligten und damit für die SPD. Nahles sollte uns das ersparen”, sagte sie dem Blatt.

Der Sprecher der zum rechten SPD-Flügel gezählten Seeheimer, Johannes Kahrs, brachte einen möglichen Rücktritt Münteferings nach einer Abstimmungsniederlage ins Spiel.

Nur, dass ich das richtig verstehe: Es ist also gut möglich, dass das SPD-Präsidium den von Münte vorgeschlagenen Kandidaten ablehnt. Deswegen wird aber nicht der Kandidat aus dem Weg geräumt, sondern seine Opposition.

Wo soll das Problem sein? Sonst beschweren sich doch immer alle, dass die Wessis von den Ossis nichts lernen wollen.

Keine Gewalt

Man ist ja so wehrlos. Gerade saß ich vor meinem Schneider Prime Timer und wollte für heute Abend Minority Report einprogrammieren, als das Gerät auf alles gute Zusprechen mit der Fernbedienung keinen Mucks machte und einfach nicht ansprang. Nun hat der Prime Timer nicht irgendwo am Gerät ein Bedienpanel, mit dem man ausprobieren könnte, ob die Fernbedienung oder das Gerät spinnt. An den Batterien konnte es nicht liegen, da die gleiche Fernbedienung den Fernseher in ihrem TV-Modus immer noch wunderbar lenkte.

Und auf einmal fühlt man sich ziemlich alleine, mit einem blöden Stück schwarzen Plastiks in der Hand, dessen Knöpfe man verzweifelt drückt, obwohl man genau weiß, dass dem zehnten Versuch nicht mehr Erfolg beschieden sein wird als dem neunten. Und keine Stelle, an der man einfach mal Gewalt anwenden könnte…

Ich erinnerte mich dann an den Trost meiner Kollegin Ilga, mit der ich ein gutes Jahr in einem Büro saß. Die rief ihrem Computer immer zu, wenn er wieder mal garstig zu ihr war: “Am Ende des Tages kann ich dir immer noch den Stecker rausziehen, Miststück!”

Gesagt, getan, geholfen. Hatte sich anscheinend nur an einem Bit verschluckt, der gute Prime Timer. Jetzt zirpt seine Festplatte wieder sanft wie eine Hausgrille.

Reinhold Beckmann, du bist der Nächste!

One down, one to go.

Aserbaidschanische Ölarbeiter in Schwerin

Die Süddeutsche veröffentlicht heute die Lösung all meiner Probleme mit nervendem Kinopublikum: Mitten in Schwerin (leider nur für E-Paper-Abonnenten):

Mein Hobby? Ich sammle leere Kinos. Genauer gesagt: Ich sammle Vorstellungen, bei denen ich der einzige Besucher bin. [...] In Hannover und Düsseldorf, München oder Hamburg muss der leere Kino-Sammler eine 15-Uhr-Vorstellung an einem brütend heißen Julitag ansteuern, in der eine Dokumentation über aserbaidschanische Ölarbeiter gezeigt wird – in Originalfassung. Schwerin macht es ihm leichter.

Stimmt schon, man muss auch Opfer bringen können, aber gleich Schwerin? Erfreulicherweise räumt die Glosse aber mit einem Vorurteil auf:

Der Leere-Kino-Sammler ist alles andere als ein Misantroph. Solange das Publikum Disziplin zeigt, fühlt er sich selbst in ausverkauften Kinosälen wohl.

Zur Sicherheit bin ich gerade aber mal probeweise Mitglied bei Amazons neuem DVD-Verleih nach netflix-Vorbild geworden. 9,90 € pro Monat und vom ersten Tag an zum Monatsende kündbar.

Heute abend werde ich mich aber auch ins Kino wagen, “A History of Violence”. In der Spätvorstellung sind erfahrungsgemäß deutlich weniger Arschlöcher unterwegs.

000 000

Was für Jacketts tragen Menschen, die für den Weg ins Büro mit der U-Bahn das Zahlenschloss ihres Aktenkoffers präzise auf 000 000 stellen, anstatt die Ziffern einfach irgendwie zu verdrehen? Richtig: Pepitamuster, senfgelb.

Sex sells wohl doch noch

Der SZ hatte heute eine Sonderbeilage. Gemeinsam u.a mit der w&v und dem Kontakter gab es ein Heft über “Die neue Ehrlichkeit – Werbung zeigt weit mehr als nur Produkte. Sie ist ein Bild unserer Zeit.”

Entsprechend programmatisch eröffnet man mit der Story “Zurück zur Natur”, Anreißer “Sex sells? Das war gestern.”

Naja, gut gemeint. Aber 10 Seiten weiter im Heft stellt man fest, dass ein paar Dinge wohl doch noch am besten mit Sex verkauft werden. Titten zum Beispiel.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was das ist: Echte, redaktionelle Freiheit, ganz im Sinne einer Trennung von Inhalt und Werbung? Oder einfach nur der (pardon my French) hinterfotzige Humor der Blattmacher?

Camilla + Charles

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