Genitiv, verzweifelt gesucht

Mal wieder kein schöner Anlass, über Sprache zu richten. Aber dennoch könnten sie in der Publikation des Zwiebelfischs auch den Praktikanten ein bisschen Genitiv beibringen, die am Wochenende Dienst schieben und Überschriften texten müssen:

Nach der Lektüre der Überschrift sucht man erst mal nach der Info, welchen Konvoi der Vize-Regierungschef denn nun angegriffen hat?

Sonntag, 31. Juli 2005

Freitag, 29. Juli 2005

Muss schön sein, wer leiten will?

Bereits vor einigen Wochen musste ich Che2001 und girl für ihr widerwärtig physiognomisches Merkel-Dissing geißeln. Ich finde die Frau ja nun wirklich nicht hübsch, und das darf auch schreiben wer will. Davon aber die Qualifikation zur Kanzlerin abhängig zu machen, das ist historisch betrachtet einfach Quatsch. Der Stern postuliert jetzt sogar: Wer leiten will, muss schön sein, und liefert natürlich gleich den Versuch einer Rechtfertigung:

“Bei einem Mann würden diese Äußerlichkeiten nie so ausgiebig diskutiert”, kritisiert die CDU-Zentrale alle Nachfragen zu Merkels Redesign. Das ist der Totschläger. Und einfach nicht wahr. Ob die Haarfarbe des Kanzlers, ob die Leibesfülle von Joschka Fischer oder Helmut Kohl – Äußerlichkeiten werden auch bei Männern gern besprochen.

Natürlich wird das besprochen. Aber bei all diesen Männern wird ihr Aussehen nicht mit der Fähigkeit zum Leiten in Verbindung gebracht; sie werden dennoch gewählt. Franz Josef Strauß, um das vielleicht beste Beispiel zu nennen, war nun wirklich kein Ausbund von Schönheit, und doch war er Verteidigungsminister, Bundeskanzlerkandidat und lange Jahre bayerischer Ministerpräsident.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich will nicht sagen, dass sich niemand von Äußerlichkeiten leiten lassen dürfe. Das darf jeder tun. Die Geschichte beweist nur, dass solche Motive bei politischen Wahlen de facto hinter einem anderen zurückstehen: dem Motiv, eine Führungspersönlichkeit wählen zu wollen. Und da hat Angela Merkel in der Tat großen Aufholbedarf, und SpOn zweifelt zu Recht daran, ob das unsichere Auftreten von Frau Merkel in Stressituationen sie nicht genauso den Wahlsieg kosten könnte wie seinerzeit Eddi Stoiber. Der erfüllte nämlich auch nur wenige Kriterien, nach denen eine Führungspersönlichkeit beurteilt wird:

Gerne wird in der Kommunikationsforschung die 35 Jahre alte US-Studie zitiert, nach der für die Wirkung einer Botschaft nur zu 7 Prozent deren Inhalt entscheidend ist. 38 Prozent werden über die Stimme transportiert, über Timbre, Sprechgeschwindigkeit und Stimmvolumen. Die weitaus größte Bedeutung, 55 Prozent, misst die Wissenschaft der Körpersprache bei: Atmung, Hautfärbung, Gestik, Mimik.

Und das Verrückte ist: Nur, wer für eine Führungspersönlichkeit gehalten wird, kann auch wirklich eine sein. Angela Merkel ist keine. Sie ist mangels Alternativen an die Spitze der CDU gespült worden – letztlich weil die Führungspersönlichkeit Wolfgang Schäuble sich 1999/2000 in der CDU-Spendenaffäre verstrickte. Angela Merkel wäre eine gute zweite Frau hinter einem Kanzler mit Führungsqualitäten. Sie könnte die Rolle spielen, die Lafontaine unter Schröder zugedacht war. Ihre Klugheit und ihr taktisches Geschick qualifizierten sie dafür.

Aber soll man jetzt Merkel/Westerwelle wählen, also Technokratin und Clown? Oder die gleichen Jungs, die uns sieben Jahre lang in den Abgrund geritten haben? Vielleicht doch die große Koalition mit der SPD in der führenden Rolle? Was für ein schlimmes Dilemma.

Darf’s auch ein Systemchen mehr sein?

Erstaunlich: Heute morgen zappte ich kurz nach dem Aufwachen und meiner neuen Lieblingssendung Wissen macht Ah! kurz durch ein paar Kanäle – und blieb beim RTL Shop auf Vox hängen.

Man muss sich das mal vorstellen: Um 08:30 am Samstag morgen, wo jeder normale Mensch, der sich mit Computern bis auf OS-Ebene auskennt, eher ins Bett geht als dass er aufsteht – um 08:30 also wollen die mir im RTL Shop ein Betriebssystem verkaufen. Ganz recht: ein ausgewachsenes Betriebssystem, nämlich Zeta 1.0.

Erst dachte ich, ich müsse mir noch mal den Schlaf aus den Augen wischen. Nach einem sehr netten, vormittäglichen Aquariums- und Zoobesuch mit meinem Patenkind, seiner Mama und seinem Bruder (”Sind der Clownfisch und die Seeanemone glücklich zusammen?”) habe ich dann gerade mal recherchiert. Und siehe da: Es handelt sich bei Zeta 1.0 nicht einmal um irgendeinen schnell zusammen gezimmerten Schrott, sondern um den Nachfolger von BeOS. Und auch sonst ist dem Hersteller yellowTAB mit Zeta wohl ein ordentliches Stück Software gelungen.

Der Preis kann sich mit knapp 100 € auch sehen lassen. Was nicht die Methoden des RTL Shops rechtfertigt, die zur Berechnung des Preisvorteils gegenüber einem Windows-Rechner z.B. auch mal schnell den Acrobat Writer mit in die Standardausstattung rein rechnen…

Double for Nothing

Cool:

für Sie als treuen NetDSL-Kunden haben wir ab August 2005 unser DSL-Bandbreitenangebot verbessert.

Zum gleichen Preis wie bisher profitieren Sie ab sofort automatisch von einer wesentlich höheren Geschwindigkeit Ihres NetDSL-Anschlusses.

Hier sehen Sie Ihre bisherige und neue DSL-Bandbreite (Maximalwerte):
bisher: 2 M / 192 k, neu: 4 M / 448 k

Und das, nachdem meine Bandbreite erst Anfang des Jahres ohne Aufpreis auf 2 MBit erhöht wurde.

  • Kosten für den dann bald 4 MBit breiten Anschluss: 14,90 €.
  • Kosten für die Flatrate: 9,90 €.

Dann kannze wohl nix von sagen.

Mal gucken, wann der Zeitpunkt gekommen ist, wo Bandbreite und Flatrate Commodity werden und einfach im Telefonanschluss drin sind.

Publicatio praecox

Es ist zwar vielleicht ein etwas makaberer Anlass, aber doch ein klassisches Beispiel für den seltsamen Wettbewerb, der seit einigen Jahren zwischen verschiedensten Publikation entbrannt ist: Wer veröffentlicht den ersten Artikel zu einem (beliebigen) Jahrestag?

Da würde man ja eigentlich vermuten, dass man einen solchen Artikel eben zum Jahrestag veröffentlicht, der ja ein relativ natürliches Datum wäre. Keineswegs. Aktuelles Beispiel heute ist ein Artikel in SpOn zum Atombombenabwurf auf Hiroshima: HIROSCHIMA – Die Sekunde der Apokalypse:

In einer Woche jährt sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroschima zum 60. Mal.

Warum nicht nächstes Mal: “In zwei Wochen und drei Tagen jährt sich…”?

Was ist hier falsch?

Heute in SpOn:

Donnerstag, 28. Juli 2005

Mittwoch, 27. Juli 2005

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