Donnerstag, 31. März 2005

God of War
Vielleicht steig ich ja irgendwann doch noch auf Actionspiele um:
Ein deutsches Veröffentlichungsdatum konnte ich leider nicht finden…
Über die Leiche von Terri Schiavo zum Gottesstaat
Auch slate.com kommentiert das Problem, dass vermittels des Falls von Terri Schiavo die Gewaltenteilung in den USA zu Fall gebracht werden soll: Judge Dread – The judiciary may end up the big losers in the Schiavo mess.:
The anguish over Mrs. Schiavo’s nightmare is boosting a rising common culture of attacks on the independence and legitimacy of our courts. In Washington and far beyond the Beltway, this new war on the courts is being waged through legislation and political intimidation, fueled by special interest campaigns of rage. “Federal courts have no army or navy,” warned Rep. John Hostettler late last year. “At the end of the day, we’re saying the court can’t enforce its opinions.”
Äh, wie bitte? Könnten Gerichte ihre Urteile nicht durchsetzen, bedeutete das nichts anderes, als dass das Ende der Gewaltenteilung de facto schon da wäre. Es ist doch so: Parlamente beschließen Gesetze; Gerichte interpretieren sie und sprechen Urteile; die Polizei setzt die Beschlüsse durch, falls sie nicht freiwillig befolgt werden.
So weit ist es noch nicht wirklich, aber es zeigt das Unverständnis, auf dessen Grundlage eine Abschaffung der Gewaltenteilung viel leichter fallen würde. Tatsächlich funktioniert das alles sehr viel subtiler: Indem nämlich Gesetze erlassen werden, die auf einzelne Fälle zugeschnitten sind. So was würde man normalerweise “Urteil” nennen, in den USA heißt das dann aber zum Beispiel “For the Relief of the Parents of Theresa Marie Schiavo Act”…:
As the debate raged over a courthouse display of the Ten Commandments, a measure was written to deny federal courts the power to hear any suit involving a governmental official’s “acknowledgment of God as the sovereign source of law, liberty, or government.”
Ganz kurz verrent sich der Slate-Artikel:
The courts have survived these and other contretempsincluding the Bush v. Gore firestorm. But in the age of cable television and blogs, instant outrage is getting easier to manufacture.
Moment mal! Größere Öffentlichkeit, vermittelt von Massenmedien wie dem Fernsehen und Internet, ist ein Rahmenparameter, mit dem die Gerichte genauso zurechtkommen müssen wie alle anderen, zum Beispiel Politiker. Zwar können Gerichte diese Öffentlichkeit nicht für sich nutzen, aber das ist Absicht: Schließlich sollen sie nicht Meinung machen, sondern unabhängig von (öffentlicher) Meinung fair urteilen.
Es wird spannend sein zu beobachten, wann und wie die USA ein Gottesstaat werden:
Next week, such anticourt luminaries as Majority Leader DeLay [wir berichteten], Phyllis Schlafly, and Alan Keyes will gather in Washington to lambaste “the Judicial War on Faith.” Conference organizers call it “the beginning of a broad-based effort to save America from the judges.”
[UPDATE] In der Ablehnung des letzten Appells der Eltern von Terri Schiavo wurde Richter Stanley Birch gestern deutlich:
Bei der Lösung der Schiavo-Kontroverse komme ich zu dem Schluss, dass trotz der ernsthaften und selbstlosen Beweggründe Legislative und Exekutive nachweislich auf eine Art und Weise gehandelt haben, die im Gegensatz zum Entwurf der Gründungsväter für das Regieren eines freien Volkes steht – unserer Verfassung.
Tegenaria Giganthea
Achtung, nichts für Arachnophobe: Die EGON-Chroniken. Wie Gernot Pflüger eine Tegenaria Giganthea traf. Uaaaarg: Giganthea. Heißt schon so, ist auch so. Und obendrein noch schnell. Und ich war gerade froh, diese Sorte Unhold bei mir schon seit einigen Monaten nicht mehr gesehen zu haben…
Zum Glück dauert’s noch eine Stunde, bis es dunkel wird. 59 Minuten… Scheiße, das wird eng.
Mittwoch, 31. März 2005

Windows ist gut genug
Dass man das noch mal jemanden schreiben lesen würde:
Even though it’s been five years since Windows XP’s debut, Microsoft could still face a tough sell when it releases Longhorn next year. With past updates, users had clamored for more stability and security, but analysts say people are pretty happy with Windows XP.
“Microsoft for the very first time is going to be faced with the challenge of being the player whose (operating system) is ‘good enough’” as is, said Jupiter Research analyst Michael Gartenberg.
Und das Erstaunlichste: Herr Gartenberg zieht sogar die richtigen Konsequenzen aus seiner scheinbar aussichtslosen Diagnose:
“Microsoft is going to have to find a way to take a page from the Steve Jobs playbook and make an operating system that not only looks interesting, but feels interesting,” Gartenberg said.
Genau. Es scheint ja fast so, als würden die Diskussionen in diesem kleinen Blog tatsächlich erhört werden :-) 2006 wird das Jahr der Usability, wenn es nicht in diesem Jahr schon soweit ist. Bis dahin probier ich jedenfalls mal ObjectDock aus. (Jadoch, ich weiß, MacOS hat das schon lange und ist sogar schon weiter.)
Den iPod retten, Urheberrechtsverletzungen verhindern
Na, das klingt doch wenigstens so, als würde sich der amerikanische Supreme Court um eine ausgewogene Sicht der Dinge bemühen:
The justices were clear that they were concerned about the effect of their ruling on the ability of technology companies to create future products like Apple Computer’s iPod. However, several appeared to seek a way of holding file-swapping companies responsible for the piracy on their networks without endangering other technology companies.
[..]
“The Supreme Court asked exactly the right question: How do we preserve innovation?” said Fred von Lohmann, an Electronic Frontier Foundation attorney who represents StreamCast Networks. “How do we protect the innovator in a garage who’s inventing the next iPod?”
But entertainment executives said that the court seemed to be looking for a way to protect copyrights.
Das lässt hoffen.
Böse auf Blogger
Oh je, da ist aber jemand böse auf Blogger… David Shaw schreibt in der L.A. Times:
Many bloggers not all, perhaps not even most don’t seem to worry much about being accurate. Or fair. They just want to get their opinions and their “scoops” out there as fast as they pop into their brains. [..] But the knowledge that you can correct errors quickly, combined with the absence of editors or filters, encourages laziness, carelessness and inaccuracy [..]
Naja, wenn wir mal von dem rhetorischen Trick absehen, per Lippenbekenntnis “nicht alle” Blogger zu meinen, dann aber doch alle über einen Leisten zu schlagen, dann bleibt hier immer noch eins zu sagen: Selbst wenn das stimmt, was David Shaw über Blogger zu sagen hat – dann könnte und müsste man es immer noch als Phänomen begreifen, dass so viele Menschen einfach mal in größtmöglicher Öffentlichkeit ihre Meinung sagen wollen.
In einem hat Shaw meiner Ansicht nach aber recht:
If the courts allow every Tom, Dick and Matt who wants to call himself a journalist to invoke the privilege to protect confidential sources, the public will become even less trusting than it already is of all journalists.
That would ultimately damage society as much as it would the media.
Wie ich vor kurzem schon mal meinte werden Blogger, die Privilegien von Journalisten haben wollen, es auf sich nehmen müssen, den journalistischen Anspruch ihrer Arbeit nachzuweisen. Und das geht praktikabel nur über einen Verband, der durch seine Mitgliedschaft diesen Anspruch bescheinigt.
Mir ist klar, dass auch eine DJV-Mitgliedschaft nicht sicherstellt, dass jemand ein guter Journalist ist. Aber man muss wenigstens den überwiegenden Teil seines Lebensunterhaltes als Journalist bestreiten. Und das müsste man als Blogger ja erst mal schaffen.
Dienstag, 29. März 2005

Ausbeutung bis zur Selbstverleugnung
Gerade in der Tagessschau gehört: Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im US-Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, hat den Fall Terri Schiavos als “Geschenk Gottes für die Konservativen” und die Beendigung der Ernährung Schiavos als “Mord” bezeichnet.
DeLay hatte vor einigen Jahren lebenserhaltende Maßnahmen für seinen eigenen Vater beenden lassen.
Ich hatte ja nicht geahnt, wie heuchlerisch die politische Ausbeutung von Teri Schiavo sein könnte.
[UPDATE] Der Focus scheint als einzige deutsche Veröffentlichung (laut Google News) die Story dazu online zu haben. Bei tagesschau.de gibt es zu dem Thema nichts. In der gestrigen Sendung wurde es von einem zugeschalteten Reporter erwähnt.
Die New York Times hat’s sehr ausführlich mit Datum von Sonntag.
Auch slate.com stellt das Thema differenziert und ausführlich dar.
