Zeh sächsisch

Wie schon berichtet war mein Ausflug in den Osten zwar ein Erfolg, wenn auch das als sonntäglicher Höhepunkt geplante Spiel in Dresden nicht stattfand. Abenteuerlich, aber wahrscheinlich einer Reise in den Osten angemessen, war der Start am Freitag vom Kölner Flughafen.

Die Dame von GermanWings hatte mir Gate B80 auf meinen Flugschein geschrieben. Nach einem Whoppermenü (ohne Käse, mit Cola Light und Country Potatoes) ging ich dann 20 Minuten später zur Sicherheitsschleuse, musste feststellen, dass Fisherman’s Friends den Metalldetektor auslösen, blieb aber sonst unbehelligt. Ein Blick auf den Monitor mit Abflugzeiten, Verspätungen und Gates: Hinter meinem Flug stand Gate C40. Gut, dachte ich mir, das ist die aktuellere Information, und elektronisch ist sie auch noch – wo ich ja gerade gelernt hatte, dass Papierversionen Kopien sind und keinen Anspruch auf Aktualität haben.

Bei C40 angekommen, stellte ich zunächst einmal fest, dass aus den alten Gates C1 bis C6 inzwischen die Gates C10 bis C60 geworden sind. Nicht etwa, dass es C11, C12, C13 oder gar C14 bis 19 gäbe. Macht aber mehr her. Ich setzte mich also nach einem Blick auf die Anzeige am Gate, wo mein Flug nach Berlin auch angekündigt war. Andere Menschen saßen da auch.

20 Minuten vor Abflug, es sitzen immer noch genauso wenige Menschen dort, ich schöpfe Verdacht, blicke noch mal auf die Fluganzeige – als die plötzlich erlischt. Einfach weg. Kein “cancelled” oder “delayed”. Nicht einmal die Anzeige: “Bitte gehen Sie zu Gate B80″. Das wäre nämlich richtig gewesen. Glücklicherweise, ähem, hatte mein Flug dann 30min Verspätung, so dass ich ohne größere Probleme doch noch an Bord kam, nachdem zwei Passagiere uns die Neuigkeit freundlicherweise mitgeteilt hatten.

Wer auch immer sich am Kölner Flughafen einen Spaß daraus macht, die Fluggäste an das falsche Gate zu lotsen, ihn wird die gerechte Strafe schon noch treffen. In einer Hinsicht bin ich ihm aber dankbar: Im alten Flughafentrakt durfte ich nämlich die zauberhaften Ansagen der wahrscheinlich einzigen Flughafenansagerin Deutschlands mit französischem Akzent hören. Wirklich als würde Madame Natalie aus der Schmidtshow ein Gastspiel geben, flötet die Dame dort ins Mikro:

Die Passagier’ noch Malagá [Betonung!] werdon ssum Osgong Zeh sächsisch gebeton.

Ich schmelze :-) Demnächst mehr über die auf diesem Flug angetroffenen Terroristen des Alltags

Montag, 28. Februar 2005

Ein Dokument ist ein Dokument ist ein Dokument

Aus dem Footer des Lastenhefts, das mir von einem Kunden vorliegt:

Alle Papierversionen sind Kopien und haben keinen Anspruch auf Aktualität.

Wie jetzt? Wenn ich eine Datei ausdrucke, verliert sie ihre Aktualität und Orginalität? Und eine elektronische Version ist auf jeden Fall aktuell?

Eins muss man immer mal wieder sagen: Ein Dokument ist ein Dokument ist ein Dokument. Es hat ein Datum oder eine Versionsnummer ode beides. Ob es spätere Versionen des Dokuments gibt, kann man ihm naturgemäß nicht ansehen.

Insofern ist der Versuch der Schuldzuschiebung an denjenigen, der sich auf ein Papierdokument verlässt, leider untauglich. Sogar nicht legitim. Entscheidend ist, ob dem Leser zu der ihm vorliegenden Dokumentenversion irgendetwas mitgeteilt wurde, im Dokument oder bei der Übermittlung, bspw.: Finale Version, vorläufige Version, Frau XY muss noch mal drübersehen oder ähnliches.

Mehr ein Fall für den demagogen ist die Beobachtung, dass jetzt offensichtlich Papierdokumente schon weniger original sind als elektronische. Wenn das die Musikindustrie erfährt, die werden toben… ;-)

The return of the lange Unterhose

Mein Wochenende ist gerettet. Wenigstens mein Sonntag.

Dynamo spielt am Sonntag wie geplant gegen Köln, die Fans dürfen live im Stadion dabei sein.

Wetter.de sagt Höchsttemperaturen von -6°C und Schneefall voraus… Aber Handschuhe, Mütze, Skijacke und lange Unterhose sind schon gepackt :-)

Zu viel Country

Ich glaub, ich hab in letzter Zeit echt zu viel Country gehört.

Formal unsexy

Bei Spiegel online super zu erkennen: Es gibt einen unterschied zwischen einem echten Blog und einem im Auftrag geschriebenen Tagebuch, das so aufgemacht wurde, dass es wie ein Blog aussieht und bei Spiegel online veröffentlicht wird.

Schon formal unsexy. Aber den Unterschied muss man fühlen, nicht erklären. Und das kann man von Spiegel online wohl nicht erwarten.

Freitag, 25. November 2005

Langsam wird eine Serie draus.

Donnerstag, 24. Februar 2005

Controller-Desktop

Voice for sale

Die WIRED hat mal wieder den Durchblick. Sie macht einen wichtigen Punkt in der Diskussion um professionelles Bloggen und die Grenzlinien zum Journalismus:

[For] blogs, most of which are one-person operations, advertising can represent a different challenge. In large media companies, staff members who produce content typically work separately from those who sell ads. To retain their professional reputation, [Rafat Ali, editor and publisher of paidContent.org] said, bloggers have to take steps to ensure readers that advertiser preferences aren’t affecting site content.

“If the advertisers start influencing your content, it will show. People will point it out. The impact of that is that the readership and your credibility will fall,” he said. “People value your voice, and your voice, even if it’s biased, is not necessarily for sale.”

Bedenkenswert: Wie viel Blog ist ein Blog noch, wenn es bezahlt wird, vor allem wenn es von Werbekunden bezahlt wird und es keine redaktionellen Schutzmechanismes gibt? Natürlich ist diese Diskussion in allen redaktionen dieser Welt schon tausendfach geführt worden. Aber genau das macht klar, dass Profibloggen eine Grauzone betritt.

Warum Laurie Anderson Blogs (bestimmt) nicht mag

Auch in diesem Blog wurde kürzlichst fröhlich über die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Bloggern und Journalisten diskutiert.

Bei Martin Röll, der gerade an verschiedenen Stellen zitiert wird, u.a. bei blogbar,finde ich in einem längeren, lesenswerten Traktat über die Qualität von Blogs dies hier:

Die wirkliche, große Veränderung findet woanders statt: Da, wo ganz normale Leute ganz normale Weblogs schreiben, die – ganz normal – für sehr viele Leute völlig uninteressant sind.

Wort ab! In ähnlichen Zusammenhängen fällt immer wieder der Champions-League-Sieg von Borussia Dortmund ein, zu dem ich vor einiger Zeit schon mal dieses schrieb:

[Es wiederholt sich] das gleiche Lamento [..], das schon vor Jahren angesichts des Phänomens der privaten Homepages anhob. Auf einem “Konzert” im Jahr 1996, wegen dessen ich übrigens wesentliche Teile des Champions-League-Sieges von Borussia Dortmund verpasst habe, machte sich Laurie Anderson auf einem Open Air auf der Museumsmeile Bonn vor einer Menge begeisterter Oberstudienräte über private Homepages lustig. Anstatt den offenbar entfesselten Ausdruckswillen vieler Menschen als Phänomen zu begreifen, soll hier die Schrift als Medium der Elite geschützt werden.

Diesen Schutzreflex einer selbsternannten Elite erkennt man jetzt auch wieder beim ganzen Bloggerbashing der klassischen Journaille. Dieses Bashing haben “die Journalisten” meiner Ansicht nach überhaupt nicht nötig, wie ich in der zitierten Diskussion argumentiert habe: Sie spielen nicht in einer anderen Liga als die Blogger, sie betreiben einen anderen Sport. Mehr so wie Brennball und Baseball: Macht beides Spaß, wird aber von unterschiedlichen Zielgruppen gespielt ;-)

Journalismus ist professioneller Leistungssport – mit allen Klassen von Bundesliga bis, sagen wir mal, Oberliga; Bloggen dagegen ist Volkssport. Beides gegeneinander ausspielen zu wollen ist nicht fair, und es nimmt vor allem den Volkssportlern die Ehre, die sie sehr wohl verdienen.

Vielleicht kann man’s einfach so sagen: Um Blogger zu sein, muss man kein Journalist sein wollen. Darf man aber.

P.S.: Und apropos Champions-League-Sieg: Heute abend wird nicht mehr gebloggt, heute abend wird sich auf Barcelona vs. Chelsea konzentriert. Danke, Premiere, du bist jeden Euro wert :-)

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