Montag, 31. Januar 2005

Selbsterfüllende Prophezeihung

Die Entscheidung des Kunden, ob ich ab Donnerstag in F. arbeite ist zunächst von Freitag auf heute verschoben worden. Heute wurde sie auf Mittwoch verschoben. Start soll unverändert Donnerstag sein. Jungejunge, die brauchen wirklich dringend einen externen Projektmanager ;-)

Vitamin B

Ich muss mich korrigieren. Den Pitch damals gewann keine One-Man-Show, und auch keineswegs ein kleiner Anbieter, wie man uns gesagt hatte. Vielmehr handelt es sich um eine mittelgroße bis große Agentur – aus der gleichen Stadt, aus der auch der externe Projektleiter kam. Und die war nun nicht wirklich beim Kunden um die Ecke, eher so maximal weit weg, wie das innerhalb von Deutschland geht…

Lebt wohl, ihr Stufenpotenziale!

Bin ich froh, dass das (Achtung: PDF-Link) hinter mir liegt… Stufenpotenziale sind die Pest.

Aber auch der Rest erinnert mich an dunkle Winternächte im Jogginganzug, in denen mein Mitbewohner und ich viele, viele karierte Blätter vollgeschrieben haben, bevor wir endlich den Glühwein anheizen konnten.

P.S.: Die feine Unterscheidung von “hermetisch” und “hermitesch” fehlt mir aber schon ein bisschen ;-)

P.P.S.: Besonders schön fand ich auch die Gelegenheit, meiner Diplomarbeit mottoartige Zitate voranzustellen. Alleine dafür hat sich das Studium fast gelohnt ;-) Ich entschied mich für diese beiden:

Wir freilich, die wir wissen, was das Leben eigentlich ist, wir machen uns nur lustig über die albernen Zahlen.
Antoine de Saint – Exupéry

Doch die Wissenschaft, man weiß es,
achtet nicht des Laienfleißes.
Christian Morgenstern

telepolis: How low can you go?

Gottogott. Da hab ich nun wirklich seit Wochen nicht mehr telepolis gelesen, weil’s mich schon davor ziemlich genervt hatte. Der Langeweile wegen mach ich’s dann gerade mal wieder, und stolpere gleich über zwei Vollkatastrophen:

  1. Phantomschmerzen von Rudolf Maresch.
    Ein Artikel, der von Ahnungslosigkeit nur so trieft, und nebenbei noch einen lustigen Grammatikfehler enthält. Da musste ich dann sogar im telepolis-Forum kommentieren.
  2. Tücken der Technik von Ernst Corinth
    Hier wird’s richtig schlimm. Denn wenn die Kommentare recht haben, dann ist der AB-Dialog, aus dem der Artikel fast vollständig besteht, bei Max Goldt abgeschrieben.

Ich erinnere immer wieder ungerne daran, dass diese SchülerzeitungPublikation mal den Grimme-Online-Award gewonnen hat…

Medienbrüche als Qualitätsgarantie

Jetzt mal im Ernst: Wer will denn all diese Dinge in *einem einzigen* Projektmanagement-Tool haben? Ich hätte die Befürchtung, dass in dem Moment, wo keine Medien- oder Programmbrüche mehr stattfinden, viel zu wenig nachgedacht wird.

Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass in unserer Firma die Projektplanung in MS Project oder in einem anderen Tool (Word, Excel, E-Mail, Papier) stattfindet, während die Zeiterfassung und die Planung von Kategorien dafür in einem speziellen, serverbasierten Tool passiert. Die Kalkulation schließlich liegt wieder woanders.

Zwar muss man viele Daten “einfach nur” von einem Tool ins andere übertragen. Aber erstens findet man dabei oft noch ein paar Fehlerchen, und vor allem denkt man, zweitens, noch mal ernsthaft über das nach, was einem das jeweils andere Tool so ausgespuckt hat, während man die Ergebnisse überträgt. Ganz abgesehen von der reinen Zeit, die fast besinnlich wirkt.

Ich mache meine Notizen bei Besprechungen auch nicht digital, weil ich beim Übertragen in Word dann noch mal die Besprechung reflektieren und verarbeiten kann. (Abgesehen davon, dass man so ein Notizbuch wirklich _immer_ bei sich haben kann, selbst auf dem Friesenplatz beim Eisessen ;-)

P.S.: Nein, ich habe nun wirklich keine Angst vor Computern.

Wetten, dass…

Tschakka! Gewusst, dass Nürnberg in Stuttgart nicht verlieren wird, bei betandwin auf diese beiden echten Außerseiterwetten (Auswärtssieg und Unentschieden) gesetzt – und gewonnen! Auszahlung, wegen der Absicherung auch des Unentschiedens nicht ganz so hoch: 3,3 für 1. Der Sieg von Nürnberg alleine hatte eine Quote von 6,6:1. Hätt ich doch mehr Mut gehabt…

Ich wollte ich diesen Zeiten einfach nur mal ein Zeichen setzen, dass Sportwetten das beste Ding seit der Erfindung des Quickshot II sind. Welches schimmelige Spiel hätte ich mir sonst gestern auf Premiere bitte anschauen können, wenn ich dieses eine nicht für mich spannend gemacht hätte? (Und dann noch dieser Spielverlauf: 0:2, 2:2, dann doch noch 2:4.)

Der “Fall Hoyzer” und seine Lehren für das Projektmanagement

Anhand der Untersuchungen zu den Wettbetrügereien rund um Robert Hoyzer lassen sich auch zwei für Projektmanager interessante Aspekte studieren.

1. Der Irrtum der internen Gerichtsbarkeit
Dass bei einigen Spielen manipuliert wurde, die Robert Hoyzer pfiff, war Oddset und anderen Wettanbietern schon sehr früh aufgefallen. Der DFB wurde informiert, “untersuchte” die Angelegenheit einen Tag lang, und schloss die Akte dann, weil er nichts feststellen konnte. Warum tat er das wohl? Neben dem naiven Glauben, dass so etwas ja wohl nicht passieren könne, hatte die DFB-Sportgerichtsbarkeit eigene Interessen, nämlich den DFB und den “deutschen Fussball” vor einem Imageschaden zu bewahren. Also lieber eine Pro-Forma-Untersuchung einleiten, sie schnell beenden und behaupten, es werde nichts unter den Teppich gekehrt.

Das ist genau der Grund, weswegen ich immer wieder versuche zu erklären, dass Accountmanager nicht hierarchisch höher gestellt sein dürfen als Projektmanager. Mit einer solchen Position kommt nämlich der Anspruch daher, Meinungsverschiedenheiten zwischen Projektmanager und Teammitgliedern entscheiden und auch Streits zwischen Account- und Projektmanager qua Ansage beenden zu können. Der Accountmanager hat aber natürlich starke eigene Interessen im Projekt und kann nicht unbefangen entscheiden. Deswegen muss ein solcher Streit immer von jemandem geschlichtet werden muss, der außerhalb des Projekts steht. Ob der nun hierarchisch höher steht oder nicht, spielt gar keine Rolle, solange er von beiden Parteien akzeptiert wird.

2. Die Macht der Absicht
In der Süddeutschen wird heute Manfred Haupt interviewt (leider nur für Print-Käufer und E-Paper-Abonnenten). Haupt war Zweitligaschiedsrichter und schmiss den Job 2001, weil er im Schiedsrichterwesen des DFB ein Günstlingssystem sah. Im Interview äußert er sich auch dazu, wie ein Schiedsrichter ein Spiel beeinflussen kann:

SZ: Wie groß ist die Möglichkeit für einen Schiedsrichter, Einfluss zu nehmen?

Haupt: Das ist eine latente Gefahr. [...] Der Schiedsrichter soll mit positiver Einstellung ins Spiel gehen. Wenn ich da eine schwächere Persönlichkeitsstruktur habe und eigene Vorteile suche, dann gehe ich schon an dieses Spiel ran und sage, das werde ich schon biegen. Es fängt an beim Umgang des Schiedsrichters mit den Spielern. Das ist oft nonverbal, nur mit Mimik und Gestik. So kann ich theoretisch die Dinge bewegen. Wenn ich den Spielverlauf beeinflusse, was geht, nehme ich auch Einfluss auf das Ergebnis – ohne mir dessen immer bewusst sein zu müssen. [...] Das, was [Robert Hoyzer] zugegeben hat, ist schon über den Vorsatz, das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken, machbar. Das geht. [Hervorhebung durch mich]

Welt als Wille. Dieser Aspekt des Projektmanagements wird mir immer wieder dramatisch unterschätzt im Vergleich z.B. mit handwerklichen Fähigkeiten im Umgang mit MS Project. Wer eine klare Vorstellung von Ziel und Weg eines Projekts hat und außerdem über Führungsqualität verfügt, der wird das Projekt in die gewünschte Richtung lenken, ohne dass er sie jedem Projektbeteiligten detailliert erläutern muss. Er strahlt einfach aus, was gemacht werden muss. Klingt wie Magie, ist aber Alltag. In einer Welt, die Führungsqualitäten mit Esoterik vermischt, ist das allerdings schwer vermittelbar.

3. SurfGuardsches Gesetz des Projektmanagements

Ich habe beschlossen, aus meiner gestrigen Erfahrung ein Gesetz zu machen. So soll denn das 3. SurfGuardsche Gesetz des Projektmanagements fürderhin lauten:

Von allen präsentierten Alternativen wählt der Kunde immer die schlechteste.

Das gilt übrigens insbesondere dann, wenn eine der Alternativen die mit großem Abstand erkennbar beste ist.

Kopierschutzschutz (sic): Dumm stellen hilft nicht

Wie ich in diesem Zusammenhang schon einmal meinte: Dumm stellen hilft auch nicht. Heutiges Beispiel: Der Heise Zeitschriften Verlag, nebenberuflich Promotor des Deppenleerzeichens, wundert sich von der Musikindustrie abgemahnt zu werden, weil er in einem Artikel auf heise.de einen DVD-Kopierschutzknacker beworben hat:

[§ 95a des Urheberrechtsgesetzes] verbietet unter anderem Herstellung, Einfuhr, Verbreitung, Verkauf, Vermietung und Bewerbung derartiger Soft- und Hardware. Nach Ansicht der Musikindustrie liegt ein Verstoß gegen diese Vorschrift bereits in dem Setzen eines Links auf die Eingangsseite der Online-Präsenz eines Herstellers von Kopiersoftware.

[...]

Der Chefredakteur von heise online, Christian Persson. “Es muss doch gerade auch im Interesse der Rechteinhaber von Software, Filmen und Musik liegen, rechtzeitig über die Untauglichkeit von Kopierschutztechniken informiert zu werden. Nach der verqueren Logik der vorgetragenen Beschuldigung müsste sich die Presse künftig Beihilfe zu schwerem Diebstahl vorwerfen lassen, wenn sie Hausbesitzer wahrheitsgemäß davor warnt, auf bestimmte Sicherheitsschlösser zu vertrauen, die unzutreffend als unüberwindbar angepriesen werden.”

Was für ein lächerliches Argument! Natürlich bewirbt heise unbestreitbar den beschriebenen Kopierschutzknacker, dazu muss man sich allein mal die Kundschaft in den heise-Foren anschauen, die heise natürlich auch sehr genau kennt. Außerdem beschreibt der Artikel keineswegs, warum ein bestimmter Kopierschutz unwirksam ist. Er beschreibt nur, dass er geknackt werden kann, was unbestreitbar verboten ist, wenn auch aus unsinnigen Gründen.

Der Artikel ist also in der Logik des Chefredakteurs viel eher vergleichbar mit einem, der für die Kundschaft der Einbrecher unter Angabe der Bezugsadresse die Funktionsweise eines Dietrich-Sets beschreibt und schließlich vorgibt, nur über die Knackbarkeit von Schlössern informieren zu wollen.

Ich bin gegen Kopierschutz, in bin gegen §95 des UrhG, aber ich bin für eine redliche Diskussion. Und von Heise hätte ich mehr erwartet.

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