In Trauer
Das neue Jahr kann nur besser werden:
Fortuna Köln meldet sich vom Spielbetrieb ab
In eine bessere Zukunft!
Einwort
Gerade im WDR ein Bericht über die mangelnde Usability der Automaten der Bahn zum Verkauf von Nahverkehrstickets. (Unter uns: Die Dinger sind wirklich Schrott.)
Besonders nett war ein im Bericht enthaltener kleiner kölscher Sprachkurs. Es wurde eine Dame als “Stimme des Volkes” interviewt, die sich in breitem Kölsch über die Nachteile des Automaten ausließ. Sie schloss ihren Vortrag programmatisch-vernichtend:
Wie. Der. Lisch. Einwort.
In ihrer typisch kölschen, sehr dezidierten Aussprache klangen dabei die einzelnen Silben von “wiederlisch” getrennter als wie die wirklich einzelnen Worte von “Ein Wort”. Jedenfalls ein Zitat von fast beikircherscher Prägnanz.
Achterbahn ins All
Der Spiegel stellt die Pläne von Burt Rutan, mit einem privaten “Raumschiff” Menschen ins All zu bringen, etwas spektakulärer als angemessen dar:
Burt Rutan, der private Weltraumpionier und Gewinner des X-Preises, will Privatflüge ins All deutlich günstiger anbieten und plant eine Neukonstruktion. Wie die BBC berichtet, soll das “Space Ship Two” (SS2) bis zu acht Passagiere transportieren können und dabei die Erdatmosphäre noch weiter hinter sich lassen als das “Space Ship One”. Das SS2 soll eine Höhe von 135 bis 140 Kilometern erreichen. Die Folge: Mehrere Minuten Schwerelosigkeit für die Passagiere: “Wir haben Griffe, so dass man frei herumschweben und die Nase ans Fenster drücken kann”, sagte Rutan. [...] “Space Ship One” kostete nur rund 20 Millionen US-Dollar und wurde innerhalb weniger Jahre entwickelt.
Besonders der letzte Satz geht süffisant in die Richtung “Warum hat die bürokratische Nasa für die gleiche Leistung eigentlich das hundertfache Geld gebraucht?” In der WIRED zeigt NASA-Chef Sean O’Keefe aber, wo der Hammer hängt – und dass Space Ship One im Vergleich mit den Raumflügen der NASA eher eine besser Achterbahnfahrt ist:
The SpaceShipOne launch, in the Mojave Desert, was amazing.
Sure. But let’s put this in a relative context. Mike Melvill went half the altitude Alan Shepard [der erste Amerikaner im Weltall] did, for a fraction of the amount of time, did it 40 years later, and flew in a plastic airplane fueled by laughing gas. From a technical standpoint, this was a modest objective…
Allerdings ist er nicht so arrogant, die Qualitäten des Flugs von Space Ship One zu verkennen, denn er fährt fort:
…except for one major point: They did it themselves. It’s like a bunch of guys doing this in their garage. If we mounted something like that, even if it was successful, there would be a commission investigation the next day. Everybody would be probing everything under the sun. A publicly accountable organization has a whole different set of standards. The Space Ship One flight was a truly amazing achievement, one that we all ought to be ebullient [=überschwänglich] about. It is the American spirit on display.
Auf wieder einer anderen Seite aber verschweigt O’Keefe hier, dass bereits das Apollo-Programm zwar öffentlich finanziert und kontrolliert war, operativ für die NASA allerdings fast ausschließlich von privaten Auftragnehmern durchgeführt wurde:
NASA’s leaders made an early decision to rely upon outside researchers and technicians to complete the Apollo project. Between 80 and 90 percent of NASA’s overall budget in the 1960s went for contracts to purchase goods and services from private industry, research institutions, and universities.
Die Jungs hatten damals allerdings das Geld, ihre Mondlandefähren nicht in einer Garage zusammen schrauben zu müssen.
Recht haben macht Spaß
Mit was manche Leute so glauben, durchkommen zu können. Meinem unerquicklichen Meeting neulich schickte ich natürlich ein Protokoll hinterher, in dem ich schrieb, dass wir Software nur dann übernehmen, wenn sie zum vereinbarten Zeitpunkt fehlerfrei läuft. Darauf antwortet mir der Entwickler, nennen wir ihn mal Christian Meier:
Christian Meier sagte zwei Programmänderungen am [Programm] zu. Es handelt sich um zwei veränderte Links. Dazu benötige er noch Hinweise, in welchem Auftritt und wo da diese Links zum Tragen kommen, um die Änderung testen zu können. Das sind am Rande bemerkt auch keine Korrekturen, sondern Anpassungen an eine veränderte Form der Betreibung. [Das stimmt nicht, am Rande bemerkt. SurfGuard]
Fehlerbeschreibungen lagen zum Zeitpunkt des Treffens keine vor. Es erfolgte seitens von Christian Meier keine Zusage, später erkannte Fehler zu beheben. Ein Termin wurde diesbezüglich erst recht nicht genannt.
Der Kollege will also tatsächlich sagen, dass wir dafür verantwortlich gewesen seien, alle Fehler zu benennen. Fehler, die auf dem Termin nicht benannt waren, will er nicht beheben. Womit manche Leute so glauben, durchkommen zu können… Auszüge meiner Antwort:
Unserer Ansicht nach sind es lediglich die beiden benannten Fehler, die [einem Funktinoieren der Applikation] noch im Weg stehen. Sollten wir uns in dieser Hinsicht aber wider Erwarten geirrt haben und irgendwo ist doch noch ein anderes Problem versteckt oder ein solches ergibt sich als Folge der angesprochenen Fehler oder deren Behebung – dann ist die Behebung solcher Fehler nicht Aufgabe und schon gar nicht Verpflichtung von [uns].
Herr Meier, Ihre Verpflichtung ist es, eine funktionierende Applikation bereitzustellen. Sie können sich nicht darauf zurück ziehen, dass wir alle Fehler benennen müssen – auch wenn wir uns nach bestem Gewissen bemüht haben, das zu tun. Im übrigen ist es auch nicht so, dass Sie mit einer Abnahme der Applikation keine weiteren Verpflichtungen hätten, schließlich greift anschließend noch die gesetzlich geregelte Gewährleistung.
Macht ja irgendwie auch Spaß, Mails schreiben zu können, in denen man so viel Recht hat wie hier… ;-)))
Riot Gear für Mauteintreiber?
Ich will nicht zu früh triumphieren. Aber in einer Hinsicht scheine ich schon mal Recht zu behalten: Die Maut kommt – und zwar zum Jahresbeginn, wie ich vorausgesagt hatte.
Dass das Ganze nicht völlig reibungsfrei laufen wird, ist wohl auch klar. Etwas Sorgen macht mir nur, dass Toll Collect mit “Störungen der öffentlichen Sicherheit” rechnet. Ich hoffe, dass man da ein bisschen übertreibt, um so auf den normalen Trubel besonders gut vorbereitet zu sein. Oder rechnen die ernsthaft mit LWK-Fahrern, die sich zu Mobs zusammenrotten und schraubschlüsselschwingend auf die Toll-Collect-Zentrale marschieren?
Hinsetzen, Mund halten, Film gucken
Ich kann nicht mehr. Wenn ich mich zuletzt schon immer wieder aufregen musste, weil erwachsene Menschen im Kino vor sich quatschen, ohne Wahrnehmung irgendeiner Umwelt, dann musste ich heute feststellen, dass 14-Jährige völlig schmerzbefreit sind.
Ich genoss heute meine wohlverdienten Urlaub mit der Nachmittagsvorstellung von Ocean’s Twelve. Es begann damit, dass ich nach Filmbeginn rausgehen und eine Angestellte des Cinedoms bitten muss, die Lautstärke auf “hörbar” zu regeln (sie traf dann allerdings eher “unüberhörbar”) und die Türen zu schließen, damit man nicht den Besuchertrubel neben dem Film im Ohr hatte.
Hätte ich bloß meine Klappe gehalten. Denn die fehlende Störung von draußen und die hohe Lautstärke des Films, nahmen drei 14-Jährige (ein Junge, zwei Mädchen) zum Anlass loszuquasseln. Und nicht mehr aufzuhören. Ich meine: den ganzen Film über nicht mehr aufzuhören, ohne Unterbrechung zu quatschen und zu kichern. IN NORMALER ZIMMERLAUTSTÄRKE. Außerdem laufend auf’s Handy zu schauen – und man glaubt ja gar nicht, wie hell und ablenkend so ein Handydisplay in einem abgedunkelten Kinosaal sein kann…
Die drei saßen zwei Reihen vor mir, eine halbe Reihe seitlich versetzt, also etwa 10 m entfernt. Nach einer halben Stunde verlor ich zum ersten Mal die Nerven und brüllte (sic!) quer durch den Kinosaal: “Ist da vorne bald mal Ruhe?” Keine Reaktion, gar keine. Es wird munter weitergequasselt.
Ich überlegte die ganze Zeit, ob ich jetzt wirklich nach vorne gehen und ihnen eine kleben müsse, und warum die rund um sie sitzenden Zuschauer, allerdings auch ausnahmslos Teenies, denn nichts sagen. 30 Minuten später packten die drei ihre Klamotten und verließen den Saal. Ich lehnte mich schon erlöst zurück, als sie nach fünf Minuten zurück kamen, was auch immer sie in der Zwischenzeit gemacht hatten.
Eine weitere halbe Stunde später, ging der Junge dann telefonierend (!) aus dem Kino. Immerhin DEN Anstand besitzt, dachte ich mir schon – meine Maßstäbe völlig zurückschraubend. Auf seinem Rückweg, ich saß ganz außen am Gang, fing ich ihn dann aber mit einem lauten “Hey, Du!” ab. Er kam auf mein Heranwinken auch brav zu mir. Ich packte ihn am Arm und erklärte ihm, mein Gesicht 10 cm vor seinem, dass er ein ernsthaftes Problem mit mir bekäme, wenn er sich nicht ab sofort benehme und die Klappe hielte. Er wandte leicht patzig ein, dass er ja keine Klappe sondern einen Mund habe, worauf ich ihn mit “Hinsetzen, MUND halten, Film gucken!” abtreten ließ.
Erstaunlicherweise half das sogar. Nach kurzem Getuschel und Rübergegucke zu mir, war dann tatsächlich Ruhe, wenn auch nicht für die Handys, die im Dauerbetrieb leuchteten. Na immerhin scheine ich 14-Jährige noch einschüchtern zu können. Beim Abspann, ich stand schon, gucken die drei erst noch mal zu mir rüber, ob ich denn schon weg sei, bevor sie dann selbst den Saal verließen.
Wenn der Kamerad bei unserer kleinen Konfrontation auch nur noch eine freche Bemerkung gemacht hätte – ich glaube, ich hätte ihm eine gescheuert. Oder ihn nach draußen geschleift und in die Ecke gestellt. Aber Gesicht zur Wand ;-)
Bin ich jetzt in dem Alter, wo ich anfange, auf die Jugend von heute zu schimpfen?
Risikomanagement, leicht gemacht
Eine ganze Disziplin in einem Satz:
Luck favors the prepared.
Edna E Mode in Die Unglaublichen
Ohne Grund Gebühr
Der Zwiebelfisch von Spiegel Online hat eine der schönsten Anwendungen des Deppenleerzeichens gefunden: Die grundlose Gebühr
Hop oder top
So langsam finde ich es wirklich spaßig, mit welcher Unvorhersagbarkeit man Pitches gewinnen oder verlieren kann.
Vor gut zwei Monaten waren wir auf einem Pitch bei einem bekannten Computerhersteller, der einen Relaunch seiner Website ausgeschrieben hatte. Die Ausschreibung bestand aus zwei Losen, von denen wir uns für den kreativen Teil beworben haben. Das andere Los war das technische, das der Kunde direkt an einen CMS-Hersteller vergeben wollte. Wir haben dort ein wirklich überzeugendes, innovatives Design vorgelegt, detailliert unsere konzeptionellen Überlegungen erläutert und ich habe erläutert, dass der gewünschte Launchtermin 06.12. sehr sportlich ist, und dass ich das eigentlich nur für Teilbereiche sehe.
Die Tatsache, dass das hier die Website des freien Projektleiters ist, den der Kunde intern als Berater eingekauft hatte, ließ mich schon sehr stutzig werden… Natürlich haben wir den Pitch nicht gewonnen, sondern der laut Auskunft des Kunden kleinste Mitbewerber, wohl eher eine One-Man-Show, der angeblich schon fast alles fertig hatte.
Ergebnis mit Stand heute: Die Website ist natürlich noch keinen Deut anders als zum Zeitpunkt des Pitchtermins… Mal gucken, ob bis Weihnachten noch was passiert.
Gestern dagegen haben wir mit äußerst kurzer Vorbereitungszeit am Pitch eines großen Telekommunikationsunternehmens teilgenommen, das einen Spezialshop ausgeschrieben hatte. Dazu haben wir einfach einem freien Mitarbeiter die Pitchgebühr (Ja, sowas gibt’s!!!) in die Hand gedrückt und gesagt: Machma! Noch drei Besprechungen mit ihm während der kurzen kurzen Zeit bis zum Pitch, gestern dort aufgeschlagen, den freien Kollegen genauso frei und mit Käppi auf dem Kopf ein bisschen Design präsentieren lassen, sogar ganz offen gesagt, dass der gewünschte CeBIT-Termin nur mit unklarem Leistungsumfang machbar ist, und… …gewonnen :-))
Ich check’s wirklich nicht mehr. Jedenfalls ist jetzt erst mal Weihnachten ;-)
Mittwoch, 22. Dezember 2004: Frohe Weihnachten!

