Dienstag, 31. August 2004

Montag, 30. August 2004

Roadkill has its seasons…
“Roadkill has its seasons, just like everything.”
Tom Waits in Murder in The Red Barn auf Bone Machine
Welche Jahreszeit war es wohl heute Morgen in Köln um 08:56 Uhr auf der Gutenbergstraße?

Toll Collect, jetzt mal konstruktiv betrachtet
Zum Ende des letzten Jahres hatte ich mich in einigen Artikeln im demagogen zum Thema Toll Collect ausgelassen. Nach der damaligen, nachträglichen Motzerei hatte ich mich noch um eine Vorhersage herum gedrückt, ob der neue Starttermin der Maut am 01.01.2005 gehalten werden kann. Heute lese ich Folgendes dazu: Ein Jahr nach dem Scheitern rechnen Verkehrsminister Stolpe und Toll-Collect mit pünktlichem Mautstart. (Quelle: Focus online)
Ich sage mal voraus, dass diese Ankündigung gehalten werden wird. Warum? Ganz einfach: Toll Collect hat das das letzte, nicht funktionierende System in ungefähr einem Jahr gebaut. Und obwohl es in zahlreichen Teilen nicht funktionierte, war es doch immerhin vollständig. Eine klassische Regel für Projekte, die zum ersten Mal eine neue Technologie einsetzen sollen, lautet nun: Plan to throw one away. Sprich: Einmal wird man ein solches Projekt wahrscheinlich ohnehin komplett verbocken. Also plant man besser gleich die Zeit ein, eine zweite Version zu erstellen, bei deren Erstellung man aus den Fehlern der ersten Version gelernt hat.
Für diese zweite Version hat Toll Collect bis Neujahr nun eben auch wieder ein Jahr Zeit. Insofern würde es mich nicht überraschen, wenn das Projekt bis dahin steht. Nicht komplett fehlerfrei, das kann ein solch komplexes System wohl auch kaum werden, aber mit akzeptabler Fehlerquote. Ähnliches verbreitet Toll Collect laut Spiegel online auch gerade: Trotz einiger Pannen habe die Ausfallquote bei “lediglich drei Prozent” gelegen, sagte Toll-Collect-Chef Christoph. Dies sei für einen Test ein “äußerst erfreuliches Ergebnis”. Würde ich auch sagen. Ich bleibe am Thema dran :-)
Torrent en español
Da will man einfach nur in Urlaub fahren und mit dem ganzen Computerzeugs mal nix mehr zu tun haben. Und dann holt es einen schon auf der Hinfahrt auf der Autobahn wieder ein.

My Sweet Lord
Was ich immer mal wissen wollte – jetzt habe ich’s gefunden.
Uns George ‘Schorsch’ Harrison (a.k.a der stille Beatle) ist ja nun auch schon bald drei Jahr’ in der Kiste, da ist ja mal erlaubt, nach dem nach wie vor bekanntesten Plagiatsprozess zu fragen, für den der gute Mann ja nun über eine halbe Mio. Dollars raushauen musste. Und das obwohl er mit seiner Firma ‘Handmade Films’ immerhin ‘Life of Brian’ und ‘Time Bandits’ mitfinanziert hat, was ja nun irgendwie die Bonität erhöhen sollte.
Und daher wollte ich insbesondere wissen: wie klingt den nun der sogenannte Originalsong (He’s so fine) von den vier Mädels aus der Bronx (The Chiffons)? -die natürlich von der Kohle nie was gesehen haben, versteht sich.
Ich also recherchiert; im Internet, versteht sich, wie sich das gehört.
Nach einigen peinlichen Google Abfragen lande ich schließlich auf Frank Laufenbergs (natürlich!) Audio-Tagebuch. Dort liest er brav den Text des Artikels vor (eine naive Form von Barrierefreiheit wollen wir da mal unterstellen) und – siehe da! er spielt Samples aus beiden Songs. Erst den aus My Sweet Lord (ja, kenne ich schon, mach hinne) und dann, im Ausblenden, ist sein Audiotagebuch-Ausschnitt zuende.
Super.
Nach einiger Zeit landete ich dann auf dieser interessanten Seite in der dann endlich My Sweet Lord und He’s so fine nebeneinander zu hören sind.
Der Vergleich ist bizarr – in meinen Ohren klingt es als ob die Chiffons verzweifelt nach einem guten Song gesucht haben, den Schorsch dann mal eben auf der linken Backe hingelegt hat. Aber die entscheidende Melodie ist da, da beisst die Maus nicht das Kabel vom Sampler ab. Daß ihm diese Hookline dann einfach ‘unconscious’ in die Feder gerutscht ist, glaube ich ihm gerne.
Jetzt könnte ich ja zufrieden sein – wäre ich bei der Suche nicht auf diese Seite gelangt. 10 CC’s ‘I’m not in love’ ein Plagiat von Hall&Oates?
Nie und nimmer!
Und zurück ins Internet – die Nacht ist lang und kalt.
Puffern kostet
Nach dem Stromausfall in Bremen vor dem Bundesliga-Auftaktspiel hacken derzeit alle auf der ARD rum. Beispielsweise die taz schreibt am 09.08.:
Ein ganzes Viertel und eine ganze Fußballnation saßen plötzlich im Dunkeln. Doch was bei kreativem Umgang mit der Lage zu einer Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehjournalismus hätte werden können, endete in einer medialen Bankrotterklärung: Die ARD stand auf der Leitung. Hatte bestenfalls komische Strategien gegen das Unvorhergesehene.
Damit trifft die taz wie so oft den Nagel auf den Kopf – allerdings unfreiwillig. Denn erstens kann man keine Strategien gegen das Unvorhergesehene haben, wie jeder Projektmanager weiß – sonst wäre es ja nicht unvorhergesehen. Gegen das Unvorhergesehene kann man sich nur blind “versichern”, zum Beispiel durch eben den Puffer, der diesem Blog den Namen gibt. Sprich, man beschafft sich ein finanzielles und zeitliches Auffangbecken, das für die unvorhergesehene Menge Ärger erfahrungsgemäß (sic!) groß genug ist.
Nun hatte Radio Bremen, das die Übertragung in der ARD verantwortete, tatsächlich einen solchen Puffer eingeplant: Es war ein Ersatzstudio bestelllt, das zwei Wochen vor der Übertragung aber wieder abbestellt wurde – aus Kostengründen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung gestern (leider nur für E-Paper-Abonnenten online verfügbar).
Insofern greifen die Artikel viel zu kurz, die jetzt auf der schlechten Planung der ARD rumhacken: “Bis zur nächsten Panne” in der Berliner Zeitung. Ein Puffer kostet natürlich Geld, und das konnte (wollte?) der kleinste ARD-Sender nicht aufbringen. Das sollten sich besonders die überlegen, die in den selben Zeitungen gegen die Gebührenerhöhung für ARD und ZDF wettern: “Was von Stoibers Vorschlag zu halten ist” in der Berliner Zeitung.
IT-Security: Das Gretchenprojekt
Ich werde voraussichtlich am 30.09. einen “Coffee Table Talk” im Rahmen der von Maximillian Dornseif mit-initiierten Summerschool Applied IT Security halten. (Hier auf blogs.23.nu findet sich auch das Blog zur Veranstaltung).
In einer ersten Vorbesprechung mit Max haben wir schon mal ins Auge gefasst, das folgende Thema zur Abwechslung aus PM-Sicht zu beleuchten: “Warum dauert IT-Security eigentlich so lang?” Diese Frage haben Berufenere natürlich auch schon in anderer Form gestellt, und einen Antwortansatz habe ich an anderer Stelle angerissen.
Letztlich hat es mit den Klassikern des Projektmanagements zu tun: Wir schaffe ich es, ein komplexes Ding bzw. eine komplexe Aufgabe so zu zerteilen, dass die Einzelteile mit menschlichem Verstand beurteilbar sind, aber dennoch nicht trivial werden? Und wie schaffe ich es dann noch, dass die Zusammenhänge zwischen den Einzelteilen sichtbar bleiben, ohne die Analyse aber wieder unnötig zu verkomplizieren?
Und um exakt all diese Dinge muss man sich im Rahmen von IT-Security eben ganz explizit kümmern. Was IT-Security vielleicht zu so einer Art Gretchenprojekt für den erwachsenen Projektmanager macht. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Pitchhonorar: Money for nothing? Or your clicks for free?
Aus einer aktuellen Pressemeldung des BVDW, des ehemaligen dmmv:
Ausnahmslos einig waren sich alle anwesenden Agenturen, dass – gemäß der BVDW-Empfehlung – die Teilnahme an Pitching mit einem Honorar abgegolten werden sollte. Die gängige Praxis, dass Auftraggeber selbst bei hohen Anforderungen ihre Pitches nicht budgetieren, wurde von allen anwesenden Agenturen kritisiert.
[...]
Wer umsonst arbeitet, kann auf Dauer nicht überleben, daher erhöhen kostenlose Pitches zwangsläufig die Tagessätze der Agenturen.
Genau genommen wurde die gängige Praxis nicht von allen anwesenden Vertretern aller anwesenden Agenturen kritisiert. Meine Renegaten-Anmerkungen zu dem Thema gingen nämlich eher in diese Richtung:
- Es entscheidet immer noch jede Agentur selbst, ob ihr ein Pitch den Aufwand wert ist – bezahlt oder unbezahlt.
- Wenn eine Agentur den Eindruck hat, die geforderte Leistung gehe über das hinaus, was für einen Pitch üblich und sinnvoll ist, dann sollte sie die Leistung nur gegen Entgelt anbieten und zum Beispiel “Basiskonzept” nennen.
- Wenn eine Agentur einen Pitch verliert, dann soll sie bitte auch wirtschaftliche Auswirkungen spüren. Würden nämlich Pitchhonorare gezahlt und wären sie im Extremfall kostendeckend – dann könnten Agenturen nur von Pitches leben. Es kann marktwirtschaftlich aber kaum sinnvoll sein, Verlierer von Gewinnern subventionieren zu lassen.
- Wo soll für den Kunden das Problem sein, wenn Pitches die Tagessätze erhöhen? Er bekommt den Pitch umsonst und zahlt hinterher eben etwas mehr. Macht unterm Strich für ihn: plusminusnull.
- Nicht zuletzt aber: Die Tatsache, dass der BVDW/dmmv seit vielen Jahren Pitchhonorare fordert, sich aber niemand daran hält, deutet vielleicht auch darauf hin, dass die Idee an sich nicht so super ist.
Was soll nämlich das Ziel von Pitchhonoraren sein? Wenn man vermeiden möchte, dass sich Unternehmen 15 Agenturen zum Pitch einladen, um anschließend nur die Ideen einzusammeln, dann erreicht man das wohl wirkungsvoller, indem man diese Unternehmen bekannt macht. Dann nimmt nämlich niemand mehr an deren Pitches teil, und die Sache hat sich erledigt.
Komplett vernachlässigt wird außerdem die Kundensicht: Wenn ich zehntausende oder sogar hundertausende von Euros in ein Projekt stecken möchte, dann darf ich doch zu Recht von der Agentur erwarten, dass sie mir ihre Eignung mit etwas mehr ein paar PowerPoint-Slides mit Kundenlogos drauf demonstriert. Würde ich auch so machen.
Motivatoren und Manager
Gastkommentare bei unseren Freunden von allesaussersport zum Thema, warum sogenannte Motivatoren schlechte Manager sind und nur kurzfristig Erfolg haben können. Wohlfeiler Anlass für diesen Kommentar (und zwei weitere im Verlauf der Diskussion) war die Frage in einem Artikel auf allesaussersport, warum der “Motivator” Toppmöller den HSV noch nicht auf Trab gebracht hat.
