Power to the People!

Die WIRED berichtet in ihrer April-Ausgabe:

The biggest impediment to our technological future isn’t extending Moore’s law. [...] No, the biggest challenge to progress is much more ordinary: It’s battery life. What good is a super-functional cell phone if it runs out of juice after 20 minutes? [...] So now, even after a decade of impressive innovation in battery and “green” chip technologies, we’re beginning to lose the race to power our wireless electronics.

Und wenn ich mir in diesem Sinne mal einen ersten Schritt wünschen dürfte:

Wie wäre es mit einer Anzeige, die verlässlich darstellt, wie lange eine Batterie ihr Gerät noch betreiben kann – und zwar einer Zeitskala? Oder auf irgendeiner anderen Skala, die für Menschen (as opposed to: Maschinen) gemacht ist? Dann müsste ich mein Ladegerät nicht mit auf eine zweitägige Reise nehmen, wenn mein Nokia noch vier von fünf Batteriestands-Segmenten anzeigt. Denn in der Nokia-Batteriestands-Metrik heißt das ja nur: Die Batterie ist nicht mehr voll und es kann sein, dass sie nach dem nächsten Telefonat leer ist.

Seit wann hat Jesus vier Buchstaben?

Neues von der Front der sieben Four-Letter-Words (wir berichteten):

Als David Letterman Jackson in seiner Late-Night-Show auf ihre “Garderoben-Fehlfunktion” ansprach, entfuhr ihr ein “Jesus!”. Doch was Jackson sagte, konnten die Zuschauer nicht verstehen – der “Jesus” wurde von einem Piepsen übertönt, erklärte ein Sprecher der Show.
Quelle: SPIEGEL online

Wahrscheinlich muss der Ami demnächst genauso kreativ werden wie unsereins, wenn man seinen Chef elegant beleidigen will. Sonst bleiben denen ja bald keine Wörter mehr übrig, die sie im Fernsehen ungepiepst sagen dürfen. Was die wohl mit einem Interview machen würden wie dem von Charlotte Roche mit Robbie Williams: “Trinkst du auch dein eigenes Sperma?”, fragte sie den Popstar, als dieser behauptete, er höre ausschließlich seine eigene Musik. (von falter.at)

Loblied auf Kraftwerk

Ich habe mir gerade Aerodynamik von Kraftwerk angehört. Was ich zu Expo Zeiten schon gedacht hatte, jetzt aber erst formulieren kann, folgt.

Nicht der Minimalismus ist das aussergewöhnliche.

Das konnten andere vorher und besser, Andy Warhol z.B.und diverse andere. Zugegeben, eine Aussage wie die von den Herren Schneider und Hütter: ‘die ersten drei Minuten finden wir es auch langweilig, aber dann wird es interessant’, die ich erst bekloppt fand, mich dann aber wirklich begeisterte, ist wirklich weit vorn. Nein, das ist es nicht.

Nicht die Kommerzialisierung ist das aussergewöhnliche.

Logisch nicht, nicht in der Musikindustrie. Die kämen an erster Stelle in der Rechnung, dann die üblichen Absahner, vom Typ Ralph Siegel etc. Kraftwerk hatte nur das Pech, das irgendein Trottel über die Expo Löhnung gesprochen hatte.

Nicht die Konsequenz ist das aussergwöhnliche.

…die sich in diesem Interview und an vielen anderen Stellen niederschlägt. Wenn man halt mal diverse Stunden auf dem Fahrrad sitzt, dann kann man halt lange über den unterliegenden 4 Sekunden Loop nachdenken, den man in diesem Jahrzehnt verbrät.

Nein, aussergewöhnlich ist die Tatsache, daß die Musik aus der Vergangenheit ist.

Sie klingt wie etwas, das neuer sein sollte als ‘Raumpatroullie Orion’ mit seine Generälen und Adjudanten, dabei aber kein Science Fiction sein sollte. Sie klingt wie ein Buch aus den Sechzigern über die Schrecken und Chancen der Neunziger, wo es im Jahr 2000 ein Problem werden könnte, den Verkehr der Luftautos zu regeln und die Versorgung der Marskolonie zu gewährleisten.

An Aerodynamik ist nichts, was man nicht auch in den Siebzigern hätte produzieren können. Die Strings sind eine einzige Hommage an das Mellotron, in Quinten gespielt. Die Sequencer triggern Sounds, die Herr Hütter am Minimoog schon gut fand, der ihn damals verführte, die Querflöte aus der Hand zu legen.


     Willkommen in der Zukunft der Vergangenheit.

Im Westen nichts Neues mehr: Warum denn bitte nicht?

Ich muss gestehen, dass ich mich im Kartellstreit rund um Windows zunehmend auf die Seite von Microsoft schlage. Dass Microsoft eine hohe Strafe bezahlen muss, weil es seine dominante Marktposition ausgenutzt hat: Das finde ich vollkommen gerechtfertigt.

Aber wer zur Hölle will eine Windows-Version ohne Media Player haben? Microsoft hat mit seiner Position ja wohl unbestritten recht, dass ein Betriebssystem ohne integrierte Medien- und Internet-Funktionen/Applikationen nicht zeitgemäß ist. Insofern stimme ich mit der Kritik von Hewitt Pate überein, dem Wettbewerbsexperten des US-Justizministeriums, wenn er heute sagt: “Fundierte Anti-Kartellpolitik muss es auch bei dominanten Unternehmen vermeiden, Innovation und Wettbewerb zu behindern.”

Ballmer vs. Hoeneß

Im nun schon einige Tage andauernden Streit um die Verwandtschaft zwischen Steve Ballmer und Uli Hoeneß wird’s nun emotional.

Während Steve Ballmer vergleichsweise ruhig seine Herkunft abstritt

regte sich Uli Hoeneß über Gebühr auf, was sich sicherlich nicht positiv für ihn in diesem Prozeß auswirken dürfte.

Nun ja, wir dürfen gespannt bleiben.

Management: Alles Anfänger!

Die taz berichtete in einem lesenswerten Artikel schon am 12.11.03 über die Missachtung der Privatsphäre der Mitarbeiter bei eBay Deutschland. Beispielsweise werden dort offensichtlich Mitarbeiter-Mails kontrolliert. Was aber an dem Artikel viel mehr frappiert, ist, dass mal wieder in einem Unternehmen das Management die klassischsten aller Anfängerfehler macht. Fangen wir mal an:

  1. Jegliche Art von Leistungsbeurteilungen nehmen Mitarbeitern den Spaß an ihrer Arbeit – dazu gehört auch öffentliches Lob!
    Angewidert erzählt der Kollege von Pierre von den internen Oscar-Verleihungen, bei denen fleißige Mitarbeiter für ihre vorbildliche Leistung geehrt werden. [...] Wer die meisten positive Rückmeldungen nach An- und Verkäufen über eBay hat, bekommt schon mal ein Geschenk überreicht.
  2. Vertrauen und das Übertragen von Verantwortung motivieren Mitarbeiter, Kontrolle aber nimmt ihnen den Spaß an Ihrer Arbeit.
    Und so beginnt Pierres Arbeitstag als Erstes damit, dass er sich in den Activity Manager einloggt, eine Software, die alle seine Arbeitsabläufe über den Tag begleitet. Der Activity Manager funktioniert als Stechuhr und zugleich als Kontrollsystem. Jede seiner Handlungen hat Pierre hier zu protokollieren: seine Arbeitsschritte und die Zeit, die er dafür braucht, sein Gang auf die Toilette oder die Zigarettenpause.
  3. Es demotiviert Mitarbeiter, wenn Selbstverständlichkeit als Ziele ausgegeben werden.
    Jeder Mitarbeiter trägt [...] immer eine scheckkartengroße Plakette mit sich herum, auf der die zwölf “values” und “beliefs” des Unternehmens formuliert sind. Unter den Mitarbeitern heißt das Ding auch “unser Morgengebet”, erzählt Pierre. Darin finden sich so schöne Sätze wie “Es kommt auf die Menschen an” oder “Wir glauben, dass Menschen grundsätzlich gut sind”.
  4. Falsch verstandene Familiarität kann gute Führung nicht ersetzen.
    Die offene und familiäre Unternehmenskultur gehört zu den Klischees der New Economy. [...]Natürlich duzen sich bei eBay alle, vom Praktikanten bis zum Chef. Allerdings hat Pierre seine Zweifel, ob das die Kommunikation vereinfacht. Während des Studiums hat er einen Bürojob in einer klassischen Firma gemacht, wo die Chefs noch gesiezt wurden. “Natürlich war das auch manchmal nervig. Aber ich glaube, ich konnte da meine Frustration bei der Arbeit besser besprechen als bei eBay, wo immer alle sagen, es ist toll hier, wir verstehen uns alle gut. Denn Chef bleibt trotzdem Chef.”
  5. Und so weiter. Wofür haben eigentlich DeMarco/Lister, Drucker oder Brooks ihre teilweise 50 Jahre alten Managementbücher geschrieben, wenn dann jeder dahergelaufene BWL-Absolvent meint, dass man Mitarbeitern nur genug Geld und Druck geben müsse, damit sie funktionieren? Nur in der Fußball-Bundesliga ist es schlimmer als im Geschäftsleben: Als wenn einer wegen 6 Millionen jährlich Bock hätte, an einem nieseligen Donnerstagnachmittag in Bielefeld Fußball zu spielen.

    Samstagmorgenplatten

    Kleine Beobachtung am Rande: Platten, die man am Samstag Morgen ertragen, ja sogar genießen kann, gehören zu den großen Klassikern und Dauerbrennern. Und erstaunlich oft sind diese Platten solche, die mit akustischen Instrumenten eingespielt wurden und eher traditioneller Musik verpflichtet sind. Darum hier eine kurze Liste meiner liebsten Samstagmorgenplatten.

    Stephen Duffy & the Lilac Time – Keep Going
    Kurz vor Weihnachten auf der Medien-Geschenkliste des SZ-Feuilletons entdeckt, hat mich diese Platte sofort in ihren Bann gezogen: Stark countrifizierter, Singer-Songwriter-Pop, immer wieder mit Harmoniegesang und einer Slide-Guitar wehmütig gemacht. Diese Platte braucht fünf Durchläufe, bis sie in deinem Hirn ist; dann geht sie aber nie wieder raus.

    Rilo Kiley – The Execution Of All Things
    Rilo Kiley kommen aus Los Angeles, machen aber Musik wie aus Nebraska: irgendwie Indie, immer mit Seele, zerbrechlich und doch kraftvoll. Und mit With Arms Outstretched haben sie eine der wunderschönsten Samstagmorgenhymnen geschrieben: Es beginnt mit verhalltem Feedback, dann eine schnell geschrammelte Gitarre, dann Frauengesang, dann ein hingetupftes Glockenspiel – und dann die wirkungsvollsten Off-Beat-Claps der Musikgeschichte. Zum Augenschließen.

    Kings of Convenience – Quiet Is The New Loud
    Norweger spielen Simon-and-Garfunkel-go-Bossa und machen solche Cover:

    Jede Bossa-Nova-Platte, zum Beispiel dieser Sampler (für Einsteiger): Nova Bossa – Red Hot on Verve
    Gleichzeitig melancholisch und beschwingt. Einfach das Optimum für den Samstagmorgen – und für’s ganze Leben.

    In diesem Sinne: Schönen Samstag noch!

    MIA ROCKT!

    Da habe ich gerade den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix gesehen, und das beileibe nicht nur aus professionellem Interesse. Aber dass mich dabei eine Band so umhauen würde wie Mia – das hätte ich nun doch nicht gedacht.

    Vielleicht gilt das auch nur für das eine Lied, das sie heute abend gesungen haben. Schließlich waren Mia als Band mir bislang immer im üblichen Videogeplänkel untergegangen. Aber Hungriges Herz ist eine grandiose Mischung aus Schlager und Punk und läuft jetzt schon seit zwei Stunden nonstop in meiner privaten Heavy Rotation auf vollster Lautstärke.

    Wer heute noch Refrains schreibt wie den folgenden und dazu ernsthafte Musik macht, der traut sich wirklich alles:

    Du bist eis… eiskalt
    Du bist eis… eiskalt

    Mein hungriges Herz durchfährt ein bittersüßer Schmerz.
    Sag mir wie weit, wie weit, wie weit, wie weit willst Du gehen?
    Mein hungriges Herz durchfährt ein bittersüßes Schwert.
    Sag nur wie weit, wie weit, wie weit, wie weit wirst Du gehen?

    Für manche Schlagzeile muss man ja selbst die Bild lieben

    Respekt, das nenn ich mal einen chirurgisch präzisen Militärschlag:
    Wird heute bin Ladens Gehirn verhaftet?

    Tanz den Roh Moo Hyun!

    1) frei nach DAF (achgottja, die hiessen ja Deutsch-Amerikanische Freundschaft! pikant.).
    2) das hätte man besser nicht choreographieren können.
    3) Untertitel: der Überbringer der schlechten Botschaft.

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