DJ Koze: All People Is My Friends

Na bitte: Es ist der Beweis erbracht, dass nicht nur in der DJ KICKS-Reihe von K7! geniale DJ-Mixe erscheinen können! DJ Koze (of Fischmob and International Pony Fame) mixt zusammen, was zusammen gehört. Die Songs sind hauptsächlich elektronisch, aber der Sound des Mixes ist sehr organisch. Das erinnert im Stil an vielen Stellen an die Playgroup-DJ KICKS. Schon deswegen, weil auf beiden Platten der beste Track von Smith ‘n’ Hack kommt:
Deren “For Disco Play Only” lässt eine gesampelte Gitarre scheinbar unrhythmisch durch einen simplen Housebeat stolpern – bis sich der vertrackte Track so tief ins Kleinhirn gegraben hat, dass man auch zuhause hopsend die Tanzfläche sucht.
Ein besonderer Höhepunkt ist auch die Version von “The Long And Winding Road” des Langley Schools Music Project: Unfassbar schlicht singt eine unsichere Kinderstimme zu einfacher Klavierbegleitung – und legt dabei so viel Gefühl in das Stück, wie es selbst die Beatles nicht konnten. Das treibt einem Tränen der Rührung in die Augen.
Doch nach diesem Auftakt geht die Platte tanzen bis zum Morgengrauen! Ein Song groovt in den nächsten, immer ist es melodisch, und immer herrscht Kopfnickpflicht! Das ist im weitesten Sinne Electro mit Seele. Das ist aber vor allem ein echter Pflichtkauf. Denn was Kruder & Dorfmeister seinerzeit für die Trip-Hop-Neunziger abgeliefert haben, das kann Koze für den Punkrock-Jahrhundertbeginn geliefert haben: Bald in den coolen Bars Deiner Stadt zu hören, demnächst dann auch im Café Schmitz – und irgendwann im Karstadt! Aber schließlich kommt Pop immer noch von Populär.
Limp Bizkit bei “Wetten dass..?”
Gute Nachrichten für alle Limp Bizkit-Hasser: Mit ihrem Auftritt bei “Wetten dass..?” haben sie endlich auch öffentlich klar gemacht, dass sie auf einer Stufe mit Rod Stewart, Sting und Elton John stehen. Mark my words: In zwei Jahren sind sie wieder dabei – dann mit einem Medley ihrer größten Hits… Uaaaaaahhhhhh!
The Rapture live im Gebäude 9, Köln, 16.02.2004
Eins war vorher klar: The Rapture sind natürlich der große, angesagte, heiße Scheiß! Am 16.02.04 spielten sie zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten im Kölner Gebäude 9 vor ausverkauftem Haus. Nach der unsäglichen Vorband, die anscheinend nicht nur talent- sondern auch namenlos war, kamen The Rapture auf die Bühne, schon siegessicher mit beiden Händen ins Publikum winkend.
Es folgte ein Auftritt, der an Souveränität kaum zu überbieten war – aber auch an dieser Souveränität krankte. The Rapture sind perfekte Livemusiker: Nicht nur die bewährten Hits von “Echoes” kommen live perfekt und mit Wucht, sondern sogar die wenig bekannten Stücke ihrer frühen EPs überzeugen auf Anhieb, die sie an den Anfang des Sets stellen. Angenehm überrascht, dass die brüchig wirkende Stimme von Sänger Luke Jenner auch in Echtzeit nie abknickt und jeden Ton perfekt trifft.
Doch in genau dieser Perfektion liegt auch die Crux: Für einen kleinen, heißen, dampfenden Club wie das Gebäude 9 ist das alles einen winzigen Tacken ZU gut, zu reproduziert. Eine Show wie die der Rapture funktioniert wahrscheinlich im E-Werk besser, im Zweifel sogar im Müngersdorfer Stadion. Im Gebäude 9 erwartet man einfach, dass man einer Band beim Arbeiten zuschauen darf.

Unterm Strich bleibt aber ein sehr guter, solider Auftritt, dem nur der allerletzte Funken Begeisterung fehlt. Allerdings sagt es schon das meiste über das Niveau einer Band aus, wenn man sie so kleinlich kritisieren muss ;-) The Rapture haben das Potenzial ganz groß zu werden! Dafür sprach zum guten Zugabenschluss das fetzige Cover von “Doctorin’ the Tardis” (”Dr. Whoooo-oo, HEY, Dr. Who”) Diese Band werden wir wiedersehen.
Spieltheorie und Toll Collect
Schon mal ein schnelles Wort zu dem Beitrag im Risk Digest über die Probleme bei der Mautentwicklung, auf den mdornseif aufmerksam gemacht hat. Darin wird das Ergebnis spieltheoretisch betrachtet, und der Autor meint:
It is a game of partial coordination [...]. There is a dealer who owns both cars, employs one of the drivers, and keeps the other in business. He is very concerned about the outcome, and prefers not to lose either of his cars, but is likely to care much less about the drivers. His name is Joe Public. Both sides have an obligation to Joe to fix what is wrong, whether it be technical, contractual or political.
Zwar ist es richtig, dass beide Vertragsparteien der Steuer zahlenden Öffentlichkeit verpflichtet sind. Allerdings kann die Öffentlichkeit diese Verpflichtungen nur indirekt einfordern – nämlich über eine der beiden Vertagsparteien, den Bund. Daran ist schon problematisch, dass der Bund kein wahres Risiko eingeht, sondern dieses Risiko auf die Partei abwälzt, deren Interessen er wahren sollte – indem er bei Problemen die Steuern erhöht. (Natürlich ist die Sache ein bisschen kniffliger, aber im Prinzip schon so.)
Noch komplizierter wird die Angelegenheit dadurch, dass sich der Bund vom Verkehrsministerium vertreten lässt, dessen Leiter als Politiker auch persönlich-karrieristische und vor allem parteipolitische Interessen vor der letzten Bundestagswahl vertreten hat.
Letztlich kann man also etwas vereinfachend fest halten, dass hier zwei Parteien einen Vertrag zu Lasten einer dritten Partei geschlossen haben. Was so ja normalerweise nicht geht – außer eben in einer “public-private partnership”. To be continued…
Schülerzeitung telepolis
Auf meiner Top 10 von Dingen, die mir langsam immer mehr auf die Nerven gehen: Die Schreiber bei telepolis, die oft selbst das Niveau einer Schülerzeitung unterlaufen. Heute findet sich folgender Passus in einem Artikel über die Messung sehr kurzer Zeiten:
Damit man annähernd eine Idee davon bekommt, in welchen Dimension sich die Wissenschaftler hier bewegen, wird gerne folgender Größenvergleich angestellt: Würde eine Sekunde unseres Lebens so lange dauern wie das Alter des Universums, wäre eine Attosekunde davon noch immer kürzer als eine Sekunde. Das ist eigentlich unvorstellbar!
Genau genommen ist es unvorstellbar, wie so ein Zeugs in ein Magazin kommen kann, das mal den Grimme-Online-Award bekommen hat (wofür noch gleich?). Warum bemüht die Analogie eine Sekunde “unseres” (?) Lebens, die ich mir dann erst mal gaaaaanz lang vorstellen muss? Am besten mit 18 “A”s… Ist nicht vielmehr folgendes gemeint: Eine Sekunde ist im Vergleich zum Alter des Universums immer noch länger als es eine Attosekunde im Vergleich zu einer Sekunde.
Und wenn das jetzt nur ein Ausrutscher wäre… Tatsächlich aber lässt telepolis ja fast ausschließlich Menschen schreiben, die eine Stilblüte nach der anderen produzieren. Üblicherweise wird sowas dann noch als der “eigene Stil” verbrämt. Wenn Physiker schon schreiben müssen, dann sollten sie sich wenigstens auf Blogs beschränken ;-)
Kreativpause im bubblehouse
Seit einiger Zeit konnte ich mein Mitteilungsbedürfnis zu neuen Platten oder Konzerten dankenswerter im bubblehouse austoben. Nachdem diese Site aber in eine mehrmonatige Kreativpause geht, will ich in diesem bubbleblog unregelmäßig und in kürzerer Form über musikalisch Neues berichten. Und ein paar Mit-Bubbles sind demnächst vielleicht auch dabei.
BILD: Herrensitzung am Rosenmontag
Da ist BILD ausnahmsweise mal nur ein kleines bisschen doppelmoralisch: “So sehen also Deutschlands neue Superstars aus…” schreibt man dort über das selbst so genannte “Pummelfinale” – und alleine die drei Punkte machen klar, wie der Redakteur sich kopfschüttelnd wundert, warum es gerade die Dicken geschafft haben. “Superstar” Alexander lässt sich sogar zitieren: “Die beiden sind natürlich keine Schönheiten”. Wie bitte? In welcher Welt lebt ihr eigentlich? Aber irgendwie ist mir all das immer noch lieber, als wenn der giftige Dachzeilenschleim von den “pfundigen Frauen” auch aus dem restlichen Artikel triefen würde – weil ehrlicher.
Neulich war das noch anders, wie die Süddeutsche dankenswerter Weise kommentiert hat:
[...] weiß Bild es auf Seite eins schon besser: Film-Diva in Wahrheit ein Porno-Star. Wahrheit? Jedes einzelne der fünf Worte ist eine Lüge. Die weibliche Hauptdarstellerin ist längst keine Diva; sie hat zum ersten Mal in einem richtigen Film mitgespielt. Und bei aller Liebe sie ist auch kein Porno-Star, selbst wenn sie früher in sechs Pornos mitgewirkt hat. Pornos haben selten Stars. Das sollte man bei Bild wissen, wo dieselben Mädchen unter immer neuen Namen zum (höhö!) Durchklicken serviert werden. Gestern hieß das Girl von Seite 1 Moni, und was tat sie? Moni bläst kräftig zum Angriff . . ..
In diesem Sinne: Alaaf und ab zur Herrensitzung!
Valentinstag bei Google
Nä, wat schön.

Oetker ist nicht nur Dr. Oetker
Was die so alles machen. Wer weiß es?
Einparken, Fußball, Bild aufhängen, Computer
Geschlechterspezifische Vorurteile, elegant eingesetzt:
Like other governments worldwide, the council of the small German city of Schwabisch Hall decided to ditch Microsoft software in favor of open source, back in late 2002. [...]
Once the migration was complete, though, there were concerns that the open-source software would be harder to use than Windows. Again, Schwabisch Hall had a solution.
“We put the chairwoman of our workers’ council on stage in front of all the municipal workers, and showed her using the new system. After that, we found that no man would say that he couldn’t use his PC now that everyone knew a woman could do it.”
Artikel von news.com
