Cäsarische Prämien
Nun ist es zwar fast billig, in Fragen wirtschaftlicher Moral mit Brecht zu hantieren… Und überhaupt ist dies hier eigentlich ja kein politisches Magazin… Aber zu der Aussage von Joseph Ackermann, Klaus Esser habe seine Prämie verdient gehabt, weil er den Wert von Mannesmann so sehr gesteigert habe, frage ich mich mit Bertolt Brecht:
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Mal ganz ohne Polemik: Welche Prämie haben eigentlich die Mannesmann-Mitarbeiter erhalten?
Speichern?
Und dabei hatte ich doch nur den Laptop in den Standby-Modus geschickt, während Word noch ein Dokument auf dem Netzwerk geöffnet hatte… Da muss man doch nicht gleich dadaistisch werden!?!

Fast schon wieder liebenswert finde ich die unvermittelte Zusammenfassung von vier verschachtelten Nebensätzen in einem Wort: “Speichern?”
Kultur oder Egoshooter?
Versauen Computerspiele nicht doch jegliches kulturelles Interesse bei den jungen Leuten? Wenn ich mich mal selbst noch als solchen einordne, dann kann ich dazu folgendes erzählen:
An einem freiem Vormittag während einer Geschäftsreise war ich am Dienstag in der Yerebatan Zisterne in Istanbul – und kam mir vom ersten Moment an vor wie in einem Egoshooter. Dieser unterirdische Wasserspeicher schreit danach, als Map umgesetzt zu werden: 140 x 70 m groß und 8 m hoch, mit ein paar größeren Ecken und Nischen; 336 Pfeiler, jeder ca. 3 m im Durchmesser; naturgemäß ziemlich dunkel, nur mit ein paar Lichter erhellt, die viel Schatten übrig lassen (die Bilder täuschen); einzelne Lichter gehen alle 10 Sekunden an und aus; durch die Zisterne führt ein Holzpfad auf 1,5 m hohen Holzbeinen, darunter ca. 1 m hohes Wasser. Kurzum: Ein herrliches Szenario für abwechselnde Schleich-, Versteck- und dann wieder offene Kampfaktionen!
Mein Egoshooter-Gefühl entstand aber gleich zu Beginn: Wer in die Zisterne hinab steigt, steht nur 5 m vom Ausgang entfernt. Der touristische Holzpfad führt durch die ganze Zisterne, während der direkte Weg zum Ausgang versperrt ist mit ein paar fimschigen Ketten in Kniehöhe, die jedem Egoshooter-Spieler klar signalisieren: Ich bin eines der Hindernisse, die im realen Leben ein Kinderspiel wären, im Spiel aber niemals überwunden werden können.
Mit dem X-Gleiter durch’s Wohnzimmer
Kurze Frage am Rande: Was ist ein “X-Gleiter”?Schon falsch! Ein X-Gleiter kann sein:
- Irgendein mathematisches Dingsie: Mit dem “X-Gleiter” können Sie in Figur 12 den Punkt X auf dem WALLACE-Rechtskegelschnitt k’ laufen lassen.
- Ein Plastikteil zum Aufhängen von Gardinen in speziellen Schienen, von dem es im ganzen Internet kein wirkliches Bild zu geben scheint, lediglich Hinweise.
Weitere Vorschläge?
Wer von Euch ohne Sünde ist…
Wenn’s an die Schuldfrage geht, dann wird’s immer am spaßigsten. Dazu zwei zeitgleich veröffentlichte Meldungen von heute.
Nun will man nicht mal mehr ausschließen, dass das Maut-Konsortium die Regierung getäuscht habe. [...] Im Ministerium selbst sei der Sachverstand für die Beurteilung der Angebote nicht hinreichend groß gewesen – es sei daher notwendig gewesen, “externen technischen Sachverstand einzuholen.” Dabei sei es grundsätzlich auch möglich, dass eine Behörde getäuscht werde, wand sich der Sprecher.
Yahoo druckt einen AP-Artikel:
Trotz Kritik an millionenschweren Beraterverträgen sieht die Bundesregierung keinen Anlass, ihre Auftragsvergabe an externe Experten einzuschränken. [...] Im Fall der Maut-Einführung sei zum Beispiel der TÜV um eine Expertise zur Technik der unterbreiteten Angebote gebeten worden. [...] Die nun aufgetretenen Umsetzungsschwierigkeiten hätten auch die TÜV-Experten nicht vorhersehen können.
Na klar doch. Können die nicht mal eingestehen, dass bei einem Desaster dieser Größenordnung fast immer beide Seiten Schuld tragen: Kunde und Dienstleister?
Liebling des Monats
Nix gegen die WIRED, die mein Lieblingsmagazin ist und bleibt. Aber man hat ja schon ein bisschen den Eindruck, dass die Kollegen jedes halbe Jahr eine (mit Verlaub) neue Sau durchs Dorf treiben, schließlich muss ab und zu auch mal ein Gesicht auf’s Cover. Beispiele: Linus Torvalds (im November 2003?), Timbaland (Timbaland? TIMBALAND???), Steven Spielberg (Gottchen, da wäre ja die Redaktion des Konr@d drauf gekommen), Marc Andreessen (und zwar nachdem sein erster Laden schon untergegangen war, wie hieß der noch gleich…), und zuletzt in einem absoluten Verzweiflungs-Move Philip K. Dick. (Erstens ist das auf dem Cover natürlich Uma Thurman, der im Heft nach bester Bild-Aufmacher-Tradition lediglich ein winziger Kasten gewidmet ist. Und zweitens hat Dick die Stories zu bislang gerade mal drei Ernst zu nehmenden Filmen geschrieben. Na, muss wohl ein schwacher Monat gewesen sein.)
Immerhin scheint sich einer tatsächlich eine Weile zu halten: Jeff Bezos. Der taucht jetzt nämlich als Hoffnungsträger auf Platz 43 in den 101 Ways to Save the Internet auf. Während ein anderer Liebling des Monats auf Platz 48 eine letzte Chance bekommt…
