Reinhold Beckmann ist der Nächste
Reinhold Beckmann verteidigt sein Interview mit Susanne Osthoff bei SpOn:
SPIEGEL: Antje Vollmer vom Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete Sie als “schmierig, kalt berechnend”.
Beckmann: Ich habe es ehrlich gesagt mit etwas Erstaunen gelesen. Frau Vollmer nimmt da eine Wirklichkeit wahr, die so weder bei den Zuschauern noch in den Feuilletons angekommen ist.
Naja, in ein paar schon.
Rechtfertigt es eine Geiselhaft, die Familien-Angelegenheiten des Opfers auszubreiten? Beckmann bejahte Letzteres und bohrte auch dann noch weiter, als Osthoff ihr Verhältnis zu Mutter und Tochter “rein privat” genannt hatte.
taz:
Nach Marietta Slomka und dem “Stern” scheiterte nun auch Reinhold Beckmann an Susanne Osthoff.
Doch ihre Berichte von Häuserkämpfen, Granateneinschlägen oder der Anwesenheit deutscher GSG 9-Leute unterbricht Beckmann. Er interessiert sich für das Entführungsdrama (”Was war für Sie das Schlimmste?”) und die Familiengeschichte (”Wie war das denn mit Ihrem Vater?”). Und Susanne Osthoff ist irgendwie immer noch im falschen Film.
Reinhold Beckman wird die Archäologin zu dem Auftritt zwar nicht gezwungen haben, doch bei echter Fürsorge hätte der Medienprofi die Situation wohl anders gehandhabt. Er hätte dann dem Bedürfnis Osthoffs Rechnung getragen, die verunglückten Statements in ihren Interviews gegenüber El-Dschasira und dem ZDF gerade zu rücken. [...] Doch die Prioritäten des Reinhold Beckmann waren offensichtlich anders gelagert. Das vorranige Ziel des Fernsehmanns lautete wohl, Teilhaber zu werden an der medialen Inszenierung, zu der der Entführungsfall Osthoff inzwischen verkommen ist. Diese Gelegenheit wollte er sich bei aller echten oder unechten Einfühlsamkeit nicht entgehen lassen.
Beckmann, der adrette Bluthund mit der Vorliebe für entgleiste Gesichtszüge, interessiert sich nicht für außergewöhnliche Biografien, er sucht beharrlich das Monströse. [...] Deshalb achtet er nicht auf die Schilderungen, die sich, über die Sendung verteilt, doch zu einem Bild über die Verhältnisse im von Krieg und Bürgerkrieg geschundenen Irak runden. Nein, er zieht es vor, die Hälfte der Zeit (vergeblich) die Tage der Geiselhaft zu beackern, immer auf der Pirsch nach der Sensation. Er beschränkt sich darauf, Fragen zu stellen, die Emotionen herausfordern sollen (”Hat man Ihnen als Frau Gewalt angetan?”, “Was war das Schlimmste?”) und die doch überwiegend von bestürzender Einfalt sind.
Fast ununterbrochen hat [Susanne Osthoff] die Zigarette am Mund, gibt mit Rauchzeichen zu verstehen, ob sie Beckmanns bislang spärlich gestellte Fragen mag oder nicht.
Und es gibt viele Fragen, die sie nicht mag. Nach ihrem Verhältnis zur eigenen Familie etwa, über ihr im Internat lebendes Kind, über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem BND. Beckmann bohrt in trainiertem Reflex immer dann nach, wenn er meint, Osthoff packen zu können. Ohne zu erkennen, dass es Antworten gibt, die nicht an die Öffentlichkeit gehören.
Also musste sie zu Beckmann gehen, und Beckmann stellte ihr die Mutter aller Fragen: Was war das für ein Gefühl?
Der Wert des Rohstoffs Gefühl ist stark gestiegen, wie der Ölpreis. Durch die Emotionalisierung der Medien ist jeder Einzelne zur potentiellen Geisel geworden. Morgen könnten Beckmann oder der Bild-Chefredakteur selber an der Reihe sein. Wie stehen Sie zu Ihrer Mutter, Herr Beckmann?
Fand ich auch schon mal, dass Reinhold Beckmann der Nächste sein müsse.
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