Usability von Gasflaschen
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Fortuna Köln – Wuppertaler SV 3-0
Ich hatte mir lange überlegt, ob ich einen Rückblick auf die letzten Saison schreiben sollte. Letztlich überzeugte mich der erste Chatauftritt des neuen Fortuna-Trainers Uwe Koschinat davon, es nicht zu tun. Denn das, was er dort erzählte, das versprach einen echten Neuanfang – und in diesem Chat wusste Koschinat noch nicht einmal, dass die Fortuna nur Stunden später von Franz-Josef Wernze den Aufstieg in die Regionalliga wie einen ausgelutschten Kaugummi vor die Füße gespuckt bekommen sollte: Germania Windeck verzichtete auf den Aufstieg, den sie sich sportlich deutlich verdient hatten. Und so spielt in dieser und der nächsten Saison nun also der SC Fortuna Köln in der Regionalliga West, und das, wie alle Teams, auch noch unabsteigbar, weil wegen der Regionalligareform in dieser Saison ein sportlicher Ausscheidungskampf ausfallen wird.
Was der Fortuna-Trainer versprochen hatte, war dies: Ein 4-3-3 mit drei echten Stürmern, ein auch körperlich dominantes Auftreten und eine Verlagerung des Spiels in die gegnerische Hälfte. Im ersten Saisonspiel bei der U23 des VfL Bochum war von all diesen Vorsätzen so gut wie nichts zu sehen gewesen, das schlussendliche 1-1 war zwar nicht unverdient, aber doch glücklich, weil Bochum die Entscheidung schon vor dem späten Ausgleich hätte herbeiführen können.
Für das erste Heimspiel im Südstadion war die Erwartung an die Fortuna also gleich hoch, zumal Koschinat auch noch angekündigt hatte, dass ihm trotz eines völlig neu zusammengestellten Kaders die Vorbereitung reichen werde, um die Mannschaft seinen Vorstellungen entsprechend einzustellen. Zu Gast waren der Aufstiegsfavorit Wuppertaler SV, nach langer Zeit auch mal wieder der WDR, der nun wieder regelmäßig von der Fortuna berichten wird (hier der Beitrag zum Spiel von gestern), und die Spürhundestaffel der Kölner Polizei, die Pyrotechnik erschnüffeln sollten.
Vier Spieler der Oberligamannschaft hatten es noch in den gestrigen Kader geschafft: Paucken – Caspers, Haben, Schäfer, Bartsch – Pagano, Kühn, Laux (75. Yilmaz) – Nottbeck (79. Dahmani), Montabell, Moritz (59. Kessel).
Tatsächlich brachte Uwe Koschinat das angekündigte, astreine 4-3-3 auf den Rasen des Südstadions. Taktisch inszeniert Koschinat diese Grundformation allerdings nicht wie der FC Barcelona. Vielmehr hat er die Mannschaft mit groß gewachsenen, körperlich robusten Spielern bestückt, die technisch dennoch fähig sind.
Bei eigenem Ballbesitz versuchte die Fortuna oft, mit langen Bällen auf einen Spieler der vorderen Dreier-Reihe, teilweise direkt von Torwart Dieter Paucken oder von den Innenverteidigern geschlagen, das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Vorne soll der Ball dann möglichst schnell verarbeitet werden, um in eine Abschlussposition zu kommen. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler rücken genauso wie die Flügelstürmer oft nach innen, um sich als Anspielstationen anzubieten.
Maurice Kühn als Sechser ist also keineswegs zentraler Ballverteiler, tat sich bei dieser Aufgabe in Bochum auch nicht besonders hervor, wo er gegen den spielstärkeren Alex Ende ausgewechselt wurde. Defensiv allerdings ist Kühn mit Sicherheit die bessere Wahl als Ende, zumal er schon körperlich eher die Statur eines Innenverteidigers hat und in einem 4-3-3- der einzige Sechser zwangsläufig eher defensiv denken muss. Entsprechend tief lässt er sich bis unmittelbar vor die Viererkette fallen, wenn der Gegner angreift.
Bei gegnerischem Ballbesitz praktiziert die Fortuna zunächst ein breites Forechecking, alle Stürmer arbeiten aktiv gegen Ball und Gegner, die Verteidigung stand dann wenigstens gestern recht hoch, nur kurz hinter der Mittellinie. Falls der Gegner das Pressing überwindet, lassen sich die Fortunaspieler sehr tief fallen, die hinteren beiden Linien stehen innerhalb von vielleicht 15 Metern vor der eigenen Strafraumgrenze, vorne lauern noch ein, zwei Angreifer.
Unterm Strich sahen die Angriffe der Fortuna so fast immer aus wie Konter. Entweder, weil es nach Ballgewinn wirklich welche waren, oder weil der eigene Ball so direkt und schnell nach vorne gespielt wurde, dass auch dort der Gegner überrumpelt wurde.
Besonders erfreulich war, dass alle drei Tore dieser Einstellung der Mannschaft entsprangen. Beim 1-0 ersprintete Oliver Laux einen zu kurz geratenen Rückpass, natürlich auch ein Geschenk der Wuppertaler. Beim 2-0 kurz nach der Pause gelang Nottbeck der Ballgewinn in den gegnerischen Aufbau hinein, ein schneller Pass auf den Flügel zu Moitz, der passt flach in die Mitte zu Montabell: Alle drei Stürmer am Tor nach erfolgreichem Forechecking beteiligt! Beim 3-0 schließlich verlängert Moritz einen langen Ball von Paucken in den Lauf von Pagano, der direkt abschließt.
Taktik voll aufgegangen, Aufstiegsfavoriten mit 3-0 geschlagen, mehr als 2.000 Zuschauer im Südstadion. Alles Sonnenschein? Nein, denn in der Defensive zeigte sich die Fortuna wie schon in Bochum anfällig, solange der WSV noch versuchte, mit seinen technisch sehr starken Spielern zum Torerfolg zu kommen. Auf den Flügeln konnten die Flanken regelmäßig nicht verhindert werden, und in der Mitte gelang es den Innenverteidigern zu selten, die ankommenden Bälle unmissverständlich zu klären. Lediglich Dieter Paucken zeigte eine tadellose Leistung und hielt, was auf seinen Kasten kam, ohne auch nur eine Unsicherheit erkennen zu lassen.
Erst nach dem 3-0 gab der WSV auf und brachte gar nichts mehr nach vorne, vor der Pause dagegen hätte sich die Fortuna über ein Gegtentor nicht beklagen können.
Am Ende ging der Kölner Sieg natürlich voll in Ordnung, und es beeindruckte auch das Verhalten der Mannschaft, die schon vor dem Spiel zu den Fans gekommen war, und die sich nach dem Spiel zunächst zu einem Kreis versammelte, um dann noch einmal dem Fanblock zu danken – auch wenn der sich selbst dieses Mal nicht so toll fand.
Ich bin gespannt darauf, wie sich diese neue Mannschaft zusammen mit dem Trainer entwickeln wird, und ob sich andere Gegner besser auf die neue Fortuna-Taktik einstellen können, als es dem WSV gelang. Das Spiel gestern machte jedenfalls Lust auf mehr!
In der Blase
Genau darum nenne ich es “the boy in the bubble”: http://xkcd.com/915/
ESC 2011: Vergleich von Jury- und Televoting
Die EBU hat in dieser Woche die aufgesplitteten Votings von Juries und Televoting des Düsseldorfer ESCs veröffentlicht (s. Tabelle unten). Die beiden Bewertungen gingen jeweils zu 50% in die Gesamtbewertung eines Landes ein.
Am massivsten hat Italien vom Jury-Voting profitiert. Bei einem reinen Jury-Voting hätte Italien sogar mit 69 Punkten Vorsprung vor Aserbaidschan gewonnen. Nach den vergebenen Punkten am weitesten runtergezogen wurde Schweden, allerdings langte es immer noch für den dritten Platz, hätte nur das Publikum abgestimmt, wäre es auch nur der zweite geworden, allerdings nur sehr knapp hinter Aserbaidschan.
So sehr ich gute Musik zu schätzen weiß, muss ich hier aber mal eine dicke Lanze für das Televoting brechen: Es kann im 21. Jahrhundert einfach nicht sein, dass die Zuschauer des Eurovision Song Contests von den Juries fast einen zwar musikalisch respektablen, aber letztlich völlig unmodischen und zutiefst konventionellen Pianojazz-Song als Sieger vorgesetzt bekommen hätten, den sie selbst gerade mal auf den 11. Platz gewählt hätten.
Die Legende vom Nachbarschaftsvoting ist inzwischen ja wohl ohnehin als nationalistische Panikmache der Bild-Zeitung entlarvt, so dass man sich ernsthaft fragen muss: Wer braucht eigentlich das Jury-Voting? Und das sage ich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass er Volldreck aus Griechenland von den Televotern auf das musikalische Treppchen gewählt wurde.
Außerdem wage ich es, als Kontrapunkt eine alternative Verschwörungstheorie zu entwickeln: Haben die von den teilnehmenden Sendern ausgewählten Juries Raphael Gualazzi vielleicht deswegen nach oben gepunktet, damit Italien als fünftgrößter Geldgeber des Wettbewerbs nach jahrelanger Abwesenheit nicht sofort wieder abspringt, sondern von einem Erfolg ermutigt wird?
| Platz | Land | Gesamtergebnis | Jury | Televoting |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Aserbaidschan | 221 | 182 | 223 |
| 2 | Italien | 189 | 251 | 99 |
| 3 | Schweden | 185 | 106 | 221 |
| 4 | Ukraine | 159 | 117 | 168 |
| 5 | Dänemark | 134 | 168 | 61 |
| 6 | Bosnien-Herzegowina | 125 | 90 | 151 |
| 7 | Griechenland | 120 | 84 | 176 |
| 8 | Irland | 119 | 119 | 101 |
| 9 | Georgien | 110 | 79 | 138 |
| 10 | Deutschland | 107 | 104 | 113 |
| 11 | Großbritannien | 100 | 57 | 166 |
| 12 | Moldau | 97 | 82 | 98 |
| 13 | Slowenien | 96 | 160 | 39 |
| 14 | Serbien | 85 | 111 | 89 |
| 15 | Frankreich | 82 | 90 | 76 |
| 16 | Russland | 77 | 25 | 138 |
| 17 | Rumänien | 77 | 86 | 79 |
| 18 | Österreich | 64 | 145 | 25 |
| 19 | Litauen | 63 | 66 | 55 |
| 20 | Island | 61 | 72 | 60 |
| 21 | Finnland | 57 | 75 | 47 |
| 22 | Ungarn | 53 | 60 | 64 |
| 23 | Spanien | 50 | 38 | 73 |
| 24 | Estland | 44 | 74 | 32 |
| 25 | Schweiz | 19 | 53 | 2 |
(Tabelle kopiert von eurovision.de)
Kölnpfad, Etappe 3: Von Bocklemünd nach Roggendorf/Thenhoven
Das war mal ein schöner Sonntagsausflug: Einmal rund um Köln führt der “Kölnpfad“, 171 km lang. Zum Einstieg des Projekts nahmen wir die Etappe, die von uns aus mit der kürzesten Anreise erreichbar ist, nach offizieller Zählung die Etappe 3, über 16 km von Bocklemünd nach Roggendorf/Thenhoven.
Im Wesentlichen führt der Weg hier entlang. (Im Detail ist es dann doch leicht anders, aber Google Maps kennt nicht jeden Feldweg.)
Größere Kartenansicht
Zum Glück knubbelte sich das ganze Pech dieses Ausflugs gleich zu Beginn. Kaum an der Endstation aus der Stadtbahn-Linie 4 ausgestiegen, erwischte uns in Downtown Bocklemünd erst mal ein ordentlicher Regenschauer. An der dritten Kreuzung, als unsere Sinne noch nicht auf die Wegmarkierungen kalibriert waren, verpassten wir dann auch noch eine Abzweigung, bemerkten unseren Irrtum, kehrten um, nur um auf dem rechten Weg zu bemerken, dass eine Überquerung des Militärrings, zu dem wir parallel gelaufen waren, auch genügt hätte.
Das ganze kostete uns aber nur 10 Minuten Zeit, und in der Folge entsponn sich eine schöne Wanderung, entlang Industriegebieten, durch alte Wäldchen, durch Vororte, an Seen entlang und über Felder. Die Idee des Kölnpfads ist es nicht, die schönsten Stellen Kölns zu zeigen, sondern den Wanderer durch Stellen der Kölner Peripherie zu führen, die er sonst wohl nie entdecken würde.
So beginnt der Weg mit einem Schlenker durch das alte Bocklemünd, der alles andere als buchstäblich zielführend ist, sondern der nur das Dörfliche dieses Vororts zeigen soll. Weiter geht es durch junge Wäldchen vorbei am Industriegebiet Ossendorf, durch Mengenich hindurch, an den Escher und Pescher Seen vorbei, mitten durch ein Escher Wohngebiet.
Man verlässt Esch mit einem bedrohlichen Blick auf die Chorweiler Hochhäuser, biegt aber weit vorher links ab, schlägt sich über Felder und durch schöne, alte Wälder bis zum Wasserwerk Weiler.
Von dort aus geht es über ein endlos weites Feld bis zum Zielort Roggendorf/Thenhoven. Am Ende der Etappe verlässt man den Kölnpfad, um von der wenige hundert Meter entfernt gelegenen S-Bahnstation Worringen den Heimweg anzutreten.
Die 16 km schafften wir in gemäßigtem, aber nicht trödeligem Tempo in vier Stunden plus zwei Pausen. Mit An- und Abreise (die S-Bahn fuhr uns vor der Nase weg) waren wir sechs Stunden unterwegs.
Das Schöne an der Kölnpfad-Wanderung sind nicht die großen Dinge, sondern gerade die kleinen: Ein exotisch aussehender Vogel auf einem Ast an den Escher Seen. Zwei exotisch aussehende Ureinwohner, die in einen Smart in der Escher Suburbia steigen. Eine Serie von Banken, gestiftet vom lokalen Bürgerverein. Ein Wasserspender am Wasserwerk. Ein paar aztekisch aussehende Ruinen in einem Mengenicher Waldstück. Die alte Buche, die im Kölnpfad-Führer noch als Markierungspunkt ausgegeben wird, die nun aber gefällt und zerlegt am Wegesrand liegt und ihre aufgemalten Markierungspfeile ins Leere zeigen lässt.
Unterm Strich ein sehr schönes Erlebnis. Voraussichtlich am Vatertag geht’s auf Etappe 4.
Alle Kölnpfad-Fotos in meinem Flickr-Set.
Rückblick auf meine ESC-Prognose
Teilweise lag ich ja ganz gut, mit meiner gestrigen ESC-Vorhersage, teilweise aber auch katastrophal schlecht. Im Mittelwert wich meine Vorhersage um 8,1 Plätze von der schlussendlichen Platzierung ab, im Median (der die Extremwerte weniger stark berücksichtigt) immer noch um 6 Plätze.
Gut lag ich bei der Vorhersage der Top-Platzierungen von Aserbaidschan und Dänemark sowie beim schlechten Abschneiden von Spanien und dem Abkacken des Wettfavoriten Frankreich.
Komplett daneben lag ich bei Finnland, die ich auf 2 hatte (Resultat: 21), bei Ungarn (ich: 4, Welt: 22), sowie bei Ukraine, Schweden und Griechenland, die ich ans Ende des Tableaus platziert hatte, die von den Anrufern und den Juries hingegen weit nach vorne gewählt wurden. (Aufgeschlüsselter Vergleich von Vorhersage und Ergebnis: am Ende des Beitrags)
Ich glaube, ich habe einen wesentlichen Punkt unterschätzt: In der Spitze der ESC-Tableaus tummelt sich regelmäßig eine ähnliche Mischung von Songs. Da sind:
- Der Konsens-Sieger
Ein Titel, auf den sich ganz Europa einigen kann. Das war in diesem Jahr Aserbaidschan, allerdings auf erstaunlich niedrigem Niveau. Immerhin 12 Länder vergaben keine Punkte an Ell und Nikki, “douze points” erhielten sie nur drei Mal: von Malta, Russland und der Türkei. Zum Vergleich: Lena hatte letztes Jahr neun Mal die Höchstwertung erhalten und nur fünf Mal keine Punkte. Der norwegische Rekordsieger von 2009 hatte von ausnahmslos jedem Land Punkte erhalten und konnte insgesamt 166 mehr Punkte sammeln als “Running Scared”. - Das gute Lied
Einen Song gibt es jedes Jahr in der Spitze, der musikalisch von hoher Qualität ist, bei dem aber der Sexappeal und der Kracherfaktor fehlen. Dieses Jahr war das wohl Italien. - Der Klamauk-Song
Irgendeinen Titel wählen Menschen, die nicht auf die Musik, sondern nur auf die Show achten. Das war in diesem Jahr der Song aus der Ukraine, der völlig belanglos war, bei dem aber die Sandmalerin im Hintergrund für erinnerbares Eye Candy sorgte. - Der Kandidat der Herzen
Diesen Slot füllte der Roger Whitaker des Balkans, Dino Merlin aus Bosnien & Herzegovina.
Völlig unerklärlich hingegen ist mir die gute Platzierung Griechenlands. Was haben die Menschen an diesem Song gefunden? Der Rapper war so gnadenlos schlecht, der Tenor zwar immerhin gut, aber der Song ohne Erinnerungswert, die LED-Projektion war unauffällig. Wer wählt sowas?
Finnland dagegen ist wohl tatsächlich seiner Startnummer zum Opfer gefallen: Im ersten Halbfinale schaffte der Titel es immerhin noch auf Position 3. Dass er sich im Finale so schlecht platzierte, ist nicht mit musikalischer Qualität oder der Konkurrenz erklärbar.
Blick nach Baku
Nun geht es also nach Baku. Und obwohl das immerhin eine 2-Millionen-Einwohner-Stadt ist, kann ich mir vorstellen, wie die Stimmung der EBU-Veranwortlichen gerade ist. Als ich von 2004 bis 2006 mal drei Jahre für den ESC arbeiten durfte, fiel in diese Zeit auch die Veranstaltung in Kiew. Ich erinnere mich lebhaft, wie schwierig die Vorbereitungen dort waren, so weit ich sie mitbekam – und die Ukraine hat immerhin fünf Mal so viele Einwohner wie Aserbaidschan. (Damals in Kiew zitterte man vor einem Sieg des Neulings Moldawien, der am Ende Siebter wurde. Viel größer als Moldawien ist Aserbaidschan auch nicht.)
Insbesondere problematisch war es 2005 zum einen, den Ukrainern klar zu machen, dass sie für die Durchführung eines solchen Events mit vielen tausend aktiv Beteiligten Hilfe benötigen würden. Und ich kann mir vorstellen, dass das in einem undemokratischen Land wie Aserbaidschan eher noch schwieriger werden wird, weil der politische Wille, sich der Welt als stolze und leistungsfähige Nation zu präsentieren, die ein solches Ereignis alleine stemmen kann, noch größer sein wird als damals in Kiew.
Und dann gibt es da noch die notwendige Halle. Ich kenne Baku nicht, und vielleicht hat man sich dort schon eine Multifuktionsarena gebaut. In Kiew war die Halle jedenfalls von historischem Wert: Wenn man zu den Kommentatorenkabinen ging, die ganz oben rund um den Zuschauerraum lagen, dann gab der Boden unter dem Linoleum immer wieder nach. In der Halle war viel Holz verbaut, und das hatte sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte halt doch hier und da in Moder verwandelt.
Andererseits wird ein ESC in Baku für alle Beteiligten natürlich auch ein sehr besonderes Ereignis werden: Da kommt man sonst nicht unbedingt hin, die Lage der Stadt am kaspischen Meer ist toll, die Aserbaidschaner werden sich sicherlich zerreißen, damit die Gäste sich willkommen fühlen, und ein ESC, der um 1 Uhr nachts Ortszeit beginnt, hat natürlich auch einen ganz besonderen Charme.
Es wird für alle Beteiligten mehr und nervenaufreibendere Arbeit werden, aber am Ende auch das spannendere Erlebnis.
Aufgeschlüsselter Vergleich meiner Tipps mit dem Ergebnis
| Rang Vorhersage |
Rang ESC | Differenz | Land |
| 1 | 8 | 7 | Ireland |
| 2 | 21 | 19 | Finland |
| 4 | 1 | 3 | Azerbaijan |
| 4 | 5 | 1 | Denmark |
| 4 | 10 | 6 | Germany |
| 4 | 22 | 18 | Hungary |
| 7 | 20 | 13 | Iceland |
| 7 | 11 | 4 | United Kingdom |
| 10 | 19 | 9 | Lithuania |
| 10 | 16 | 6 | Russia |
| 10 | 14 | 4 | Serbia |
| 13 | 9 | 4 | Georgia |
| 13 | 2 | 11 | Italy |
| 13 | 25 | 12 | Switzerland |
| 15 | 12 | 3 | Moldova |
| 18 | 18 | 0 | Austria |
| 18 | 6 | 12 | Bosnia & Herzegovina |
| 18 | 15 | 3 | France |
| 18 | 17 | 1 | Romania |
| 21 | 24 | 3 | Estonia |
| 21 | 13 | 8 | Slovenia |
| 21 | 4 | 17 | Ukraine |
| 23 | 23 | 0 | Spain |
| 24 | 4 | 20 | Sweden |
| 25 | 7 | 18 | Greece |
Meine ESC-Vorhersage für 2011
Im Schnelldurchlauf habe ich mir gerade die Videos der Titel des heutigen ESC-Finales angesehen und ihnen in fünf Kategorien Punkte von 1 bis 5 gegeben: Musikalische Qualität, Catchiness, Ost-Appeal, West-Appeal, Auffälligkeit.
Ich komme in der Summe auf die folgenden Vorhersagen, die sich von den Quoten der Buchmacher in der Spitze nicht unterscheiden, bis auf die Tatsache, dass ich Frankreich eher am Ende des Feldes sehe als weit vorne.
Dem Finnen würde ich sogar den Sieg zutrauen, wenn er denn einen besseren Startplatz hätte: Auf Position 1 zu eröffnen tut seinem Lied nicht gut, das extrem catchy ist und mit einer wunderschönen LED-Projektion daherkommt. Aber weiter hinten, als Erholung von vorangegeangenem Overkill, würde er bestimmt besser wirken.
So glaube auch ich an einen Sieg der irischen Flummizwillinge.
Punkte-Debakel sage ich hingegen für Spanien, Schweden und Griechenland voraus.
Wir werden sehen!
| Rang | Land | Titel | Punkte |
| 1 | Ireland | Jedward – Lipstick | 21 |
| 2 | Finland | Paradise Oskar – Da Da Dam | 20 |
| 3 | Azerbaijan | Ell & Nikki – Running Scared | 17 |
| 3 | Denmark | A friend in London – New tomorrow | 17 |
| 3 | Germany | Lena – Taken by a stranger | 17 |
| 3 | Hungary | Kati Wolf – What about my dreams | 17 |
| 7 | Iceland | Sjonni’s Friends – Coming Home | 16 |
| 7 | United Kingdom | Blue – I Can | 16 |
| 9 | Lithuania | Evelina Sašenko – C’est ma vie | 15 |
| 9 | Russia | Alexej Vorobjov – Get You | 15 |
| 9 | Serbia | Nina – Caroban | 15 |
| 12 | Georgia | Eldrine – One More Day | 14 |
| 12 | Italy | Raphael Gualazzi – Madness of love | 14 |
| 12 | Switzerland | Anna Rossinelli – In love for a while | 14 |
| 15 | Moldova | Zdob si Zdub – So Lucky | 13 |
| 16 | Austria | Nadine Beiler – The secret is love | 12 |
| 16 | Bosnia & Herzegovina | Dino Merlin – Love in rewind | 12 |
| 16 | France | Amaury Vassili – Sognu | 12 |
| 16 | Romania | Hotel FM – Change | 12 |
| 20 | Estonia | Getter Jaani – Rockefeller Street | 11 |
| 20 | Slovenia | Maja Keuc – No one | 11 |
| 20 | Ukraine | Mika Newton – Angel | 11 |
| 23 | Spain | Lucia Perez – Que me quiten lo bailao | 9 |
| 24 | Sweden | Eric Saade – Popular | 8 |
| 25 | Greece | Loucas Yiorkas Feat. Stereo Mike – Watch my dance |
7 |
Meine Vorhersage im Detail mit allen Punkten als Excel-Sheet: http://dl.dropbox.com/u/1254632/esc-2011_scoring_xls.xls
Nachtrag: Hier der Vergleich meines Tipps mit dem Ergebnis.
Fortuna Köln – FC Wegberg-Beeck 1-0
Ein lauer Frühsommer-Abend über Köln-Süd, ein maues Spiel, immerhin unterbrochen von ein paar Chancen auf beiden Seiten, und ein glücklicher Sieger: Das war der gestrige Freitagabend der Fortuna.
Matthias Mink musste zahlreiche verletzte Spieler ersetzen, so dass die Aufstellung ein paar Überraschungen bereit hatte: Maycoll Canizales spielte im zentralen Mittelfeld neben Alex Ende, nicht der dort vielleicht eher erwartete Nico Schmied. Auf der defensiven Außenbahn durfte mal wieder Benni Venekamp ran, und offensiv rückte Chamdin Said mal wieder von Beginn an in die Mannschaft: Sela – Bartsch, Schroden, Habl, Venekamp – Ende, Canizales – Glaser, Heber, Said – Montabell.
Da ich mir das Spiel gestern mal aus der Südkurve anschaute, kann ich zur Analyse nicht viel beitragen, dafür ist die Sicht von dort aus zu schlecht. Im Ergebnis konnte die Fortuna sich jedenfalls weder die aus der Rückrunde gewohnte Feldüberlegenheit erarbeiten, noch konnte sie sich die besseren Chancen erspielen. In der einzigen brandgefährlichen Situation stand in der ersten Halbzeit Stephan Glaser vor dem leeren Tor, allerdings in sehr spitzem Winkel, und konnte den Ball nicht am einzigen Abwehrspieler auf der Linine vorbeibringen.
Wegberg-Beeck dagegen konnte sich einige gefährliche Gelegenheiten erarbeiten, davon zwei, in denen sie nur mit etwas Pech den Torerfolg verpassten, so auch in der folgenden Szene:
In der zweiten Halbzeit konnte sich die Fortuna etwas freispielen, besaß den Ball häufiger, kam aber immer noch nicht zu sehr guten Chancen. So mussten dann der Schiedsrichter und das Glück ein bisschen mithelfen, dass schließlich doch die Führung gelang. Ein Fortuna-Spieler wurde vor dem Strafraum gefoult, der Schiedsrichter ließ Vorteil laufen, den der ballführende Kölner (Tibor Heber?) jedoch vergab, in dem er sich in der Abwehr festdribbelte. Daraufhin pfiff der Schiedsrichter zumindestens überraschend doch noch das erste Foul. Meiner Ansicht nach eine regeltechnisch falsche Entscheidung, die der Fortuna aber die Gelegenheit gab, Benni Venekamp in Schussposition zu bringen. Dessen keineswegs überharter Schuss wurde von einem Wegberger noch leicht so abgefälscht, dass er kurz vor der Torlinie noch einmal aufsetzte und unhaltbar neben dem Pfosten einschlug.
Nun war der auch der Kampfeswille der Wegberger gebrochen. Fabian Montabell kam noch einmal frei im Straraum zum Schuss, versuchte den Schlenzer um den Torwart herum, hätte aber wohl besser auf den nach ewiger Zeit mal wieder eingewechselten Kevin Kruth quergespielt.
Am Ende war der Sieg der Fortuna so doch glücklich, wenn auch nicht völlig unverdient, denn der Gegner ist dann doch immer noch selbst dafür verantwortlich, seine Chancen in Tore umzumünzen. Der Elfmeter, den der Wegberger Trainer nach dem Spiel für seine Mannschaft reklamierte, war jedenfalls eine klare Schwalbe.
Erwähnenswert gestern auch die gute Unterstützung durch die Fans auf der Tribüne und in der Kurve, und das nach sehr langer Zeit mal wieder gemeinsam mit der Mannschaft gegebene F.
Gefroren hat gestern keiner, einen Fortuna-Sieg gab es auch, und das Bier reichte bis zum Schlusspfiff. Was will man mehr?
Alle meine Fotos vom Spiel: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2011/05/06/detail/
Unitymedia im Wildwest-Stil: Erst abrechnen, dann fragen
Ich habe bei Unitymedia das kleine Digital-TV-Paket abonniert, außerdem läuft Sky ebenfalls über die Unitymedia-Smartcard und -Box. Der Kabelanschluss, auf dessen Basis diese Zusatzpakete erst funktionieren, lief in meiner letzten Wohnung über den Vermieter und wurde über die Nebenkosten berechnet. In meiner neuen Wohnung läuft der Kabelanschluss über meine Freundin.
Nach meinem Umzug informierte ich Unitymedia über meine neue Adresse. Ich bekam zur Antwort, dass die Änderung vermerkt sei, dass man mir die Unitymedia-Leistungen auch unter der neuen Adresse anbieten werde und dass ich “bitte beachten” solle, dass “der Kabelanschluss im Einzelnutzervertrag für 17,90 €/Monat als Grundversorgung erforderlich” sei. Danke für den Hinweis, dachte ich mir, habe ich berücksichtigt, der Kabelanschluss existiert schon.
Wie ich ein paar Tage später im Telefonat mit einer patzigen Hotlinemitarbeiterin feststellte, wollte Unitymedia diesen Satz allerdings nicht als freundlichen Tipp verstanden wissen – sondern als Ankündigung, dass man mir in Zukunft 17,90 €/Monat zusätzlich berechnen werde. (Das ist schon sprachlich zu bemängeln, was einer Hotlinemitarbeiterin aber kaum zu vermitteln ist.) Ich hatte in der Zwischenzeit nämlich eine Rechnung erhalten, in der mir Unitymedia einen Kabelanschluss in Rechnung stellt – wohlgemerkt ohne dass Unitymedia wissen konnte, ob ich diese Leistung noch benötige bzw. ob sie überhaupt erbracht wird.
Auf diese Weise verschiebt Unitymedia das Risiko elegant auf Kundenseite: Falls man die Leistung nicht benötigt, muss man sich erst mal melden, soll dann nachweisen (!), dass ein Kabelanschluss schon existiert und bekommt dann sein Geld zurückerstattet.
Schlussendlich ist noch interessant, dass Unitymedia zum Nachweis die Nennung einer Kundennummer im gleichen Mehrparteien-Haus genügt. Ob ich aber tatsächlich in der Wohnung wohne, zu der die Kundennummer gehört, kann ohne Privatdetektiv kaum überprüft werden. Ob es hingegen unter meiner neue Adresse überhaupt bereits Kabelkunden gibt, das hätte man bei Unitymedia wohl auch ohne mich feststellen können.
Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Unitymedia mir pauschal unterstellt, Kabelschwarzgucker zu sein, mir deshalb erst mal eine Rechnung stellt und sich nur nach Beweis des Gegenteils dazu erbarmen will, mir den zu Unrecht vom Konto eingezogenen Betrag zu erstatten. (Und ich vermute mal: Ohne die für Sofortkredite üblichen Zinsen.)
Als Einzelkunde ist man in so einer Angelegenheit ja erst mal recht hilflos, kann bestenfalls drüber bloggen. Aber ich werde mal austesten, ob sich die Verbraucherzentrale NRW nicht für solches Geschäftsgebaren interessiert.


























