Pro und Contra Matthias Mink
Bei Deinfussballclub (DFC) wird schon wieder über den Trainer von Fortuna Köln abgestimmt. Gegen Matthias Mink gab es bereits im Dezember 2009 ein Misstrauensvotum, das von den DFC-Nutzern initiiert wurde. Damals sprach ihm die Mehrheit aber deutlich das Vertrauen aus, auch ich gab ihm meine Stimme. Im April dieses Jahres, als über die Vertragsverlängerung von Mink abgestimmt wurde, bekam er über 2/3 der Stimmen.
Erst kurz nach der Vertragsverlängerung zeichnete sich jedoch ab, dass die Fortuna in einer fast existenzbedrohenden Serie siegloser Spiele festhing. Am Ende sammelte man aus den letzten elf Spielen der Saison gerade mal zwei Punkte und entging dem Abstieg nur wegen der um zwei Tore besseren Differenz gegenüber Hüls. (Im nachhinein hielt Hüls am Grünen Tisch doch noch die Liga.)
In diese Negativserie hinein platzierte ein Nutzer den erneuten Vorschlag, Matthias Mink zu beurlauben. Warum kommt der Vorschlag erst jetzt zur Abstimmung? Als am 01.06. festgelegt wurde, welche Mitglieder-Abstimmung im Juli durchgeführt wird, hatte ein anderer Vorschlag noch mehr Unterstützerstimmen, der die Offenlegung des abgelehnten Vertragsangebots an den Fanliebling Cengiz Can forderte. Die Abstimmung wurde dann auch durchgeführt, allerdings gab DFC, als der Vorschlag eine Mehrheit der Stimmen erhalten hatte, bekannt, dass man das Vertragangebot nicht veröffentlichen werde, weil angeblich die Persönlichkeitsrechte von Can berührt seien.
Das hätte man nun aber auch vorher wissen können, so dass der Vorwurf im Raum stehen bleibt, dass DFC die Can-Abstimmung sehenden Auges benutzte, um die Mink-Abstimmung in den August zu schieben. In diesem Monat hat nämlich die NRW-Liga-Saison bereits begonnen, so dass jedem Abstimmenden klar sein muss: Wird der Trainer abgewählt, dann steht die Fortuna nach drei Spieltagen ohne den Übungsleiter da, der sich vor der Saison eine fast komplett neue Mannschaft zusammenstellen durfte, die um den Aufstieg spielen soll. Das Ziel Aufstieg könnte man dann wahrscheinlich abhaken.
Ich will dennoch meine Argumente pro und contra Mink abwägen, um zu einem sachlichen Urteil zu kommen, dieses Mal allerdings in anderer Form als letztes Mal: Ich werde die Argumente, die mich im Dezember 2009 bewogen hatten, für Mink zu stimmen, im Rückblick auf ihre Richtigkeit überprüfen. Punkte, die sich aus meiner Sicht als stichhaltig pro Mink erwiesen haben, markiere ich grün, neutrale Punkte blau, die für Mink negativen Punkte rot.
- Die Fortuna nimmt eine erkennbare, langfristig positive Entwicklung. Unter Mink stieg sie zunächst (als Meisterschaftszweiter, weil der VfL Leverkusen die Lizenzbedingungen nicht erfüllen konnte) in die NRW-Liga auf, nachdem sie im Jahr davor noch gegen den Abstieg aus der Verbandsliga gespielt hatte. Der Klassenerhalt war in der ersten NRW-Liga-Saison nie ein Thema. In dieser Saison ist ein Platz im oberen Tabellendrittel das Ziel, und dieses Ziel ist eindeutig in Reichweite.
Kommentar heute: Gott, was lag ich damals daneben! Die schon erwähnte Negativserie ließ die Fortuna fast noch in die Verbandsliga absteigen. Von langfristiger Entwicklung kann also keine Rede sein. - Die mannschaftliche Geschlossenheit war bis auf ein, zwei Partien bei allen Spielen dieser Saison erkennbar.
Kommentar heute: Auch das stellt sich aus heutiger Sicht anders dar. Die Mannschaft zerfiel in den letzten Spielen quasi. Es war erkennbar, dass der Zusammenhalt nur auf dem Erfolg gründete, aber nicht stark genug war, schwierige Phasen zu überstehen. Man hört, dass damals positive Führungsfiguren fehlten. - Man erkennt nach einem etwas holprigen Start der auf wesentlichen Positionen veränderten Mannschaft, welches System Matthias Mink spielen lässt und wie dieses System mehr und mehr zu greifen beginnt.
Kommentar heute: Das System ist in der Tat erkennbar, ein 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing. Allerdings greift es in Heimspielen nicht, wenn der Gegner defensiv steht. - Matthias Mink gelingt es, wenn auch nur über längere Zeiträume, flexibel zu sein und sich zu ändern. Die Umpositionierung von Hamdi Dahmani vom Flügel auf die Sechser-Position, der immer besser funktionierende Einbau von Abdelkader Maouel in die Mannschaft, die Umstellung auf zwei Spitzen: All das sind Veränderungen, die der Mannschaft halfen.
Kommentar heute: Das sehe ich heute neutraler. Zwar nimmt Matthias Mink auch mal Änderungen vor, aber nur sehr, sehr langsam – für meinen Geschmack zu langsam, wenn man schnell Erfolg haben will, wie es jetzt notwendig ist, und zudem mit vielen neuen Spielern noch viel wird erproben müssen. - Das von Mink bevorzugte 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing funktioniert auswärts ganz hervorragend (Bilanz in dieser Saison bislang 5-2-2).
Kommentar heute: Auch wenn die letzten Auswärtsspiele der vergangenen Saison von einer verunsicherten Mannschaft verloren wurde, halte ich das System auswärts für erfolgversprechend. In dieser Saison gab es leider erst ein Auswärtsspiele, das bei Kleve mit 3-0 gewonnen wurde. Allerdings hat Kleve nach drei Spielen keinen Punkt auf dem Konto und 0:9 Tore… - Junge Spieler entwickeln sich unter Mink immer wieder positiv und bekommen Einsatzzeiten: Kevin Kruth hat es vom Superjoker zum kaum noch verzichtbaren Sturmführer gebracht. Abdelkader Maouel tut der Mannschaft sehr gut. Jan Gran kommt auch noch. Von Michael Khan hört man immer wieder, dass er sehr gute Trainingsleistungen bringt. (Auf dem Platz ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen.)
Kommentar heute: Das betrachte ich heute als Fehleinschätzung, lediglich bei Kevin Kruth bleibe ich bei meiner Meinung. Allerdings wird gerade der von Mink aktuell verunsichert, weil er vor der Saison gleich drei Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekam, in den ersten drei Spielen trotz der Knipserprobleme von Said erst einmal von Anfang spielte und da noch ausgewechselt wurde. Alle anderen jungen Spieler sind entweder inzwischen gegangen oder haben kaum noch eine Chance auf einen Einsatz. - Die Mannschaft hat unter und mit Matthias Mink die Kurve aus einer ganz, ganz schwierigen Saisonphase gekriegt.
Kommentar heute: Tja, und anschließend ist sie gleich wieder in die nächste ganz, ganz schwierige Saisonphase geschliddert. - Das Spielsystem im Südstadion funktioniert erst in den letzten Spielen einigermaßen, aber noch lange nicht so gut wie auswärts.
Kommentar heute: Es deutet sich an, dass auch die neue Mannschaft Probleme hat, das Spiel zu machen. Mir scheint das ein Systemproblem zu sein. - Matthias Mink denkt aus der Defensive heraus. Das ist zwar im modernen Fußball weit weg von grundfalsch, aber auch gegen schlechte Mannschaften wird oft mehr reagiert als agiert. Mir fehlt eine klarere Spielphilosophie, wie die Mannschaft bei Ballbesitz agiert.
Kommentar heute: Nochmal dasselbe mit anderen Worten. - Mink ist ein Sturkopf, obwohl er langfristig durchaus Veränderungen vornimmt, beispielsweise wird in dieser Saison früher einwechselt als noch letzte Saison.
Kommentar heute: Diesen Punkt müsste ich eigentlich doppelt rot machen, wenn das ginge. In einem doppelseitigen Artikel in der Sport-Bild zur Beurlaubungs-Abstimmung wurde Mink zitiert, dass er gerade jetzt nicht etwa mehr auf die DFC-User hören wolle. Das muss er vielleicht auch nicht tun, aber Widerspruch, so der Eindruck, lässt Matthias Mink auf seiner Meinung noch mal extra beharren. - Wechsel dienen bei einer Führung fast ausschließlich der Ergebnissicherung, nie dem Willen, die Entscheidung herbeizuführen, indem man noch ein Tor nachlegt.
Kommentar heute: Das wird man abwarten müssen. In den ersten drei Spielen gab es unterschiedliche Signale. - Die Zusammenstellung des Kaders, für die Mink auch verantwortlich ist, ist nicht optimal. Es fehlt beispielsweise ein dritter, ligatauglicher Stoßstürmer. Auch die beiden Sechserpositionen und die Flügel sind zu dünn besetzt. Das ist nicht nur mit dem Etat erklärbar, denn wenn ich ein 4-4-2 spielen möchte, zu dem Matthias Mink sich bekennt, dann kann ich mich einfach nicht mit zwei Stoßstürmern zufrieden geben.
Kommentar heute: Auch hier heißt es abwarten. Der Kader ist zwar recht tief und ausgeglichen besetzt. Andererseits scheint ein Wunschspieler wie Tibor Heber doch nicht ins System zu passen. Unterm Strich machen die neuen Spieler aber schon den Eindruck, als sei mit ihnen mehr fußballerische Qualität ins Team gekommen. Vielleicht also doch eine Tendenz ins Grüne.
Insgesamt muss ich sagen, dass mir nur die Hoffnung bleibt: die Hoffnung, dass Matthias Mink doch eine erfolgträchtige Taktik für Heimspiele auf der Tafel stehen hat, die Spieler sie irgendwann früh in der Saison auch erfolgreich umsetzen werden und es letzte Saison nur an der Qualität der Spieler lag.
Wissen kann ich das allerdings nicht. Vor der Saison hatte DFC immer wieder betont, dass sie mit Mink in die neue Saison gehen wollten, weil sie seinem sportlichen Konzept vertrauten. Ich bat dann im internen Forum darum, dieses sportliche Konzept einfach mal offenzulegen, was mir auch zugesagt wurde. Was eine Weile später kam, waren rund fünf Zeilen, in denen der Trainer in einem Newsletter seine Spielphilosophie beschrieb, sowie, auf den losbrechenden Proteststurm hin, ein paar vom DFC-Pressesprecher nachgeschobene Spiegelstriche, teilweise mit Banalitäten. Es gibt also bei der Fortuna kein niedergeschriebenes sportliches Konzept. Das ist mir für ein Wirtschaftsunternehmen wie DFC, das den Aufstieg in diesem Jahr eigentlich unbedingt braucht, zu wenig. Das ist mir auch vom sportlichen Alleinverantwortlichen zu wenig – und das ist der Trainer.
In der Summe würde ich deswegen gegen Matthias Mink stimmen. Tatsächlich enthalte ich mich aber, weil der Zeitpunkt einer Ablösung wie erwähnt ungünstig ist und die Saison fast sicher zerstören würde. Außerdem gibt es keine Alternative, die heute schon feststünde
Mir bleibt als Trost nur, dass sich auch DFC dem Erfolg der Arbeit von Matthias Mink vollkommen ausliefert – und im Misserfolgsfall deutlich mehr verlieren kann als ich. Ich kann eigentlich nur gewinnen, denn falls das System “Mink plus Geld für neue Spieler” doch greift, steigt die Fortuna vielleicht auf. Und wenn nicht? Mir hat’s auch in der Verbandsliga nicht so schlecht gefallen.
vonfashion: Die Torwartfrage
Der Fortuna-Style-Check mit vonjott
Mit großer Spannung erwartete ich die erste Show von NRW-Liga’s Next Topmodel im Südstadion. Der erste Eindruck: Gut dass wir nicht dem Vorschlag von DFC gefolgt sind, unsere Heimtrikots zu wechseln. Denn nur drei bekannte Gesichter waren unter den Fortuna-Models der Startformation, der Rest lauter Neuzugänge. Die nächsten Wochen heißt es also, Nummern und Namen lernen! Da es wenigstens bei dem bewährten rouge-blanche-en-vogue geblieben ist, habe ich eine reale Chance, bis zur Winterpause durchzublicken. Und ich muss mir keine Argumente aus den Fingern saugen, warum schlackeblau (was eine der vollkommen verrückten Farbideen der DFC-Führung war) irgendwie stylisch sein könnte.
Heute erhob sich also ein trendiges Rotweiß im Kölner Südstadion, um die Spitzenreiterposition in der NRW-Liga zu verteidigen. Gewonnen haben wir nicht, aber selbst die Aachener Mädchen haben kapiert, dass unser Auswärtstrikot absolut Granate ist. Sie versuchten, den Style zu kopieren, hatten aber das edle Gold mit Gelb ersetzt – und sahen billig aus. Tja.
Nun aber zum eigentlichen Kern des heutigen Fachbeitrags: Fortunas Torwart. Modelagentur Mink scheint auf Jonas Sela zu setzen, womit ich mich ganz und gar nicht einverstanden erkläre. Netter Junge, kann sicher was, aber! Sein Style hat meine neutral-sachliche Aufmerksamkeit zwar gefesselt, aber das ist nicht unbedingt gut. Denn das war kein atemloses Staunen, keine Bewunderung, sondern die Frage: Woran erinnert mich sein Kleid bloß?
Ganz klare Sache: Denkst du dir dazu einen Hut mit Feder, dann fehlt nur noch der Degen und fertig ist das Musketier. Die Haare, Bärtchen, dazu weiße Socken mit weißen Schuhen…. Hm hm hm. Und dann dieses Grün! Grün, da denk ich an Wald, an Förster, an Werder Bremen, aber nicht an Fußball! Sorry Jonas, daran musst du echt noch arbeiten.
Ja, ich bin parteiisch und unfair, und das darf und will ich auch sein, denn meine erste Wahl fürs Fortuna-Tor ist und bleibt ganz klar mein Lieblingstorwart Christopher Möllering. Der hatte schon im Freundschaftsspiel gegen die Werkself vom Autobahnkreuz gezeigt, was er drauf hat. Hip aussehen in neongrünblau, das schafft nur jemand mit genügend Selbstbewusstsein. Nach seinem Auftritt musste jeder mit ein bisschen Modesachverstand zugeben, dass er es echt drauf hat. Heute hat er, leider von der Mink-Model-Agentur nicht mit einer Sedcard ausgestattet, nur vor der Show zeigen können, wie casual professionelle Active Wear sein kann. Wieder hat mich die dezente Neonfarbwahl bezaubert: grellgrünrot an den Schuhen, der Rest Understatement. Das ist Fashion!
Auch die Körperbeherrschung wie immer eine Wonne: Mölle.
Ich möchte das Augenmerk der modeinteressierten Leserin abschließend auf die Performance eines ehemaligen Aachener Models lenken: Tibor Heber. Er hat es geschafft, sich aus dem fauligen Zweitvertretungssumpf von gelbschwarzer Modeverirrung und schlechtem Geschmack heraus zu kämpfen und spielt nun für die Sieger (der Herzen), für uns. Danke für deine Leistung auf dem Runway, lieber Tibor! Das Tor gegen uns im März 2009 hab ich schon längst vergessen. Rotweiß steht dir viiiiel besser als kartoffelkäfer. Besonders schön finde ich, dass du ja schon mal als Jugendlicher bei uns gespielt hast. Herzlich willkommen zuhause!
(von vonjott)
Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 0-1
Oh Gott! Ich bin in einer Zeitschleife gefangen! Es ist wieder Sommer 2009, und die NRW-Liga-Saison beginnt. Die Fortuna spielt auswärts erfolgreichen, teilweise sogar souveränen Konterfußball. Zuhause im Südstadion hingegen will so gar nichts gelingen. Die Mannschaft schafft es nicht, das Spiel zu machen, spielt zu wenige Torchancen heraus und verliert. Am Ende dann sitzen rotweiß gekleidete Spieler, als hätte eine höhere Macht sich gegen sie verschworen, frustriert auf dem Rasen rum, während sich im Hintergrund der Gegner abklatscht.
Sieht irgendwie alles bekannt aus, obwohl die Fortuna sich doch, dank einer satten Investition der Gesellschafter von Deinfussballclub, eine fast komplett neue Mannschaft zusammengekauft hat. In der Anfangsformation standen auch heute wieder acht neue Spieler. Bis auf drei Akteure ist also nur einer gleich geblieben: Matthias Mink, der bei den Fans heftig umstrittene Trainer. Und auch, wenn es mir fern liegt, nach zwei Spielen das Urteil über eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft zu fällen, waren die Parallelen zur vergangenen Saison heute unübersehbar.
Nach dem Spiel hieß es von offizieller Seite angeblich, die Fortuna sei in einem 4-3-3 aufgelaufen. Wer auch immer das möglicherweise angeordnet hatte, auf dem Platz sah es nicht danach aus. Da erkannte man in der Rückwärtsbewegung ein 4-2-3-1. Nur Chamdin Said blieb in der Offensive, Defensive und Mittelfeld rückten sehr eng zusammen, machten das Spielfeld flach, so dass das manchmal mehr nach einem 4-5-1 aussah, mit vielleicht 20 Meter zwischen den beiden Verteidigungslinien.
In der Vorwärtsbewegung rückte Hamdi Dahmani, hinter Said aufgeboten, oft weit nach vorne, so dass ein 4-4-2 mit offensiven Außen entstand, in der Mitte allerdings mit nur einem gelernten Stürmer.
Die Aufstellung (von links nach rechts): Sela – Canizales-Smith, Caspers, Habl, Bartsch – Schäfer, Ende – Ouedraogo, Dahmani, Glaser – Said.
Ich habe seit dem Schlusspfiff eine Weile überlegt, wie ich das Spiel beurteilen soll. Die Mannschaft ist neu, kann noch nicht eingespielt sein. Andererseits ist der Aufstieg das erklärte Ziel, Matthias Mink hat sich für acht neue Spieler entschieden und auf ein paar in der letzten Spielzeit bewährte Kräfte bewusst verzichtet, beispielsweise auf Kevin Kruth, Frank Schroden oder Christopher Möllering. Ich will nicht jede dieser Entscheidungen kritisieren, ich kann die Trainingseindrücke nicht beurteilen. Aber eine Mannschaft, die den Aufstieg zum Ziel hat, die hat keine Punkte zu verschenken, also werde ich sie sofort an ihrem Maßstab messen. Und wenn es also das Ziel ist, erster oder wenigstens zweiter Aufstiegskandidat zu sein, dann war dieses Spiel: ein verdammtes Scheißdebakel.
Nach vorne ging sehr wenig, nach hinten wackelte alles. Aachen machte zu jedem Zeitpunkt des Spiels den gefährlicheren Eindruck, alleine vor der Pause klärten Fortuna-Spieler drei Mal auf der Linie. Andy Habl ließ sich in der Innenverteidigung immer wieder austanzen, vorne dagegen versägte Chamdin Said die große Chance kurz vor der Pause, eine schlechte Hälfte vergessen zu machen, als er alleine auf den Keeper zulief. Nachdem Said sich schon im ersten Spiel in Kleve keineswegs als eiskalter Knipser hervorgetan hatte und Habl erkennbar nicht zurecht kam, war mir unverständlich, warum beide zur zweiten Halbzeit wieder aufliefen.
In der 62. Minute durfte immerhin Montabell für Said sein Glück versuchen. Doch erst als Tibor Heber in der 75. und Kevin Kruth unmittelbar nach dem Gegentreffer in der 83. Minute ins Spiel kamen, entwickelte die Fortuna so etwas wie Druck auf das Aachener Tor.
Das war natürlich viel zu spät, hätte aber sogar noch zum Ausgleich reichen können, wenn Kruth einen freien Kopfball nach weiter Flanke aus rund sieben Metern nicht am langen Pfosten vorbeigesetzt, sondern auf’s Tor gebracht oder quer gelegt hätte.
Eine kurze, etwas unschöne Szene folgte dieser: Denn wenn ich es richtig beobachtet habe, schimpfte Mannschaftskapitän Glaser nach dieser vergebenen Chance mit Kruth, der unwillig reagierte. Zwar hätte man aus der Chance mehr machen können, aber es kann in der Tat nicht sein, dass man einem fünf Minuten vor Schluss eingewechselten Spieler Vorhaltungen macht, wenn der die erste richtige Torchance nach längerer Zeit überhaupt für sein Team mit erarbeitet hat, selbst wenn er sie knapp vergibt
Ich will das nicht zu hoch hängen, aber man hört, dass die Kameradschaft in der Mannschaft vergangene Saison keineswegs so gut war, wie sie von manchem Spieler geschildert wurde, dass tragfähige Führungsstrukturen fehlten.
Bester Mann in der Elf der Fortuna war heute eindeutig Jonas Sela, der gleich ein paar 100%ige Chancen der Aachener vereitelte, indem er sich den Stürmern mutig entgegenwarf. Tibor Heber belebte während seiner kurzen Einsatzzeit das Spiel der Fortuna merklich. Stephan Glaser wirbelte auf der rechten Seite sehr einsatzfreudig, letztlich aber doch mit zu wenig Durchschlagskraft.
Im Rückblick scheint nur ein gigantischer Wolkenbruch, der Mitte der zweiten Halbzeit über Köln niederging, die schon länger fällige Führung von Alemannia bis kurz vor Schluss verzögert zu haben.
Unterm Strich ist klar: Es mus alles besser werden, und zwar schnell. Denn schon am nächsten Sonntag steigt das nächste Heimspiel, gegen den Aufsteiger VfB Homberg. Wenn dieses Spiel nicht gewonnen wird, dann könnte es eng werden für Mathias Mink. Aktuell läuft bei Deinfussballclub nämlich eine mitgliederinitiierte Abstimmung, ihn zu beurlauben. Die Abstimmung endet in der Woche nach dem Homberg-Spiel. Bislang, das hatte die Sport-Bild in ihrer aktuellen Ausgabe verraten, sind rund 50% der Stimmen gegen Minks Beurlaubung abgegeben worden. Das ist ein sehr schlechter Wert, denn bei den zwei bisher gelaufenen Abstimmungen über seinen Verbleib bei der Fortuna hatte er jeweils satte Mehrheiten von über 70% eingefahren. Dass die Zustimmung zu ihm gesunken ist, obwohl jeder weiß, dass eine Beurlaubung des Trainers zu Beginn der Saison sehr problematisch sein kann, lässt nachdenklich werden, zumal man erwarten kann, dass viele Mitglieder ihre Stimme erst kurz vor Schluss abgeben werden, um noch möglichst viele Eindrücke der Saison einfließen zu lassen.
Kleine Randanekdote: Trainer von Alemannia Aachen II ist seit dieser Saison Ralf Außem. Und just den hatte eine andere Mitgliederabstimmung in der Sommerpause vorgeschlagen, zur Fortuna zurück zu holen.
Alle meine Fotos auf Flickr. (Offizielle Spielfotos gibt es übrigens in dieser Saison nicht mehr.)
Sonnenstudiotussis dieser Stadt, gebt mir meine Öffentlichkeit zurück!
Ich muss definitiv wieder mehr bloggen, und wenn es nur ist, um die ganzen guten Stories nicht den anderen zu überlassen, die sich wie ich darum bemühen, einer bekannten Geschichte einen bedenkenswerten Aspekt abzuringen.
Das war mir gestern oder vorgestern schon bewusst geworden, als ich darüber stolperte, dass Mario Sixtus schon lesenswert darüber geschrieben hat, warum StreetView gut ist: Weil es nämlich dafür sorgt, dass die Öffentlichkeit weiterhin Öffentlichkeit bleiben, vielleicht sogar erst sein kann.
Ein interessanter Effekt des Netzes ist es, theoretische Rechte in praktische zu verwandeln. Das allgemeine Grundrecht auf freie Meinungsäußerung machte sich beispielsweise in der Pre-Netz-Ära sehr hübsch im Grundgesetz und in Sonntagsreden. Abgesehen von Flugblättern, Leserbriefen und Stammtischansprachen hatte der gemeine Bürger allerdings kaum eine Möglichkeit, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Das Netz hat nun dieses theoretische Recht in ein praktisches verwandelt. …
Mit dem öffentlichen Raum verhält es sich ähnlich. Sich frei durch Straßen und über Plätze zu bewegen ist unser aller gutes Recht und dazu gehört auch, die darumstehenden Gebäude anzuschauen. Wem das nicht passt, der kann sein Haus mit einem hohen Zaun oder einer Mauer umgeben. … Das Netz gibt uns nun in Form von Diensten wie Flickr-Maps, Panoramio, Sightwalk oder eben Street View die Möglichkeit, wenigstens virtuell auf Wanderschaft zu gehen, also endlich ausgiebig von unserem Recht Gebrauch zu machen.
Erst Street View und Konsorten machen den öffentlichen Raum wirklich öffentlich.
Ich möchte noch einen weiteren Aspekt hinzufügen. Denn es gilt nicht nur, die Öffentlichkeit des öffentlichen Raums zu verstärken, sie auf ein Niveau zu heben, das sie vielelicht shcon lange haben sollte. Nein, es gilt vielmehr noch, allen Bemühungen entgegen zu wirken, die dem öffentlichen Raum seine Öffentlichkeit nehmen wollen.
Vorhin führte ich den Hund meiner Freundin vor die Tür. Das Tier ist a) alt und b) Dackel, was in der Kombinaion dazu führt, dass hier mehr der Hund mit dem Frauchenvertreter spazieren geht als umgekehrt. Er schnüffelt ausgiebig hier und dort, guckt immer wieder, ob es wirklich weitergeht, wenn ja, in welche Richtung und dackelt dann gemütlich hinterher. Jedenfalls ist er langsam. Gar kein Problem für mich, ich bin ja kein hektischer Typ.
Doch dann kam der Moment, als ich vor dem Sonnenstudio zwei Türen weiter stand. Davor saß die Sonnenstudiowärterin auf einem Stuhl auf der Straße und telefonierte. Es ging um Privates, wer mit wem, und warum sie denn ihm nicht einfach gesagt habe, dass er dieses oder jenes bitte tun oder lassen könne. Ich stand auf der Straße, direkt vor ihr, wartete auf den Dackel und hatte das Gefühl, in die Privatsphäre der Sonnenstudiotussi einzudringen – bis mir schlagartig bewusst wurde, dass es natürlich genau umgekehrt ist: Wie kommt diese Frau dazu, mein Recht einzuschränken, mit dem Hund meiner Freundin langsam über die Straße zu gehen? Wie unverschämt muss man eigentlich sein, meine schöne Öffentlichkeit mit seinem unwichtigen Privatgedöns einzuschränken?
Es gab einen kurzen Moment, da hätte ich mir gewünscht, der Hund wäre vor ihr stehen geblieben und hätte ihr ans Bein gepinkelt. Wenn du dich so benimmst, als sei die Straße deine Wohnung, dann benehme ich mich eben so, als seist du eine Laterne.
P.S.: Das schon mehrfach erwähnte Buch zum Thema: How To Be Alone.
1. FC Kleve – SC Fortuna Köln 0-3
Saisonauftakt in der NRW-Liga. Die spannende Frage aus Sicht der Fortuna-Fans war: Hat sich die Mannschaft gefunden? Vor der Saison hatte Deinfussballclub, der Investor hinter der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft, ordentlich Geld in die Hand genommen. Mit einem Saisonetat, der in der Spitzengruppe der Liga liegt, wurden deutlich über ein Dutzend neue Spieler geholt: Der Aufstieg soll her, muss es aus Sicht der Investoren wahrscheinlich sogar. Jedenfalls ist er das erklärte Saisonziel, an dem auch der Trainer gemessen werden soll.
In der Startaufstellung gegen Kleve standen mit Alex Ende, Hamdi Dahmani und Kapitän Stefan Glaser gerade mal noch drei Spieler der letzten Saison. Die Vorbereitung hatte diese neu zusammengestellte Truppe praktisch komplett vergeigt: Bis auf das respektable 0-2 im Testspiel gegen die erste Mannschaft von Bayer 04 hatte es keine positiv erwähnenswerten Ergebnisse gegeben. Schlimmes dagegen ließ ein 0-5 gegen die U23 des Effzeh befürchten, das wohlgemerkt bei einem Turnier zustande kam, in dem jede Partie in nur einer Halbzeit ausgespielt wurde, und ein 0-1 im letzten Testspiel beim Landesligisten SC Worringen.
Heute aber, als es gegen Kleve um Punkte ging, sah das dann doch (über den DFC-Livestream) sehr, sehr ordentlich aus. In der Defensive konnte die Fortuna gegen die (allerdings nicht sehr heimstarken) Klever den Ball ein ums andere Mal erobern, indem sie Überzahl in Ballnähe schuf, auch wenn Kleve insgesamt keinen übermäßig gefährlichen Eindruck machte. Das schnelle Umschalten auf die Offensive gelang dann sehr gut, das Spiel in die Spitze folgte einem erkennbaren Schema: Steilpässe die Flügel hinab, dann Flanken auf die Stürmer. So sollte man es in einem 4-3-3 wohl spielen, das Matthias Mink in Halbzeit 1 aufführen ließ.
Die Tore fielen dann jeweils kurz vor Ende der ersten und zweiten Halbzeit nach dem Schema: Flügelspiel, flacher Ball in die Mitte, Tor. Das 2-0 war ein souverän verwandelter Elfmeter, nachdem sich Hamdi Dahmani mit in einer tollen Einzelaktion in gute Schussposition gebracht hatte, aber klar umgerissen wurde.
Unterm Strich ein verdienter Erfolg, der vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel. Aber wenn es der Mannschaft Selbstbewusstsein gibt, soll es mir recht sein.
Sehr spannend wird es sein, zu beobachten, wie die Fortuna in einer Woche zuhause gegen die U23 von Alemannia Aachen aussieht. Auch letzte Saison gab es auswärts viele Erfolge, wenn man den Gegner das Spiel machen lassen und ihn auskontern konnte. Mit dem Spielaufbau, zumal gegen konterstarke Mannschaften, tat sich die Fortuna dagegen schwer. Die Taktikumstellung vom 4-2-3-1 auf jetzt 4-3-3- oder 4-4-2 lässt aber hoffen, dass Matthias Mink dieses Problem analysiert und behoben hat. Ich werde im Stadion sein und anschließend berichten.
Bis dahin aber heißt es: Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!
Fünf nach zwölf zwei
Der Flugzeugbauer U.S. Aerospace soll von einem Bietverfahren ausgeschlosen werden. Es geht darum, Flugzeuge im Wert einiger Dutzend Milliarden (!) Dollar für die amerikanische Luftwaffe bauen zu dürfen.
Die Frist für die Abgabe der Angebote war Freitag, der 09. Juli 2010. Um 14 Uhr.
Eingegangen ist das Angebot bei der zuständigen Abteilung am 09. Juli 2010. Um 14:05 Uhr.
(U.S. Aerospace sagt, das Angebot sei um 13:30 Uhr auf dem Gelände der Luftwaffe gewresen, nur das Finden des konkreten Empfängers habe dann noch mal gedauert.)
Wenn ich sowas lese, denke ich mir immer: Alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf. Triffst du keinen Falschen.
Zum einen: Wie kann man so oberwahnsinnig sein und ein Angebot in Millardenhöhe auf die letzte Minute auszuliefern? Wenn ich in meinem Job ein Angebot für eine öffentliche Ausschreibung fertigstelle, dann lasse ich oft einen ganzen Tag Luft, wenigstens aber einige Stunden zwischen der vom Kurier garantierten Auslieferungszeit und dem Ablauf der Frist. Und da geht es um einige Nullen weniger vor der Komma.
Doch zum anderen: Welcher Beamte lässt sich für so ein Angebot eine Frist einfallen, die an einem Freitag um 14 Uhr endet? Wollte der zwischen 14 Uhr und dem Aufbruch ins Wochenende (vermutlich 90 Minuten später) schnell noch die eingegangenen Angebote checken und über ein paar Milliarden entscheiden? Wie willkürlich kann man’s bitte machen?
Und schlussendlich: Würde man als Auftraggeber wirklich ein möglicherweise besseres Angebot, das einem ein paar Milliarden Dollar spart, ausschließen, weil es fünf Minuten zu spät zugestellt wurde? Wenn ja, dann bitte ich darum, dass der Zuständige das den Steuerzahlern persönlich erklärt.
Und was würde überhaupt Eva Herman dazu sagen?
Ein niedlicher Gruß
Ich bin ja keineswegs alleine darin, ein großer Bewunderer der Kunst von Felix Reidenbach zu sein. Natürlich kenne ich ihn wegen seiner “Niedlichen”, die viele Jahre lang die letzte Seite der Spex veredelten (hier auf “20. Jahrhundert” klicken). Aber seine übrigen Arbeiten zeigen, dass die Niedlichen nur das philosphischste Werk eines tollen und kreativen Illustrators waren: http://www.2d3d4d.de/
Dennoch: Die Niedlichen vermisste ich jahrelang so schmerzlich wie täglich. Da war es schon ein wahrer Festtag, als zu Beginn dieses Jahres Reidenbach selbst bei mir im Blog kommentierte, dass die Niedlichen eine zeitgemäße Wiederbelebung erfahren: Unter www.dieniedlichen.de postet Reidenbach in unregelmäßigen (und viel zu großen) Abständen neue Erlebnisse der Niedlichen.
Natürlich war es auch Ehrensache, im neuen Niedlichen-Shop ein Exemplar der “Schlecht besuchten Elphilharmonie Hamburg” zu bestellen, das seitdem schon, sehr würdig gerahmt, meine Wand ziert und dem ich jeden Tag zulächle.
Seit Freitag allerdings habe ich etwas noch viel Tolleres. Denn meine Freundin hat erfreulich gut aufgepasst, als ich ihr von den Niedlichen vorschwärmte: Wie die gerade durch ihre durch Überabstraktion die dargestellten Situationen in völlig klarem Licht zeigen. Und wie sehr Felix Reidenbach mein Lebensgefühl trifft, eine leichte, freundlich lächelnde Entfremdung von der Welt.
Und so blieb sie vor zwei Wochen beim Cover von Hans Nieswandts neuem Buch hängen, als sie, Buchhändlerin, den Prospekt mit den KiWi-Neuankündigungen durchblätterte: “DJ Dionysos“. Das Cover war nämlich unzweifelhaft von Felix Reidenbach gestaltet! Ein neues Werk der Niedlichen! Ihrer spontanen Eingebung, dass das ein tolles Geschenk für mich sein könnte, folgte sie völlig zurecht, und so bin ich nach einem freundlichen Mailwechsel meiner Freundin mit Felix Reidenbach jetzt im sehr, sehr stolzen Besitz des voraussichtlich einzigen keilgerahmten Leinwanddrucks, den es von “DJ Dionysos” je geben wird, vom Künstler selbst bei der Druckerei in Auftrag gegeben und mit einem Echtheitszertifikat versehen. Mir gefällt besonders der Kontrast von Motiv und Medium.
Und wenn es jetzt noch irgendetwas von Felix Reidenbach geben könnte, das ich noch sehr, sehr gerne haben möchte, dann ist das genau der handgeschriebene niedliche Gruß, den Felix Reidenbach der Sendung beilegte, und den meine Freundin partout selbst behalten will. Ich würd’s nicht anders tun.
Noch ein paar mehr Fotos meiner Felix-Reidenbach-Werke: http://www.flickr.com/photos/surfguard/sets/72157624622928884/detail/
Macht Arbeit Spaß oder nicht Spaß?
Ich gebe ja ab und an Vorlesungen im Fach Projektmanagement. Meine Klausuren sind relativ einfach, wenn man bereit ist, die Inhalte der wichtigsten Folien zu lernen und bei der Vorlesung leidlich aufzupassen. Natürlich gibt es immer wieder auch Kandidaten, die einfach nicht lernen. Meist sind deren Klausuren eine relativ einfache, aber auch traurige Angelegenheit: Dann gibt es eben keine Punkte für die nicht oder vollständig falsch beantworteten Aufgaben(teile).
Aber noch nie hat eine komplett falsche Antwort mich so herzlich und durchaus wohlmeinend zum Lachen gebracht, wie die folgende.
Die Frage/Aufgabe lautete:
Erklären Sie, wie Frederick Herzberg einen „Motivator“ und wie einen „Hygienefaktor“ definiert! Was fand Herzberg über den Unterschied zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit heraus?
Die Antwort auf diese Frage lautete:

Das ist so weit neben der Frage, aber voll im Thema und hat gleichzeitig eine so banale Tiefe, fast Schwermut, dass ich mich wirklich schwer getan habe, keine Punkte zu geben. Außerdem kann ich mir nicht helfen, aber erinnert mich die Antwort ein bisschen hieran: http://www.youtube.com/watch?v=zmRwMFUweC0#t=02m52s
Hat jedenfalls meinen Tag gemacht.
Mein WM-Fazit: Close, but no cigar
In den letzten Tagen gab es vermehrt auch kritische Stimmen zum Verlauf dieser Weltmeisterschaft für die deutsche Nationalmannschaft. Karl-Heinz Förster bemühte sich um die Wiederherstellung des Rufs des deutschen 80er-Jahre-Vorstoppers, und im Guardian wurde das deutsche 4-2-3-1 als reaktiv und unkreativ gescholten.
Mein WM-Fazit fällt gemischt aus. Zum einen war es natürlich herzerfrischend, eine deutsche Mannschaft mit einem Mittelfeld voller Twentysomethings und ohne Platzhirsch zu sehen. Andererseits wurde mir um das Alter insbesondere von Bastian Schweinsteiger auch zu viel Aufhebens gemacht: Man sollte immer berücksichtigen, dass Schweini ja schließlich erst 25 sei. Ja, genauso alt wie Michael Ballack bei der WM 2002. Mit 25 sollte man eben auch schon was können, wenn man denn ein Großer werden will, was Schweinis Anspruch spätestens seit der Saison 2003/04 ist. Übrigens ist Schweinsteiger derselbe Jahrgang wie Andrés Iniesta, der auch in dem Alter, das Sami Khedira heute hat, schon deutlich mehr leistete.
Und die hohen Siege über Australien, über England und Argentinien waren natürlich Balsam für die Seele. Das 4-1 gegen England wird voraussichtlich noch sehr lange auf meiner Spielstandstasche stehen. Aber andererseits waren dies Siege gegen Mannschaften, die zu offensiv und teilweise taktisch minderbemittelt gegen uns antraten. Der Guardian weist zurecht darauf hin, dass in drei Spielen gegen defensiv gut organisierte Gegner (Serbien, Ghana, Spanien) der deutschen Nationalmannschaft genau ein Tor gelang, und das war ein perfekt getroffener Fernschuss.
Gestern gegen Uruguay konnte man sehen: Wenn Deutschland gegen einen mittelmäßigen Gegner Platz hat, dann fallen viele Tore, man gewinnt und sieht gut dabei aus. Wenn Deutschland aber gegen einen guten oder sehr guten Gegner antritt, dann tut sich die Mannschaft mindestens sehr schwer. So gewinnt man am Ende dann eben nichts.
Ich fasse es mal kurz: Deutschland muss aufpassen, nicht die Anna Kournikova des Weltfußballs zu werden.
Und da bin ich dann irgendwie am Ende auch bei Karl-Heinz Förster, der mit dem rumpeligsten aller deutschen Fußballstile in den 80ern zweimal im WM-Finale stand. Und das muss diese Mannschaft erst noch mal leisten. Ich traue es ihr zu, aber sie darf nicht zu selbstgefällig werden, weil sie ja ach so multikulti und ja so schön anzusehenden Fußball spielt. Der Verzicht auf einen Empfang am Brandenburger Tor ist deswegen ein guter Schritt.
GWCoaT?
Ich habe bewusste Erinnerungen an die Fußball-Weltmeisterschaften seit 1978. Die gedanken an ‘78 sind allerdings nur, dass ich für das Finale aufbleiben durfte und dass da unglaublich viel Papier auf dem Spielfeld lag. Von 1982 bekam ich die Schande von Gijón am Radio mit, an Halbfinale und Finale kann ich mich recht bewusst erinnern. Mit halbwegs erwachsenem Blick sah ich dann alle Weltmeisterschaften ab 1986.
Und ich muss wie viele andere sagen, dass diese Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht schon jetzt eine der besten aller Zeiten ist, aus den oft genannten Gründen.
Allerdings würde ich Italia Novante bislang doch noch über der laufenden WM einstufen. Warum? 1990 war die Mannschaft einfach so gut, dass wir alle vorher wussten, dass wir die Chance, Weltmeister zu werden, nutzen müssen. Alles andere als der Weltmeistertitel wäre, ohne jede Arroganz und jede Geringschätzung des Glücks, das man bei einer Weltmeisterschaft haben muss, eine Enttäuschung gewesen. Der Erfolgsdruck war also ungleich größer, die Mannschaft hielt ihm stand, und schlug auf dem Weg immerhin auch Holland, England und Argentinien.
Außerdem war damals der offizielle WM-Song natürlich ungleich viel besser.
Falls allerdings Deutschland am Sonntag tatsächlich Weltmeister werden sollte, bin ich bereit, Klinsi, Rudi, Litti, Andy, Icke, Bodo, Lothar, Auge, den Kokser, den Golfer und den deutschen Diego vom Sockel zu stoßen und mit den dann größeren Helden von 2010 zu ersetzen.
Aber ich will nichts beschreien und werde die Zeit bis Sonntag auf jeden Fall sehr genießen, fast egal, wie es kommt.



























